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Regen.

Es regnete schon seit Tagen.

Die Stadt war düster und grau, kein Mensch wagte sich auf die Straße.

Doch nicht nur der Regen war schuld an den menschenleeren Straßen. Seit einigen Wochen suchte etwas unsere Stadt heim. Ich sage etwas, denn kein Mensch den ich bisher begegnet bin wäre zu so etwas fähig wäre. Und als Kriminalkommissar will das schon etwas heißen.

Immer wieder wurden Leichen gefunden.

Furchtbar entstellt, zerfetzt wie von einem wilden Tier, auf dem Boden und an den Wänden verteilt, ohne DNA-Test nicht zu identifizieren.

Die Opfer wiesen keine Gemeinsamkeiten auf, auch die Tatorte wirkten willkürlich.

Eine Schülerin auf dem Nachhauseweg, ein alter Mann im Park, eine Büroangestellte in der Mittagspause.

Es schien jeden zu jeder Zeit an jedem Ort treffen zu können. Die Orte waren mal abgelegen, mal ganz in der Nähe von öffentlichen Plätzen. Nur in ihren Häusern schienen die Leute sicher zu sein.

Darum ging auch niemand vor die Tür, nur in Gruppen der wenn es nicht anders ging.

Ich schaute auf die Zeitung auf dem Schreibtisch meines Kollegen. Eine bekannte Boulevardzeitung. In riesigen Buchstaben titelte sie „DAS BIEST SCHLÄGT WIEDER ZU! Alles über die Serienmorde die Deutschland in Atem halten!“. Daneben ein Bild vom neusten Tatort. Ein reicher Geschäftsmann, ermordet vor seiner Haustür. Auf dem Bild kann man noch Fetzen von dem Opfer an der Wand hängen sehen. Geschmacklos. Auch in den seriöseren Zeitungen ist es allgegenwärtig, genau wie im Fernsehen und im Internet.

Und überall geben sie uns die Schuld.

Recht haben sie schon. Gefasst haben wir Es noch nicht, es gab keine Hinweise, keine Spuren, nichts. Nur einen Haufen DNA. An jeden Tatort haben wir die gleiche DNA gefunden. Sogar in rauen Mengen.

Doch sie scheint niemandem zugehören. Wir haben sie durch jede existierende Datenbank gejagt, sie mit allen Verdächtigen und zeugen verglichen. Doch alles blieb erfolglos. Auch die Profilier stehen vor einem Rätsel. Die Morde sind so bestialisch, so willkürlich das sie nicht wissen was sie denken sollen. Auch sie reden nur von einem „Es“. Einem wilden Tier.

Und doch ist der letzte Mord ein Glücksfall.

Für uns zumindest.

Der Geschäftsmann wurde direkt vor seiner Haustür ermordet.

Ich hatte mir gerade mit meinem Kollegen die Bilder aus der Überwachungskamera angeguckt. „Nun.“ meinte mein Kollege, „Jetzt wissen wir zumindest mit Sicherheit, dass es kein „Es“ ist. Sieht für mich nach einem Kerl aus, was meinst du?“

Die Aufnahmen zeigten wie das Opfer zu seiner Haustür rannte.

Völlig in Panik und immer hinter sich guckend. Er versuchte die Haustür aufzuschließen doch es gelang ihm nicht, immer wieder fielen ihm die Schlüssel aus den vor Panik wie wild zitternden Händen.

Dann kam „Es“.

Ganz ruhig lief es auf den Geschäftsmann zu. Sein Gesicht konnte ich nicht erkennen, doch das Gesicht des Geschäftsmannes war starr vor Entsetzen.

Er versuchte auf „Es“ einzureden, was er sagte weiß ich nicht, das Video hatte keinen Ton. Doch ich nehme an das er um seinen Leben gebettelt hatte. Verzweifelt. Mit Tränen in den Augen.

„Es“ sah auf ihn herab.

Völlig regungslos.

Völlig kalt.

Dann fing es an.

Mit was genau kann ich nicht beschreiben. Doch es war schrecklich. Noch nie hatte ich etwas derartigen gesehen. „Es“ schnitt, und riss und biss und zerfetzte. Der Geschäftsmann schrie und schrie, fast dachte ich, ich würde seine Schreie hören. Und auch das Zerreißen seines Fleisches, das Brechen seiner Knochen.

Es war fürchterlich.

Alles dauerte nur fünf Minuten, so schnell und doch kam es mir vor als ob ich „Ihm“ eine Ewigkeit zugesehen hätte.

Dann stand „Es“ da.

„Es“ sah auf ihn herab.

Völlig regungslos.

Völlig kalt.

Dann ging „Es“.

Als es sich umdrehte konnte ich sein Gesicht sehen. Es war ein junger Mann.

Ich weiß nicht was mir zuerst auffiel. Doch seine absolut leeren Augen waren bestimmt dabei.

Leere, ausdruckslose Augen.

Wie die eines Fisches, man konnte nicht die geringste Gefühlsregung ob der grausamen Tat erkennen die er gerade begangen hatte.

Auch der Rest seines Gesichtes zeigte keine Anzeichen eines Gefühls. Einfach nur Leere.

