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Es regnet. Ich liege nur still in meinem Bett, wie ich es jeden Abend tue. Und ich warte. Doch es geschieht nichts... Der Regen prasselt gegen mein Fenster; Draußen tobt ein Sturm, welcher die Äste des Baumes neben meinem Fenster dazu bringt gespenstisch gegen das Glas zu schlagen. Ich habe aber etwas anderes im Auge, den Schrank. Seit Monaten ist mir bewusst, dass ES dort ist. Seit Monaten flehe ich meine Eltern an mir zu glauben. Sie sehen auch jedes mal in diesen Schrank, doch es passiert nie etwas. So wie jetzt. Nichts. Ich weiß, dass das Ungetüm, welches sich in der Dunkelheit versteckt da ist. Es lässt sich nur aus den Augenwinkeln schemenhaft erkennen. Im Spiegel steht es hinter einem und lässt sein Kratzen an Türen und Wänden erklingen, wenn du alleine bist. Das Wesen, welches im Schatten wandelt. Meine Augen fallen kurz zu, da ist es auch schon gewesen. Ich höre das Knarren der Schranktür, welche ich geschlossen hatte. Sie steht jetzt einen Spalt weit offen. Nichts geschieht, wenn ich hinschaue. Ist ist vielleicht schon aus dem Schrank heraus in eine andere Ecke des Zimmers geschlichen? Ich höre ein Kratzen hinter mir. Das Monster, Einbildung oder Ablenkung? Wenn ich mich umdrehe, hat es vielleicht die Chance aus seiner mittelmäßig bewachten Zelle zu entfliehen oder es ist schon draußen und befindet sich wirklich hinter mir und wenn ich mich umdrehe, dann... Ich widerstehe der Versuchung die tanzenden Schatten hinter mir auf Ungefährlichkeit zu überprüfen, auch wenn sich jede Faser in meinem Körper anspannt, mir der Schauer kalt über den Rücken läuft und das Gefühl ich würde beobachtet werden stärker wird mit jeder Sekunde... NICHT UMDREHEN! 

Da ich hab es gesehen, da hat sich doch etwas zurück in den Schrank gezogen. Ich habe mich richtig entschieden, doch werden meine Augen schon wieder schwer. Ein Kratzen. Ein Kratzen auf Holz. Ich verfluche mich selbst. Ich habe ihm die Möglichkeit gegeben näher zu kommen. Wie weit ist es wohl schon gekommen? War es ein Kratzen unterm Schreibtisch, unterm Stuhl oder gar unter meinem Bett? Ich warte. Nichts. Nur eine ohrenbetäubende Stille breitet sich aus. Eine Präsens direkt hinter mir, also ist es bis unter mein Bett gekommen. Ich bilde mir ein schon stumpfe Stiche in  meinem Rücken zu spüren. Es greift nach mir. Meine Decke wird schwerer, da sinkt eine Ecke langsam nach unten, besser wird gezogen. in diesem Fall hilft nur ein energisches, aber vorsichtiges zurück ziehen. Jetzt bin ich mir sicher, dass es mal wieder so nahe an mich heran gekommen ist. Mein Herz pocht schnell, doch das vergeht mit der Zeit. Es geschieht einfach nichts mehr. Wie immer. NICHTS. Bis ich einschlafe.

Der Wecker klingelt und ich wache auf. Der morgendliche Ablauf geschieht wie immer: Ich mache mich fertig, gehe in die Schule. Heute verabrede ich mich mit einem Freund zu einem Filmabend. Unsere liebsten Filme laufen nacheinander im Fernsehprogramm. Zu Hause erledige ich meine Hausaufgaben, Bedingung von meiner Mutter, dann darf ich über Tage woanders übernachten. Auch wenn ich nur eine Nacht bleibe, stört mich das nicht. Noch schnell meine Sachen gepackt und schon sitze ich bei meinem Freund auf dem Sofa. Alles läuft super. Die Filme sind spannend, seine Mutter hat die guten Snacks gekauft und ich hoffe ausschlafen zu können. Doch nachdem er mitten im Film einschläft, fängt es an. 

ES war an der Tür, ein stumpfes kaum wahrnehmbares klopfen. Das ist unmöglich! Es ist mir doch bisher nie irgendwohin gefolgt. Doch ich bemerke es, draußen in tiefster Nacht schleicht etwas umher. Sind alle Türen und Fenster verschlossen? Hat seine Mutter das gemacht oder sollten wir das übernehmen? Ich kann mich nicht mehr erinnern. Soll ich im Dunkeln durch das Haus, an den Schatten vorbei, in größter Eile und Bedrängtheit nicht meiner Angst erliegend nachsehen gehen? Nein, es wäre nicht schlau. Ich ergäbe, so ungeschützt, ein viel zu großes Angriffsziel und würde meinen Freund alleine lassen. Bisher ist noch nie etwas geschehen. Es passierte bisher Nichts... Könnte beruhigend sein, wenn nicht dieses Gefühl bestehen bleiben würde, dass genau heute der Tag gekommen ist. Ich höre etwas durch das Haus schleichen. Es hat seinen Weg gefunden. Ich versuche gelassen zu bleiben und zappe durch die verschiedenen Fernsehsender; Wiederholungen, Dauerwerbesendung, es kommt näher, Shoppingkanal, Sport, es ist genau hinter mir, AstroTV. Ich bleibe dort stehen. Das flackern des Fernsehers vergrößert die Schatten an den Wänden. Mein Puls beschleunigt sich. Es sind zu viele. Ich versuche mich auf den Fernseher zu konzentrieren, bewege mich nicht und spüre wie ich beobachtet werde. Wieder das Bedürfnis mich umdrehen zu müssen, auch wenn es sich so anfühlte als ob etwas vorbei an meinen Haaren streift und sich langsam versucht auf meine Schulter zu legen... Wäre ich alleine, hätte ich es vor Angst nicht mehr ausgehalten,  aber ich bin es zum Glück nicht. Es wäre ihm zu riskant. Mein ahnungsloser Freund schläft nur leicht. Ich halte es die gesamte verbleibende Nacht mit der Furcht  vor dem Fernseher aus, hellwach, denn diesmal war ich nicht alleine in Gefahr.

