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Es war ein verregneter Sommertag, nicht unüblich in unserem Dorf. Also beschloss ich, wie immer, mich hinein zusetzen und Fern zusehen. Ich hörte den Regen gegen das Fenster rieseln und wie der Wind durch die Bäume raschelte. Ich machte den Fernseher lauter, in der Hoffnung, dass dieser den Lärm von außen übertönt. Nach einer Weile wurden meine Augenlider immer schwerer und ich fand nicht genug Kraft, um mich in mein Bett zu schleppen, also beschloss ich mich in meinen Sessel einzukuscheln und ich schloss die Augen. Der Lärm wurde immer leiser und das Fernseherlicht immer dunkler. Als ich plötzlich aufwachte. Ein Alptraum, wie schon oft.

Meine Schwester, sie ist vor zwei Jahren verstorben, im Alter von 12 Jahren. Ich erinnere mich so gut an ihr Lachen und ihr Lächeln, wenn sie mich ansah. Sie liebte es zu schaukeln, nur sie hatte nie wirklich Freunde und verbrachte eine Menge der Zeit mit ihrem Teddy. Sie nannte ihn John. Er war ein gewöhnlicher brauner Teddy, er hatte nur einen Makel, ihm fehlte ein Auge. Ich habe ihr damals einen Knopf statt einem Glasauge hineingenäht. Sie verstarb, als wir eine Straße überqueren wollten. Sie war an meiner Hand, als plötzlich ein Auto aus dem nichts sie von meiner Hand wegriss und sie noch einige Meter von mitzog. Ich war erstarrt und ihr Teddy wurde von einem Reifen des Autos mitgeschleift. Sie hatte so schöne schwarze Haare und konnte so schöne Gestiken mit ihrem Mund machen. Ich rannte sofort zu dem Auto, welches es nach gefühlten 20 Metern schaffte, zu bremsen. Er überrollte einmal ihren noch so unausgeprägten Brustkorb und brach ihr alle Rippen und zog einen Teil des Dickarms mit. Sie war nicht wieder zuerkennen, wie sie da lag, breite offene Augen und einen verrückten Mundausdruck, als ob sie es erwartet hätte. Diese Bilder werden mir nie wieder aus dem Kopf gehen.

Auf jeden Fall war dieser Unfall ein häufiger Bestandteil meiner Träume und ich konnte ihren Tod nie verkraften. Es war noch sehr früh und es lief ein Horrorfilm im Fernseher. Der Wind und der Regen wurden stärker und der Fernseher erschien mir leiser, als vorher. Ich hörte ein leises Poltern im Keller meines Hauses. Oft hörte ich dieses Geräusch, doch ich schaffte es, es immer wieder zu ignorieren, nur diesmal schien es mir so, als ob ich nachsehen müsste. Ich ging in die Küche und holte mir eine Taschenlampe aus dem zweiten Fach und schaute, ob sie funktionierte und sie tat es. Also ging ich durch das Wohnzimmer mit einem letzten Blick auf den Fernseher. Der Film, welcher lief, hieß allem Anschein nach „The Ring“. Ich machte mir nicht viel aus diesem Titel und drückte auf den Lichtschalter und schaltete den Fernseher aus. Ich ging weiter zu der Tür, die in den Keller führte. Es war eine sehr dünne Holztür, wodurch man selbst die Wasserleitung arbeiten hören konnte, wenn man den Wasserhahn in der Küche betätigte. Dieses Geräusch, was ich sehr oft hörte, hätte jedes mal irgendwelche Tennisbälle sein können, da ich sehr viele von ihnen besaß. Ich bin ein leidenschaftlicher Tennisspieler und habe mir sehr oft als Ziel gesetzt, es meiner Schwester beizubringen. Ich ging auf jeden Fall nie von etwas aus, was sich bewegen kann, bzw. von etwas Lebendigem. Ich war lange nicht mehr im Keller gewesen und schaltete die Taschenlampe an und leuchtete die Treppe hinunter. Es war eine alte Holztreppe. Jeder Schritt knarrte. Sie war sehr alt. Schließlich gehörte das Haus meinen Eltern, bevor sie, naja, verstarben... Ich war nun 27 Jahre alt und hatte so gut wie nichts, also kümmerte es mich nicht, ob doch etwas die Treppe hinunter auf mich warte. Mein Adrenalinspiegel stieg dennoch bei jedem Schritt, den ich nach unten tat, ein Gefühl welches ich lange nicht mehr gefühlt hatte, ein Gefühl der Kälte. Ich kam am Ende der Treppe an und mir lief ein Schauer über den Rücken, der Keller, er erschien mir so riesig und so leer. Es waren nur ein paar Kartons und der weiße Lichtschalter ragte aus der Dunkelheit hervor. Ich brauchte ein paar Minuten, um mich an die Dunkelheit zu gewöhnen.

