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Alien-Hand-Syndrom


Dies soll mein Abschiedsbrief sein, mit dem ich hoffe alles zu erklären. Mein Name ist Laura und dies hier ist meine Geschichte:

Bis zu meinem sechsten Lebensjahr, verlief meine Kindheit wundervoll. Ich hatte liebevolle Eltern, die viel Zeit mit mir verbrachten und sich gut um mich kümmerten. Wegen ihrer Arbeit waren sie zwar nicht immer da, aber wenn, dann umsorgten sie mich. Es war schön. Aber alles änderte sich an jenem Tag. Ich war grade mal 6 Jahre alt und leichtsinnig. Auf dem Weg zum Spielplatz ging ich über die Straße, ohne nach links und rechts zu sehen und da war es passiert. Ein LKW rammte mich.

2 Wochen lag ich im Koma. Meine Eltern kamen mit Tränen im Gesicht auf mich zu gerannt, als ich aus dem Koma erwachte. Der Arzt erklärte ihnen, dass mein Frontallappen schwer beschädigt sei und ich noch einige Wochen im Krankenhaus bleiben müsse, damit sie meinen Zustand beobachten können. Die Zeit im Krankenhaus war schlimm. Leider hatten mir die Ärzte nicht gesagt, dass ein Schaden am Frontallappen Koordinationsschwierigkeiten mit sich bringt, weswegen ich bei meinen Wanderungen durchs Zimmer häufig hinfiel. Manchmal wurde mir schwindlig und ich musste mich setzen. Doch am schlimmsten waren meine Alpträume. Ich träumte häufig von einem Insekt, das sich in meine Hand bohrte und die Kontrolle übernahm. Es fühlte sich immer so real an und nicht wie ein Traum. Meine Eltern besuchten mich jeden Tag, nach ihrer Arbeit, im Krankenhaus, um zu sehen, wie es mir geht. Als ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, musste ich gleich in die Reha, damit ich lerne, mit dem Koordinationsproblem umzugehen. Ich weiß noch, dass das schlimmste daran war, dass ich deswegen nicht eingeschult wurde und erst ein Jahr später in die Schule durfte. In der Reha bemerkte ich es zum ersten Mal. Meine linke Hand tat etwas, von dem ich gar nicht wollte, dass sie es tut. Ich malte gerade ein Bild und meine linke Hand fing an das Blatt zu zerknittern. Ich sagte es meinen Pflegern, doch die meinten, das wären bloß Nachwirkung und wenn ich mich bei der Reha anstrengen würde, würde alles wieder gut werden.

Nun ja, die Reha hatte ich hinter mir und tatsächlich konnte ich wieder vernünftig leben, allerdings gab es hin und wieder Vorfälle, bei denen sich meine linke Hand bewegte, ohne, dass ich es wollte. Vor meinen Eltern verschwieg ich es, damit sie sich keine Sorgen machen mussten.

Als ich endlich mit sieben Jahren eingeschult wurde, freute ich mich sehr. Doch die Freude hielt nur für die ersten zwei Wochen an. Die anderen Kinder ärgerten mich, weil ich schon älter war als sie. Es war eine schwere Zeit mit den anderen Kindern, aber trotzdem fand ich ein paar Freunde. Beim Sport machte es sich hin und wieder bemerkbar, dass meine linke Hand ihren eigenen Willen zu haben schien. So zog sich meine linke Hand beim Volleyball von selbst nach unten oder beim Fußball stieß ich sie jemand weg. Ich wusste nicht, was mit mir los war. Die Jahre gingen vorüber. Irgendwann fing ich an zu glauben, dass es einfach ein Reflex wäre und das durch den Schaden an meinem Frontallappen verursacht wurde.

