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Es war schon spät und obwohl ich mir vorgenommen hatte heute früh ins Bett zu gehen, schaltete ich meinen 3DS an. New Leaf war ganz lustig, aber seit einiger Zeit vermisste ich meine alte Stadt in Wild World.

Wo hatte ich meinen DS liegen lassen? Es war Ewigkeiten her, dass ich ihn angerührt hatte und so dauerte es auch eine Weile, bis ich ihn fand. Tatsächlich überdeckte ihn eine dicke Staubschicht, sogar eine verlassene Spinnwebe klebte am Display. Gott, ich hatte dieses Teil ewig nicht mehr benutzt. Das Spiel steckte sogar noch drin, also startete ich.

Der Titelbildschirm öffnete sich mit der bekannten Melodie und der Aufschrift „Drücke Start“. Dann wählte ich das altbekannte „Fortsetzen“ aus. Meine Spielfigur schlief friedlich in ihrem Bett und freute sich mit einem Lächeln geweckt und wieder einmal gespielt zu werden. Als ich nun in die Stadt trat, traf mich der Schlag: Die Gegend war eine einzige Müllkippe. Ich hatte so lange nicht mehr gespielt, dass keine einzige Blume mehr stand und stattdessen Unkraut die Wiesen überflutete.

Noch immer geschockt öffnete ich meinen Briefkasten. Eine Tonne Briefe kam mir entgegen, in jedem zweiten stand: „Ich habe es nicht mehr in der Stadt ausgehalten. Die Zeit mit dir war schön, aber seit du nicht mehr da bist, ist es schrecklich geworden. Ich werde dich vermissen“.

Meine liebsten Nachbarn wohnten nicht mehr hier, weil ich sie vernachlässigt hatte. Ich lief nacheinander die Häuser meiner liebsten Bewohner ab, aber sie standen nicht mehr. Im fahlen Licht der Nacht leuchteten nur die Häuser der neuen unbekannten Tiere, die nun meine Stadt besiedelten. Aber ich wollte gar nicht zu ihnen und sie kennenlernen, alles was ich wollte, waren meine alten Freunde.

Ein Windstoß erfasste mich im Spiel, und auch in Echt fröstelte ich. Die von Unkraut umringten Bäume wirkten wie knorrige Gespenster. Meine Nackenhaare stellten sich auf.

Diese dreckige, verlassene Stadt war alles andere als das freundlich Dorf, das ich verlassen hatte. Und das war meine Schuld. Ich hatte meine Freunde und die Stadt vernachlässigt und deshalb überwucherte die Gegend nun mit dürren Bäumen und ekelhaftem Kraut.

Auf dem Weg zum Rathausplatz kam ich an einer stinkenden dunkelroten Blume vorbei, die sich nicht entfernen ließ. Sie verströmte einen roten Saft, der seltsam roch und das Gras um sie herum blutrot färbte. Ich hatte sogar das Gefühl, den Gestank durch das Display hindurch riechen.

Langsam wurde mir das zu gruselig. Sollte ich aufhören zu spielen? Ich konnte einfach nicht. Ich musste mir den Schaden ansehen, den ich angestellt hatte.

Ich lief auf den Rathausplatz und sah dort eine finstere Gestalt. Warte... War das einer meiner alten Bewohner? Miezi, die sonst immer so freundlich lächelte, weinte nun mit einer leeren verzogenen Fratze statt ihrem normalen Gesicht. Was sollte das? Das war doch ein Bug! Ich hatte so lange nicht mehr gespielt, dass das Spiel nicht richtig funktionierte.

Statt der beruhigenden Nachtmusik dröhnten nur noch verzerrte Töne aus dem Lautsprecher. Warte, hatte ich die Musik nicht ausgestellt? Ein Kribbeln überzog meine Haut. Mir war schlecht. Ich wollte aufhören zu spielen und mich übergeben, aber ich konnte den DS einfach nicht weglegen.

Was sollte ich tun? War das wirklich nur ein Bug? Miezi kam langsam auf meine Spielfigur zu, ihr weinendes Gesicht verzerrte sich zu einer grinsenden Grimasse. Im Tunnelblick starrte ich auf das Display, ich konnte weder nach rechts noch nach links schauen, mein Blick war auf den DS geheftet.

Als meine ehemalige beste Freundin grinsend auf mich zukam, wollte ich nur noch flüchten. Aber der Rathausplatz war umzingelt. Statt nur einer einzigen roten Blume überwucherte dieses Gewächs nun alles, wo vorher Wiese gewesen war und ließ mir keinen Weg heraus. Der rote Saft überflutete die Wiese und die Ränder des Rathausplatzes, mein Display färbte sich blutig.

Noch immer war mein Blick auf den roten Blütensaft geheftet. Aber das war kein Saft. Das war richtiges Blut. In den roten Pfützen schwammen vereinzelte Finger, abgetrennte Gliedmaßen und herausgerissene Augen, die wie an einem Faden an ihren Sehnerven hingen. Jede Blüte verdaute einen toten Körper, viele davon waren meine einst geliebten Nachbarn, die ich vernachlässigt hatte.

Auch Miezis Leiche lag in ihr eigenes Blut getränkt in einem Blütenkelch. Ich drehte mich langsam um und schaute in das grinsende Gesicht der Katze. Hinter mir lag ihre Leiche, vor mir stand sie wie lebendig, aber nicht so, wie ich sie kannte. Das hier war ein Monster.

„Es ist deine Schuld, dass die Stadt gestorben ist“, krächzte sie mit verzerrter Stimme. Nicht etwa im lustigen Singsang, mit dem die Tiere normalerweise redeten. Es war eine echte, grausame Stimme, die aus Miezis Mund kam.

„Auch du wirst in einer Blume enden, so wie ich und deine Freunde. Weil du uns vergessen hast, werde ich dich das hier niemals vergessen lassen“, sagte sie und kicherte hysterisch.

Alles was ich hörte, war ihr grausames Lachen, als sie auf mich zukam. Hier gab es kein Display mehr, keine Musik. Das hier war echt. Ich schaute mich um, doch was ich sah, war meine dunkle, von roten Blüten überwucherte Stadt. Der faulige Geruch von Verwesung und stinkenden Pflanzen stach mir in die Nase und trieb mir Tränen in die Augen. Die Katze stand direkt vor mir, mit einem mörderischen Blick erhob sie ihr Messer.

Für einen Moment stand die Zeit still. Ich wollte rennen, aber meine Beine waren wie Butter. Ich wollte flehen, aber aus meinem Mund kam nur angestrengter Atem. Ich schwitzte, das tierische Grinsen vor mir. Adrenalin rauschte durch meine Adern, kalter Schweiß stand auf meiner Stirn und das Blut der Einwohner, das langsam anstieg und meine Knöchel rot färbte, gerann auf meiner feuchtwarmen Haut. Ich spürte, wie sich die rote Flüssigkeit um meinen steifen Körper schmiegte und drohte, mich zu ertränken.

Aber Miezi war schneller. Mit der Waffe auf mich gezeigt kam sie näher, und mit ihr mein Ende.

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