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Ich öffne das 17. Fenster. Dahinter liegt ein seltsames Bild. Meine Mutter hatte den Kalender gekauft. Sie fand, ich wäre zu alt für einen Schokoladenkalender. Aber für einen mit Bildern reichte es offensichtlich noch.

Und nun habe ich also das heutige Fenster geöffnet. Es sieht ein bisschen anders aus, als die anderen Bilder. Ein Mann sitzt auf dem Boden, umringt von kleinen Kerzen. Ich hätte eher eine Glocke, eine Schneeflocke oder einen Weihnachtsmann erwartet, aber das Bild ist eigentlich auch ganz nett. Dennoch ist es auch etwas gruselig. Es sieht so aus, als säße er in einer Kirche, auf einem Pentagramm. In meiner kindlichen Naivität denke ich, dass es vielleicht den Weihnachtsmann zeigt, welcher sich auf seine lange Reise an Heiligabend bei einem Ritual vorbereitet.

Zufrieden gehe ich ins Bett. Als ich unter der Decke liege, werfe ich noch einen Blick auf den Kalender. Moment mal... saß der Mann nicht gerade noch da? Und jetzt steht er in dem alten Gebäude. Ich bin wohl doch sehr müde. Schlafe schnell ein, doch träume ich wirres Zeug und werde deshalb mitten in der Nacht wieder wach.

Mein Wecker zeigt 03:33 Uhr an. Ich sehe mich im Zimmer um. Auch die Uhr über dem Kalender steht auf dieser Uhrzeit. Zwei Mal diese Uhrzeit…irgendwie unheimlich. Und etwas beunruhigt fällt mein Blick auf den Kalender, da ich etwas bemerke. Aus dem Kalenderfenster strahlt blaues Licht. Träume ich etwa immer noch? Ein leichtes Zwicken in den Arm bestätigt es: Ich bin wach. Das blaue Schimmern in meinem Kalender macht mich neugierig und ich stehe auf. Dieses Fenster wird mir immer suspekter. Der alte Mann ist verschwunden. Stattdessen grinst mich eine grässlich unweihnachtliche Fratze an: Ein Schädel, keine Augen, dafür blaue, lodernde Flammen in den leeren Augenhöhlen. Spitze Zähne durch ein bösartiges Lächeln entblößt. Kleine Spitze Hörner haben sich durch die Kapuze der Robe gebohrt.

Was zum Teufel ist das für ein Bild?

Ich bekomme Angst und ein Gefühl, beobachtet zu werden. Wieso starrt mich dieser Schädel so an? Hoffentlich ist das nur ein Scherz mit so etwas wie einem digitalen Adventskalender. Ich schüttle den Kopf, ungläubig, was ich da in dem Fenster gesehen habe. Doch selbst auf den zweiten Blick ist der blau-brennende Schädel noch da. Unbehagen macht sich in mir breit. Und trotzdem starre ich weiter gebannt auf das Fenster. Etwas hält meinen Blick dort fest. Und jetzt passiert etwas genau vor meinen Augen. Der Schädel grinst noch weiter und öffnet seinen Mund. Wie aus der Ferne, aus einem Fernseher, höre ich ihn lachen. Panisch verstecke ich mich unter der Decke, der einzige Rückzugsort vor Monstern in der Kindheit, doch eigentlich weiß ich, dass sie mir kaum Schutz bietet.

Als das Lachen verstummt, krieche ich langsam unter der Decke hervor…und sehe in die leeren Augenhöhlen. Der Schädel ist genau vor meinem Gesicht. Ich schreie auf in der Hoffnung, dass meine Eltern mir zur Hilfe kommen. Die Fratze lacht wieder. Doch dieses Mal ist das Lachen real.

Ich höre Fußgetrampel im Flur und einen Augenblick später geht die Tür auf. Das Licht aus dem Flur blendet mich. Meine Eltern stehen im Türrahmen. Ich stammle vor mich hin und bemerke, dass sich komplett alleine bin. Meine Eltern drehen genervt um und schließen die Tür hinter sich. Es wird wieder dunkel. Nur ein kleines blaues Licht im Kalender erhellt das Zimmer.

Die Fratze starrt mich immer noch an…

17 Mal. Jeden Tag das selbe Bild.

Jede Nacht dieselbe Fratze.

Jedes Mal etwas wahnsinniger.

Hinter verfluchten Fenstern liegt Wahnsinn.

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