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Etwas zu Ende bringen.

Das sagt sich so leicht.

Ich bringe es nie zu Ende. Egal, wie oft ich es versuche, ich schaffe es nicht. Ich bin zu dumm dafür, zu naiv, zu schwach. So viele Worte die meinen Charakter ausdrücken, doch nur ein Wort, das mich wohl am Besten beschreibt... Abfall.

Ich bin der Abfall dieser Welt. Egal was ich tue, ich mache es falsch.

Ich will das nicht. Ich will den Menschen nicht weh tun. Ich will sie nicht enttäuschen, aber ich tue es. Jedes. Verdammte. Mal.

Sie versuchen mich zu trösten. Sagen, dass sie mich lieb haben, wollen für mich da sein. Aber ich höre sie nicht. Ihre Worte dringen durch meine Ohren, nicht durch meinen Geist. So viele wollen helfen. So viele sagen, sie wollen für mich da sein. Aber das sind Lügner. Allesamt. Ich bin Abfall, für mich will keiner da sein.

Und jedes Mal, wenn ich dummes kleines naives Ding tatsächlich glaube, ich könnte jemanden trauen. Wenn ich glaube, ich könnte doch kein Abfall sein. Wenn ich glaube, Menschen könnten mich tatsächlich lieben... Mache ich etwas falsch. Immer wieder. Jedes VERFICKTE MAL.

Es ist ekelhaft. Ich bin ekelhaft. Eine Anomalie. Warum bin ich überhaupt noch auf dieser Welt? Es gibt niemanden für mich. Niemanden, den ich vertrauen kann. Niemanden, den ich lieben kann. Niemanden der mich lieben kann. Keine Freude, keine Trauer, nur Leere. Die weite Welt da draußen ist für mich nur ein leerer Spielplatz. Es macht einfach keinen Spaß, darauf zu spielen, wenn man alleine ist.


Ich trotte in mein Zimmer. Schalte meinen Laptop an. Mein Vater reißt die Tür auf und blafft mich in einen gereizten Ton an: „Alina? Mach noch das Fenster im Bad zu.“

„Das kann man auch netter sagen.“, grummele ich zurück. Bin nicht in der Stimmung für sowas. Doch meine vorlaute Zunge rächt sich sofort.

„JETZT MACH DAS SCHEIß FENSTER ZU.“, schreit er mich an.

Ich zucke ängstlich zusammen. Nicke, stehe auf und laufe ins Bad. Als ich das Fenster zu gemacht und wieder zurück in meinem Zimmer gelaufen bin, starte ich den Computer erneut. Gehe auf eine Chatseite. Ich weiß, dass ich es diesmal zu Ende bringen muss.

Schaue ob er online ist. Ich weiß nicht, ob man ihn als Freund beschreiben kann. Jonas ist... ein Bekannter. Irgendetwas mag ich an ihm. Aber wie alle Menschen, die ich mag, enttäusche ich auch nur ihn. Er mag unsere Konversationen nicht. Er behauptet oft das Gegenteil, doch es ist bei ihm

wie mit allen anderen: Sie sagen es ist so, aber ihre Taten erzählen mir etwas anderes.

Schreibe ihn privat an. Der Hauptchat ist mal wieder überfüllt und unübersichtlich.


Jonas? Würdest du mir einen Gefallen tun?“, schreibe ich. Warte dann.


Jonas und ich haben eigentlich ausgemacht, uns nicht mehr zu schreiben, auf mein Bitten. Ich wollte ihn nie so direkt sagen, dass ich keine Last mehr für ihn sein will, aber ich glaube er hat das verstanden. Er war ein seltsamer Junge. Aber wirklich nicht dumm. Ich habe ihn also blockiert.. und

ihn für dieses Gespräch ein letztes Mal entblockiert.


Kommt drauf an?“, erhalte ich als Nachricht von ihn.

Ich glaube es wäre besser, wenn du mich blockierst. Ich halte es eh nie durch, dich zu blockieren.“

Kannst du Gedanken lesen?“, bekomme ich von ihm zurück, „Klar. Bye PN- Chat.“


Ich aktualisiere. Da war er weg. Der letzte, dem sich meine naive, dumme Seele noch anvertraut hätte. Ich bin nun alleine. Ganz alleine. Es ist besser so. Ich werde ihn vermissen. Ich werde auch meine anderen Freunde vermissen. Aber ich weiß, dass ich jeden einzelnen nur zu Last fallen würde, würde ich länger bei ihnen bleiben.

Sie sagen es nicht, weil dies moralisch verwerflich wäre, aber es ist so. Ich höre es an ihren Stimmen, merke es an ihrem Verhalten. Ich will sie nicht traurig machen. Ich will sie nicht einschränken. Ich will, dass jeder glücklich ist und wenn das heißt, dass ich unglücklich sein muss, dann ist es nun mal so.


Ich nehme meinen Block zur Hand. Schaue auf meine Liste:


Seil- gerissen


Ich habe es nicht probiert. Ich habe nur aus Erfahrungsberichten gehört, dass der Strick eine zu unsichere Variante ist, die Welt von mir als Schandfleck zu befreien.


Klinge- zu warm


Schaue auf meinen linken Arm. Der Schnitt ist kaum noch zu sehen. Er war wohl auch nicht sonderlich tief, hätte mich vielleicht nicht einmal getötet. Aber die Art, wie die Rasierklinge tötet ist mir zu freundschaftlich. Ich will nicht so sterben.


Wasser-


Sehe weg. Mein erster Versuch. Wurde gerettet. Nicht von einen anderem Menschen. Von mir selbst. Indem ich vergaß. Ich vergaß den Grund, weshalb ich es damals beenden wollte. Es ist irgendwo in meinen Kopf, aber es ist besser, ich kann darauf nicht mehr zu greifen.


Auto- zu viele Unschuldige


Die Idee mit dem Auto hatte sich erstaunlich oft durchgesetzt. 3 Versuche hatte ich bereits hinter mir. Einmal wollte ich in einen Bus hineinlaufen... vor einem Monat war das, glaube ich. Ein Junge hat mich aufgehalten, weil er wohl dachte, ich wäre zu sehr in meine Musik vertieft gewesen.

Dann noch eins mit einem normalen Auto, ein Mädchen rettete mich. Der letzte vor einer Woche mit dem LKW. Aber... irgendetwas in mir wollte es nicht beenden. Es wollte nicht sterben und so rannte ich nicht, um noch auf die Straße zu kommen...


Lege den Block weg. Ich kann es nicht beenden. Ich kann so nicht weitermachen. Ich bin schwach, dumm und einsam und kann die Welt nicht mal von mir erlösen.

Beginne zu weinen. Warme Tränen fließen mir meine Wange runter. Kugel mich zusammen. Mein ganzer Körper zittert.


Warum bin ich so schwach? Warum muss ich so ein gottverdammter Fehler sein? Warum kann ich es nicht zu Ende bringen? Warum bin ich nichts weiter als Abfall...

Warum... warum... WARUM?

Diversum (Diskussion) 16:25, 1. Feb. 2015 (UTC)

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