Mit 14 Jahren war ich in der 7. Klasse. Beim Umziehen für den Sportunterricht passierte es. Meine linke Hand schnellt nach vorne und streichelte die Brust eines anderen Mädchens. Es war mir peinlich, ich lief rot an, nahm meine rechte Hand und drückte meine linke nach unten. Obwohl ich mich mehrfache entschuldigte, nahm sie es mir trotzdem böse. Das Ereignis machte schnell die Runde und viele meiner Mitschüler lachten über mich. Einige behaupteten, dass ich nicht ganz richtig im Kopf wäre, ich verrückt sei oder gar eine Spinnerin. Wie hart doch manche Worte sein können. In der 8. Klasse kam es dann zu einem weiterem schweren Vorfall. Ich wollte gerade etwas an die Tafel schreiben. Meine linke Hand preschte wieder nach vorn und schlug gegen die Tafel, welche daraufhin Risse bekam. Meine Hand fing an zu Bluten. Die Lehrerin ging mit mir ins Sekretariat um meine Verletzung zu behandeln. Sie fragte mich mit ernster Stimme, warum ich das getan habe. Ich dachte, sie würde es verstehen und so sagte ich ihr, dass meine linke Hand sich manchmal von selbst bewegt. Sie sah mich nur ungläubig an und schickte mich zu unsere Schulpsychologin.

Die Schulpsychologin war eine dürre und nette Frau, so etwa Ende 40. Ich erklärte ihr den Umstand mit meiner Hand, woraufhin sie nickte. Ich fühlte mich bei ihr geborgen. Als ich mit meiner Erklärung fertig war sagte sie, dass ich zu einem anderen Psychologen müsse und dass ich mir das nicht einbilden würde. Sie erklärte mir, dass meine Symptome dem des Alien-Hand-Syndrom entsprechen, welche bei einer schweren Hirnverletzung auftreten können, allerdings würde das Alien-Hand-Syndrom nach kurzer Zeit selbstständig wieder verschwinden, aber von einem so langen Fall von dieser Krankheit hatte Sie auch noch nie gehört. Sie rief natürlich auch meine Eltern an, um sie darüber in Kenntnis zu setzen. Sie waren fassungslos und konnten nicht verstehen, wie das passieren konnte, aber der Unfall hatte sich bei mir eingebrannt und so kam ich gleich auf die Idee, dass es durch den Hirnschaden von damals kam.

Meine Eltern suchten lange nach einem Psychologen, der sich mit meinem Fall befassen wollte. Viele lehnten ab, da die Krankheit nicht ausreichend erforscht wäre und sie nicht wüssten, wie sie es behandeln sollen. Jedoch fand ein Psychologe den Fall interessant und wollte mir helfen. Sein Name war Herr Nox. Ich hatte ein paar Sitzungen bei ihm und er probierte einiges. Hypnose, Schocktherapie und andere Dinge, von denen ich nicht viel verstand. In der Schule wurde es immer schwerer für mich. Irgendwer fand heraus dass ich zum Psychologen musste und viele lachten mich aus, weil ich jetzt einer dieser Psychos bin. Ich wurde immer mehr zum Außenseiter und war häufig allein. Herr Nox war nach einem Jahr mit seinem Latein am Ende. Als der Psychologe mir das sagte war er sehr blass und schien sich vor etwas zu fürchten. Er gab mir aber ein Armband mit einer Kette, mit dem Ich meine Hand an der Hose festmachen konnte. Eine Provisorische Lösung damit meine Hand nichts von allein tun konnte und ich mich und andere nicht verletzen kann. Als er das mit dem Verletzten erwähnte, schluckte er und rieb sich sein Handgelenk. Was er damit meinte, wusste ich noch nicht, aber akzeptierte es. Ich fing an mein Tagesablauf so zu gestalten, dass ich alles mit einer Hand schaffte. Nur zum schlafen und waschen nahm ich die Kette von meiner linken Hand ab.

Ich machte meinen Schulabschluss und danach wurde es wieder hart. In den Vorstellungsgesprächen musste ich den Chef erklären, dass ich meine linke Hand nicht benutzen kann. Die meisten lehnten ab. Ich konnte sie verstehen. Wer will schon eine Frau die nur einen Arm und einen Hirnschaden hat? Trotzdem machten mich die vielen Absagen traurig. Doch das Glück war mir hold. Ich schaffte es, einen Ausbildung in einer IT-Firma zu bekommen.

