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Der große Bildschirm erwachte flackernd zum Leben. Simon starrte mit großen Augen und offenem Mund auf die Nummer 22, die in riesigen roten digitalen Lettern vor ihm hing. Er versuchte, den Sinn hinter den beiden Ziffern zu erkennen. Die Ziffern standen, ungefähr einen Meter hoch in der Mitte des schwarzen Hintergrunds. Das Ganze hing, von zwei Ketten gehalten, von der düsteren Decke und nahm fast die gesamte Wandfläche ein. Simon konnte sich nicht bewegen; er war an Händen und Füßen an einen metallenen Stuhl gefesselt. Seine Beine kribbelten bereits, weil der Stuhl sich in seine Kniekehlen bohrte und damit die Blutzufuhr abschnitt. Die Rückenlehne war ziemlich hoch und hinderte ihn daran sich umzusehen. Die Ziffern ergaben für ihn überhaupt keinen Sinn und wie gelähmt blieb sein Blick daran haften.


Sie hatten ihn mitten in der Nacht fortgeschafft; das Splittern der aufgebrochenen Tür, die Rufe der Männer und die Schreie seiner Familie schienen nichts weiter, als ein verschwommener böser Traum. Er war bereits gefesselt gewesen, als er hier aufgewacht war, in diesem stillen, kalten Raum. Er wusste, dass es nur einen Grund geben konnte, weswegen er hier war: Seine Artikel. Während seines Studiums hatte Simon seine Freizeit damit verbracht, online nach geheimen Dokumenten der Regierung zu suchen, nach Skandalen zu jagen und seine kontroversen Funde im Netz zu posten. Er hatte schon immer gewusst, dass es nur eine Frage der Zeit war, wann sie ihn finden würden.


Auf dem Bildschirm wechselte die Nummer zur 23.


"Was ist das... ?", murmelte Simon. Seine Augen wanderten immer und immer wieder über die riesige Anzeige. Seine erste Vermutung war gewesen, dass es sich um einen Countdown für... irgendetwas handelte, aber er lag falsch. Er fing wieder an zu grübeln. Ich bin doch nicht etwa seit 23 Stunden hier, oder? Er bezweifelte es.


Nach und nach wechselten die Ziffer zu 24, 25 und dann zu 26.


"Was geht hier vor?", schrie er voller Angst, Verwirrung und Frustration. Simon begann zu zittern.


Hinter ihm kam knisternd die Stimme eines alten Mannes aus den Lautsprechern: " Die Temperatur beträgt nun 26 Grad Celsius."


Angsterfüllt musste Simon mit ansehen, wie sich die Nummer 27 bildete. Sie werden mich bei lebendigem Leib verbrennen, wurde ihm klar. Sie werden die Temperatur solange erhöhen, bis ist sterbe. Panik stieg in ihm auf und er versuchte, sich von seinen Fesseln zu befreien. Sein Fluchtversuch brachte die Zahlen dazu, sich schneller zu erhöhen. Irgendwann wechselten die Ziffern im 20-Sekunden-Takt. Er gab bei 38 auf, sein Gesicht war schweißgebadet, sein Atem ging stoßweise und Schweiß troff ihm von der Stirn auf sein Shirt. Nur mit Mühe konnte er genug Atem aufbringen um zu schreien, um die Stimme von vorhin nach dem Grund zu fragen. Keine Antwort.
Nur noch sehr schwach versuchte Simon sich von den Fesseln zu befreien, die in sein Fleisch schnitten. Die Ziffern zeigten die Zahl 45.


"Helft mir bitte!", bettelte er. Sein Shirt war klamm von Schweiß, der dunkle Rand klebte an seiner Haut. Er trat und wand sich, grunzte und ächzte, während er die Augen schloss, um die Nummern nicht mehr sehen zu müssen.
"Gefangener", sagte die Stimme und Simon erstarrte, seine Augen öffneten sich langsam. "Sie schwitzen nur deshalb, weil Sie sich so anstrengen. Die Temperatur dieses Raumes beträgt keine 49 Grad."


Simon beruhigte sich, seine Angst ließ ein wenig nach. Die Stimme hatte recht, denn als er sich ein wenig beruhigte, begann der Schweiß bereits zu trocknen und kühlte ihn merklich ab. Vor Erleichterung hätte er fast aufgeatmet.
"Es ist der Raum vor ihnen, der 49 Grad beträgt." Ein mechanisches Surren erklang, als die Nummer 50 erschien und der Bildschirm langsam an seinen Ketten nach oben gezogen wurde. 51, 51, 53, 54. Die Ziffern wechselten nun schneller, verschwammen fast.


"Das ist der Raum, in dem ihre Frau und ihre Kinder auf Stühlen wie dem Ihren sitzen." Hinter dem Bildschirm war nun langsam eine riesige Glasscheibe zu erkennen.

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