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Schneeflocken tanzten im Wind und fielen auf die Erde hinab, verströmten ein angenehmes Gefühl und den Eindruck von Frieden. Mein Atem bildete Wolken und zitternd rieb ich meine Hände aneinander.

Meine Gedanken drehten sich um die Weihnachtsfeier meiner Schule, weswegen ich es gar nicht bemerkte, dass ich einen anderen Weg als sonst ging. Vorbei an fremden Häusern und fremden Gärten, allesamt mit Schnee bedeckt.

Einer der Gärten strahlte eine unnatürliche Kälte aus, griff mit frostigen Fingern nach mir und lockte mich zu dem Gartentor.

Dahinter erstreckte sich eine riesige, weiße Fläche, unterbrochen von großen, alten Eichen und einigen kleinen Gebüschen.

Die Kälte, die ganze Ausstrahlung dieses Ortes weckte meine Neugierde und mir blieb nichts anderes übrig, als den Garten vorsichtig und leise zu betreten.

Versteckt zwischen den Bäumen und restlichen Pflanzen ragten Statuen in den wolkenbehangenen Himmel. Statuen aus purem Eis, in majestätischen Posen. So lebensecht, wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte.

Besonders eine Statue weckte mein Interesse – ein scheuendes Pferd und dessen Reiter. Fasziniert betrachtete ich den Mann. Das Eis glänzte blau, schien innerlich zu brennen. Eigentlich erkannte man nicht viel von ihm, er trug eine eisige Robe, die Kapuze weit in das Gesicht gezogen. Tiefe Augenhöhlen starrten mich an, verfolgten meine Bewegungen und verstärkten das Gefühl der beißenden Kälte.

Panik ergriff mich, obwohl die Schönheit der Statuen mich an den Ort zu fesseln versuchte.

Der Reiter machte mir Angst, solche gewaltige, dass ich durch den Schnee stolperte, aus dem Garten stürzte und mich schleunigst auf dem Weg nach Hause machte.


Die Statuen glitzern in der Dunkelheit, baden im bleichen Licht der Nacht. Andächtig wandere ich zwischen den in regungsloser Schönheit erstarrten Gestalten umher. Die reine Kälte, die die Skulpturen ausstrahlen, durchdringt mich, belebt meinen Geist. Mein Reich.


Ich konnte mich nicht erinnern, bisher jemals geschlafwandelt zu haben, und doch fand ich mich plötzlich am Fenster meines Zimmers wieder, hinaus in die Nacht blickend. Ich war hellwach, irgendetwas dort draußen zog mich wie magnetisch an. Leise zog ich mich an und verließ das Haus, schlich mich hinaus auf die Straße. Wie im Traum lief ich durch die schlafende Stadt, bis ich an meinem Ziel angekommen war. Wie ein verbotenes Heiligtum lag der geheimnisvolle Garten wieder vor mir.


Wehmut bei dem Gedanken, dass auch auf diese Nacht wieder der Tag folgen würde. In stiller Glückseligkeit ruht mein Blick auf den Statuen. Meinen Schätzen. Meine Finger gleiten über die vollkommen glatte Oberfläche des Eises. Jede Nacht wieder ziehen sie mich in ihren Bann, mit ihrer Perfektion, ihrer mysteriösen Schönheit, die sie trotz der ewigen Starre lebendig wirken lässt.


Beim Passieren der Reiterstatue lief mir wieder ein kalter Schauer über den Rücken, doch die Versuchung war zu groß. Ehrfürchtig lief ich tiefer in den Garten, staunend über die kristallhaften Meisterwerke, die so detailliert gearbeitet waren, dass es wirkte, als würden sie mich stumm beobachten.

„Dies ist mein Garten“, tönte eine leise, drohende Stimme wie aus dem Nichts, selbst kalt wie Eis.

Erschrocken fuhr ich herum und erblickte eine hochgewachsene, schlanke Person, die silbrigen, langen Haare fielen ihr in das anmutige Gesicht, welches von einem nahezu reinen Weiß war. Zorn funkelte in ihren Augen.


Niemand, der einmal die wahre Schönheit meines Reiches erblickt hat, wird dieses je wieder verlassen. Niemand.


Das Bild des Gartens mit den wunderschönen Statuen hat sich in meinem Geist festgefroren. Auf ewig habe ich nun die lebensechten Statuen vor Augen. Blinzeln wollen die Lider aus Eis nicht.



Wolfsmaedchen & -scratch-

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