Auf der Arbeit und in der Berufsschule sahen mich alle komisch an. Nur weil ich meine linke Hand an meiner Hose angekettet hatte. Manchmal versuchte meine linke Hand immer noch etwas zu tun, wurde aber von der Kette abgehalten. Das programmieren mit einer Hand war nach kurzer Zeit einfach. Es wirkte auf alle anderen befremdlich. Doch nach einiger Zeit schien es sie nicht mehr zu stören. Auf der Arbeit begannen gute Zeiten für mich. Meine Kollegen entwickelten Verständnis für meine Krankheit und ich freundete mich mit vielen an. Nur in der Berufsschule sahen mich noch viele komisch an. Ich ignorierte sie. Es war mir inzwischen egal was andere dachten.

Irgendwann machte ich meinen Abschluss. Mein Chef fand mich auch gut und übernahm mich in der Firma als Grafikdesignerin. Es war die schönste Zeit. Ich musste mir keine Gedanken mehr über meine linke Hand mach, denn sie war ja in Ketten gelegt, wie dieser Wolf aus der nordischen Mythologie.

Als ich 25 war lernte ich Paul kennen. Paul war in der Firma als Elektrotechniker tätig. Wir trafen uns zufällig in der Caféteria und unterhielten uns. Er war mein erster richtiger Freund. Mit der Zeit vertiefte sich unsere Beziehung und Paul zog irgendwann zu mir. Nach einer Woche des Zusammenlebens, fingen die Dinge an merkwürdig zu werden. Paul wollte das ich meine linke Hand auch beim schlafen ankettete. Ich fragte ihn natürlich warum, aber er meinte nur sie mache ihm Angst. Ich tat es für ihn, aber trotzdem fing er damit an nicht mehr mit mir im selben Bett schlafen. Erst da fielen mir die blauen Flecke an seinem Körper auf. Ich sprach ihn darauf an, ob meine Hand ihm das angetan hatte. Er wurde blass und schüttelte den Kopf, trotzdem sagte mir etwas das er log. Wie konnte meine Hand ihn aber verletzen wenn sie angekettet war? Ich sprach Paul mehrfach drauf an, bekam aber nie eine hilfreiche Antwort. Nach vier Jahren unserer Beziehung verließ er mich. Für mich brach eine Welt zusammen. Ich weiß noch wie er sagte: “Es ist aus mit uns, ich halte das nicht mehr aus.” Ich hakte nach und Paul wurde blass und fing an zu weinen. “ Deine linke Hand.  Du bist nicht krank. Sie ist ein Teufel oder ein Dämon oder sowas. Ich halte es nicht aus.”

Ich konnte nicht mehr schlafen und fing seitdem an Nachts durch die Stadt zu wandern. Irgendwann, ich weiß  nicht mehr genau wann, kam eine Gruppe von Männern auf mich zu. Sie umzingelten  mich und fragten ob ich nicht mit ihn gehen möchte. Panik übermannte mich und ich brachte nur ein leises “Nein” raus und zog meine Hände schützen hoch. Mein linke Hand wurde aber von der Kette festgehalten und die Männer fingen an zu lachen. Einer packte mein rechten Arm und hielt mich fest. Ein anderer löste mein linken Hand und packte fest den linken Arm. Mir liefen Tränen übers Gesicht und ich verschloss die Augen. Auf einmal merkte ich dass mein linker Arm wieder frei war und die Männer still wurden. Vorsichtig öffnete ich meine Augen und erkannt dass der, der meinen linken Arm festhielt, vor mir auf dem Boden saß. Einer von ihnen holte mit der Faust aus und wollte mich schlagen, doch meine linke Hand blockte ihn ab und schlug ihn nieder. Ein weiterer Stürmt auf mich zu, meine linke Hand packte ihn, hob ihn hoch und warf ihn mühelos weg. Ich war genauso überrascht wie die Männer, wie stark diese Hand ist. Die Männer rannten weg und ich blieb allein zurück. Ich wusste nicht mehr, was mit meiner Hand eigentlich los war. Das konnte doch keine Krankheit sein, oder doch?

