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Bibliotheks-Tetralogie: Teil 2

Dass ich die Tastentöne meines Smartphones nicht ausstellte, hatte eigentlich keinen bestimmten Grund. Ich war nur zu faul, die Einstellung zu ändern. Jetzt, in dem stillen Warteraum der Sozialhilfestelle der Stadt, bereute ich das. Aber meine Schwester bestand schon immer auf zügige Antworten. Auf den Stress später zuhause hatte ich wirklich keine Lust.

Ich gab die Einkaufswünsche und anstehenden Arbeiten der Wohnung routiniert an sie weiter. Immer wieder ploppten ihre Ergänzungen der Liste unter meinen Nachrichten auf. Jedes Mal verzog ich unwillig mein Gesicht. Konnte sie das nicht alleine? Sie hat doch jetzt Ihren eigenen Wagen.

Die bösen Blicke der anderen Wartenden versuchte ich zu ignorieren, gelingen wollte mir das nicht. Immer wieder dachte ich, ich sollte vielleicht eine gelegentliche Entschuldigung murmeln, ließ es aber bleiben. Jeder hier hatte seine eigenen Probleme und ich wollte nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf mich lenken.

Ich musste neues Geld beantragen. Mein Vater, bei dem ich und meine Schwester wohnten, konnte nicht immer selbst hier hin. Er hatte einen Arbeitsunfall vor fast zehn Jahren gehabt. Seitdem konnte er nur unter großen Schmerzen laufen und blieb für gewöhnlich in seinem abgedunkelten Zimmer unserer kleinen Wohnung. Die meisten Schmerzmittel hauten ihn ziemlich aus den Socken, er wurde lichtempfindlich und oftmals gereizt. Nie gewalttätig, um Himmels Willen. Aber eben sehr maulig, hatte an allem etwas auszusetzten. Obwohl er eigentlich kaum konnte, bestand er darauf, die Hausarbeit zu übernehmen.

Ich überlegte, welche Route ich nach Hause nehmen sollte. Der Aldi, dann Lidl, Netto und schließlich nochmal zu Rossmann. Tampons. Großartig, dachte ich genervt bei mir. Auch das noch. Ich hasste es, solche Hygieneartikel für meine Schwester zu besorgen. Diese Vorgänge im weiblichen Körper sind mir seit dem Biologieunterricht und den ständigen, zyklischen Wutausbrüchen meiner Schwester in das Gehirn gebrannt. Aber meine Güte, das sind Dinge, die ein Mann nicht wissen will! Ich weiß nicht, ob das normal ist, diese Abneigung gegen diese unschönen Vorgänge zu entwickeln, aber anscheinend bin ich da nicht der Einzige. Fast alle in meinem Freundeskreis stimmten mir bei dem Thema zu. Wir Männer wissen um die Probleme der Frauen, wollen sie aber nicht thematisieren.

Danke, Schwesterherz, für die Erinnerung. Ein verrückter Hund von Freund brachte bei jedem Mal, wenn wir uns trafen und seine Freundin wieder schlecht gelaunt war, den gleichen dämlichen Spruch:

„Traue niemals einer Kreatur, die ohne ersichtlichen Grund anfängt zu bluten.“

Er war nicht die hellste Kerze auf der Torte, aber ein herzensguter Mensch mit einem sehr unangebrachten Humor. Ich sollte ihn vielleicht mal wieder besuchen.

Die Schlange vorm Wartetresen wurde kürzer. Mein Name, oder vielmehr der meines Vaters, würde bald aufgerufen werden. Ich schickte noch ein lustiges Katzenbild an meine Schwester, gab ihr zu verstehen, dass ich alles besorgen und erledigen würde und mich jetzt langsam mal anderen, wichtigeren Dingen widmen musste, als ihr zu schreiben.

Mit einem Stapel Formulare in diesem furchtbaren Beamtendeutsch geschrieben unter dem Arm, verließ ich eine halbe Stunde später die Sozialstelle. Das wird eine ekelhafte Plackerei, den Kram mit meinem Vater durchzugehen, dachte ich und merkte, wie ich wieder genervt wurde. Ich trat meine Zigarette aus, als ich in der Nähe des Stadtparks war.

Der Parkplatz, auf dem ich für gewöhnlich meinen Wagen stehen ließ, wenn ich in dieser Ecke der Stadt war, lag auf der anderen Seite. Die Sonne war brütend und ließ die erbarmungslose Hitze ungefiltert auf meinen rotblonden Kopf scheinen. Eingecremt hatte ich mich natürlich nicht.

