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"Warum starrst du mich so an?" ...

ANGST FRISST LOGIK

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Endlich fertig mit dem Umzug. Da kommt Freude auf. Vor allem freue ich mich aber über die Hilfe meiner Freunde, welche tatsächlich ihre Freizeit geopfert haben, um mir zu helfen. Nun bin ich alleine, stehe in meiner neuen Wohnung. Möbel alle aufgebaut, hier und da noch ein paar halbvolle Umzugskartons. Die werde ich morgen auspacken. Wie schön ruhig es hier am Waldrand doch ist. Die alte Frau, die im Erdgeschoss wohnt, gehört mit ihren geschätzten 85 Jahren bestimmt nicht zu den Leuten die Krach machen oder klingeln, wenn ich mal die Musik aufdrehe. Ihr Fernseher, den ganzen Tag auf voller Lautstärke, trotzdem ist hier oben nichts davon zu hören. Sie schien mir recht freundlich zu sein. Leidet aber wohl traurigerweise an Demenz. So hatte sie uns doch heute jedes mal gelobt, wenn wir das nächste Möbel aus dem Transporter die Treppe hochschleppten. Sie beobachtete jeden Vorgang im Hausflur von ihrer Wohnungstür aus...

"Wir sinds nur, Frau Weinberg."

"Oh, ziehen Sie hier ein?"

"Ja Frau Weinberg, ins oberste Geschoss."

"Och... das ist ja schön. Toll machen sie das, so viele schwere Möbel und Kartons."

"Keine Sorge, wir sind bald fertig."

"Verletzen Sie sich nicht, die Möbel sind doch bestimmt schwer."

...und wieder die nächste Schlepprunde...

"Oh, ziehen Sie hier ein?"

"Jaaaaa Frau Weinberg, oberstes Geschoss. Bald fertig."

"Immer mit der Ruhe, verletzen Sie sich nicht."

"Nein, nein, wir passen auf."

Das ging solange, bis die Altenpflege kam. Eine hübsche Krankenschwester. Tolles lächeln. Etwas mollig, aber genau das machte sie interessant. Ich muss immer noch schmunzeln wenn ich an ihre Worte denke: "Schauen Sie mal Frau Weinberg, jetzt haben Sie einen hübschen, netten Nachbarn mit im Hause." ... 'Nett', ist immer noch die kleine Schwester von Sch**ße. Und hübsch? ...nicht wirklich, das Leben steht mir förmlich ins Gesicht geschrieben.

Gut, dass in der ersten Etage außer mir zur Zeit keiner wohnt. Ein zusätzlicher Schallpuffer. Somit habe ich hier in der zweiten Etage meine Ruhe. Nur ca. 2 Meter neben meiner Wohnungstür im Hausflur führt eine alte, sehr steile Holzwendeltreppe zum Dachboden. Ein typischer Dachboden eines Altbaus, nicht isoliert, vollgerümpelt mit nutzlosem Zeug, welches scheinbar die Vormieter hinterlassen haben. Man hört dort den Wind durch die lockeren Dachziegel pfeifen. Alles verstaubt und verdreckt. Morgen werde ich mir den Dachboden und den Keller nochmal genauer anschauen.

Zeit ins Bett zu gehen. Gut das ich mir ein paar Tage freigenommen habe. So kann ich mich in Ruhe hier einrichten. Ein schönes grosses neues Bett. Ein schönes Schlafzimmer. Flimmerkiste eingeschaltet. Dokuchannel. Da kann man gut bei einschlafen. Wobei das Rauschen des Waldes eventuell schon ausreichen würde, um den Tinnitus zu übertönen. Allerdings musste ich immer wieder festellen, dass der Fernseher irgendwie hilfreich ist, um das Gefühl der Einsamkeit ein bisschen zu unterdrücken. ...Einsamkeit, nach einer langjährigen Beziehung. Schon kommt das traurige und depressive Gefühl wieder zurück. Ich dachte ich hätte es überstanden. Scheinbar nicht.

