FANDOM


Ich kenne dich. Ich weiß genau wer du bist. Und ich weiß welches Spiel du dir heute gekauft hast. Animal Crossing: New Leaf. Du hast ja so gestrahlt, als du es endlich in den Händen hieltst. Du musstest auch gar nicht lange betteln um es zu bekommen. Dein Vater hat es dir mit Freuden gekauft. Immerhin bist du seine kleine Prinzessin. Du fragst dich bestimmt woher ich das alles weiß, oder? Ganz einfach: Ich war genau wie du.

Es gibt da nur einen Unterschied: Du konntest dir das Spiel leisten und ich nicht.

Meine Familie ist arm. Sehr arm. Ich habe 2 große Schwestern (Zwillinge) und zwei kleine Brüder (ebenfalls Zwillinge). Dann gibt es da noch meine Mutter. Meinen Vater kenne ich nicht, der meiner Schwestern hat eine neue Freundin und der meiner Brüder ist gestorben. Krebs oder so. Das heißt, das wir alle irgendwie Geld verdienen müssen um über die Runden zu kommen. Eigentlich. Denn meine großen Schwestern sind sich zu fein zum arbeiten und meine Brüder sind noch zu klein um es zu dürfen. Nur ich und meine Mutter verdienen Geld. Sie als Putzfrau in 3 Firmen und ich als Aushilfe im Supermarkt. Der Vater meiner Schwestern müsste Unterhalt zahlen, aber er gibt das Geld lieber für seine Freundin aus. Jeder Cent den ich verdiene fließt in die Haushaltskasse. Es bleibt nichts für mich übrig.

Zum Glück habe ich da noch meine beste Freundin, Anna. Sie gibt mir immer ihren 3ds und ihre Spiele über das Wochenende, damit ich auch mal ein bisschen abschalten kann. Manchmal auch für ne Woche, wenn Ferien sind. Wir sind wie Schwestern und ich bin froh das ich sie habe. Sie hat mir auch das neue Spiel Animal Crossing: New Leaf gezeigt und ich durfte mir eine Figur erstellen.

Ich liebte es von der ersten Sekunde an. Es war so anders als die reale Welt. Ich konnte mir kaufen was ich wollte und alle waren nett zu mir. Ich wusste sofort, dass ich dieses Spiel haben musste. Aber in der realen Welt hatte ich nicht genug Geld um es mir leisten zu können.

Bis zu dem Tag an dem ich auf dem Weg zur Schule einen 50 Euroschein fand. Ich sah mich um aber niemand war da, dem das Geld gehören könnte. Ich steckte es schnell ein und beschloss die Schule für heute zu schwänzen. Ich hatte das noch nie getan, aber ich wollte mir so schnell wie möglich dieses Spiel kaufen. Ich ging also auf direktem Wege zum nächsten Media Markt und kaufte mir die Special Edition Animal Crossing: New Horror. Es war die Letzte und ich wusste ehrlich gesagt noch nicht mal, dass sie existiert, aber ich freute mich endlich etwas Besonderes zu haben. Und ich freute mich, weil sie so gut zum heutigen Tag passte denn es war der 31.10, oder anders gesagt: Halloween. Und noch als Sahnehäubchen war heute mein Geburtstag.

Ja, ich habe an Halloween Geburtstag. Ich wurde am 31.10.1999 um 16:06 Uhr geboren. Und irgendwie beeinflusst dieser Tag mein Leben. Ich liebe alles was mit Horror zu tun hat und ich kaufe mir ausschließlich Thriller oder Horror Fantasy Bücher. Sogar mein Zimmer ist schwarz. Die Wände sind schwarz, mein Bett ist schwarz, meine Bettwäsche ist schwarz und die kleine Kommode mit meine Klamotten ist schwarz. Würde noch mehr in mein Zimmer passen wäre es auch schwarz. Sogar meine Haare sind schwarz. Von Natur aus und nicht gefärbt versteht sich.

Da heute zudem auch noch Freitag ist konnte ich mir den Ds von Anna holen. Ihre Mutter öffnete mir die Tür und als sie sich wunderte mich so früh zu sehen, sagte ich das Stunden ausgefallen sind. Sie wusste das Anna mir immer ihren Ds lieh und gab ihn mir, zusammen mit den Spielen.

Doch jetzt wurde es knifflig. Meine Mutter war zwar schon auf der Arbeit, aber meine Schwestern mussten nicht mehr zur Schule gehen und blieben den ganz Tag in der Wohnung. Meine Brüder waren leider auch Zuhause, weil der Kindergarten streikte. Sie würden mir meine Lüge nicht so leicht abkaufen und das Risiko war zu groß, dass sie das neue Spiel entdeckten. Ich wusste zwar nicht wie, aber wenn sie es doch irgendwie zwischen die Finger bekommen würden, oder der Kassenbon aus irgendeinem Grund rausfällt, würden sie es sofort unserer Mutter petzten. Sie liebten es mich in Schwierigkeiten zu bringen. Und 50 Euro nicht für Essen oder Kleidung, sondern für ein Spiel auszugeben, würde mich in eine echte Notlage bringen. Ich wusste, dass es egoistisch war. Aber ich hatte lange genug auf so vieles verzichtet.

