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Sein Kopf fühlte sich schwer wie Blei an, als er plötzlich hellwach in seinem Bett lag. Es war noch dunkel, kein einziger Lichtstrahl drang unter den zugezogenen Vorhängen hindurch. Unzählige spitze Nadeln stachen von innen in seine Stirn, während er sich schwerfällig aufrichtete, die Bettdecke zurückschlug und mit leicht wackeligen Beinen aufstand. Die rot leuchtenden Ziffern der Digitaluhr zeigten 03:09. Mit einem unterdrückten Stöhnen wankte er aus dem Zimmer und durch den Wohnungsflur. Der dicke, schwarz-weiße Kater hob in seinem Körbchen den Kopf, wobei das Glöckchen an seinem Halsband leise klingelte.

Zutreten. Zerquetschen. Für einen Moment blieb er auf der Stelle stehen und blickte den verschlafen blinzelnden Kater an, entsetzt über die Bilder, die gerade in seinem Kopf aufgetaucht waren.

Verstört schloss er die Badezimmertür hinter sich und stellte sich ans Waschbecken. Drehte den Hahn auf und warf sich eine, zwei Ladungen kaltes Wasser ins Gesicht. Sein Kopf schmerzte immer noch. Beim Blick in den Spiegel zuckte er kurz zusammen, für einen Sekundenbruchteil hatte er anstelle seines Gesichts einen ausdruckslosen Totenschädel gesehen, mit Hörnern an der Stirn und blau züngelnden Flammen in den Augenhöhlen. Er hielt sich den schmerzhaft pochenden Kopf, während er das Bad wieder verließ. Das Glöckchen der Katze bimmelte in seinen Ohren, als diese auf ihn zulief und um seine Beine strich.

Er setzte sich auf den Boden, ließ den Kater auf seinen Schoß, aber diesmal verschwanden die Bilder vor seinem inneren Auge nicht. Er spürte das wohlige Schnurren des Katers, streichelte sein weiches, warmes Fell, während er angestrengt versuchte, die schrecklichen Gedanken aus seinem Kopf zu verbannen.

Zweimal ein leises Schnalzen, als die Vorderbeine des panisch schreienden Katers aus den Schultergelenken sprangen, über den Anschlag nach außen gedreht, ja, jajajaja! In Ekstase verdrehte er die Augen, entzückt über das Geräusch der reißenden Sehnen, wie als würde man Papier zerreißen. Seine Finger schlossen sich um den Hals des Tieres, er spürte die letzten, rasselnden Atemzüge zwischen seinen Händen, den rasenden Puls der sterbenden Kreatur, während er das Leben aus ihr herauspresste.

Die Kälte der Nacht umfing ihn, als er draußen auf der Straße stand, geflüchtet vor seiner eigenen Tat. Die Fassungslosigkeit hielt ihn fest, während er ziellos durch die Stadt irrte, frierend, trotz seines dicken Mantels.

Irgendwann war er in eine U-Bahn-Station gelaufen, auf der Suche nach etwas Wärme. Trotz der frühen Stunde standen bereits erstaunlich viele andere Menschen wartend an den Gleisen, ihnen allen stand die Müdigkeit ins Gesicht geschrieben.

Viertel vor Fünf, ein schwaches Vibrieren ging durch den Boden. Etwas abseits war ein Mann in Weihnachtsmannverkleidung aufgetaucht, vielleicht stand er aber auch schon länger dort... aus den Lautsprechern klang ein Gong.

Der Kerl da, er steht viel zu weit vorne...

Eine maschinell klingende Frauenstimme kündigte den einfahrenden Zug an. Das Summen der Gleise wurde lauter. Der Weihnachtsmann hob seine kleine Glocke. Aus dem Dunkel des Tunnels tauchten die Scheinwerfer des Bahnwagens auf, das Dröhnen des Zugs schwoll an, übertönte jedoch nicht das eindringliche Klingeln der Glocke.

Ja, das kommt davon, wenn man nicht hinter der Linie stehen bleibt, in der Tat.

Der unvorsichtige Mann vor den Gleisen war nicht auf den unauffälligen, leichten Stoß gefasst gewesen, einen Moment vollführte er noch ulkige Tanzbewegungen, im Versuch, das Gleichgewicht wieder zu finden, doch dann stürzte er, hinunter auf die Gleise, gerade rechtzeitig, bevor der Zug die Stelle erreichte. Der andere Mann verschwand mit einem abgebrochenen Schrei in der Kehle zwischen Gleis und Rädern.

Langweilig.

Er war wieder geflüchtet, weg von der U-Bahn, wieder heraus auf die Straße, ein Stück weit rannte er, immer weiter, ohne ein bestimmtes Ziel. Seine Gedanken hingen immer noch dabei fest, was gerade passiert war. Das überraschte Zusammenzucken des Mannes. Der Widerstand seines Gewichts bei dem leichten Stoß. Das Gefühl von Macht, gewaltiger Macht, Macht über so ein unbedeutendes Menschenleben.

Niemand hatte es gesehen.

Er stand vor einer Kirche. Die alte, schmutzige Fassade starrte ihn an, wie ein anklagender Zeigefinger ragte der windschiefe Kirchturm vor ihm in den Himmel, der mittlerweile vom ersten Dämmerlicht erhellt wurde. Er ignorierte den Bettler, der neben dem Eingang saß und ging auf die Tür zu, öffnete sie.

Oben auf dem Kirchturm war es kalt. Eisiger Wind umwehte ihn, wie er dort draußen stand, unterhalb der Turmspitze stand und in die Tiefe blickte. Er hatte nicht wirklich darüber nachgedacht, weshalb er hier herauf geklettert war, sein Kopf war leer, abgesehen vom Heulen des Windes.

Ein Gong ertönte, unvorstellbar laut, brachte seinen Körper zum vibrieren.

Ein weiterer Gong.

Er bewegte sich langsam zur Seite.

Gong.

Setzte vorsichtig einen Fuß neben den anderen.

Gong.

Den Blick konzentriert nach unten gerichtet, auf den weit entfernten Boden.

Gong.

Eine wunderbare Idee, ja, eine wahrhaftig wunderbare Idee...

Gong.

Direkt unter ihm saß der Bettler, nichts ahnend. Langsam ließ er sich nach vorne fallen.

Mit dem letzten Gong prallte er unten auf, sein Lachen verstummte schlagartig, endete mit dem Krachen von Knochen, als er den Körper des Bettlers unter sich zertrümmerte.

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