...

Was war das?!

Ich muss wohl eingeschlafen sein. Abgesehen davon, das es ja auch mein Plan war, hätte ich nicht gedacht, dass ich so schnell einschlafe.Ich schaue auf die Uhr... 2:36 nachts. Irgendetwas hat mich aus dem Schlaf gerissen. Ich bin mir sicher, denn ich fühle mich so aufgeschreckt. Das war definitiv kein normales Aufwachen. Hab ich irgendetwas geträumt? Ja. Noch bevor sich die restlichen, schwachen Bilder des Traums zersetzen, schaffe ich diese noch einmal zu analysieren. Irgendjemand hat mit mir gesprochen. Es war dunkel. Jemand saß an meinem Bett... hier, in diesem Zimmer! In dieser neuen Wohnung! Das Zimmer sah merkwürdig und düster aus. Genaueres weiß ich nicht mehr. Seltsamer Traum. Der Fernseher ist noch an, Ton relativ leise gestellt, ist vielleicht in den Traum eingeflossen. Obwohl..?

"...nach dem Tod werden die einzelnen Organe entnommen und..."

Fernbedienung. Umgeschaltet. Blöder Dokukanal. Muss das sein? Danke! Diese ekelhaften Bilder sind nun gespeichert. Wichtiges wird vergessen, aber solche Bilder... ich ärgere mich.Es läuft nur Müll im Fernsehn. Nazidokus, Hot-Line Werbung, Wiederholung vom Nachmittag, Hartz4-TV, Scripted Reality. Ich zappe durch die Kanäle... Werbung, Propaganda, Bernd das...

Nanu, was war das???

Ich stelle den Ton aus. Ein Knacksen, ein Knirschen? Ruhig bleiben. Es ist ein Altbau. Hier knackst und knarrt es nun mal ein bisschen ...ein bisschen mehr... über mir! Schritte... es sind eindeutig Schritte. Ich schaue nach oben an die Zimmerdecke. Schritte... auf dem Dachboden. So deutlich, das ich sie lokalisieren kann. Etwas kurz aber nicht schleichend. Sie ziehen eine Kurve nach rechts, Richtung Schlafzimmertür... darüber hinweg über meinen Flur. Wer zum Teufel ist da oben? Um halb drei nachts?

Ich schleiche mich aus dem Bett in meinen Flur. Ein Poltern, als ob jemand das Gerümpel auf dem Dachboden durchwühlt. Unheimlich. Logisch denken... wer kann das sein? Das Schloss der Haustür unten am Eingang wurde gewechselt. Die Vormieter sind schon lange hier raus. Frau Weinberg? Kann das sein? Eine gebrechliche, alte Frau, die in ihrer geistigen Verwirrung nachts auf den Dachboden geht? Sie geht am Stock. Sie würde niemals diese steile, alte Holzwendeltreppe zum Dachboden hinaufsteigen können. Leise gehe ich zur Wohnungstür, entferne die Abdeckung vom Türspion und schaue hindurch in den Hausflur.... nichts außer Dunkelheit. Das Licht im Hausflur geht nicht von selber aus, man muss es manuell ausschalten. Das ist unheimlich, ein kalter Schauer läuft mir den Rücken hinunter. Ich versuche mich zusammenzureissen.