Ich ging nach Hause und entschied mich das es so nicht weitergehen kann. Ich entschloss mich, nach diesen Vorfällen, selber Forschungen anzustellen. Als erstes wollte ich meinen ehemaligen Psychologen aufsuchen. Er hatte immer noch seine Praxis und so ging ich zu ihm, in der Hoffnung etwas zu erfahren. An der Rezeption sagte man mir, dass sie ohne Termin nichts machen können. Zufällig kam der Herr Nox gerade aus seinem Arbeitszimmer. Er sah mich und wurde blass. Sein Blick fiel als erstes auf die Kette an meiner linken Hand. Erst als er die Kette erblickte schien er wieder atmen zu können. Ich sagte ihm, dass ich Nachforschungen über meine Krankheit betrieb. Er sagte mir dass er leider keine Zeit hat, aber wir später reden können. Er nahm einen Zettel und schrieb einen Treffpunkt und eine Uhrzeit auf. Ich traf ihn wie vereinbart. Wir waren bei einem anderen Psychologen, namens Herr Perdo in der Praxis. Herr Nox erklärte ihm die Situation. Herr Perdo erklärte mir dass er sich um Herr Nox kümmert, seit er mich nicht mehr therapiert. Herr Nox erzählt mir, dass ich unter Hypnose anfing merkwürdig zu werden. An das einmal erinnerte er sich gut. Ich hätte ihn mit einer tiefen und männlichen Stimme angeschrien. Er hätte aber die Sprache nicht verstanden. Meine linke Hand hatte ihn damals an seinem rechten Handgelenk gepackt und mit unsagbar Kraft zugedrückt. Herr Nox musste sein Handgelenk bei einem Chirurgen behandeln lassen. Seitdem hatte er mich immer, wenn er mich Hypnotisiert fixiert. Herr Perdo erklärte mir, das noch kein Psychologe so ein Fall hatte. Er riet mir einen Pfarrer aufzusuchen. Ich war entsetzt als ich das hörte, aber Herr Perdo versicherte mir, dass ein geistlicher mir weiterhelfen könne. Für meine Krankheit würde mir niemand sonst helfen können.

Als meine Sitzung mit den beiden Psychologen zu Ende war, fühlte ich mich betrogen. Dachten Sie jetzt allen ernstes ich bräuchte ein Exorzisten? Ich entschied mich lieber erstmal zu einem Arzt zu gehen und meine Hand von einem Profi untersuchen zu lassen. Mein Hausarzt war einverstanden und fing mit ein paar Tests an. Als er allerdings eine Hautprobe von meiner linken Hand machen wollt, ging der Schreck los. Er gab mir ein Schmerzmittel damit ich nichts spürte. Aber als ermittelt einem Skalpell zu meiner linken Hand ging, fing diese wild an zu zucken. Der Arzt fixierte meine Hand am Stuhl und wollte fortfahren, aber meine Hand versuchte sich zu wehren. Der Arzt sagt, dass er die Probe so nicht nehmen könne, aber die anderen Tests würden Aufschluss geben. Nach 2 Monaten des Wartens waren die Ergebnisse da. Ich war vollkommen in Ordnung, bis auf einen kleinen Schaden am Frontallappen. Der Arzt sagte mir nur noch, dass er bei diesem Ergebnis, nicht wüsste wie er mir helfen kann. Mir fielen wieder die Psychologen ein uns so begann ich in die Kirche zu gehen. Dort traf ich Pfarrer Nicolai. Ich erklärte ihm meinen Fall und er hörte mir aufmerksam zu. Es tat gut und ich weiß noch, wie mir beim erzählen Tränen übers Gesicht liefen. Seine Worte werde ich nie vergessen. “Ich bin da um Ihnen Gott nahezubringen. Für Ihr Seelenheil kann ich beten und mir Ihre Geschichten anhören, aber ein Wunder vollbringt nur der heilige Herr. Doch werde ich versuchen Ihnen zu helfen.” So trat ich der katholischen Kirche bei.

