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Der Butler nahm das Silbertablett, das die Küchenmädchen vorbereitet hatten. Ein besonderer Tag. Heute war es so weit – sie alle hatten vor, die Hausherren von Wilkinson zu töten. Ins Essen war Gift gemischt und daneben lag ein großes Brotmesser, damit der Butler notfalls schnell handeln konnte.

Er lief durch das Herrenhaus. Es gehörte der Wilkinson Familie, von denen seit Jahren lediglich Lord und Lady Wilkinson anwesend waren. Sie gehörten zum alten Landadel und besaßen einige Hektar Land.
Eigentlich konnte man sich glücklich schätzen, wenn man einen Platz im Herrenhaus der Familie Wilkinson bekam. Man musste sich nicht als Bauerngehilfe mit harter, körperlicher Arbeit durchschlagen, man hatte ein Bett, Essen, ein Dach über dem Kopf. Eigentlich ging es dem Butler gut. Eigentlich ging es jedem im Haus gut.

Lord und Lady Wilkinson waren gute Menschen, gerecht, bestraften nie, wenn es eine andere Möglichkeit gab.

Doch eines Abends hatte der Butler die beiden belauscht. Er hatte es nicht gewollt, denn ein guter Butler musste der engste Vertraute des Hausherren sein. Doch was er hörte, ließ ihn innehalten.

"Sie wissen es", hatte Lady Wilkinson gesagt. "Unmöglich, wie sollen sie es denn erfahren haben?"

"Ich weiß es nicht! Aber ich sehe es doch jeden Tag in ihren Blicken, der Butler, die Zimmermädchen, ja sogar die Küchenmädchen! Schatz, sie wissen es, ich bin mir sicher."

Lord Wilkinson seufzte. "Du weißt aber, was das bedeuten würde?" "Natürlich weiß ich das." "Und du willst wirklich, dass wir das machen?" "Ja. Sie wissen es." "Gut. Dann... müssen sie weg. Alle." "Wir lassen sie töten?" "Wir lassen sie töten."

Der Butler hatte keine Ahnung gehabt, wovon sie da sprachen. Bis er dieses Gespräch belauscht hatte, war alles so gewesen wie immer. Aufstehen, das Besteck im Salon fürs Frühstück zurechtlegen, den Zimmermädchen sagen, sie sollten sich beeilen, den Kronleuchter kontrollieren, dafür sorgen, dass das Geschirr abgespült wurde, alles war normal gewesen.

Doch anscheinend war nicht alles normal gewesen. Noch in derselben Nacht hatte er jeden Bediensteten in die Küche gerufen und es ihnen erzählt. Die Wilkinsons hatten vor, sie töten zu lassen. Jeden einzelnen.

Er kam am Schlafzimmer der beiden an und klopfte. "Herein", ertönte es von innen. Er trat ins Zimmer und sah die beiden im Bett. "Frühstück", sagte er. "Ans Bett? Das machst du sonst nie", sagte Lady Wilkinson und lächelte. Er nickte, ging zum Bett hinüber und reichte ihr das Tablett. "Danke, Charles", sagte Lord Wilkinson.
Der Butler stellte sich vor das Bett. Er musste sehen, wie sie aßen, um sicher sein zu können. "Worauf wartest du noch?", fragte Lord Wilkinson. "Esst nur, esst. Die Küchemädchen haben sich sehr viel Mühe gegeben." Er blieb stehen. Die beiden schauten ihn an. "Ist irgendetwas?", fragte Lady Wilkinson. "Nein, nein, esst nur." Lord Wilkinson schob das Tablett weg. "Fass es bloß nicht an", sagte er. "Was ist in den Essen?"

Der Butler schnellte vor und packte das Brotmesser. Dann musste er es wohl selbst tun, er würde nicht zulassen, dass die Bediensteten für ein Wissen getötet wurde, das sie nicht einmal besaßen!

Lord Wilkinson sprang aus dem Bett. "Charles, ruhig bleiben", sagte er und hielt die Hände hoch. Seine Frau stand auch auf und stellte sich an die Wand. Der Butler richtete das Messer auf den Mann. "Wir lassen nicht zu, dass Sie uns töten. Das lassen wir nicht zu!" Der Butler stach zu und schnitt Lord Wilkinson tief in den Arm. Er schrie auf. "Charles! Beruhig dich!"

"Weswegen sollen wir getötet werden? Was wissen wir?!"

"Du legst da Messer weg und ich sage es dir!" "Nein! Sie sagen es mir sofort!" "Du legst das Messer weg!"

"Nein." "Na gut", sagte Lord Wilkinson. Er hielt die Hände erhoben. "Ich stehe jetzt auf und werde es dir sagen. Aber du wirst nicht zustechen." Der Butler nickte, der Lord stand auf und kam etwas an ihn heran.

"Wir dachten, ihr hätte etwas bestimmtes herausgefunden. Aus diesem Grund solltet ihr entfernt werden." "Was ist es?" Der Mann kam noch näher. "Etwas, was du höchstwahrscheinlich nicht verstehen wirst." "Wir wollen es wissen, wir wollen wissen wieso ihr uns töten wolltet." "Gut" der Mann seufzte. "Es ist ganz einfach." Seine Hand schnellte vor und traf den Butler am Hals. Seine Augen blitzten auf, ein Surren war zu hören, dann ein Piepen, und der Kopf des Butlers sank zu Boden. Er war erstarrt.
"Ich habe dir gesagt, dass sie es nicht wissen", sagte der Mann. Seine Frau gab ihm einen Schraubenschlüssel und er riss das weiße Hemd des Butlers auf. Nackte Haut und Schrauben kamen zum Vorschein. Der Mann drehte an den Schrauben und öffnete die Buchse. Eine Schaltkonsole kam zum Vorschein, Knöpfe, Schalter, blinkende Lichter. Er drückte ein paar Knöpfe in einer bestimmten Reihenfolge und legte einen Schalter zwei Mal um. Dann drehte er die Schrauben wieder rein und drückte erneut auf den Hals des Butlers. Das Licht in seinen Augen kehrte zurück. Neutraler Blick. Kein Ausdruck. "Modell M-M-8-9-5-6-3-1. Wer bin ich?"

"Der Butler von Lord und Lady Wilkinson. Es war bloß ein Missverständnis, dir geht es gut, allen anderen geht es gut. Euch wird nichts passieren."
Der Butler nickte. "Mylord, Mylady", sagte er, drehte sich um und verließ den Raum.

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