Logisch denken... Wer geht nachts im Dunkeln auf den Dachboden und wuselt da rum? Es kann nur Frau Weinberg sein. In der 1. Etage wohnt niemand. Plötzlich höre ich das knarzen der alten Holzwendeltreppe. Jemand geht die Treppe herunter, langsam, das ist deutlich zu hören. Die Treppe endet zwei Meter links neben meiner Wohnugstür, weiter links geht es direkt die Treppen des Hausflurs herunter. Man muss also nicht an meiner Wohnungstür vorbei, um ganz nach unten zu gelangen. Jemand geht die Dachbodentreppe runter. Bleibt auf meiner Etage stehen... ...geh!... geh schon die Treppe runter. Geh weg! Ich lausche an meiner Wohnungstür. Wer zum Teufel ist das? Und warum bleibt er am Ende der Dachbodentreppe stehen? Noch ein Blick durch den Türspion... nichts. Alles dunkel. Gänsehaut, ich verhalte mich so leise wie möglich. Vielleicht sollte ich einfach in den Hausflur stürmen, das Licht einschalten und den, wer auch immer das ist, fragen was der Unfug mitten in der Nacht soll... Vielleicht... wäre ich ein so mutiger Mensch... ...bin ich aber scheinbar nicht. Wo ist die Rationalität geblieben? Ich habe Angst. Er könnte bewaffnet sein.... Ein guter Grund. Ein guter Grund nicht rauszugehen, geschweige denn, sich irgendwie bemerkbar zu machen. Sollte ich die Polizei rufen? Man würde mich hören. Bloß keine Geräusche machen... ich halte weiter mein Ohr an meine Wohnugstür und versuche zu ermitteln was da draussen im Hausflur vor sich geht...

*RUMMS*

Schock! Es knallt vor meine Tür. Vibration, so stark, dass ich kurz den Kontakt zur Tür verliere. Ein Schlag vor meine Wohnugstür? Ist jemand vor meine Tür gelaufen, oder vor ihr zusammengebrochen? Das war echt! Ruhig bleiben...Ruhig atmen. Versuche ruhig zu bleiben... ...funktioniert nicht... ich zittere. Überlege, ob ich auch wirklich abgeschlossen habe. Schlüssel steckt von innen. Vorsichtig und leise den Schlüssel drehen. Doch! Abgeschlossen. Frau Weinberg.... es muss ... nein, es kann nur die alte, und verwirrte Frau Weinberg sein. Oh, nein! Vielleicht braucht sie Hilfe? Logisch denken! Vielleicht ist Sie schlafgewandelt... und vor meiner Tür zusammengebrochen... ich kann sie doch nicht da liegen lassen?! Verdammt, was soll ich nur tun? Ruhig bleiben! Wo ist die Logik geblieben? Wer soll es sonst sein? Türspion, ...alles dunkel. Stille. Absolute Stille. Ich muss klarkommen... da liegt jemand vor meiner Tür. Aber... was wenn es nicht Frau Weinberg ist?? ...Dann.... ...dann steht jemand vor meiner Tür, dann hat jemand soeben mit voller Wucht vor die Tür geschlagen. Das kann nichts gutes bedeuten. Wer macht sowas? Ein Mörder würde anders vorgehen. Ein Mensch... kein Mensch... Frau Weinberg?

Ich versuche einen klaren Gedanken zu fassen. Logisch denken! Ich werde jetzt da raus gehen und schauen was passiert ist... Ruhig bleiben. Messer... ich brauche ein Messer... nur für den Fall.. Ich schleiche mich in meine kleine Küche, öffne leise die Schublade, greife nach einem grossen Messer. Vergriffen... ein Löffel... Muss das sein?! Verdammt! Schau doch hin du Idiot. Ich ärgere mich! Ich lege den Löffel ganz leise auf den Rand der Ablage und nehme mir ein grosses Messer aus dem Besteckkasten. Ich drehe mich wieder um. *KLIRRR*... War ja klar, dass dieser blöde Löffel jetzt runterfällt. Das war definitiv draussen zu hören. Jetzt hab ich mich verraten. Bei wem auch immer. Ich schleiche zur Wohnugstür, halte das Messer bereit. Ich schalte das Licht in meinem Flur an, damit es in den Hausflur scheinen wird, bis ich den Lichtschalter des Treppenhauses betätigen kann. Dieser Schalter befindet sich an der gegenüberliegenden Wand, ca. zwei ein halb Meter von meiner Wohnungstür entfernt. Schlüssel drehen, aufschließen, Türklinke runterdrücken. Klack. Ich öffne die Tür einen kleinen Spalt. ...Nichts. Keiner da. Alles dunkel. Ich öffne die Tür komplett, damit mehr Licht in den Hausflur fällt.

