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Hell. Verlockend.

Schon seit Stunden lief er einsam durch den Wald, angezogen von dem funkelnden kleinen Licht zwischen den Baumwipfeln.

Verlangen.

Seine Gedanken waren taub, gelähmt, vollkommen erfüllt von der strahlenden Schönheit dieses Lichts, das ihn immer weiter zog. Das Knirschen des Schnees unter seinen Füßen drang nicht bis an seine Ohren, er spürte die tödliche Kälte der Winternacht nicht, lief weiter, wie eine Marionette, weiter auf den Lichtpunkt zu, der sich in seinen Kopf gebrannt hatte.

Angst.

Ein einziger, winziger Gedanke schlich sich langsam in sein erstarrtes Bewusstsein und breitete sich dort aus wie ein Sprung in einer Eisfläche. Das Licht kam nicht näher.

Trauer, Panik.

Verzweifelt lief er schneller auf den leuchtenden Punkt in der Ferne zu, noch immer füllte das Licht seine Gedanken, doch es war kalt geworden, leblos, feindselig.

Hoffnungslosigkeit.

Sein Gang wurde langsamer, kraftlos stolperte er weiter durch die Dunkelheit. Eine Träne rann ihm aus dem Auge, gefror noch auf seinem Gesicht. Immer noch lockte der Stern ihn weiter, zerrte schmerzhaft an etwas in seinem Inneren. Sein Kopf war leer, als er weiter einen Schritt nach dem anderen in den knöcheltiefen Schnee setzte und eine Hand langsam nach oben zu seinem Kopf wanderte. Seine Zähne schlossen sich um das erste Glied seines Zeigefingers, bissen zu. Der Schmerz blieb aus, Wut brodelte in ihm herauf, während er – den Blick immer noch starr auf das ferne Leuchten geheftet – stärker auf seinen Finger biss. Das zarte Fleisch gab nach, Blut lief in seinen Mund, wie besessen knirschten Zähne auf Knochen. Er fühlte nichts, lief weiter, das Gesicht zu einer grausamen Grimasse verzerrt.

Komm her.

Worte bildeten sich in seinem Kopf, fremde Worte.

Komm her...

Sie kamen wie aus dem Nichts, Gedanken, als wären es seine eigenen, und doch dachte er nichts, während er mühsam vorwärts stolpernd mit aller Gewalt an seinem Finger nagte.

Komm. Her.

Er spürte einen Hauch von Ungeduld, Jähzorn. Willenlos nahm er den blutigen Finger aus dem Mund und ließ sich von seinen Beinen eiliger dem Licht entgegen tragen. Die Angst war verflogen, der Zorn genauso, das Licht rief ihn und er folgte, sein ganzes Denken war auf diesen Ruf konzentriert. Während er lief, hielt er den zerbissenen Finger in der anderen Hand, wackelte daran herum.

Komm her!

Der Ruf wurde lauter, die Worte klangen nun fast, als würde eine Stimme durch seinen Kopf hallen.

Allmählich lichtete sich der Wald, hinter den Bäumen tauchte eine kleine Siedlung auf.

Zielstrebig lief er weiter, auf ein ganz bestimmtes Haus zu. Sein Fingerknochen ließ sich leicht hin und her knicken, bei jedem versuch ein ganz kleines Stück weiter. Der Stern strahlte nun mit einer unglaublich intensiven Helligkeit, er stand genau über dem Haus, zu dem seine Füße ihn leiteten.

Vor der Haustür angekommen ließ er seinen Finger los, der sich nun in alle Richtungen gleich weit abknicken ließ. Die Tür war offen.

Hier her.

Er folgte dem Ruf durch den Hausflur, in ein Zimmer hinein, das mit schwachem, bläulichen Licht beleuchtet war. Gedankenlos drehte er seinen blutenden Finger an der Bruchstelle im Kreis.

Ein Kinderbett stand in dem Raum, darin ein ruhig schlafendes Bündel Unschuld.

Für einen Moment sah er ein Gesicht vor seinen Augen aufblitzen, ein altes, bärtiges und erschreckend grimmiges Gesicht.

Er riss den locker herab baumelnden Teil seines Fingers ab und warf ihn weg, während er genüsslich auf seiner Zunge herumkaute.

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