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Das fahle Licht des Mondes beleuchtete die Ruine vor uns. "Hier soll es gewesen sein..." Ich hielt die Dokumente in der Hand, die nach dem Tod meines Vaters in seiner Wohnung gefunden worden waren. In ihnen war auch von genau dieser Ruine die Rede. Und von ihr...

Etwas ängstlich blickte ich meinem Freund entgegen, der sich bereit erklärt hatte mit mir zu kommen. Wir wollten sehen, was mein Vater damals vor 20 Jahren getan hatte und was ihm vor 16 Jahren zum Verhängnis wurde. Ich konnte nie mit dieser Vergangenheit abschließen, aber jetzt war es an der Zeit. Ein 31-jähriger Mann konnte nicht so in der Vergangenheit leben, zumindest sagte meine Frau dies immer. Also hatte ich nun den Mut gefasst hierherzukommen. "Was, wenn sie da ist?", fragte mich mein Freund unsicher. Auch wenn mir Zweifel kamen ob das hier so gut ist, sollte er es nicht merken und bekam nur ein: "Denkst du denn, sie lebt noch?", als Antwort. Daraufhin zuckte er mit den Schultern und so gingen wir beide langsam in die Ruine. Jeder von uns wusste, dass der andere Angst hatte, und keiner von uns wollte sich seine Angst anmerken lassen. Wir waren ja keine 14 mehr.

Die Taschenlampe beleuchtete den dunklen Flur, in welchen wir jetzt traten. Die Wände waren total zerkratzt und die Decken auch. Auf dem Boden allerdings fehlten jegliche Spuren von Kratzern. Ich schluckte ging aber weiter, an unzähligen Türen, welche billig gesichert waren, vorbei. Einfache Riegel vor Metalltüren mit Gitterfenstern. Wir beide wussten genau, dass das hier nicht war wonach wir suchten, so kümmerten uns die Türen nicht. Die kleinen Plaketten zeigten einfache Nummern und darunter noch einfachere Namen. Das, wonach wir suchten, würde mehr gesichert sein, da war ich mir sicher.

Nach Stunden des Herumirrens kamen wir an einen Flügel, an dem besonders viele Kratzspuren waren. Eine sehr massive Stahltür war aufgebrochen worden, und als wir durch diese gingen wusste ich sofort, dass wir richtig waren. Die Kratzer schienen als hätte, was auch immer sie verursachte, Blut an den Händen gehabt. Irgendwann kamen wir an dem ersten Skelett vorbei. Mir lief ein eiskalter Schauer über den Rücken, als ich bemerkte, dass manche Knochen angenagt waren. "Lass uns schnell weiter...", das musste mein Freund mir nicht zweimal sagen. Meine Schritte beschleunigten sich, sodass ich fast schon rannte, und er mit mir. Schließlich kamen wir an den OP-Räumen vorbei. Ich sah rein, nur um festzustellen, dass es genau das war, was in den Dokumenten beschrieben wurde.

"Sie ist Wirklichkeit", erst als ich es aussprach, wurde mir bewusst, WAS das bedeutete. Total blass ging ich weiter, in den Raum, in dem sie zuerst gehalten wurde. Alles war noch unverändert. Die Schranktüre stand leicht offen, und als ich mich neben meinen Freund aufs Bett setzte sah ich einen Zipfel langen, weißen Haares heraushängen, bevor sich die Türe langsam öffnete...

Ein dürrer Arm streckte sich heraus, mit langen und dünnen Fingern an den Händen. Die Krallen waren blutverschmiert, aber was danach kam war viel erschreckender. Langes, weißes, dünnes Haar, welches ein eingefallenes Gesicht mit großen, irre starrenden milchig roten Augen umrahmte. Der Mund von ihr war zu einem Lächeln verzerrt, welches beim besten Willen nur noch als absolut hilflos geisteskrank einzuordnen war. Âme setzte die Hand auf dem Boden ab, meinen Freund anstarrend. Dann schob sie langsam ihren Körper nach, abgemagert, mit hervorstechenden Rippen und blutbefleckt. Genau wie in allen Beschreibungen...

Nun saß sie in der Hocke auf dem Boden vor dem Schrank, wir beide waren wie paralysiert. Nach endlosen, quälenden Sekunden fing mein Freund an zu schreien, was sie aufzuregen schien. Sie rannte in ihrem Kriechgang auf ihn zu und stürzte sich auf ihn. Sie biss in seine Kehle, der Schrei verstummte augenblicklich. Das löste mich irgendwie aus meiner Schockstarre und ich sprang auf. Echt hoffend, dass sie mich nicht bemerkte, rannte ich raus, während sie die Leiche meines Freundes verspeiste. Der Gang kam mir dunkler vor, selbst mit Taschenlampe, und als ich es knacken hörte, schaltete ich diese auch aus. Ich rannte, aber meine Schritte wurden immer langsamer, so kam es mir vor. Ich wusste, dass ich nicht viel Zeit hatte.

Nach gefühlten Stunden kam ich mit schmerzenden Beinen und röchelndem Atem in einem langen dunklen Gang an. Er war durch eine Tür von dem abgetrennt gewesen, durch den ich zuerst rannte, doch ich erkannte ihn. Es war der Gang zum Ausgang! Kurz atmete ich tief durch, als ich ein leises Kratzen vernahm. Mein Blick wanderte durch den Gang, obwohl er zu dunkel war um etwas zu erkennen. Vorsichtig ging ich nun zum Ausgang, an dem nichts weiter waren als blutige Kratzer. Mit der Gewissheit gerettet zu sein, wollte ich die große Metalltüre öffnen, doch sie war verschlossen. Hinter mir ertönte ein Fauchen, ich drehte mich um und blickte in ihr Gesicht...

"Hilf mir endlich!" Ein unfassbarer Ausdruck von Hilflosigkeit und Trauer erschien auf dem Gesicht des Monsters, bevor es auf den Mann zu kroch. In letzter Panik versuchte dieser zu fliehen, doch es gelang ihm nicht, sodass er hilflos mit ansehen musste, wie sie langsam seine Gliedmaßen abnagte. Der Schrei verlor sich in den langen Gängen der ehemaligen Forschungsanstalt und durch einen einzigen Biss verstummte er. Âme blieb alleine und einsam auf seinen Knochen sitzen. "Ich hasse mich...", flüsterte der letzte menschliche Teil in ihr, bevor sie ihren mit Blut beschmierten Kopf gegen die Wand hämmerte, um sich endlich zu erlösen.

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