"Frau Weinberg?"

Mit einem Sprung erreiche ich den Lichtschalter. Er funktioniert nicht. Sofort springe ich zurück in meine Wohnung. Tür zu! Abschliessen. Ich zittere immernoch. Ich versuche mich zu beruhigen. Logisch denken! Einfach logisch und sachlich denken! Frau Weinberg geht nachts verwirrt auf den Dachboden. Da sie schlafwandelt, werden in ihr ungeahnte Kräfte wach. ...was für ein Blödsinn... aber wer weiß. Sie kommt die Treppe vom Dachboden herunter und will das Licht im Hausflur einschalten. Aber der Lichtschalter... ...das ist die Lösung! Da der Lichtschalter nicht funktioniert, irrt sie herum und läuft voll vor meine Tür. Während ich das Messer geholt habe, hat sie sich die Treppe herunter geschlichen... So muss es gewesen sein... Hoffentlich!

Vielleicht sollte ich einfach wieder ins Bett gehen. Ich gehe wieder ins Bett. Und warum schleiche ich eigentlich noch? Es hört mich doch sowieso niemand. Ab ins Bett. Handy. Kontakte. Sven anrufen. ... ein Freizeichen. Bitte geh ran, bitte geh ran, bitte...

"Jaaaa?"

"Hey Sven, sorry sorry, das ich dich mitten in der Nacht..."

"Kein Problem, was ist los? Ist was passiert?"

"Ja, nein, pass auf Sven... also ich bin mir nicht sicher.."

"Warum flüsterst du denn so?"

"...also, ich glaube hier läuft jemand auf dem Dachboden rum, und dann auch im Hausflur."

"Die Alte von unten? Oder wie?"

"Nein, hab durch den Spion geschaut. Alles dunkel."

"Also wenn da Einbrecher rumlaufen, würd ich an deiner Stelle
die Polizei rufen!"

"Ja toll, bis die hier sind... und dann war doch nix... und ich bekomme dann noch ärger. Nein, ich glaub... bringt nichts."

"Okay, und was nun?"

"Sven, ich weis, es klingt jetzt doof und mimosenmäßig, aber..."

"Soll ich vorbeikommen?"

"Hey man, das wäre echt cool. Tut mir echt leid, es ist vielleicht auch Quatsch, du hast schon soviel beim Umzug geholfen..."

"Schon OK, bin in einer halben Stunde da. Bis gleich."

"Danke, danke, tschüss bis gleich. Fahr vorsichtig."

Aufgelegt.

Es ist still im Schlafzimmer. Fernseher ist noch an, Ton ist noch aus. Auf dem Dachboden alles ruhig. Ich muss versuchen wieder klarzukommen. Nun hab ich schon meinen besten Freund aus dem Bett geklingelt... sowas blödes... Ich komme mir gerade total dämlich und jämmerlich vor. War ich jemals mutig in meinem Leben? ... Ja, ich habe schlimme Dinge erlebt. Doch ich bin immernoch hier, ich lebe, bin wach. Ich war mutig, ich habe gekämpft. Mehr mit Gefühlen als in physischer Form. Doch ich habe es geschafft weiterzugehen. Diese Gedanken beruhigen mich irgendwie. Es ist die Einsamkeit, die mich wahnsinnig macht. Ich schalte den Ton am TV wieder ein, aber leise. Lege mich hin.

"...so breitete sich das römische Reich weiter auf dem unteren
Teil des Kontinents aus..."

