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„Lustig, wie man in Träumen immer gerade durch die Tür geht, die bereits offen ist.“ Aidan nickte: „Oder durch die Tür, auf die man gerade zu geht. Woran liegt das wohl?“ Andre stand auf und holte noch drei Flaschen Bier, während seine besten Freunde Aidan und Lars anfingen, über die Bedeutung von Träumen zu diskutieren. Seit sie mit ihrem Psychologiestudium angefangen hatten konnte man mit den beiden keine Horrorfilme, nein eigentlich gar keine Filme mehr sehen, ohne das irgendwann eine Diskussion über irgendwelche Themen entstand, die Andre nicht interessierten oder die er nicht verstand. Er reichte den beiden ihr Bier in der Hoffnung, dass sie dann endlich die Klappe halten würden, und setzte sich gerade wieder in den Sessel um den Film weiter zu sehen, als draußen wieder der nervige Nachbarsköter anfing zu bellen. Seufzend griff er nach der Fernbedienung und stellte den Fernseher etwas lauter, sodass die Schreie der Frau, welche gerade auf dem Bildschirm panisch durch einen Korridor rannte, das Bellen bald übertönten. Andre lehnte sich zurück und schaltete ab, wie er es nur bei solchen sinnfreien Horrorfilmen ohne wirkliche Geschichte und mit viel Gemetzel konnte.

Er dachte über Sarah nach, und fragte sich, was sie in diesem Moment wohl tat. Er fühlte sich immer noch schrecklich dafür, wie ihre Beziehung geendet hatte und überlegte sich Wege, seine Ex-Freundin zurück zu gewinnen. Da er es war, der sie betrogen hatte, konnte er es ihr natürlich nicht verübeln, wenn sie ihn nie wieder sehen wollte, doch mit diesem Gedanken hatte er sich immer noch nicht angefreundet.

Ein zweiter Hund stimmte in das lauter werdende Gebell ein und riss ihn aus seinen Gedanken. Er sah hinüber zum weit offen stehenden Fenster, und überlegte ob er es schließen sollte. Um das Gebell wenigstens zu dämpfen. Mittlerweile war die Sonne, die die Wohnung während des Tages auf beinahe unerträgliche Temperaturen aufheizte untergegangen, weshalb ihm kein Grund einfiel weshalb das Fenster noch geöffnet bleiben sollte. Doch als er es schließen wollte, hörte er jemanden rufen. „Hey, Andre! Mach mal auf!“ Gerade als er den Kopf aus dem Fenster steckte um zu sehen, wer gerufen hatte schien ihn eine unsichtbare Macht aus dem Fenster zu ziehen und er fiel in die Tiefe.

Er war so erschrocken, dass er nicht einmal aufschrie, bevor er auch schon auf dem Boden landete. Obwohl der Sturz aus dem zweiten Stock nicht sehr tief war und er gnädigerweise in dem Anhänger landete, welcher voll mit Ästen und Blättern war nachdem der Mann aus der Wohnung unter ihnen heute die Hecke geschnitten hatte, war die Landung alles andere als spaßig für ihn. Ein glühender Schmerz fuhr durch seine Brust und für einen kurzen Moment bekam er keine Luft, gerade so lange, dass er Angst bekam er müsse ersticken. Mit dem Atem kamen weitere Schmerzen. Ein Ast hatte eine tiefe Schramme an seinem Oberarm hinterlassen und ein weiterer bohrte sich schmerzhaft in seinen Rücken. Vor Schmerzen aufstöhnend setzte er sich auf und betastete seinen Brustkorb, erleichtert dass er sich nichts gebrochen zu haben schien. Er erhob sich und griff gerade nach seinem Handy um einen Krankenwagen zu rufen, falls er sich doch etwas gebrochen hatte, als er realisierte, dass er sich gar nicht auf dem Anhänger befand.

Er ließ seinen Blick schweifen und sah eine einzige Müllhalde. Etwa fünfhundert Meter entfernt konnte er festen Boden erkennen, doch ansonsten war um ihn herum nur Müll. Das Blut aus der Schramme in seinem Arm tropfte auf den Boden, welcher – zu seinem Entsetzen – nicht aus Blättern bestand. Er war bis zu den Knöcheln in Abfall versunken, welcher aus verfaulenden Lebensmitteln zu bestehen schien. Er hatte Probleme zu erkennen, was genau die weiße, matschige Masse war, in der er stand, doch er nahm sich auch nicht die Zeit sie näher zu begutachten, als sie begann sich zu bewegen und ein halbes Dutzend fette Maden an seiner Hose hoch zu kriechen versuchten. Ekel ergriff ihn und er machte einen Satz zur Seite, wo bei die Hälfte der Maden von ihm abfiel. Doch als er versuchte die restlichen Maden abzuschütteln rutschte er aus und landete in einem stinkenden, verschimmelnden Haufen Kartoffelschalen. Fiepend liefen Ratten aus dem Haufen, eine so nah an ihm vorbei, dass sie sein Gesicht mit ihrem widerlichen, pinken Schwanz streifte. Der Gestank trieb ihm die Tränen in die Augen und er musste würgen, während er sich aufrappelte.