Ich wusste sogar schon was meine Mutter sagen würde. Erst würde sie mich fragen, ob ich das Geld geklaut hätte. (Tolle Mutter, oder?) Dann würde sie mich fragen, ob ich mir heimlich etwas von meinem Lohn abzweigen würde. (Ja, man kann ihr vertrauen in mich wirklich spüren.) Und wenn ich ihr dann erklären würde, dass ich das Geld gefunden hätte, würde sie mir einen Vortrag über Ehrlichkeit halten. Gleich danach würde sie darüber klagen, wofür sie diese 50 Euro hätte ausgeben können. Und wenn sie dann auch noch erfahren würde, das ich die Schule geschwänzt habe, um mir dieses Spiel zu kaufen, wäre das Chaos perfekt. Ich würde Hausarrest bekommen, dürfte mir nicht mehr den Ds von Anna ausleihen und sie würde mir meine Bücher wegnehmen damit ich nichts anderes zu tun hätte als zu arbeiten, zur Schule gehen und zu lernen.

Das alles wollte ich nicht riskieren und schlich mich in die Schule. Die Bibliothek war der sicherste Ort von allen. Dorthin verirrte sich noch nicht mal ein Lehrer und die Schüler machten einen großen Bogen um diesen Raum, weil es das Gerücht gab, dass sich da mal jemand umgebracht hat. Ich glaubte nicht daran und machte es mir in einer dunklen Ecke neben einer Heizung bequem. Zum Glück funktionierte sie und es wurde schnell schön kuschelig warm.

Direkt neben der Heizung war eine Steckdose die ich dringend brauchte, weil der Ds auf rot war. Ich packte hastig und voller Vorfreude mein erstes eigenes 3ds Spiel aus und steckte es in den Kartenschlitz. Gebannt sah ich auf den Bildschirm. Natürlich kannte ich das alles schon, aber es war immer hin eine Special Edition und dass machte jede Sekunde für mich zu etwas besonderen. Ich nannte meine Figur Hellen und meine Stadt Satan City. Weil es die Horror Special Edition war wollte ich auch eine richtige Grusel Stadt machen. Ich stellte das Datum auf den 31.10.1999 und die Uhrzeit auf 16:06 Uhr. Das war für mich ein persönliches Symbol dafür, das mein Leben nochmal neu beginnt. Dann suchte ich mir noch eine schöne Stadtkarte aus und schon begann das Spiel. Meine Figur hatte schwarze Haare und braune Augen mit einem leichten rotschimmer. Genau so hatte ich sie mir vorgestellt. Als ich den Hauptbahnhof verließ war es dunkel. Das lag natürlich an dem starken Regen, aber es wirkte nicht nur dunkel sondern regelrecht düster. Der Regen war sogar so stark, dass ich ein paar mal gegen einen Baum lief, weil ich ihn einfach nicht gesehen habe. Als ich das Rathaus endlich erreichte sah es dunkel und ein bisschen bedrohlich aus."Das wird ja immer besser", dachte ich mir freudig und ging rein. Es verlief alles ganz normal. Es war alles genau so wie bei Anna. Ich erledigte meine Aufgaben, suchte ein nettes Plätzchen für mein Haus und freundete mich mit meinen Bewohnern an. Und erst nach Stunden fielen mir ein paar Ungereimtheiten auf.