Eine beruhigende Geschichts-Reportage, ich glaube das ist jetzt genau das richtige. Ich werde mal ein bisschen die Augen schließen.

"...bauten stetig ihr Reich aus. Doch im oberen Teil, im Reich
der Germanen, kamen sie einfach nicht vorwärts. Die Germanen waren
zu geschickt und konnten alle Eroberungsversuche der Römer
abwehren. Jede Nacht hielten die Germanen seltsame Rituale ab.
Blutige Tierschädel wurden auf Pfähle aufgespießt und rund um
den Zeremoniebereich aufgestellt. Nach einer alten Sage
träufelten die hohen Priester der Germanen dann ein seltsames
Pflanzenextrakt auf die toten Tierschädel und sie dadurch lebendig machten.
So fingen die Tierschädel an, in alter Sprache Verstorbener und
im Kampfe dahingeschiedener Männer zu sprechen. Sie erzählten
von einer großen taurusartigen Gestalt mit Hörnern.
Sie sprachen von einem Pakt, ein Versprechen. Etwas machte
sie stark im Kampf gegen die Römer. Die verstorbenen Krieger
hatten einen Pakt geschlossen. Mit Ihm! Deinem Gebieter!
Dem Fürst des Feuers und der Dunkelheit. Er hat die tapferen
Männer nicht betrogen, er machte sie stark. Dafür haben Sie ihm
ewige Treue geschworen. Doch irgendwann fällt auch der stärkste
Mann im Kampf. Aber DU warst nie der Stärkste. Wenn du jetzt
glaubst, du wurdest vergessen, liegst du falsch. Ich habe dir viel
Zeit gelassen und ja, du liegst falsch, dort wo du liegst.
Solltest du doch bei mir liegen. Bist einsam und verwundbar...
in diesem ... BETT!"

WAS ZUR HÖLLE.... ?!

Mein Herz rast. Ich kriege keine Luft. Puls, wo ist... Handgelenk... mein Puls ... viel zu schnell.. alles nass, schweissgebadet. Verdammt... ich bin eingeschlafen. Was ist los? WAS IST HIER LOS? Wer war das? Ich sitze aufrecht im Bett! Was für ein widerlicher Traum. Warum? Bin ich jetzt vollkommen wahnsinnig geworden. Das gibt's doch nicht! Atme! Atme einfach! Nein, so ging es mir noch nie. Was ist los... was ist mit mir los? Was war... Handy. Das Handy. Ich hab Sven angerufen. Wecker? 4:01 Uhr. Ruhig bleiben. Logisch... oh Mann. Wann habe ich Sven angerufen? Handy. Anrufliste durchschauen. Der Eintrag ganz oben. Da, Sven, Anruf ausgehend. Gestern 13:11 Uhr.... GESTERN? Nein! Ich habe ihn vor ... ner Stunde angerufen? Ich habe ihn angerufen! Das habe ich. Was ist hier los. Wo ist der Anruf in der Liste? Er ist weg. Als hätte ich heut nacht nie seine Nummer gewählt. Ich weiß doch, dass ich mit ihm gesprochen habe. ICH BIN DOCH NICHT GEISTESGESTÖRT! ... Ich wähle seine Nummer erneut. Atmen... ich muss ruhig atmen... sonst kann ich nicht sprechen. Nummer wird gewählt. Ein Freizeichen... Bitte geh ran. Bitte geh ran. Knacksen. Er ist dran gegangen... Warum sagt er nichts?

"Sven?, hey? Hallo?"

Ein dumpfes Rauschen. Ist er wieder eingeschlafen?

"SVEN?? Kannst du mich hören?"

Nichts... Stille am anderen Ende der Leitung.

"SVEN? Sag bitte was! Wo bist du? Schon unterwegs?"

Wieder keine Antwort. Nur ein leichtes Rauschen. Er hat sein Handy bestimmt in seiner Jackentasche und sitzt im Auto. Er ist bestimmt auf die 'Anruf annehmen'-Taste gekommen. Das kann nur so sein. Er kann mich nicht hören, weil er Auto fährt... Hoffentlich!

