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(Diese Geschichte ist der 1. Teil der Kurzgeschichtensammlung "Tischgeschichten" und Bestandteil des D.W. Mythos.)

Dies ist das letzte was ich je schreiben werde. Es ist aus, wie man so schön sagt.
Gestern lief ich am örtlichen Restaurant vorbei und wollte mir die Beine vertreten. Meine Frau wollte sich mit einer Freundin treffen und ich konnte einmal entspannen, ohne mich gleich ihrem prüfenden Blick aussetzen zu müssen. Als ich durch die blanken, funkelnden Scheiben des kleinen Ladens sah, war jedoch alles vergessen. Ich sah meine Frau, nur von hinten, aber ihre strahlenden, blonden Haare ließen keine Zweifel zu. Und dort saß ein Mann. Er hatte schätzungsweise mein Alter, etwa 45, und warf meiner Frau ein ungezwungenes Lächeln zu.

Ich musste wohl etwas zu lange, wie eine Salzsäule starrend, den Blick der Gäste, nach draußen, blockiert haben, weil mir einige von ihnen bereits unruhige Blicke zuwarfen. Ich hatte genug gesehen. Ich wusste alles, was ich zu Wissen brauchte, als der Mann mir einen Blick zuwarf. Er war wissend, als hätte er sofort erfasst wer ich war und warum ich mich so verhalten hatte. Ich schaute überrascht auf den Boden und ging ein paar Meter weiter, raus aus der Sicht dieser verlogenen Schlangen. Wie konnte meine Frau mir nur so etwas antun, obwohl sie mich sonst auf Schritt und Tritt kontrollierte? Meine Fäuste ballten sich.

Ich kannte diesen Mann nicht, aber allem Anschein nach war er der neue Kellner. Diese Kleidung erkenne ich auf 10 Kilometern, gegen den Wind. Da ich diesen Schuppen kannte, konnte ich auch mit ziemlicher Sicherheit beschwören, dass ich den alten Kellner wohl nicht mehr wiedersehen würde, weil seit den letzten 2 Jahren, hier niemals mehr als einer angestellt wurde. Früher gab es mal mehr, aber aus irgendwelchen Gründen schien der Laden schon seit längerer Zeit nicht mehr so viele Gäste anzuziehen. Ich sah eine Zeitung durch den Wind an mir vorbeifliegen. Ein Geistesblitz durchfuhr meinen Verstand und in den tiefen Windungen meines Hirnes formte sich langsam ein Plan.

Am nächsten Tag, ich hatte nur unruhig geschlafen, saß ich ihr schweigend und in die Zeitung vertieft gegenüber. Mein Gesicht von den Blättern verhüllt, waren meine Gedanken doch bei ihr. Ich hatte noch kein Wort gesprochen. Sie sollte den Anfang machen.

Sie: „Wir hatten viel Spaß gehabt, Alice und ich. Ich soll dir ihre Grüße ausrichten.

Ich. „Schön. Du kannst ihr ausrichten, dass es mich freut, dass ihr gestern so viel Spaß hattet.”

Sie: „Hm, ja. Werd ich machen."

Ich: „Du hast mir noch gar nicht zum Geburtstag gratuliert.

Sie: „Ich weiß... Steht irgendwas interessantes in der Zeitung."

Ich sah auf den neuen Tisch. Wir hatten ihn letztens auf dem Sperrmüll von genau dem Restaurant mitgenommen, wo ich sie gestern mit diesem Typen gesehen hatte. Er sollte uns an die schönen Zeiten erinnern, die wir dort erlebt hatten. Jetzt hatte ich nur noch Verachtung für alles, was mit diesem verdammten Ort zu tun hatte. Ich sah wieder auf die Zeitung. Was ich nun erblickte verwunderte mich. Was waren das für Nachrichten? Haben die schon vorher da gestanden oder bilde ich mir das nur ein. Ich las vor.

Ich: „Hier steht, dass Dennis Quaid sich von Meg Ryan getrennt hat, nachdem sie fremdgegangen ist. Traurig. Sie waren doch so ein schönes paar.

Sie: „Hachja. Die Öffentlichkeit sieht oft nicht, wie es wirklich in einer Beziehung aussieht. In manchen Situationen kann ich die Frauen verstehen.

Da war es wieder. Diese unscheinbaren Andeutungen. Ich wurde wütend. Jetzt war ich froh über diesen Artikel. Jetzt hatte ich etwas, damit sie sich schlecht fühlen konnte. Ich legte mir die Worte zurecht.

Ich: „Wieso redest du plötzlich über Frauen, Darling. Ich habe nie über Frauen gesprochen.

Darling..so hatte ich sie schon seit vielen Jahren nicht mehr genannt. Das muss ihr aufgefallen sein.

