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Wasserundso
Ein Schrei erhellt die Nacht. So grell wie die Sonne. Erleuchtet die Gegend, die bis eben noch in reine Dunkelheit getaucht war. Aber keiner von uns schien ihn zu bemerken. Keiner machte den Anschein, als würde er sich um den Schrei kümmern und so erstickt er in der Tiefe des Meeres. Dort wo ihn keiner wahrnehmen kann.

Ich schaue mich um. Starre in Gesichter, die nicht zurückstarren wollen. Alle schauen sie nur vor sich ins Nichts. In die Leere des Raumes hinein, wo sie sich allmählich im Sauerstoff-Stickstoffgemisch verlieren. Sauerstoff. Auch er geht langsam zu Grunde, ebenso unsere Nerven. Sie sind gespannt und irgendwas schien auf ihnen eine abstruse Melodie spielen zu wollen. Sie klingt nicht.


Die starren Gesichter bleiben starr. Starr vor Angst. Sorgen lösen sich in ihren Augenwinkeln auf, wo sich kleine tiefe Falten bilden. Aus ihnen lässt sich lesen woran meine Kumpanen denken. Will denkt an seine Frau, an seine Tochter. Versucht sich ihrer Gesichter bis aufs letzte Detail bewusst zu werden, mit der ständigen Angst sie nie wieder zu sehen. Raf denkt an sein Haus, sein Auto, seine Harley, die im mindestens genauso viel wert ist wie Will seine Familie. Auch er ist sich im klaren, dass er das vermutlich nie wieder zu Gesicht bekommen wird. Till denkt an seine liebevollen Eltern, wegen der wir ihn schon das ein oder andere Mal aufgezogen hatten. Jetzt nicht mehr. So denken alle hier ihren Teil. Verabschieden sich innerlich und scheitern bei dem Versuch mit ihrem Leben abzuschließen.


Ein erneuter Schrei. Noch greller als zuvor. Wir wissen nicht was da draußen vor sich geht, wir wissen nur, dass es unsere Expedition beenden wird. Die Suche nach neuen Geschöpfen im Mittelmeer. Kreaturen aus der Urzeit, die es bis in unser Zeitalter geschafft haben sollen. Unentdeckt von uns Menschen. Die Suche nach Wissen und Füllmaterial für neue Lexikas. Die Suche war jetzt beendet. Ein paar Blicke heben sich nun. Richten sich langsam hin zur Stahltür und bleiben an ihr haften. Die Stahltür die uns vom Unaussprechlichen trennt, sie wird angebetet nicht noch einmal aufzugehen. Sie sollte nur auf ewig verschlossen bleiben. Nie wieder sollte einer von uns hier rausgezerrt werden, hinter diese Tür. Lieber verrecken wir hier alle zusammen weil uns die gottverdammte Luft ausgeht, als uns dieser Bestie zu stellen. Keiner war ihr gewachsen. Wir alle waren intelligente, kräftige Männer. Größtenteils in ihrer Blütezeit und doch waren wir machtlos gegen dem was uns hinter dieser Tür erwartete. "Bitte, bleib geschlossen..."

Ich kauer mich weiter in meine Ecke. Die Bolzen des U-Bootes pressen sich in meinen Rücken und hinterlassen Schmerz. Alles ist so still. Vorsichtig wiegt uns das Boot im seichten Gewässer hin und her. Wiegt uns in den unaufhörlichen Schlaf, auf das wir nie wieder ein Auge öffnen würden. Ein Massengrab tausende Meilen unter dem Meeresspiegel, das schien unser Schicksal zu sein. Der letzte Schrei, unterbrochen von einem heiseren Röcheln, welches die Erlösung unseres Freundes darstellte. Ich schlucke meinen Klos im Hals herunter und range mit meinem Verlangen zu kotzen. Leise Geräusche dringen aus der Kammer hinter der Stahltür zu uns durch. Ein animalisches Schmatzen und Schlürfen, ein zerberstendes Knacken, wie es nur von Knochen stammen konnte, gefolgt von einem grauenhaften Lachen. Das Lachen zieht sich durch unser Mark, zieht seine Bahn von Kopf zu Fuß und wieder zurück. Bleibt dort. Dieses verfickte Lachen. Wir waren auf der Suche nach neuen Ungeheuern und hatten es letztendlich gefunden. In der tiefsten Tiefe. In der tiefsten Tiefe der menschlichen Psyche. Sie war unser Ende.

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