"Sven? Sveeeeeen!"

Er hat aufgelegt! Nein, er muss an die 'Auflegen'-Taste gekommen sein. Versehentlich. Ganz bestimmt. Er würde nie einfach auflegen. Er ist auf dem Weg zu mir...Aber... was, wenn ich in Wirklichkeit garnicht angerufen habe? Wenn ich es tatsächlich nur geträumt habe? Ich wähle eine andere Nummer... Dennis. Er geht bestimmt dran. Kein Empfang? Warum habe ich jetzt keinen Empfang mehr. Was soll das? Ich darf nicht panisch werden. Ich bin allein. Keiner hier. Ich darf nicht panisch werden. Logisch denken! Ich hatte gerade einen Albtraum. Nachdem der Geist von Frau Weinberg im Hausflur... NEIN, nicht der Geist... so ein Quatsch, ...Frau Weinberg höchstpersönlich... war auf dem Dachboden. Es kann nur sie gewesen sein. Logisch und sachlich bleiben. Nicht wahnsinnig werden. Sie war auf dem Dachboden... und sie ist es immer noch, denn ich kann ihre Schritte hören. Jetzt, gerade. Ich... Ich...

ICH HÖRE SCHRITTE! ...ICH WILL KEINE SCHRITTE HÖREN!

Schritte. Knarz, knacks, knaaarz, knacks, knirsch, knacks.

Wieder diese Schritte, wieder der gleiche Weg. Eine Kurve. Über mein Schlafzimmer. Über meinem Flur. Immer weiter Richtung Wendeltreppe. Jemand kommt die Treppe vom Dachboden runter. JETZT REICHTS MIR! Aufstehen. Ruhig bleiben. Logisch denken. Es kann sich nur um einen üblen Streich handeln. Oder irgendeinen Idioten, der hier herum schleicht. Ich gehe zu meiner Wohnungstür. Ich schaue durch den Türspion.

Licht. Da ist Licht an im Hausflur. Das ist erleichternd. Ich sehe nur die gegenüberliegende Wand des Hausflures. Schritte. Schritte auf den untersten Stufen der Dachbodentreppe. Ich wende mich vom Türspion ab und lausche mit einem Ohr an meiner Wohnugstür. Jemand ist auf meiner Etage angekommen. Warum geht er nicht die Treppe im Hausflur herunter? Geh weg! Wer auch immer du bist. Geh einfach weg!

Klopf. Klopf. Klopf.

NEIN! ...Einfach Nein! Es hat jetzt nicht an meiner Tür geklopft! Ich träume das nur! Das kann doch nicht echt sein! Das ist nicht real. Das kann nicht.... Ruhig bleiben... Still. Nicht bemerkbar machen. Logisch denken... Wer klopft in der Nacht an meine Wohnungstür? Sven! Ja klar! Es muss Sven sein. Na also, habe ich ihn doch angerufen. Es kann nur so sein. Wer soll es sonst sein. Er hat schon auf dem Dachboden nachgeschaut. Deswegen waren es seine Schritte, welche ich gerade noch gehört habe. Jetzt hat er an meiner Tür geklopft. Aber wie zum Teufel, ist er ins Treppenhaus gekommen? Die Haupttür nach draußen ist abgeschlossen. Ich werde vorsichtshalber nochmal einen Blick durch den Türspion werfen. Licht scheint noch an zu sein. Noch bevor mein Auge die Linse des Spions erreicht, sehe ich bereits die Silhouette einer humanoiden Person vor meiner Tür stehen. Ich schaue durch den Türspion. Ich... ich.... schaue.....

Schockstarre!