Er sah nicht schlecht aus, nur sehr ungepflegt. Er hatte mattes dunkelblondes Haar, das in sein  Gesicht hing und war um die 1,80m groß. Das Gesicht war etwas eckig, die Stirn nicht zu hoch und recht markante Wangenknochen. Er hatte einen Drei-Tage-Bart und seine leblosen Augen eine blassgrüne Farbe. Seine Kleidung war unauffällig, eine Jeans und ein graues T-Shirt, zusammen mit einer dunklen Kapuzenjacke.

Er wirkte fast normal. Das heißt bis auf seine Augen.

Und die komplette Abwesenheit jeglicher Gefühle.

Ich erschauderte.

„Du hast recht“, sagte ich zu meinem Kollegen. “Schick das Video gleich ins Fotolabor, die Jungs sollen versuchen ein gutes Bild für ein Fahndungsplakat rauszukriegen.“

Ich verabschiedete mich von meinem Kollegen und machte mich auf dem Weg nach Hause.

Es war inzwischen dunkel geworden, doch der Regen hatte immer noch nicht aufgehört. Die Polizeistation war nur wenige Minuten von meiner Wohnung entfernt und ich trug meine Dienstwaffe mit mir, doch dennoch war mir unwohl.

Vielleicht lag es an dem Video, doch an jeder Ecke sah ich einen Schatten vorbei huschen, in jedem Augenwinkel eine dunkle Gestalt und ich hörte in jedem Windhauch ein verdächtiges Geräusch und in jedem Aufprall eines Regentropfens auf meinem Regenschirm einen Schritt eines unbekannten Verfolgers.

Ich bildete mir sogar fast ein, das Quietschen der nassen Schuhsohlen eines Verfolgers auf dem Asphalt zu hören. „Ich bin zu müde, zuhause mache ich mir einen Tee und schaue irgendetwas belangloses“, dachte ich mir als ich in der Scheibe eines parkenden Autos IHN sah.

Mein Herz setzte für einen Schlag aus und mein ganzer Körper zog sich zusammen.

Es lief mir ein Schauer durch alle Knochen und ich hatte Angst. Große Angst.

Mein Herz fing wieder an zu schlagen - schneller und schneller als je zuvor.

Ich zwang mich weiter zugehen, einen Schritt nach dem anderen.

Bloß nicht nach hinten gucken. Bloß nichts anmerken lassen.

Ich suchte mit meinen Blicken verzweifelt nach einem Laden der noch offen hatte, nach Menschenmassen, einer offenen Tür oder einem Auto das ich anhalten könnte. Meine Waffe hatte ich vergessen, oder vielleicht wusste ich dass sie mir nichts nützen würde.

Ich fühlte ich mich wie eine Maus im Angesicht einer Schlange, oder ein wie ein Hase der vor einem Raubvogel davon rennt.

Mein Herz schlägt -schnell, immer schneller.

Ich habe das Gefühl es bricht gleich aus mir heraus. Meine Hände und Gesicht sind klatschnass, ob es Kaltschweiß oder nur der Regen ist weiß ich nicht.

Seine Schritte kommen näher.

Ich merke dass ich stehen geblieben bin, starr vor Angst.

Ich zwinge mich weiter zugehen, einen Schritt nach dem anderen.

Meine Wohnung. Ich muss schnell in meine Wohnung, dort bin ich sicher. Verzweifelt krame ich nach meinem Schlüssel, möglichst  unauffällig. Als ich ihn in meinen Händen halte möchte ich fast vor Erleichterung aufjubeln, doch ich kann mir nichts anmerken lassen.

Ich höre seine Schritte, seinen Atem.

Er kommt näher.

Ich fange an zu rennen. Schneller und schneller.

Auch mein Herz rast –schneller und schneller.

Ich komme endlich an meiner Wohnung an. Ich zittere unkontrollierbar, kann meine Hände kaum ruhig halten. Seine Schritte höre ich nicht mehr. Schnell versuche ich den Schlüsse ins Schloss zustecken, doch es klappt nicht. Ich schaue hoch. In der Glastür sehe ich sein Gesicht.

Mein Herz schlägt- schneller und schneller.

Ich drehe mich um und schaue ihn direkt ins Gesicht.

Seine Augen sind so leer. Nicht traurig, nicht wütend, nicht erwartend, nichts. Nur Leere.

Sein Gesicht zeigt keine Gefühlsregung. Nichts. Nur Leere.

„Wer bist du?“, frage ich ihn. Meine Stimme zittert.

Er schaut mich nur an, sagt nichts, keinerlei Regungen.

Er starrt auf mich herab.

Mein Herz rast –schneller und schneller.

Ich will weglaufen, doch meine Knie geben nach.

Ich will nach Hilfe schreien, doch meine Stimme versagt.

Ich habe Angst.

Er fängt an.

Er reißt meine Haut auf, er schneidet mein Sehen durch, er zerfetzt mein Fleisch. Er bricht mein Kochen, er verteilt mein Innerstes.

Ich sehe in sein Gesicht.

Ich sehe seine Augen.

Sie sind nicht leer.

Sie sind traurig. Voller Tränen.

Ich sehe mein Herz.

Es rast nicht mehr- langsam, immer langsamer.

Alles still.

Er schaut auf mich herab.

Seine Augen sind so leer. Sein Gesicht so kalt.

Mein Herz es rast nicht mehr, mein Herz ist so still.  

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