Ich an ein Leben, als fromme Christin zu führen. An meiner Kette trug ich jetzt immer ein goldenes Kruzifix. Der Pfarrer weihte sogar meine Hand, auf das kein Dämon in ihr ist. Endlich schien alles gut zu werden. Seit einem guten Jahr war meine linke Hand ruhig und zeigte kein abnormales verhalten. Eine innere Stimme sagte mir, dass ich Sie trotzdem angekettet lassen sollte. In dem Gotteshaus lernte ich Klaus kennen. Er war neu in der Stadt und sollte für die Kirche eine neue Statur anfertigen. Ich verliebte mich in ihn und seine Kunst. Klaus zeigt rasch Verständnis und auch eine gewisse Faszination für meine Krankheit. Wir waren ein halbes Jahr zusammen als er mich bat, meine linke Hand, los zu machen. Er meinte, wenn sie einen Pinsel führt könnte, kann sie eine einzigartige Kunst erschaffen. Ich versuchte seit Jahren wieder meine linke Hand zu bewegen. Es war ungewohnt, aber es ging. Vorsichtig nahm ich den Pinsel und setzte ihn auf das Papier das vor mir lag. Klaus ging hinter mich und hielt mir die Augen zu. Ich weiß noch wie er sagte: “ Denke nicht. Zeichne intuitiv.” Ich tat was er sagte. Als ich den Pinsel ab setzte, sah ich ein Symbol das ich nicht kannte, aber ein Gefühl von Unbehagen in mir weckte. Paul sah mich skeptisch an und wollte wissen was ich gemalt hätte, aber ich konnte es ihm nicht sagen, weil ich es selbst nicht wusste. Wir entschieden uns das Symbol zu Kopieren und herauszufinden was es darstellte. Meine linke Hand kettete ich wieder an. Auf Arbeit konnte mir niemand helfen. Keiner schien zu wissen, was ich gemalte hatte. Ich hatte ein treffen mit Pfarrer Nicolai. Ich zeigte ihn das Symbol, aber er wollte nicht mal den Zettel in die Hand nehmen. Er sagte mir kurz und knapp, “Dieser Zettel ist Teufelswerk. Es ist das Zeichen des Seelenverschlingers.” Ich erklärte ihm, dass meine linke Hand das unterbewusst gemalt hatte. Er ging, ohne auf die Erklärung einzugehen. Er verabschiedete sich mit einem: “ Möge Gott Ihnen beistehen.” Dann bekreuzigte er sich.