Nun vorsichtiger bahnte er sich seinen Weg zum festen Boden, darauf bedacht nicht auf das Getier zu achten, dass er mit seinen Schritten aufscheuchte. Er war gut vorangekommen und nur noch wenige Schritte trennten ihn vom Erreichen des Endes der Müllhalde, als der Müll hinter ihm begann sich zu bewegen. Scheinbar hatte er mit seinem Auftreten nicht nur kleines Getier geweckt, denn unter dem Müll regte sich etwas Großes. Panisch beschleunigte er seinen Schritt und erreichte den festen Boden, nur um dort festzustellen, dass die Müllhalde von massiven Betonwänden umgeben war. Sich herum drehend entdeckte er einen Ausgang und fing gerade an in dessen Richtung zu laufen, als das geweckte Monstrum aus dem Müll hervor brach. Eine riesige, haarige Spinne entstieg dem Unrat und streckte ihre Beine. Jedes dieser Beine war dicker als Andres Oberschenkel, und er erstarrte bei dem Anblick der acht Augen, welche in alle Richtungen gleichzeitig zu blicken schienen. Die Spinne war mannshoch und aus ihrem Maul, welches sich hinter zangenförmigen Kauwerkzeugen verbarg, tropfte eine speichelähnliche Flüssigkeit. Scheinbar hatte sie die Vibrationen des Bodens verspürt, welche Andre verursacht hatte als er sich durch den Müll bewegte und freute sich nun auf einen solch großen Leckerbissen. Auch als die Kreatur sich auf ihn zu bewegte konnte Andre sich vor Angst nicht rühren. Die Spinne knackte freudig mit ihren Kauwerkzeugen und bahnte sich ihren Weg durch den Müll. Dieses laute Knacken war es, was Andre letztendlich aus seiner Starre riss und er rannte los in Richtung des Ausganges, welcher zu seinem Entsetzen mit riesigen Spinnfäden verschlossen war. Er schlug gegen diese Fäden und versuchte, einfach hindurch zu laufen, doch er verhedderte sich und die klebrigen Fäden umwickelten ihn immer weiter, je mehr er sich wehrte, bis er sich zuletzt gar nicht mehr bewegen konnte. Er drehte den Kopf so gut es noch ging und sah die Spinne immer näher kommen. Panik überwältigte ihn und er bekam erneut kaum Luft als die Spinne begann, ihn langsam weiter in den Kokon zu wickeln. Das letzte was er sah waren die mahlenden Kauwerkzeuge welche sich auf sein Gesicht zu bewegten. Dann wachte er keuchend und Schweiß durchtränkt in seinem Bett auf.

Mit rasendem Herzen betastete er langsam seinen Körper und stellte fest, dass sein Arm nicht blutete und sein Rücken nicht schmerzte. Er trank einen Schluck Wasser und beruhigte sich langsam während er liegend an die Decke starrte. Sich fragend, ob er wohl wieder einschlafen könne vernahm er das leise Geräusch nicht, welches entstand als die Tür seines Kleiderschrankes aufschwang. Da er die Augen wieder geschlossen hatte sah er auch nicht die Frau, welche aus dem Schrank kletterte. Sie trug ein ehemals weißes, schmutziges und zerfetztes Kleid, welche die tiefen Schnitte in ihrem Brustkorb nicht verdeckte. Ebenso wenig konnte er das Blut aufhalten, das scheinbar endlos aus den Wunden zu tropfen schien. Eine rot glitzernde Spur hinterlassend bewegte sie sich beinahe lautlos auf das Bett zu und beugte sich über Andre, welcher gerade begann wieder einzuschlafen. Im Halbschlaf bemerkte Andre, wie ihm langsam die Decke weggezogen wurde und schlug langsam die Augen auf. Die hässliche Fratze, die er erblickte ließ ihn hochschrecken. Wie ihr Brustkorb war auch ihr Gesicht mit drei tiefen Schnitten verziert und ein Auge hing aus seiner Höhle gerissen am Sehnerv. Der Mund war zu einem hässlichen Grinsen verzogen während die Frau ihre zentimeterlangen Fingernägel langsam in sein Fleisch bohrte. Andre konnte spüren, wie seine Haut von den scharfen Kanten der Nägel aufgerissen wurde, als die Frau sie quer über seine Brust, bis hin zu seinem Bauchnabel zog und dabei irre lachte. Andre schrie vor Schmerzen auf und das letzte was er sah als er den Kopf abwandte um nicht mehr diese Fratze ertragen zu müssen, war sein Wecker, welcher gerade auf 00:01 Uhr umsprang. Dann erwachte erneut in seinem Bett.

Zwei Träume in einem. Paradoxerweise war das einzige, was ihm dazu einfiel der Film Inception. Er wischte sich mit einer Hand den Schweiß aus dem Gesicht und wollte gerade nach seinem Wasserglas greifen, als ihm die Uhrzeit auffiel. Es war Punkt Mitternacht als er hörte, wie sein Kleiderschrank sich langsam öffnete…

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