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Sicher kennt jeder das von euch. Die Eltern sind aus dem Haus. Die Nacht gehört euch. Tja, ich kenne das zumindest. Auf jeden Fall ist es mir einmal passiert. Meine Eltern, ein normales Ehepaar, von welchem man kaum behaupten kann, dass sie sich häufig streiten würden oder irgendwelche großen Geheimnisse vor sich oder ihren Kindern hätten. Ich bin kein Einzelkind. Neben mir gibt es noch drei weitere Kinder in der Familie. Ich konnte nur froh sein, dass sie auch an dem Tag nicht da waren.

Am Morgen stand ich nicht früh auf, weswegen ich gerade meine Eltern noch antraf, die zu einem Besuch zu meinem Onkel wollten. Nein, ich wollte nicht mit und konnte auch nicht. Da war mir die Schule und die Prüfung am Montag früh doch um einiges lieber... Wie auch immer, ich blieb. Meine Mutter gab mir noch einen kleinen Abschiedskuss wie immer auf die Wange und meinte, dass ich das Haus heile lassen sollte. Ein Scherz wie immer und ich war mir ihres Vertrauens sicher.

Nachdem sie dann von dem Hof fuhren, machte ich mich daran, etwas zu frühstücken und wollte mich dann gleich ans Pauken machen, als mir die erste Hürde im Weg erschien. Der Schlüssel, welchen ich vorher noch in der Tür von außen hatte stecken lassen, lag auf einmal auf den beiden Stufen zur Tür hinauf. Die Tür war zu und ich verwirrt. Ich blickte immer wieder auf den Schlüssel. War ich das? Mit einem Kribbeln im Magen ging ich die Stufen hinauf, schloss auf und rief einmal laut, ob jemand da war. Nie ein guter Einfall, da wohl kaum einer antworten würde: "Klar, bin hier. Räume deinen Schmuck aus." Es antwortete wie gedacht niemand.

Weiter machte ich mich auf die Suche nach ungebetenen Gästen, fand aber niemanden. Also die Tür wieder abgeschlossen und weiter an die Arbeit. Mein Frühstück fiel mit einer Scheibe trockenem Brot recht mager aus, dennoch fand ich mich damit ab und setzte mich an den Küchentisch, um dort zu lernen. Bestes Licht im Haus.

Es schneite. Es beruhigte mich und ich vergaß die Sache mit dem Schlüssel schon wieder, als mir das Geräusch zum ersten Mal ans Ohr kam. Ein Kratzen an der Wand. Ich schreckte nicht gleich auf, mich zog es aber dennoch komisch im Rücken. Alles war so still gewesen und dann das? Automatisch schaute ich auf die Uhr und stellte entsetzt fest, es war schon Nachmittag. Von da an sollte es alles nur noch schlimmer werden.

Mein Handy lag nie weit von mir, als ich danach packte und immer wieder auf die Küchentür schaute. Sie stand zum dunklen Flur offen und schien mich grausam wie ein Auge anzusehen. Kurz die Nummer rausgesucht... es war frei. Nach dem dritten Freizeichen ging meine Mutter endlich ran und schien dennoch immer wieder zu verschwinden. Wenige Worte kamen bei mir an, doch sie reichten. Hallo... Schatz... Schneesturm... Nacht... Übernachten... Daran merkt ihr, es war nicht geplant das sie über Nacht wegblieben. So ein Pech konnte nur ich haben.

Das Handy fest umschlossen stand ich in der Küche als die Verbindung vollkommen brach und sah auf den mir weit weg erscheinenden Lichtschalter neben der offenen Tür. Es wurde immer dunkler und ich musste das Ding anmachen. Aber dann ertönte es wieder. Ein tiefes Atmen. Aus dem Flur. Ich passte und verkroch mich unter dem Tisch. Mit einem kurzen Blick auf das Handy stellte ich eines fest. Meine Verbindung war weg.

Die Sekunden vergingen und ich schlotterte noch immer unter dem Möbelstück. Mein Nacken tat vom krummen Sitzen weh und meine Beine rutschten immer wieder auf den Fliesen hin und her. Genau in dem Augenblick hörte ich das leise Flüstern zum ersten Mal. Es war nicht zu verstehen, aber ich hörte es. Da war jemand.