Zu Hause traf ich Klaus und erzählte ihm was mir bei Pfarrer Nicolai passiert war. Klaus nahm mich an dem Tag in den Arm. Ich merkte damals, dass seit langem das meine linke Hand wieder zu zucken begann, ohne das ich es wollte. Klaus schlug aber vor, dass ich mehr solcher Bilder malen soll. Sie würden mir etwas über mich verraten und mir vielleicht Auskunft über das Alien-Hand-Syndrom geben kann. Ich liebte Klaus für seine Fürsorge und das Verständnis, das er mir entgegenbrachte. Ich folgte seinem Rat und ging einmal pro Woche zu ihm ins Atelier. Dort hatte er für mich eine Staffelei aufgebaut, die mir beim Zeichnen helfen soll. Ich versuchte es jedes mal es so zu machen, wie beim ersten Mal. Ich schloss jedes mal die Augen und lies meine linke Hand einfach machen. Mir machte es Spaß. Klaus fand die Bilder seltsam. Er sah in ihnen scheinbar Symbole und eine ihm unbekannte, uralte Sprache. Pfarrer Nicolai besuchte uns beide einmal im Atelier. Er wollte die Bilder sehen. Als wir sie ihm zeigten, bekreuzigte er sich und wurde sehr blass. Schweiß lief über seine Stirn und er sah mich schockiert an. Ich kann mich ganz genau an seine Worte erinnern. Es war das erste mal, dass ich ihn aggressiv erlebte. “VERBRENNT DIESES TEUFELSWERK. DER HERR DULDET SO ETWAS NICHT BEI DEN GLÄUBIGEN. HERR DER DU BIST IM HIMMEL, GEHEILIGT WERDE DEIN NAME, DEIN REICH KOMME, WIE IM HIMMEL, SO AUCH AUF ERDEN.” Es dauerte, bis er sich beruhigt hatte und wir ihn fragen konnten was mit ihm los war. Er erklärte mir das auf den Bildern die Sprache Henoch´s zu sehen sei. Dies sei etwas, das ich unterlassen soll. Er würde mir Hilfe besorgen. Klaus und ich waren schockiert. Wie konnte meine linke Hand so etwas von selbst zeichnen? Ich verstand die Sprache nicht, aber dafür gibt es ja Google. Ich war schockiert was ich da fand. Viele Dinge konnte ich gar nicht aussprechen. Aber was daran so schlimm war verstand ich nicht. Ich fand heraus, dass die Sprach eigentlich dazu diente, mit Engeln in Kontakt zu treten. Die Sprache wandelte sich allerdings im laufe der Zeit und gilt jetzt als die Sprache der Magie. Ich verstand was mit Pfarre Nicolai los war, als ich den Namen Lavey fand. Für die, die es nicht wissen: Lavey schrieb die satanischen Schriften. Bei der Recherche, fiel mir wieder ein was Paul, damals unter Tränen sagte. Vielleicht war meine linke Hand ja doch von einem Dämon besessen. Ich schüttelte den Gedanken ab, schließlich wurde sie geweiht und auch mit Weihwasser übergossen und das goldene Kruzifix würde doch den Dämon vertreiben. Nach einem Gottesdienst in der Kirch sprach Pfarrer Nicolai mich an. Er habe einen Exorzisten gefunden der sich mit mir befassen will. Ich nahm sein Angebot dankend an. Was hatte ich den damals zu verlieren?

Der Exorzist stellte sich mir als Herr Axius vor. Er kam vom Vatikan, weil er sich von meinem Fall angezogen fühlte. Er ging mit mir in einen kleinen Raum in der Kirche. In den Raum hing an jeder Wand ein Kreuz und in der Mitte stand ein Stuhl mit Arm- und Fußfesseln. Von der Decke hing eine einzelne Lampe. Der kleine Tisch neben der Tür, fiel mir erst auf, als Herr Axius einen Audiorekorder auf diesem aufbaute. Er wollte, dass ich mich auf den Stuhl setzte und mich fesseln lies. Es wär zu meinem und auch seinem Schutz. Ich weiß nur noch, das er anfing etwas aus der Bibel vorzulesen. Ich weiß nicht ob ich einschlief oder ohnmächtig wurde. Das war mein erster Blackout. Als ich erwachte war ich immer noch an den Stuhl gefesselt. Herr Axius und Pfarrer Nicolai waren kreidebleich und schienen zu einer Säule erstarrt zu sein. Ich sah die beiden ungläubig an. Was war grade passiert? Herr Axius erklärte mir, dass ich den ersten Schlüssel Henochs, Wortwörtlich und in henochisch zitiert hätte. Meine linke Hand soll dabei unmögliche formen angenommen haben. Er zeigt auf Symbole die ich in den Stuhl gekratzt hatte. Sie machten mich los. Herr Axius ging zu einem Telefon und rief jemand an. Ich konnte nicht verstehen was er sagte. Pfarrer Nicolai hielt mich davon ab die Kirche zu verlassen. Herr Axius würde nur etwas in Erfahrung bringen und ich soll einfach Geduld haben.

