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Obwohl du erst vor kurzem in diese Gegend gezogen bist, hast du dich schon richtig in die Landschaft verliebt: saftige Wiesen, zerklüftete Bergwände, breite Flusstäler, dunkle Wälder, geheimnisvolle Moore. So oft es dein stressiger Alltag erlaubt, gehst du wandern, besonders gern hältst du dich in den lichten Auen der Bäche und Flüsse auf, allerdings bist du auch den dunklen und weiten Bergwäldern nicht abgeneigt.

Als es dich am späten Nachmittag wieder einmal dorthin verschlägt, willst du deine gewohnte Tour gehen, und diese beginnt an einer Kreuzung im Wald. Du wendest dich nach links, in Richtung Brücke. Nach etwa fünfminütigem Fußmarsch und mit einem lockeren Lied auf den Lippen erreichst du sie. Oder bessergesagt, das was von ihr übrig ist. Sie war weg, hinabgestürzt in die felsige Schlucht, die sie einst überspannte, wo der Wildbach gefährlich rauscht. Du trittst mit verunsicherter Miene nah an den schwarzen Schlund heran und blickst hinunter. Im schwindenden Sonnenlicht kannst du schwach die Überreste der Brücke erkennen.

Sie wurde von einem alten, knorrigen Baum hinuntergerissen. Du wunderst dich. So einen Baum hast du hier noch nie gesehen, vor allem nicht in der Nähe der Brücke. Irgendetwas kommt dir an ihm merkwürdig vor, eine unheilvolle Aura geht von ihm aus. Seine langen, dürren Äste recken sich dir wie Finger entgegen, du fühlst wie sie dich hinunterziehen. Du gehst einen Schritt näher an den Rand der Schlucht heran, noch einen und noch einen. Du spürst wie du die Kontrolle verlierst, es holt dich zu ihm. Die Welt verschwimmt vor deinen Augen, du kannst nur noch den Baum sehen, wie er wächst, er größer wird, die Äste greifen knackend nach dir, ein irres Lachen rast wie ein Echo durch deine Gedanken, Glühende Augen brennen sich in deine Seele, Dunkelheit breitet sich aus. Du kannst dich nicht bewegen. Alles ist schwarz…

Mit einem Schrei erwachst du. Zitternd liegst du auf dem Weg. Es war inzwischen Nacht geworden. Du Atmest flach und schnell, du versuchst dich zu Beruhigen. Du hattest wohl nur einen Schwächeanfall, und bist zusammengebrochen. Du Atmest noch einmal tief die frische Bergluft ein und stehst langsam auf. Du gehst noch einmal zu der Schlucht und schaust hinunter, der Baum ist weg. Du wunderst dich nicht darüber, denkst du hast ihn dir nur Eingebildet. Du bist müde und willst nach Hause. Du wendest dich um und gehst, mit noch etwas unsicheren Schritten, den Weg zurück. Nach etwa sechs Minuten fragst du dich, wann du die Kreuzung erreichst. Du bist noch nicht sehr Beunruhigt, da sich der Nachhauseweg im Dunkeln immer Länger anfühlt. Du gehst weiter, immer weiter. Nach einer gefühlten halben Stunde bekommst du es mit der Angst zu tun. Vielleicht hast du sie einfach nur im Dunkeln verpasst und bist geradeaus weiter gegangen? So musste es sein, denkst du dir und gehst den Weg wieder zurück.

Der Wald an den Wegseiten wird immer dichter. Mit klopfendem Herzen realisierst du, dass der Weg nach unten führt, nicht geradeaus, wie du ihn hergegangen bist. Wind rauscht durch die trockenen Äste der Bäume und lässt sie knacken und ächzen. Gänsehaut zieht sich deinen Nacken entlang, als du an den komischen Traum denken musst, in dem  der unheimliche Baum dieselben Geräusche von sich gab. Ein seltsames Gefühl überkommt dich, als wie wenn du beobachtet wirst. Dein Herz klopft. Ein besonders lautes Knacken lässt dich keuchend umfahren. Es war nichts. Natürlich war da nichts, du Dummkopf, versuchst du dich zu Beruhigen.

Du gehst weiter. Du hörst leise Schritte hinter dir, dein Herzschlag setzt für einen Moment aus und du bleibst zitternd stehen. Die Schritte verstummten ebenfalls. Es waren deine eigene! Ein kurzes, panisches Lachen entfährt deinen Lippen. Das Schrittgeräusch setzt wieder ein, lauter als zuvor. Dir wird übel und du beschleunigst deinen Gang, du rennst fast. Du siehst dich nochmal um, du bist sicher, dass jemand da ist. Du kannst in der Dunkelheit nichts sehen, aber plötzlich fixieren deine Augen tanzende Schatten hinter dir, du schreist heiser und beginnst zu rennen, die Schatten, schwärzer als die Nacht, greifen nach dir, wie der Baum im Traum, der Baum im Traum, der Baum, der Baum, DER BAUM!

Tränen laufen über deine geröteten Wangen, du rennst so schnell wie noch nie zuvor in deinem Leben, mit einer Angst im Herzen wie du sie noch nie zuvor verspürt hast. Die Dunkelheit selbst scheint dich zu verschlingen, ein Schatten legte sich auf deine Schulter, unglaubliche Kälte durchströmt deinen Körper, am Rand deines Bewusstseins erklingt wieder dieses schaurige Lachen, verdoppelt sich, verzehnfacht sich, bis es deinen kompletten Kopf ausfüllt. Du fällst hin und hältst deinen Kopf, es fühlte sich an als würde er platzen. Du krallst dich im Moos fest, stellst fest das du nicht mehr auf dem Weg bist, es ist dir egal, alles ist egal, du vergisst wo du dich befindest, du vergisst die Schatten, es existieren nur noch du und das Lachen, in einer ewigen Welt aus Schmerzen und Qual. Du übergibst dich und spürst wie heißer Urin deinem Oberschenkel hinabkriecht.

Mit einem Schlag war das Lachen aus deinem Kopf verschwunden, erleichtert atmest du aus. Du beginnst  zu  weinen. Dicke Tropfen landen auf dem moosigen Waldboden und versickern darin. Doch etwas stimmte nicht. Das Lachen war zwar aus deinem Kopf verschwunden, aber du kannst es trotzdem noch hören. Langsam schaust du auf, vor dir steht der Baum. Bedrohlich streckt er seine dürren Äste gen Nachthimmel, wo kein einziger Stern sichtbar ist, er verströmt dunkelste Finsternis. Du bemerkst etwas, das dir vollends den Atem raubt.

Aus der trockenen Rinde des Baumes wächst etwas heraus, es ist entfernt Menschenähnlich, hat spitze Zähne und lange, spitze Ohren, Äste wachsen wie Haare aus dem Kopf der Kreatur. Ihre Borkenähnliche Haut ist mit einer rötlich schimmernden Linie mit dem Baum verbunden, du erkennst, dass es Blut ist, das langsam hervorquillt. Es streckt seine überlangen, astartigen Finger nach dir aus, seine roten Augen verdrängen alles aus deinem Bewusstsein. Es greift dich mit seinen Krallen fest um die Brust und hebt dich vor sein Gesicht, grinst dich verrückt an und fragt mit einer rauen, unnatürlichen Stimme: „Hattest du Angst in der Dunkelheit?“ Du wirst ohnmächtig, spürst nur noch die kalten, hölzernen Hände die dich festhalten, die spitzen Zähne an deinem Hals und bald darauf nichts mehr, nur noch Dunkelheit…

Von: Toni the Head

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