Fünf Minuten diese Sonne und ich bekomme einen gepfefferten Sonnenbrand, der mich dann für die nächsten vier Tage ärgern würde. So hielt ich mich im Schatten der Bäume.

Da bemerkte ich ihn wieder. Den verrückte alten Mann, den ich seit zwei Wochen in dem Park rumlungern sah. Er lehnte, mit der Brust vor und zurückwippend, unter einem der kleineren Bäume am Rand. Jedes Mal grinsend auf sein Buch starrend, leise gackernd, murmelnd und gelegentlich fiepsend auflachend. Ich schüttelte den Kopf. Irre. Völlig Irre. Wenigstens keiner dieser Junkies, die sonst hier ihr Unwesen treiben. Selbst diese schienen den Mann zu meiden. Seit er aufgetaucht war gab es keinen mehr hier, der einen auf irgendwelche Pillen oder rauchbares Kraut ansprach. Hatte also doch sein Gutes.

Mein Auto war aufgeheizt wie ein Backofen. Prustend riss ich alle Türen auf und wartete erst einmal ein wenig, bis die Luft aus dem Wagen gewichen war. Währenddessen zündete ich mir noch eine Zigarette an, stellte mich unter einen Baum, zwei Meter vom Auto entfernt. Ein bisschen paranoid sah ich in alle Richtungen. Nicht, dass doch jemand auf die Idee kam, meinen grünen Opel Astra zu stehlen. Ich befürchtete das nicht wirklich, die Rostlaube will doch keiner haben. Nicht mal geschenkt. Aber ich war eben ein Mensch, der mit allem rechnete.

Die Asche von meinem Shirt klopfend, stieg ich ein. Drehte die Fenster runter, startete den Motor. Ein bisschen widerwillig rappelte die Maschine, schien nicht wirklich Lust auf die Einkaufstour zu haben. Geht mir auch so, dachte ich. Legte den Rückwärtsgang ein und wollte gerade fahren, als ich im Seitenspiegel etwas Glänzendes im Gras hinter meinem Auto sah. Ich ließ den Motor an, nahm den Gang raus, zog die Handbremse an und stieg aus.

Das reflektierende Licht war nur aus einem bestimmten Winkel im Spiegel zu sehen. Als ich ausgestiegen war, konnte ich es nicht ausmachen, wusste aber, wo ich zu suchen hatte. Als ich ein bisschen Unkraut beiseite geschoben hatte, sah ich ein kleines,  rundes, silbrig glänzendes Metallstück unter einem Löwenzahnblatt. Ähnlich einer Münze oder Medaille. Etwas kleiner als eine Handfläche. Ich rieb die trockene Erde ab und sah sie mir genauer an. Ein Gesicht war im Profil darauf geprägt. Ein bisschen an die alten Griechen oder Römer erinnernd. Es lächelte. Was oder wer genau? Keine Ahnung. War ja kein Profi auf dem Gebiet. Die Rückseite hatte das gleiche Gesicht. Nur, dass es wütend schien. Sonst Nichts. Keine Schrift, keine Widmung, kein Zahlenwert.

Sie war erstaunlich schwer. Nicht wie die Euromünzen oder einfache Blechmedaillen von Sportwettkämpfen. Ist vielleicht was wert, dachte ich, steckte sie in meine Hosentasche und setzte mich wieder ins Auto.

Nach zwei Stunden einkaufen, von denen ich mindestens zehn Minuten wie ein Trottel vor dem Tamponregal gestanden hatte, da ich vergessen hatte, welche Größe meine Schwester haben wollte und sie mir gefühlte Ewigkeiten keine Antwort schrieb, kam ich nun also endlich wieder zuhause an. Die Einkäufe wegsortierend, meiner Schwester einen Vortrag haltend, dass sie auch mal wieder das Einkaufen übernehmen könnte, was in einer hitzigen Diskussion endete, dass sie schließlich auch arbeiten müsse und ich mit meinem Halbzeitjob für dergleichen Aufgaben wesentlich mehr Zeit habe. Gefolgt von meiner Argumentation, dass ich schließlich mit Papa die Hausarbeit und Behördengänge erledigte. Unentschieden.