Nun ist mein Freund auch aufgewacht. Wir essen gemeinsam Frühstück und ich muss mich entschuldigen, dass ich doch schon früher los muss. Etwas erledigen. Auch wenn ich diese Nacht nicht viel von dem Dreck im Fernsehen mitbekommen habe, einiges hat sich doch eingebrannt. Dinge haben nur Macht über uns, wenn wir es zulassen. Ein Versuch ist es wert, wenn es funktioniert, dann schaffe ich es nicht mehr in dauernder Angst leben zu müssen. Ich sitze in meinem Zimmer, halte die Augen geschlossen. Es macht mir nur so viel Angst, weil ich es zulasse, wenn ich es weniger beängstigend mache, dann hat es auch keine Macht mehr über mich. Bisher ist nie etwas geschehen. Es hatte nichts getan und genau diese Unwissenheit belastet mich. Einfach nur zu warten... Aber zurück zu meinem Plan. Zu allererst brauche ich einen Namen, Dinge die Namen haben sind weniger gruselig als das Unbekannte. Ich überlege bis es mir einfällt ... Flopsy, so hieß mein Plüschhase. Vor einem Flopsy kann ich keine Angst haben. Jetzt noch ein Problem. Was will es von mir? ... Es gibt etwas, dass alles auf dieser Welt folgt, die Erhaltung von der Art, der Energie und allem Sein auf der Erde. Und dies geschieht in den häufigsten Fällen durch Nahrung. Es sind schon öfters Essensreste aus meinem Zimmer verschwunden. Nur jemand, der naiv ist, würde glauben, dass seine Mutter das weggeräumt hat. Und als Nahrung zu Enden bereitet einem große Furcht. Das heißt, wenn ich Flopsy füttere, falle ich als Beute weg und habe hoffentlich eine Sorge weniger. 

Die Wochen verstreichen... Flopsy wird Nachts immer ruhiger. Ich muss zwar etwas von meinen Mahlzeiten abgeben, aber jedesmal verschwinden meine Opfergaben über die Nacht und ich kann seelenruhig schlafen. Bis jetzt...

Es ist wieder Nacht. Ich bin alleine, da meine Eltern übers Wochenende verreist sind. Ich will gerade einschlafen, als plötzlich ein Geräusch aus dem Flur kommt. Ich versuche es zu ignorieren, doch es wird lauter. Das kann nicht sein! Es ist ZU laut. Ich schrecke hoch. Mein Puls rast schneller, als ich es je in Erinnerung hatte. Wieder ein Poltern. Was es auch ist, auf jeden Fall nicht Flopsy, dafür ist es zu laut. Es kommt näher. Wie unter Zwang stehe ich auf, nachsehen was diesen Lärm verursacht, während ich mir wünschte es wäre doch Flopsy. Doch kaum stehe ich auf dem Flur, werde ich gegen die Wand gedrückt und mein Mund wird zugehalten. Ein Mann. Ein fremder menschlicher Mann aus Fleisch und Blut! Ich habe ihm nichts entgegenzusetzen. Ich zittere nur vor Angst. Was wird er mir antun? Ich kann und will es mir nicht vorstellen. Er sagt etwas, doch ich verstehe keines seiner Worte... Ein leises vertrautes Geräusch hat mich in seinen Bann gezogen. Aus meinem Zimmer diese vertrauten Töne zu hören, erfüllt mich mit einem ruhigen wohligen Gefühl. Auch wenn ich merke, dass dieses fremde Monster meinem Körper Schmerzen zufügt, bleibt mein Blick in mein Zimmer gerichtet, auf meinen Schrank und die Tür, welche sich langsam öffnet. Ich erkenne nichts genaues, doch ein leichtes Lächeln setzt sich auf meine Lippen. Ich schaue nun diesen Fremden an. Mein Lächeln wird breiter, als ich mir sein Gesicht einpräge. Dann erlebe ich seine letzten Momente der Unaufmerksamkeit mit.

Die Polizei schaffte die Leiche des Mannes aus dem Haus. Sie wies Kratzer und Bissspuren am ganzen Körper auf. Letztendlich starb er, als er die Treppe herunter fiel.

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