Herr Axius schritt mit ernster Miene auf Pfarrer Nicolai zu. Sie unterhielten sich und gingen hastig in einen anderen Raum. Als sie wieder kamen schien Pfarrer Nicolai nervös zu sein, nur Herr Axius war ernst. Herr Axius packte meinen linken Arm. In seiner rechten Hand hielt er ein Messer und holte aus. Meine Linke Hand befreite sich aus seinem Griff und schlug ihn gegen die Brust, woraufhin Herr Axius einige Meter durch die Luft nach hinten flog. Meine linke Hand fing an wild um mich zu schlagen. Ich zerschlug alles was ich traf. Es war erstaunlich wie stark sie war. Sie konnte es mühelos mit zwei Geistlichen aufnehmen. Es fing an unheimlich zu werden, mit welcher Wucht meine linke Hand beide Männer verprügelte. Ich schaffte es nicht mehr, meine linke Hand unter Kontrolle zu bringen. Ich wollte mit meiner rechten Hand mein Handy aus der Tasche holen, aber meine linke Hand schlug mir das Handy aus der Hand. Es fiel zu Boden und zerbrach. Meine linke Hand schien sich beruhigt zu haben. Ich konnte die beiden Männer kaum noch erkennen unter ihren Wunden. Ich kettete schnell wieder meine linke Hand an und ging zum Telefon. Ich rief einen Krankenwagen für die Beiden.

Die Polizei traf ebenfalls ein und wollte nun wissen, was passiert ist. Sie sahen mich ungläubig an, als ich ihnen das erzählte. Klaus holte mich von der Kirch ab. Das erste was er tat war mich in den Arm zu nehmen. Es war ein schönes Gefühl. Da fiel mir ein blauer Fleck, auf seiner Brust auf. Ich fragte ihn, woher er den blauen Fleck hatte, aber er sagte er hätte ihn von seiner Arbeit. Drei Tage, nach dem Ereignis in der Kirche, nahm mich die Polizei in Untersuchungshaft.

Mit 34 Jahren war ich das erste mal im Knast. Meine linke Hand musste ich los machen, damit Sie mir Handschellen anlegen können. Mir wurde ein Verteidiger zugestellt. Ich erklärte ich. meinen Fall und er versicherte mir, dass er mich hier raus bringt. In der zweiten Nacht im Gefängnis passierte etwas. Ich kann mich leider nicht daran erinnern, aber eine Überwachungskamera zeichnete es auf. Ich bin am Schlafwandeln gewesen und habe mit beiden Händen eine Gitterstange verbogen. Laut einer Polizisten hätte ich noch was Unverständliches dahin gestammelt. Der Polizeipsychologe sagte mir, es wäre nicht schlimm. Für den Schaden müsste ich auch nicht aufkommen. Am selben Tag kam auch mein Verteidiger wieder. Er erklärte mir, dass beide die Anklage fallen lassen wollen, wenn ich keine Gegenklage mache und der Kirche austrete. Des Weiteren bekommen ich ein Hausverbot für die Kirche von Pfarrer Nicola. Ich nahm es an. So schlimm waren die Bedingungen auch nicht. Die Entschädigung für den U-Haft war ein Witz. Für die Umstände die sie mir verursachten, erhielt ich eine mickrige Abfindung. Als ich nach Hause kam, hatte Klaus einen romantischen Abend für mich vorbereitet. Am nächsten morgen, sah ich Klaus, noch nackt, neben mir liegen. Er hatte 2 blaue Flecke auf der Brust. Mir kam in den Sinn, dass ich vielleicht anfing zu Schlafwandeln und ihn dabei verletzte. Von so etwas hatte ich schon mal gehört und das würde auch Pauls Reaktion von damals erklären. Ich entschied, mich Klaus nach der Arbeit zu rede zu stellen.