Sie: „Ich meine nur. Manchmal gibt es keinen besseren Weg... Wollen wir nachher ins Restaurant?

Aus meinem Mund entwich ein leises „Oh”. Hatte sie das gerade übergangen. Dieses Miststück. Das bestätigte mich nur einmal mehr, dass sie etwas mit diesem Kellner am laufen hatte. Ich sah wieder auf die Zeitung. Das was ich dann sah war überraschend. Ich wusste gar nicht, dass Journalisten so schnell waren, aber es war mir durchaus willkommen.

Sie: „Hey, ich rede mit dir!”, fauchte sie mich an.

Ich: „Hier steht, dass der Kellner ermordet wurde.

Sie: „Welcher Kelln... Doch nicht?

Ich: „Ja, erstochen..." Ich lächelte. "Das scheint dich ziemlich mitzunehmen, was?

Sie: „Oh Gott. Lies weiter! Steht da noch mehr?

Ihr bösartiges Verhalten ging mir seit Jahren auf den Geist, aber man kennt ja was man über die rosarote Brille sagt. Sie war Vergangenheit. In diesem Moment sah ich sie klarer als je zuvor, dachte ich zumindest. Ich war an einem Punkt angekommen an dem ich entscheiden könnte es ihr heimzuzahlen, für immer. Wenn ich das machen würde, was mir durch den Kopf gegangen war, hätte ich den Weg ohne Wiederkehr überschritten.

Ich hatte schon wieder etwas länger geschwiegen und ihr Ausdruck wurde wieder wütend.

„Jetzt starre nicht dumm in der Gegend rum und sag mir was dort steht?"

Ihre Finger krallten sich in den Tisch.

Das war's. Ende, Schluss, aus und vorbei. Sie hatte sich entschieden, mir die Entscheidung abzunehmen.

Ich: „Nun, ich weiß es auswendig. Er ging gestern vor die Tür um eine zu Rauchen als ihn ein Geräusch aufhorchen ließ. Es war das Geräusch eines Messers, welches an der Wand entlang, auf ihn zukratzte. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er kurz darauf tödlich ins Herz getroffen wurde.

Sie: „Wieso redest du so komisch,keifte sie.

Wut und Tränen ließen ihr Gesicht in der Hässlichkeit erstrahlen, die ihren Charakter ganz gut wiederzuspiegeln schienen, wie ich dachte.

Sie: „Hast du damit zu tun? John. Sag mir sofort was los ist!

Ich: „Die Polizei hat das 11 Zentimeter Edelstahlmesser nie gefunden.

Sie: „John. John! Setz dich hin verdammt, du elendiges Arschloch!

Ich: „Und hey! Wo kommt das denn auf einmal her?

Sie: „Leg das Messer weg! Ich wollte dich doch nur überraschen!

Ich: „Ach, ich fand, du hast deinen Job großartig gemacht. Du bist echt die Größte. Jetzt bin ich an der Reihe.

Sie stolperte zur Tür aber ich war schneller. Wie im Traum packte ich sie am Kragen und setzte zum Schnitt an. Dieser letzte Augenblick sollte mir zu denken geben. Dieser letzte Augenblick war der Punkt, wo ich es hätte sehen müssen. Ich sah nur die Wut in ihren Augen. Aber irgendetwas daran konnte ich nicht Einordnen.

Mit diesem seltsamen Blick sprach sie das Letzte, was diese Welt von ihr hören würde. Und diese Worte gingen an mich und nur an mich.

Sie: „Es ist aus John. Es ist vorbei.

Wie zur Bestätigung schnitt ich ihre Kehle durch. Das Blut begann in Wogen aus ihr hinaus zu fließen und spritze auf den Tisch, als sie sich zu einem letzten Kraftakt aufrichtete. Sie nahm ihre Hand und strich mir über die Wange. Ich war wie erstarrt. Mein Hemd begann schon zu durchnässen. Sie stand noch einen Augenblick wankend da, dann rutschte sie weg, nicht ohne noch 2 Teller, eine Kanne mit frischem Kaffee und eine Tasse mit sich zu reißen. Sie gurgelte. Irgendwann war es still.

Ich weiß nicht wie lange ich so dort stand. Es war wie ein Déjà-vu. Ich sah mich wieder vor dem Laden stehen, sie und den Mann vor meinem inneren Auge. Sein Lächeln. Wie er einfach da saß und mit ihr sprach ohne die anderen Gäste nur eines Blickes zu würdigen, doch dann, mich. Aber waren es wirklich verliebte Augen die sie ansahen? War da nicht noch was anderes gewesen? Und hätte sie eine Affaire tatsächlich wochenlang vor mir geheimgehalten können? Und dann sah ich es wieder, ihren Blick. Wie sie mich ansah, kurz bevor ich so rachsüchtig zustieß.