Zum Beispiel hatte ich schon 6 Bewohner, obwohl man am Anfang immer nur 3 hat. Und ich hatte schon eine goldene Angel und einen goldenen Kescher obwohl ich noch nicht alle Insekten und Fische gefangen hatte. Und anstatt mir ein Zelt zu geben, baute Tom Nook mein Haus in Rekordzeit. Und zwar komplett ausgebaut, das Dach war schwarz und als ich reinging war es komplett eingerichtet. Im ersten Raum, wenn man reinkommt, war die Kürbis Einrichtung. Die kannte ich schon von Anna. Aber die restlichen waren mir vollkommen unbekannt. Im linken Raum sah es aus, als wären für die Möbel und Gegenstände Knochen verwendet worden. An manchen hingen noch Fleischreste und der Boden war blutbefleckt. Ein Totenschädel wurde als Tischlampe benutzt. Schnell ging ich in den nächsten Raum, aber es wurde nicht besser. In dem hinteren Raum war alles voller Eingeweiden. Das Bett sah aus als wenn die Gedärme zusammengeklebt wurden und Gehirne hingen an der Wand. Hier gab es noch mehr Blut und es sah schon fast echt aus. Meine Figur hinterließ sogar Fußabdrücke in den Räumen! Ich wollte zwar nicht wirklich wissen was in den anderen Räumen ist, aber jetzt hatte mich die Neugier gepackt. Ich ging in den rechten Raum und musste mich fast übergeben. Menschliche und Tierleichen lagen in dem Raum verstreut oder waren an die Wand getackert. Ihre Bäuche waren aufgeschlitzt und sie sahen auch ein bisschen verbrannt aus. Ich verließ diesen Raum sofort. "Was ist das nur für ein Spiel? Es ist ab 0 Jahren freigegeben!", dachte ich mir und ging in den Keller. Doch das war ein Fehler. Mein Magen hatte den letzten Raum noch ausgehalten, doch in diesem musste ich mich einfach übergeben. Als ich mir sicher war das nichts mehr rauskam, widmete ich mich doch wieder dem Bildschirm. Es war eine Folterkammer. An der Wand waren Menschen angekettet und auf einen Tisch lagen Messer, Zangen und Dinge die ich nicht benennen konnte. Ich schaute mir die Personen genauer an. Es waren zwei Mädchen und sie kamen mir seltsam bekannt vor. Ich könnte sie aber nicht richtig identifizieren, weil ihre Gesichter total entstellt waren. Die Augen und die Nasen fehlte und der Rest hing in Fetzten von ihnen herab. Ich wand mich von ihnen ab und ging wieder in Erdgeschoss und von da aus gleich in den 1. Stock. Dieser Raum sah aber ganz normal aus. Kein Blut, keine Knochen, keine Eingeweide, keine Leichen und es war keine Folterkammer. Nur ein schwarzer Raum mit schwarzen Gegenständen.

Erleichtert verließ ich mein Haus wieder. Der Regen hatte nachgelassen. Ich wollte eigentlich ein bisschen Angeln gehen um etwas normales zu tun, aber ich konnte nicht. Der Fluss war blutrot und auf der Oberfläche schwammen tote Fische. Angeekelt ging ich weg vom Fluss doch da wurde der Bildschirm plötzlich schwarz. Ich dachte schon er wäre ausgegangen, als plötzlich Musik aus dem Lautsprechern kam. Es war das Lied "Happy Birthday". Ich erkannte es erst nach ein paar Sekunden weil es ganz verzerrt und zerkratzt klang. Dann sang eine tiefe Stimme ganz langsam mit und der obere Bildschirm wurde wieder heller. Der ganze Bildschirm wurde von einem Kopf mit Hörnern bedeckt. Ja, Hörner. Sie ragten aus dem Bildschirm als wenn der 3D-effekt an wäre, aber der war aus. Ich schrie erschrocken auf und begann zu zittern. Das konnte einfach nicht zum Spiel gehören. Ich wollte den Ds ausmachen und weglegen oder besser noch gegen die Wand schmeißen, aber ich war wie gelähmt. Gebannt musste ich zusehen wie der Mann mit den Hörnern sich entfernte, sodass er auf gleicher Höhe wie meine Bewohner stand. Doch von denen war nicht mehr viel übrig. Ihnen fehlten die Ohren und die Augen und der Mund war ihnen zugenäht worden. Das hinderte sie aber nicht daran mitzusingen. Ich konnte auch meine Figur sehen. Sie sah normal aus und freute sich. Dann hörten sie auf zu singen und der Mann fing an zu reden: "Ich bin der Teufel. Der Schrecken und Peiniger der Menschen. Ich bin nicht nur der Erschaffer aller Albträume und Ängste, ich bin auch dein Vater und heute ist der Tag an dem ich dich zu mir hole, meine Tochter Natascha." Ich war unfähig etwas zu sagen. Er war der Teufel. Und er kannte meinen Namen. Mir war schon früher aufgefallen das mein Name rückwärts "Ach Satan" bedeutet, aber ich dachte die ganze Zeit nur an einen dummen Zufall. Ich schluckte schwer und fragte: "Warum sollte ich zu dir wollen?" Er lachte und sagte:" Weil du hier jemand anderes bist. Etwas besonderes. Du müsstest nie mehr auf etwas verzichten. Ist es nicht das was du willst? Ist es nicht etwas das du heute getan hast? Du hast dir etwas gekauft das dich zu etwas besonderen macht und nicht darauf verzichtet. Hier könntest du das jeden Tag machen. Und das bis in alle Ewigkeit." Seine Worte lockten mich. Er traf genau ins Schwarze und ich wusste das ich nie mehr auf etwas verzichten möchte. Lächelnd legte ich meine Hand auf den Bildschirm und spürte den Sog als meine Seele aus meinen Körper in das Spiel überging. Du fragst dich jetzt bestimmt warum ich dir das alles erzählt habe, stimmt´s? Ganz einfach: Du hast gerade mein Spiel gekauft und ich werde dich holen!

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki