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Ich kann sehen wie kalt die Nacht ist. Mein Atem steigt als weiße Dunstwolke vor meinem Gesicht auf. Obwohl ich barfuß bin spüre ich nichts. Rein gar nichts. Weder die Kälte, die meine nackten Zehen hinaufkriechen muss noch das eisige Wasser auf der im Mondlicht schimmernden Straße.

Meine Stimme hallt in meinem Kopf wieder. Schreie, so laut das sie mein Trommelfell zerfetzen müssten, dröhnen darin. Ohne jemals gehört zu werden. Eine schwarze Mauer umgibt mich selbst. Schließt mich ein. Lässt mich von Minute zu Minute verzweifelter werden. Habe keinen Halt mehr. Hämmere dagegen, verfluche, was auch immer es zu verfluchen gibt und verbrauche meine Kraft.

Gelenkt läuft mein Körper die Straße hinab, bekleidet mit Jogginghose und T-Shirt. Immer wieder ballen sich meine Hände zu Fäusten, kann es nur erkennen, wenn sich meine Augen gerade in diese Richtung bewegen. Warum eigentlich?

Ich habe keine Brille auf. Normalerweise trage ich immer eine Brille. Ohne bin ich blind wie ein Wurm. Was geschieht mir? Ich kann mich selbst denken hören, bin doch ganz allein hier drin.

In meinem Schädel.

Aber ich weiß dort ist noch etwas anderes. Dräunend in der Dunkelheit, die sich Meiner bemächtigte. Mich nun kontrolliert und lenkt wie eine verdammte Marionette. Habe noch im Gedächtnis wie es in mich hinein kroch. Sich in mir ausbreitete wie Schimmel auf einer feuchten Wand. Mich vergiftete mit seiner Präsenz und gefangen nahm, als wäre ich nichts weiter als ein Fisch am Haken, den es nur noch einzuholen galt.

Ich verfolge den Blick aus meinen Augen heraus.

Sehe wie mich meine Füße in den stillen Teil der Stadt bringen. Dort wo um diese Uhrzeit kaum noch Menschen anzutreffen sind. Nur noch jene, arme Seelen, die zu tief ins Glas gesehen haben oder anderen, weit weniger durchsichtigen Tätigkeiten nachkommen.

Mein Schritt ändert sich. Wird langsamer, bedachter. Fast als würde ich schleichen.

Fassungslos beobachte ich wie ich mich gegen eine Wand presse, nicht weit von einer Hausecke entfernt scheine ich auf etwas zu warten. Der Druck um meinen Geist nimmt zu, hüllt mich noch weiter ein. Ich meine zu ersticken. Kann erkennen wie die Adern an meinen Händen hervor treten, die Muskeln schwellen, mache mich ganz offensichtlich bereit.

Doch wofür?

Ich habe eine Ahnung. Eine dunkle, finstere Erkenntnis, die ich nicht zulassen will. Die droht meinen Verstand vollends aus mir zu tilgen und mich als wahnsinnig deklarieren würde, sollte ich sie zulassen.

Bin ich überhaupt noch bei klarem Verstand?! Ich fühle nichts! Ich rieche nichts! Ich schmecke nichts! Wach auf! Wach auf!

Natürlich! Ein Traum! Es muss ein Traum sein, nicht wahr?! Es kann nicht anders sein.

Geduckt verharrt mein Körper auf Zehenspitzen, offenbar gespannt wie eine Feder aus hartem Stahl. Die Augen wandern hinab in eine Pfütze in der stehe. Eine Straßenlaterne, nicht weit von mir entfernt, wirft ihren Schein herüber, sodass ich erkennen kann...

Mit aller Macht renne ich gegen die Mauer aus pechschwarzer Stille in meinem Kopf an. Das darf nicht sein.

Das kann nicht sein!

Meine Augen ... Sie sind schwarz. Nurmehr zwei Perlen aus Onyx in einem leichenblassen Gesicht. Unwissentlich hat sich mein Mund zu einem steten Grinsen verzogen. Es sieht grausam aus, berechnend, kaltblütig ... vollkommen wahnsinnig!

Ich wende den Blick wieder ab.

Hadere mit mir. Versuche zu verstehen was hier vor sich geht, weigere mich zu glauben, dass dies die Realität sein soll.

Wie zwei Klauen sind meine Hände vor mir, bereit etwas zu ergreifen und festzuhalten. Wieder und wieder versuche ich mich dazu zu bringen mir wieder zu gehorchen. Wieder und wieder versinken meine Versuche in der Düsternis.

Ich höre Schritte. Schnell, zielstrebig, in einem gleichmäßigen Takt.

Gleich wird jemand um die Ecke biegen. Und etwas wird geschehen, ohne das ich es verhindern kann.

Meine Hand schießt vor, kaum das der Körper hinter der Mauer hervortritt. Legt sich um seinen Hals und zieht ihn in die Schatten.

Ich höre es knacken und knirschen und ein Lachen. Mein Lachen! Grausam verzerrt, ohne den Hauch menschlicher Belustigung, bar jeglichen Gefühls kommt es aus meinem Mund und hallt an den Mauern wieder.

Untätig muss ich dabei zusehen wie meine Hände die Kehle des Mannes zertrümmern. Ein Mann, kaum älter als ich selbst, blicken mich seine verängstigten Augen verständnislos an. Verlangen zu erfahren warum ich ihm das antue, wieso gerade er sein Leben auf dem feuchten Asphalt aushauchen muss.

Mir wird speiübel, als ich sehe wie ihm das Blut aus der Nase und den Ohren läuft und sein Blick bricht, während sich sein Körper ein letztes, verzweifeltes Mal aufbäumt.

Dann liegt er da.

Ich möchte laufen. Möchte rennen und mich verstecken. Meinen Kopf gegen die Wand hinter mir schlagen und endlich wissen was hier los ist, als sich meine Hand um eine Glasscherbe schließt und beginnt den Brustkorb des Mannes durch die durchnässte Kleidung hindurch zu öffnen.

Im roter werdenden Wasser der Pfütze in der ich knie, blitzen immer wieder diese schwarzen Augen auf ...

Ravnene

Drückend - Teil I

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