Der Fernsehabend verlief dann wesentlich gesitteter und wir hatten uns wieder vertragen. Ich spielte geistesabwesend mit der seltsamen Münze, bis meine Schwester mich schließlich darauf ansprach und sie ebenfalls in Augenschein nahm. Sie zucke die Schultern und meinte, ich sollte die mal zu jemanden bringen, der sich damit auskennt. Vielleicht kann man das Ding ja zu Geld machen.

Nach meiner Arbeit also zog ich am nächsten Tag durch die Ladenstraße und versuchte ein Geschäft zu finden, welches mir mehr zu meinem Fund sagen könnte.

Zuerst ein Leihhaus. Ich hatte die Münze auf den Tresen gelegt und sofort wandelte sich das Gesicht des Pfandleihers zu einen puterrotem Gebilde, welches mir gleich mit dem Vorwurf von „heißer Ware“ an den Kopf warf. Ich steckte die Münze sofort wieder ein, bedanke mich dennoch und verließ fluchtartig das wühlige Geschäft. Die Juweliere, zu denen ich das Kleinod nun brachte, schienen gänzlich anderer Stimmung zu sein. Mit heller Begeisterung  vermaßen, wogen und prüften sie das Stück, beinahe zwanzig Minuten lang.

Es bestand aus einer Silberlegierung. Welche genau, war nicht zu ermitteln. Unglaublich hart und ohne Gebrauchsspuren. Das Alter war ebenfalls nicht zu ermitteln, aber aufgrund des unbekannten Materials musste es eher neu sein, da es früher keine Möglichkeiten gegeben habe, ein solches Material herzustellen oder zu bearbeiten. Selbst die Instrumente der Fachmänner konnten keinen Schaden an der Münze anrichten.  Ich fragte nach dem Wert. Die Männer sahen sich an. Beide zuckten mit den Schultern und fragten, wie viel ich denn dafür haben wolle. Ich runzelte die Stirn. Wie sollte ich das wissen, wenn diese Herren mir das nicht sagen könnten. Ich warf, aus einer Laune heraus und eher scherzhaft gemeint, einfach mal 2000 Euro in den Raum.

Zeitgleich und ohne Regung, sagten beide wie aus einem Mund:  Ja.

Das haute mich um. Was sollte ich machen? Wenn diese Leute mir einfach so ZWEITAUSEND Euro für das Ding geben wollten, musste es mehr, VIEL mehr wert sein!

Ich fragte nach. Wenn sie mir so viel geben würden ohne zu zögern, müssten sie doch wissen, was es wert sei! Beide verneinten. Sie würden es bezahlen, wenn ich das wollte, einfach so. Sie gaben keine Gründe an und an ihren Gesichtern konnte ich sehen, dass sie es vollkommen ernst meinten. Sie hatten KEINE Ahnung was es wert war und wollten dennoch zahlen.

Ich dankte, sagte, ich würde es mit überlegen und verließ den Juwelier. Musste das erst einmal verdauen. Kaffee.

Ich ging zu einer Kaffeekette und bestellte einen Extragroßen mit Milch. Legte die Münze vor den Aschenbecher. Freundliches Gesicht nach oben. Wie beim Juwelier, dachte ich. Las ein paar Nachrichten auf meinem Handy und wollte alsbald auch wieder los. Ich bedeute der hübschen Kellnerin, dass ich zahlen wolle. Mit kleinen, zügigen Schritten kam sie auf mich zu. Ihr tragbares Abrechnungsgerät sponn ein bisschen herum. Ungeduldig klopfte sie darauf. Scherzhaft meinte ich, der Kaffee könnte ja aufs Haus gehen, wenn es nicht funktionierte. Sie stockte, sah mich an und sagte: „Wie Sie wünschen.“

Dann lächelte sie breit, bedankte sich für meinen Besuch und  verschwand wieder.

Was war hier gerade passiert? Erst das beim Juwelier, jetzt das. Eine Glücksmünze, dachte ich glucksend.

Ob das auch woanders klappt?...

Einen Monat später...

Ich zog meinen neuen Anzug an. Feinster Stoff. Maßgeschneidert. Für einen guten Job brauchte ich ja schließlich einen angemessenen Zwirn. Frisch rasiert, teures Aftershave aufgelegt und fröhlich pfeifend verließ ich die Wohnung. Die Autofernbedienung ließ meinen VW Phaeton kurz aufleuchten und ich  stieg ein. Klimaanlage auf Maximum. Die Hitze draußen wollte seit letzter Woche, einfach nicht weichen.