Mit diesem Gedanken konzentrierte ich mich wieder auf die Realität und sah ihr in die Augen. Da realisierte ich. Wut war in ihnen zu sehen, keine Frage, aber da war noch mehr, viel mehr. Ich sah in die Augen einer Person, der das Herz gebrochen wurde.

Meine Wahrnehmung verrückte sich. Bis zu diesem Punkt hatte ich alles wie durch einen Schleier von Neid und Enttäuschung gesehen und wurde zudem von meinem Drang nach Vergeltung beherrscht. Doch hatte ich wirklich eine rosarote Brille abgenommen oder war es letztlich nichts anderes, als mein Verständnis für die Wirklichkeit?

Mein Blick fiel wieder auf die Zeitung, die bei dem Gefecht neben uns geflogen war. Erst nur benommen, danach mit gellendem entsetzten. Die Nachrichten waren nicht mehr die selben. Was dort stand hätte mir glatt einen Infarkt bescheren können.

"Mann ersticht Frau und Kellner am eigenen Geburtstag, kurz vor geplanter Überraschungsparty!", schrie es praktisch auf der Vorderseite.

Alles verschwamm vor meinen Augen. Ich verlor den Halt und musste mich auf den Tisch aufstützen. Weder konnte ich diese ungeheure Veränderung der Zeitung akzeptieren, die meine Gedanken über das Weltgefüge zum schwanken brachte, noch kam ich darüber hinweg, was ich im Angesicht der Wahrheit getan hatte, die sich nun unmissverständlich in mein Hirn hämmerte.

„Ich wurde getäuscht!", konnte ich nur noch wimmern.

Ich glitt zu Boden.

„Ich wurde getäuscht...."

So saß ich für drei Minuten, bis ich meinen Blick wieder heben konnte. Das Blut in dem ich saß hatte meine Hose schon ganz aufgeweicht.

Nun, letztlich hatte sie es doch geschafft mich zu überraschen. Der Kalender, dessen heutiger Tag mit einem kerzenüberwucherten Kuchen markiert war, war mein einziger Zeuge. Ich sah keinen Sinn im Weitermachen. Ich könnte mich weder aus der Sache herausreden, noch mit den heutigen Ereignissen im Kopf, den Rest meines Lebens verbringen.

Doch wollte ich nicht einfach so aus dem Leben scheiden. Ich griff mir einen Stift und Papier um das hier aufzuschreiben. Es sieht so aus, als hätte ich alles gesagt was es zu sagen gibt. Ich weiß nicht ob ihr dem Glauben schenken könnt, aber ich möchte, dass ihr wisst, dass ich es mit ganzem Herzen bereue und ihr wissen sollt, warum ich es tat...

Und damit endet meine Geschichte. Ich höre die Sirenen bereits in der Ferne. Ich komme, Susan. Es tut mir leid.
Er nahm sich das Messer und führte die selbe Methode, die er schon vorher an seiner Frau vollzogen hatte an sich selber durch.

Und während er blutend gegen die Wand lehnte und sein Gesicht immer mehr an Farbe verlor, sah er mit leblosen Augen auf die Tischseite. Das letzte was er noch sehen sollte war, dass obwohl das Blut seiner Frau, in Bächen auf die hölzerne Oberfläche, des Tisches, eingeströmt war, kein einziger Tropfen lag. Der Tisch hatte das Blut aufgesaugt.

Als die Zeitungen von diesem Ereignis Wind bekamen, stand es auf jeder Headline.

Ein unscheinbarer Mann, ungefähr Mitte 40, saß abends auf einer Bank und trank seinen Kaffee. Wenn man seine Kleidung betrachtete, könnte man ihn für einen Kellner halten. Er hatte eine Zeitung in der Hand und las gespannt den Hauptartikel. Er sah zu den Sternen auf und lächelte. Er hatte es wieder einmal geschafft. Er hatte 2 Menschen das Leben zu einem Alptraum gemacht, wenn auch nur kurz, aber man kann sich ja verbessern.

Naja, dachte er erheitert. Sie werden im Himmel auch noch auf ihre Kosten kommen.

Da war er sich sicher und freute sich, nie selber dort landen zu müssen.

Er stand auf und ging zu seinem Wagen mit Anhänger, auf dem ein großer Tisch lag. Er streichelte ihn. Es war ein leichtes gewesen ihn aus der Küche der beiden zu nehmen, nachdem die Polizei den Ort abgesperrt und verlassen hatte. Er umfasste das Lenkrad, drehte den Zündschlüssel im Schloss herum und lächelte breiter.

Mal sehen was die Zukunft bringt, dachte er und betätigte das Gaspedal.

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