Auf einmal erklang ein leises Kichern und die Tür oben am Anfang der Treppe schloss sich mit einer unnatürlichen Geschwindigkeit. Der Schall, welcher durch die Tür erklang, schallte durch den ganzen Raum und ich lies vor Schreck die Taschenlampe fallen. Sie rollte weg von mir, ich bückte mich schnell mit zittrigen Händen und suchte in der Dunkelheit nach dieser verfluchten Taschenlampe, doch sie schien wie vom Erdboden verschluckt. Grade als ich die Suche nach ihr aufgeben wollte und aufstehen wollte, hörte ich ein Atmen. Es wurde immer schneller und je mehr ich nach oben schaute, wurde es lauter. Es kam immer näher und es fraß sich immer mehr in meinen Kopf, ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Ich schaute zum Lichtschalter, er leuchtete noch heller als zuvor und er erschien mir als die letzte Lösung, während sich das Atmen immer schneller und lauter in meine Gedanken einfraß. Ich wollte rennen, doch ich konnte nicht, zuviel Angst bekam ich bei dem Gedanken in etwas hinein zu laufen. Irgendjemandem in die Arme zu rennen. Zu stolpern und mir etwas zu brechen. Also suchte ich mich einer Hand nach der Wand, während ich mir mit der anderen mein linkes Ohr zuhielt. Ich tastete jeden Schritt die Wand ab und wurde von Schritt zu Schritt vorsichtiger.

Plötzlich verstummte das Atmen und ich war erleichtert, auch wenn nur für ein paar Sekunden. Ich schaute auf den Boden und meine Augen fingen an, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen und ich schaute mit aufrechtem Blick nach vorne. Es wird schlagartig für eine Sekunde hell, schneeweiß, zu schnell, als das ich es hätte genau beschreiben können. Nun, ich blieb für einige Sekunden stehen und starrte auf den Boden, während meine Hand an der Wand immer schwitziger wurde und ich immer mehr anfing zu schwitzen. Mein Herz, es pulsierte bei dem Gedanken, wieder nach vorne zu schauen. Es ist ruhig, ich kann nur mein eigenes Atmen wahrnehmen. Nach wenigen Minuten musste ich nach vorne schauen und ich sah etwas Grauenvolles. Ein roter Fleck auf dem Boden am Ende des Raumes fiel mir in die Augen und ungefähr einen Meter darüber sah man einen schwarzen Schleier, er war dunkler, als die Dunkelheit in diesem Raum, er reichte bis kurz vor die rote Pfütze. Ich erstarrte und hielt den Atem an, während ein Kichern aus dieser Richtung zu mir schallte. Es bewegte sich auf mich zu, langsam, und es machte keine Schrittgeräusche, sondern Schleifen. Nach gefühlten fünf Minuten stand ES dann vor mir und ich erkannte, was das Schleifen darstellte. Und ich erkannte, was ES war.

Es war kein geringerer Mensch als meine verstorbene Schwester, diese Haare, dieser Duft und den Mundwinkel, welchen man sah da sie geneigt auf Boden schaute. All das waren die Merkmale meiner Schwester, welche ich nie vergessen werde. Sie stand nun ungefähr ein Meter vor mir und ich erkannte nun die Ursache für das Schleifen. Es war der Dickdarm, welcher aus ihrem Bauch auf den Boden hinab hing. Sie schaute ruckartig zu mir auf und schrie, wie als wenn sie Schmerzen erleiden würde. Ich bekam Gänsehaut und dachte, dass ich sterben würde, dass es nun vorbei wäre. Sie Schrie ungefähr fünf Sekunden, während ich wegrennen wollte, doch ich konnte nicht. Sie Schrie mir genau in mein Gesicht und ich konnte ihr Gesicht sehen, es war komplett entstellt, ein Auge war zugenäht mit einem Knopf und ihr Grinsen war so breit und mit Blut verschmiert. Plötzlich war sie fort und es war ruhig, ich hatte Angst, mich umzudrehen, zu Recht. Ich schaute nach unten und sah etwas Braunes. Ich bückte mich und griff danach, als ich erkannte, dass es John war. Der Teddy meiner Schwester. Ich tastete ihn ab und fühlte den Knopf in seinem Auge nicht, sondern etwas Schleimiges und es roch verfault, ich konnte es nicht erkennen. In dem Moment, als ich mich wieder aufrichten wollte, stoppte ich und ich hörte dieses Atmen in meinem rechten Ohr und es wurde von Sekunde zu Sekunde immer lauter und es kam immer näher.

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