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House facade autumn

Meine Hand umschließt den eisigkalten Türknauf, dreht ihn im Uhrzeigersinn herum. Die Tür lässt sich nur widerwillig öffnen; der Frost macht sie starr und schwerfällig.

Als ich im Flur stehe, streife ich mir die massig schwere, vom Schnee durchnässte Winterkleidung ab; nachdem ich alles sorgfältig an einem trockenen, warmen Platz aufgehängt habe, trage ich nur noch einen viel zu großen Wollpullover über meiner Unterwäsche und wandere mit müden Schritten in die Küche.

Hm? Verblüfft streift mein Blick das Sideboard zu meiner Rechten. Das Glas, welches sonst immer voll mit Münzen und wenigen Scheinen gefüllt war, ist leer. Schulterzuckend schlurfe ich auf den Kühlschrank zu. Sicher hat sich mal wieder meine allerliebste kleine Schwester daran bedient um sich irgendeinen Teenieplunder zu kaufen, um bei den Klassenkameraden ja gut da zustehen.

Als ich die Kühlschranktür öffne, schnellen beide meiner Augenbrauen in die Höhe. Nanu? Wer hat sich denn den Rest vom Abendessen gemopst der eigentlich, schon seit ich denken kann, immer für mich nach der Schule reserviert war? Nun ja, es wäre wohl nicht das erste Mal, dass mein Vater sich daran bedient, aufgrund von vielerlei Gründen die er mir dann abends beim gemeinsamen Essen gestikulierend erläutert.

„Ja weißt du, der Wecker…“, er macht dann oft eine übertrieben entschuldigende Geste „…der meint es manchmal zu gut mit mir, sodass ich gar keine Zeit mehr habe mir mein Mittag noch rechtzeitig zu organisieren“. Oftmals will er es dann mit einem Fünfer wieder gut machen, welcher dann für Kinobesuche draufgeht, anstatt für ein Mittagessen.

Ich entscheide mich für etwas Toast mit Marshmallowcreme, dazu ein Glas Kakao. Als ich meinen Weg ins Wohnzimmer fortsetzen will, bleibe ich abrupt stehen. Irgendetwas im Flur ist anders als sonst. Doch das fällt mir erst jetzt auf; vorhin als ich hereinkam, hatte mich dieses Gefühl noch nicht beschlichen.

Heute ist einfach ein komischer Tag, wie verhext. Solche Tage gibt es eben manchmal. Ich rede mir in Gedanken gut zu.

Ich schlendere gemütlich und gedankenverloren ins Wohnzimmer, während ich die letzten Bissen meines Ersatz-Mittagessens herunter schlinge. Ich schmeiße mich legere aufs Sofa, lecke mir die klebrige Marshmallowcreme von den Fingern, nehme einen Schluck Kakao und überlege was ich mit dem Rest des Tages anfangen soll. Es ist 16 Uhr und im Fernsehen wird wieder die übliche, volksverdummende Grütze laufen. Wie immer. Ich gähne, merke, dass ich doch sehr geschlaucht und erschöpft bin. Die letzte Woche war die Hölle. Lauter Klausuren, Tests und Referate, von denen mein Jahresdurchschnitt zum großen Teil abhängig sein wird. Kaum geschlafen hatte ich in den vergangenen Tagen.

Ich lasse meinen Blick noch einmal durchs Zimmer wandern, als mir wieder etwas Subtiles, Komisches auffällt. Auf der Kommode neben dem Fernseher fehlt ein Bild. Es ist jenes, welches letztes Jahr auf Dad’s 40. Geburtstag von mir gemacht wurde. Ich erinner mich nur schier daran, da ich mich für gewöhnlich kaum in diesem Raum aufhalte. Komisch. Wer und vor allem warum sollte jemand das Bild von der Kommode nehmen und weg- oder woanders hinstellen?

Ich entdecke den Bilderrahmen nirgends, er ist auch nicht runtergefallen. Ich werde heute Abend fragen, warum er nicht mehr dort steht; vermutlich habe ich es bis dahin aber schon längst wieder vergessen.

Ich beschließe kurzerhand, obwohl es noch viel zu früh dafür ist, nach oben zu gehen und mich schlafen zu legen. Als ich aufstehe, strecke ich mich ausgiebig; meine Füße fühlen sich bleiern an, meine Beine wie steife Baumstämme und eine allgemeine Schwäche breitet sich in meinem Körper aus. Für heute bin ich fertig mit dieser Welt.

Ich schleppe mich die hölzerne, knarrende Treppe hinauf, welche zu den Schlaf- und Badezimmern führt. Beinahe stolpere ich, kann mich jedoch galant aus dem fast resultierenden Fall retten. Oben angekommen schweift mein Blick wieder durch die ganze Etage, welche nur spärlich mit Tageslicht durchflutet ist. Lediglich ein Fenster spendet hier oben Licht, dazu ist es aus buntem Mosaikglas und taucht so Alles in ein buntes, stimmungsvolles Bild. Ich mochte das, vor allem im Herbst.

Mir meine Augen vor Müdigkeit reibend, schlendere ich schlaftrunken in die Richtung meines Zimmers, drehe den Türknauf. Quietschend schwingt sie auf, meine mit Rockbands Postern plakatierte Tür.

Huch? Hatte ich vergessen die Vorhänge zu öffnen? Eigentlich tue ich das jeden Morgen nach dem Aufstehen. Ach, wie auch immer.

Ich trete die Tür mit meinem Fuß seicht hinter mir zu; trotzdem knallt sie in den Türrahmen und lässt mich zusammenzucken.

Ein eigenartiges Gefühl beschleicht mich. Ich reibe mir fröstelnd die Oberarme und lasse mich in mein weiches, kuscheliges Bett fallen, gleite unter die flauschige Decke.

Ich schließe meine Augen und reibe mein Gesicht in einem Anflug von voller Zufriedenheit an meinem Kissen. Endlich im Bett, endlich Schlafen. Ich lächele.

Kurz, nur einen winzigen Augenblick bevor ich in einen tiefen Schlaf versinken würde, reiße ich die Augen auf und sitze senkrecht, kerzengerade in meinem Bett. Ein schrecklicher Verdacht kriecht sich seinen Weg in meine Gedanken. Ein verstörendes Detail, welches ich vorhin wohl nur unterbewusst wahrgenommen hatte und nun, wo ich so tiefenentspannt gewesen war, wurde es mir klar.

Ich schlucke schwer.

Wideeyes

Augenblicklich springe aus meinem Bett, laufe zu meiner Tür; reiße diese auf und sprinte die Treppen herunter.

Als ich mich am untersten Absatz der Treppe befinde, sehe ich es; Etwas, was mir zuvor nicht aufgefallen war.

Dort, etwas abseits von den anderen, steht ein fremdes Paar Schuhe.

Ungläubig starre ich diese an, während von oben langsame Schritte  mein Ohr dringen.

...ALLES WIE IMMER, ODER?

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