Er bestätigt mein Verdacht. Er sagte mir, dass ich manchmal nachts umherwandern würde, ihn es aber nicht störte. Die Verletzung hatte er sich bei seiner Arbeit zugezogen, ich bräuchte mir keine Gedanken darüber zu machen. Es verlief alles eine Weile ruhig, bis eines morgens. Ich wacht auf und hörte ein Röcheln neben mir. Ich war fassungslos. Meine linke Hand versucht grade Klaus zu erwürgen. Er kämpfte mit beiden Händen gegen sie an aber er schaffte es nicht. Ich nahm meine recht Hand und half ihm. Es gelang uns nur unter größten Anstrengungen die linke Hand zu lösen. Ich entschuldige mich mehrfach bei Klaus. Er nahm mich in den Arm und sagte “Alles ist gut, Schatz.” Mir fielen die blauen Flecken auf. Er hatte Sie sich nicht bei der Arbeit zugezogen, sondern ich war es. Wie sollte ich jetzt weiter machen? Ich kann doch nicht jede Nacht mein Freund verprügeln. Beim Schlafwandeln löste ich meine Kette von der linken Hand, deswegen entschied ich sie beim Schlafen an das Bett zu fesseln. Ich kaufte mir Handschellen und legte den Schlüssel in einen kleinen Beistelltisch neben dem Bett. Es schien die Lösung des Problems zu sein. Ich beobachtet wie die blauen Flecken von Klaus weniger wurden. Allerdings war es ein komisches Gefühl, mit Handschellen ans Bett gekettet zu sein. Mit der Zeit gewöhnte ich mich aber auch daran. Es kam dennoch zu einem weiteren Vorfall. Ich war 39 Jahre alt. Ich erwachte neben Klaus, aber er atmete nicht mehr. Ich sah dass sein Kehlkopf deformiert war und rief sofort einen Krankenwagen. Die Ärzte konnten nur noch seinen Tod feststellen. Die Polizei wurde eingeschaltet. Sie erklärten mir ein paar Tage später, dass Klaus durch ein Schlag auf den Kehlkopf starb. Sie nahmen mich mit aufs Revier. Der Polizeipsychologe begrüßte mich und ich erzählte ihm alles. Er meinte nur, dass er alles überprüfen würde und sich auch mit meinem Psychologen unterhalten will. Die Polizei erklärte mir, dass ich nach Hause kann, allerdings dürfte ich das Land nicht verlassen und müsste am Fuß ein GPS-Gerät tragen. Falls ich vorhabe in ein Hotel zu gehen soll ich Bescheid sagen. Sie gaben mir noch eine Durchwahl und ließen mich gehen. Zu Hause angekommen, packte ich meine Sachen und ging in ein Hotel. Die Polizei rief mich schon nach zwei Tagen an. Ich müsse in die Psychiatrie. Ich bin geistig Unzurechnungsfähig. In zwei Wochen würden Sie mich abholen. Mein Leben war endgültig zerstört. Ich entschied mich die Woche zu nutzen um mich um alle Formalitäten zu kümmern. Ich kündigte mein Job und meine Wohnung und beauftragte eine Firma meine Möbel zu entsorgen. Mein Testament ist von der Notarin Frau Richter abgesegnet und meine Beerdigung habe beim Bestattungshaus Friedrich in Auftrag gegeben.

Nunja hier Endet meine Geschichte. Ich merke beim Schreiben das Paul vielleicht recht hat und diese Hand von einem Dämon besessen ist. Morgen kommt die Polizei und holt mich ab. Paul, Klaus es tut mir wirklich leid was ich euch angetan habe. Meinen Eltern möchte ich noch sagen, das ich sie liebe. Möge Gott mir verzeihen. Ich werde mir und meiner linken Hand ein Ende setzen.


Dieser Abschiedsbrief wurde auf einem Laptop, in einem Hotelzimmer gefunden, in dem auch die 40 jährige Laura W, mit einem Strick von der Decke hing.

Anmerkung: Die Tote Laura trug an ihrem linken Unterarm ein Armband das mit ihrer Hose über eine kurze Kette verbunden war. Ihr linke Hand fehlte. An ihrem Unterarm war nur noch ein stumpf. Die Autopsie ergab dass die Hand schon seit mehr als 10 Jahren fehlte.

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Autor: Eisengroud