Nach weiteren Minuten des Schweigens und Lauschens war ich an einen Punkt, der nicht hätte schlimmer sein können dachte ich mir und fasste alles zusammen, was ich mir aus meinen Knochen schütteln konnte. Vorsichtig, Handylicht voran, kroch ich unter dem Tisch hervor und erhellte mir den Weg zum Lichtschalter. So schnell wie ich konnte knipste ich das Ding zitternd an und erhaschte noch einen Blick auf einen dunklen Schatten, der durch den Flur auf den Boden huschte. Schreiend wich ich zurück und drückte mich an die Wand. Die Tür hatte ich vergessen zu schließen. Mist.

Was blieb mir anderes übrig. Ich musste aus dem Haus raus oder der Jemand musste gehen. Ich brüllte mit den letzten Rest Mut aus der Küche heraus: "Wer ist da? Verlassen sie auf der Stelle mein Haus oder ich rufe die Polizei." Es folgte Stille. Dann jedoch, als ich mich von der Wand wegbewegte hörte ich die schweren Schritte aus dem Flur. Starr vor Angst wich ich wieder zurück in die Küche. Da stand jemand im Flur. Der Schein aus der Küche schien ihmweder zu gefallen noch schreckte es ihn direkt ab, was wahrscheinlich an seiner Kapuze lag, die sein gesamtes Gesicht bedeckte.

Er blieb stehen und atmete schwer. Plötzlich, ohne das es einen ersichtlichen Grund gab, zersprang über meinen Kopf die Birne in der Deckenlampe und da der Lampenschirm schon seit Jahren fehlte, rieselten einige Glassplitter vor meinen Augen hinab. Aus Reflex schloss ich die Augen und schon stand die Gestalt vor mir. Sie war groß und wirkte durch den Mantel noch mächtiger. Der Blick unter die Kapuze verschlug mir den Atem und ließ mich erstarren. Mein Handy fiel zu Boden und meine Beine sackten beinahe zusammen, als ich mich noch am Tisch halten konnte. Sein Gesicht war das eines normalen Mannes, doch die linke Seite war nur noch Knochen. Die Haut und das Fleisch fehlten. Dennoch steckte in seiner Augenhöhle ein helles grünes Auge. Sehen konnte ich das nur durch den Schein des auf den Boden liegenden Handys.

"Du fragtest wer hier ist? Soll ich mich vorstellen?", doch ich schüttelte den Kopf. Seine knochige linke Hand erhob sich und strich mir über den Hals. Sie war ein Skelett. Seine linke Hand. Plötzlich drückte es immer mehr zu. Ich bekam kaum noch Luft doch wehren konnte ich mich auch nicht. "Willst du sterben?", fragte mich die dunkle Stimme. Ich schüttelte den Kopf soweit ich konnte. Mir liefen die Tränen über die Wangen und ich sah sein unmenschlich breites Grinsen. "Dann tut es mir leid." Wieder drückte er fester zu und ich rang nach Luft. In mir wollte sich alles wehren, doch ich konnte nicht. Die Angst lähmte mich. Sie lähmte mich, bis der Druck auf einmal nachließ und ich zu Boden fiel. Mein Körper zitterte und ich hörte wieder eine Stimme, doch nun hörte ich die deutlicher. Das Licht im Flur erkannte ich verschwommen, doch ich erkannte es und die Menschen die in der bis vor kurzem noch so grausam erscheinenden Tür standen. Meine Eltern und Geschwister. Ich bemerkte nicht einmal, wie sie auf mich zukamen, als ich nach der Gestalt suchte, die mir den ganzen Tag schon auflauerte. Niemand war da. Nur meine Familie. Niemand.

Ich ging in mein Zimmer. Nachdem sie sich Sorgen machten, gingen sie von Überarbeitung und einem Traum aus. Ja, wir lassen sie in dem Glauben. Ich war schon froh gewesen, dass sie es doch noch nach Hause geschafft hatten. Meine Panik ist noch immer nicht verflogen und ich schlafe jede Nacht mit einer Taschenlampe oder einem anderen Licht unter meiner Decke ein. Er lässt sich dadurch doch sicher abwenden. Zumindest denke ich das, da er jede Nacht nur in meiner hintersten Zimmerecke steht, mich mit seinem aufgesetzten Lächeln anstarrt und mir zuwinkt.

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