Das Radio laut und mit wummernden Bässen fuhr ich durch die Innenstadt. Zu meinem Vorstellungsgespräch.

Ein großes Bürogebäude. Neunte Etage. Eine teuer aussehende Tür. Ich wurde von der Sekretärin herein gebeten.

Meinen Ärmel zurecht zupfend, dankte ich, reichte dem Human-Resources-Manager die Hand und schüttelte diese kräftig, aber nicht fordernd. Dieser schenkte mir ein fröhliches Lächeln und bat mich, Platz zu nehmen. Ich tat wie geheißen, holte gleichzeitig meinen Talisman aus der Tasche und legte ihn mit der lächelnden Seite nach oben auf den Tisch.

Der Manager sah erst die Münze, dann mich an. Ich lächelte zurück. Nur ein kleiner Glücksbringer, nicht der Rede wert. Er nickte, lächelte breiter und fragte dann ohne Umschweife, warum er mich einstellen sollte. Ich könnte großartig verkaufen, bin zuverlässig und perfekt für den Job geeignet, erwiderte ich. Er stimmte mir sofort grinsend zu, reichte mir die Vertragsunterlagen über den Tisch, welche ich prompt unterschrieb. Ich war ab Montag Verkaufsleiter des Hamburger Standortes eines großen Software- und Clouddienstleisters.

Nichts konnte mich aufhalten. Alle Türen standen mir offen. Ich musste nur darum bitten.

Die Münze zwang jeden, der sie sah, das zu tun, was ich wollte. Und sie taten es lächelnd und in voller Überzeugung, dass es genau das ist, was sie auch wollten! Ohne Nebeneffekte, dauerhaft. Kein erwachen des Betroffenen. Er würde für immer denken, dass diese Entscheidung die richtige, seine eigene und beste aller möglichen war.

Es funktionierte bei jedem. Zu jeder Zeit.

Ich ließ mir beim nahegelegenen Autohaus meinen Wagen vom Filialleiter persönlich schenken. Ging überall essen, in den besten Restaurants. Immer aufs Haus. Ich bekam Spenden von jedem, den ich darum bat.

Ich wurde skrupellos.

Bis ich feststellte, dass es irgendwann auffallen musste. Ich konnte keine Aufmerksamkeit gebrauchen. Jemand könnte etwas wittern und mir meinen Lottogewinn streitig machen.

Also brauchte ich ab jetzt einen besseren Job, „ehrliches Geld“, um mein neues Leben angemessen  zu finanzieren. Ich würde die Münze nur noch selten, bei großen Aufträgen und Verträgen nutzen.

Eine glänzende Zukunft stand mir bevor. Ich sorgte noch dafür, dass mein Vater und meine Schwester eine viel schönere Wohnung bekamen. Zum Spottpreis. Mit Hilfe der Münze natürlich. Ich besuchte sie wöchentlich, brachte Essen und führte sie aus. Im Familienleben, im Job und auch in allem anderen war ich praktisch unschlagbar.

Ich verließ das exklusive Büro. Machte mich auf den Weg zur Tiefgarage, wo mein Wagen geparkt stand.

Ich wurde angerempelt. Dunkler Hoodie, dünne Gestalt. Ein Glucksen ertönte. Eine piepsige alte Stimme unter der Kapuze murmelte eine Entschuldigung und huschte davon.

Genervt stieg ich in mein Auto und fuhr in meine neue Wohnung, wobei die Beschreibung "Luxusapartment" es eher trifft.  Es ist alles noch sehr kahl. Die Möbel sollten nächste Woche kommen. Ich hatte als 1567. Kunde des Jahres schließlich eine gesamte Einrichtung beim Ausstatter gewonnen. Mit Hilfe meines Talismans war der Leiter des Einrichtungshauses sehr glücklich, mich mit allem, was ich wollte, kostenlos versorgen zu dürfen. Man ist ja schließlich nicht umsonst der 1567. Kunde des Jahres.

Einen Sessel hatte ich aber bereits, der Fernseher, 186 cm Diagonale war mir vom Elektromarkt ebenfalls gesponsert worden. Ja, ich wurde zu gierig. Aber scheiß drauf. Luxus ist geil und das, was ich mir nahm, war zu verkraften für solche Geschäfte. Glücklich waren doch alle gewesen.

Ich sah mir eine Sitcom an und wollte gerade zu meiner Münze greifen, als es an der Tür klopfte.

