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Es ist ein ungewohntes Gefühl, euch so still zu erleben. Einerseits kann ich mich von einem gewissen Stolz nicht freisprechen, dass ich mir euer Gehör verschafft habe, andererseits stimmt es mich traurig, wie viel nötig wurde, um eure ungeteilte Aufmerksamkeit zu erlangen. Ungeachtet der Reue, die ich dafür - trotz eurer Normen und Manipulationsversuche - nicht erübrigen kann, sehe ich mich überaus entmutigt, darüber, dass ihr immer noch nicht versteht. Ich mache euch keinen Vorwurf. Warum solltet ihr auch in der Lage sein, gegen eure Natur zu handeln? Die menschliche Spezies hat einen kargen Geist, also warum sollte man mir hierfür mit Verständnis entgegen treten? Die zurückliegenden Dekaden meines Lebens haben mehr als deutlich gezeigt, dass ich nicht die nötigen Mittel habe um etwas wegweisendes zu erreichen. Weder für mich, noch für das große Ganze. Natürlich nahm ich bei euch nie den Platz eines großen Geistes ein. Was keine große Überraschung ist, ihr wisst, wieso... Möchtet ihr wissen, warum ich dies tue? Nicht aus so niederen Motiven wie dem Schmerz, der mir zugefügt wurde, der Verachtung, die sich ihren Weg durch mich hindurch bahnt oder weil ich euch für das, was ihr mir angetan habt bestrafen müsste, sondern weil ich einmal in meinem Leben etwas dafür einfordern möchte, dass ich so viel ertragen habe.

Ihr sitzt zu tausenden von mir, manche von euch ziehen es auch vor, auf dem Boden zu liegen. Bedauern stellt sich ein, wenn ich in eure leeren, erblassenden Gesichter schaue, aus denen nichts als Angst spricht.

Da fällt mir ein, dass eure gespielte Empathie für meine Belange beinahe überzeugend gewesen wäre. Jetzt wo wir alle beisammen sind, lasse ich es mir nicht nehmen, den ein oder anderen von euch näher zu betrachten. Aber wo ich jetzt durch die Reihen gehe erfasst mich ein neues Maß an Ernüchterung: Ihr hattet tatsächlich alle Angst! Angst davor, für immer aus dieser Welt zu verschwinden, nach und nach im Nichts zu verblassen. Sobald der Zeitpunkt erreicht ist, an dem ich diese Botschaft für Jene, die an meinen Gedanken interessiert sind, die mich zu diesem Mysterium trieben, beende, werde ich eurem Beispiel folgen.

Ja, euch wird man schrecklich vermissen, aber mein Ende wird man feiern, man wird mich zum Psychopathen verklären und anschließend wird es so sein, als hätte ich nie existiert. Denn diese Gesellschaft mit ihren vor Absurdität strotzenden Normen und irreführenden Werten wird die Richtigkeit nicht erkennen. Stattdessen wird sie euch als meine Opfer betrauern und mich, der zum Täter wurde, verabscheuen, ohne wirkliche Interesse für die Berechtigung meines Handelns. Wieder einmal werde ich der Unmensch sein, dessen Aura unzählige Herzen gefrieren ließ.

Es ist kein Akt von Feigheit, dass ich diesen Schritt wähle, sondern ein Zeichen der Vernunft in einer Sphäre, die mit dem normgetreuen Gedankengang nicht zu erfassen ist.

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