Es hat keine Augen, doch es starrt mich an. Aus einer dunklen Fratze. Verzerrt. Ich kann es nicht richtig erkennen. Unscharf. Die Wand dahinter... klar zu erkennen. Es starrt, doch, es starrt mich an. Durch die Linse des Türspions. Es sieht aus, als würde sich sein Gesicht umkrempeln oder umstülpen. Es hat gar kein Gesicht! Eine entstellte Fratze. Verzerrt. So verzerrt. Und...

ES STARRT MICH EINFACH NUR AN!

WARUM? Wer bist du?? Was willst du von mir? WAS BIST DU?? Ich kann mich nicht mehr bewegen. Ich glaube ich atme nicht mehr... oder doch? Aggression! Wut! Hass! ICH HASSE ES! Es soll verschwinden! NICHT MIT MIR! NICHT MIT MIR DU VERDAMMTER DÄMON! ICH WEIS WAS DU BIST! Abschaum. Dreckiger Abschaum aus der Hölle!!! DAS BIST DU! ES REICHT MIR!

"WARUM STARRST DU MICH SO AN! VERSCHWINDE! HAU AB!"
AngstFrisstLogik

Panik. Ich schreie. Ich schreie es an. Ich schreie durch meine Wohnugstür. Spätestens jetzt weiß es, das ich hier bin. Wusste es doch sowieso. Ich hasse es. Es reicht mir. Es starrt mich an. Ruhig bleiben... Logisch denken! NEIN! Aus Angst wird Hass, Agression. Mein Geist wütet. Logik existiert nicht mehr. Ich glaube ich werde wahnsinnig... Ich bin wahnsinnig... Meine Hand bewegt sich. Es starrt mich an, ich starre zurück. Warum drehe ich den Schlüssel??? ...WARUM??? Warum schliesse ich jetzt meine Tür auf?? Ich hab mich nicht mehr unter Kontrolle. NICHT! NEIN!!! NICHT DIE TÜR ÖFFNEN!!! Warum tue ich das? Mein Herz rast. Schlüssel drehen. Klack! Eins! Klack! Zwei! Aufgeschlossen! Türklinke runter drücken... "ICH WILL DAS NICHT MACHEN!!!" Doch. Du willst das machen. Öffne einfach die Tür... "ICH WERDE DICH ZERSTÖREN!!! ICH HASSE DICH!!!" Gehe mit ihm! "DU VERFLUCHTER DÄMON. DU VERDAMMTER KLEINER SCHERGE! ICH WERDE DAS NICHT ZULASSEN! DU WIRST MICH NICHT HOLEN!"

Hör auf dagegen anzukämpfen. Du gehörst mir. "ICH HASSE DICH!!  ....ICH... ich.." Dein Hass ist meine Leidenschaft. Dein Schwur gilt für die Ewigkeit. Du gehörst zu mir. Für immer... Achja? Wir werden sehen... Ich reisse die Tür auf. Es brüllt mich an! Sein Schreien zerreisst mir die Ohren. Ich schreie zurück! "DU HAST DICH MIT DEM FALSCHEN ANGELEGT! ICH WERDE DICH ZERSTÖREN, DU VERFLUCHTER DÄMON!"

Warum spüre ich nichts mehr? Warum schreie ich mich an? Wer bin ich? ....

...WAS bin ich??

Es schaut mich an, grüne Augen, stechender wütender Blick. Wollte nicht mitgehen. Hat sich gewehrt. Doch es ist Sinnlos zu kämpfen. Ob es geahnt hat, das ich komme? ...um es abzuholen? Es hörte mich, als ich vom Dach kam. Nun bringe ich es zurück. Es hasst mich dafür.

So werde ich es noch einmal belehren:

Einst hast du geschworen,
nicht bei Leib, sondern Seele,
als Mensch jeh geboren,
folgest meinem Befehle.

Lass dich holen bei Zeiten,
wenn die Lust mich erfreue,
zu deinem Gebieter zu reiten,
versprachest mir ewige Treue.

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