Ich lugte durch den Spion. Zwei Männer standen davor, gut gekleidet. Die Juweliere. Sie wollten reden. Ich schickte sie weg. Mir war nicht nach Besuch. Sie gingen. Ohne Widerworte.

Der nächste Tag war frei für mich und so wollte ich das auch genießen. Meinen neuen Job fing ich ja erst in sechs Tagen an. Ich spielte den ganzen Tag Playstation, ließ mir eine Pizza kommen und genoss auch ansonsten meine freie Zeit.

Abends klopfte es erneut.

Diesmal standen dort drei Personen. Die Juweliere und... DIE KELLNERIN? Ich erkannte sie, sie war echt süß. Das prägt sich ein. Warum standen diese Personen vor meiner Tür? Es waren die ersten, die ich, wenn auch unbewusst, damals beeinflusst hatte. Wieder schickte ich sie fort. Sie gehorchten und mir wurde mulmig.

Ich stocherte nach der Münze in meiner Tasche. Sie war nicht dort. Ich wurde unruhig. Wo war sie? Andere Hose? In meiner Jacke? Ich suchte überall. Unauffindbar. Ich wurde panisch. Schweißausbrüche. Wollte aber jetzt auch nicht zu meinem Wagen und dort suchen. Das mache ich morgen, dachte ich.

Ich tat kein Auge zu.

Am nächsten Morgen suchte ich verzweifelt weiter, immer und immer wieder an den gleichen Stellen, als ob sie auf magische Weise auftauchen könnte, was natürlich nicht geschah.

Es klopfte. Vor der Tür standen sechs Personen. Die Juweliere, die Kellnerin und drei Mitarbeiter eines schicken Restaurants, in dem ich essen gewesen war und als nächstes meine Münze ausprobiert hatte. Nackte Panik packte mich. Würde das jetzt so weitergehen? Ich hatte HUNDERTE Menschen mit der Münze beeinflusst im letzten Monat!

Mittlerweile war es der fünfte Tag, an dem ich meinen Talisman nicht mehr habe. Ich verließ nicht mehr das Haus. Die Leute gingen nicht mehr weg. So sehr ich sie auch bat. Es waren einige Dutzend. Sie warteten auf mich. Ich solle rauskommen.  Sie fragen höflich, jeder von Ihnen. Jeder klopfte. Immer nacheinander. Sie wechselten sich ab. Ich weiß nicht, was schlimmer war:

Dass ich nicht weiß, was los ist oder dass es auch meine Schwester und mein Vater sind, die dort vor der Tür stehen. Ich wollte doch nur Frieden im Haus! Ich hatte sie am vierten Tag gebeten, dass sie einfach aufhören sollten zu streiten und seitdem haben sie es auch nicht mehr getan. Nun warten sie auf mich. Ich hatte Angst. Was sollte ich tun?

Ich sollte morgen meinen Job anfangen. Stattdessen floh ich. Über die Feuerleiter.

Ich rannte kilometerweit durch die warme Spätsommernacht, im Herzen einer schlafenden Stadt. Meine Verfolger schienen nicht hinterherzukommen. Vielleicht war ich sicher.

Mein Portemonnaie war leer, also ging ich zu einem Automaten und hob alles ab, was ich konnte. Beschränkt auf 1500€ die Woche war das nicht viel, aber ich konnte immerhin etwas damit anfangen und weiter fliehen. Sicher ist sicher.

Das Taxi brachte mich in die nächste Stadt. Ein Stunde Fahrt. Dort nahm ich ein kleines Hotelzimmer und konnte endlich ein wenig schlafen. Ruhe. Frieden. Die Bar geplündert und sturzbetrunken, fiel ich auf die ausgelegene Matratze.

Ein Klopfen weckte mich. Erst rasende Kopfschmerzen, verschwitztes Lacken. Dann nackte Panik. Langsam torkelte ich durchs Zimmer... Ich sah durch die zugezogenen Vorhänge aus dem Fenster.

Hunderte Menschen. In einer Reihe, nacheinander Klopfend und sich wieder hinten anstellend....

Das geht jetzt seit Stunden so...

Ich kann nicht mehr...

Das ist pure Psychofolter.

Klopfen, bitten, mich sprechen zu dürfen, Schweigen, nächstes Klopfen...

Immer weiter, immer weiter.

Es hört nicht auf.

Ich werde rausgehen.

Es endlich beenden.

...

...

Ich wünschte, ich hätte diese verfluchte Münze nie gefunden.

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