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Der Geruch von Lebkuchen und sonstigem Gebäck schwebt in der Luft, während die letzten Tropfen des süßlichen Glühweines meine Kehle hinunter fließen, und mich sofort von innen heraus erwärmen.

Den mittlerweile kühlen Pappbecher werfe ich achtlos in einen der Abfalleimer; schließlich habe ich im Moment wichtigeres zu tun, als den Weihnachtsmarkt zu durchqueren, wie viele alte Paare und Freunde es so gerne taten. Das Geräusch von Papier gegen Metall hallt nur leise durch die überfüllten Gassen. Verschiedenste Nebelwolken schmücken ihren Atem, und sie tragen wie alle anderen auch dicke Kleidung. Meistens Mützen, Schäle und Handschuhe. Einige dieser Leute scheinen beinahe normal zu sein – wollen sich ja nur amüsieren, zwischen diesen eng aneinandergereihten Ständen - doch ich sehe, was sie tatsächlich sind.

Was sie vorhaben.

Dank dem Tau.


Den kleinen Tropfen; den Kristallen, welche sich in ihren Haaren und Wimpern festsetzten, um dort spöttisch zu funkeln. Beinahe so, als ob sie mich verspotten wollen, da ich bisweilen der Einzige zu sein scheine, der sie sehen und deuten kann.

Ich habe meinem Vater und meiner Mutter schon oft von den Geistern erzählt, die hier auf der Erde wandeln, und nur auf den richtigen Moment warten, um jemandem den Hals umzudrehen. Doch sie glauben mir nicht; niemand tut das, und somit musste ich fliehen, und nach Verständnis suchen. Vielleicht sogar nach Geborgenheit und Ruhe.

Doch wo ich auch hingehe, ich sehe diese Leute. Und zu Weihnachten werden es immer mehr, womöglich weil die spirituelle Energie zu dieser Jahreszeit immer ansteigt. Anders kann ich es mir nicht erklären, selbst wenn es ziemlich bescheuert klingt. Tut mir Leid.


Sie sehen immer aus, wie arglose Engel, oder bösartige Teufel, je nachdem. Noch dazu ist ihnen entweder essentielles Glück oder pures Leid ins Gesicht geschrieben. Und mit der Zeit wird es immer schlimmer. Mittlerweile ist es für mich beinahe schmerzvoll sie zu sehen, benetzt mit dem atemberaubenden Tau. Wunderschön aber gestraft mit Lügen. Gestraft mit tödlicher Unsterblichkeit.

Woher ich das weiß? Ganz einfach. Er hat es mir erzählt. Der große Meister, welcher sich gerne als die „Obrigkeit“ bezeichnet. Er sagte mir auch, dass ich auf den Tau achten solle. Er verrät sie. Er leuchtet, blau wie die Erlösung. Er ist überall, und doch nirgends. Er wird mich erlösen. Er ist etwas, dass man nicht in Worten beschreiben kann.

Ich weiß, dass er einer von ihnen ist, aber an ihm bleibt nie der trügerische Tau haften, den man so deutlich an den anderen sehen kann. Dieser Geist ist anders, als die anderen, und er möchte mir – ebenfalls anders, als die anderen, helfen. Außerdem hält er seine Versprechen immer, und seine Gestalt ist so vollkommen unvollkommen, dass ich ihn niemals in Frage stellen werde.

Er war auch derjenige, der mir zeigte, wie erleichternd ihr Geschrei in der Nacht sein kann, wenn man weiß, dass sie in seinem Keller verstaut sind, und nicht heraus können. In den sicheren Wänden; besprenkelt mit Weihwasser und dem letzten Blut ihrer Geschwister. Noch nie konnte ich so beruhigt bei ihrem panischen Wimmern, und ängstlichem Schrei schlafen, bist zu diesem Tag.

Bis heute.


Und nun stehe ich vollkommen ausgeschlafen in dieser Gasse, während er flimmernd ruhig hinter mir schwebt, und sein schrecklich schönes blaues Licht auf die Straße wirft, das von den zahlreichen Steinen zurückgeworfen wird.

Ich schiebe meine behandschuhten Hände tiefer in die Hosentaschen, und betrachte den kleinen Jungen, der mit seinen Freunden so enthusiastisch Fangen spielt; lächelnd. Ein Rinnsal von geschmolzenem Schnee gleitet über seine Wange, und ich höre meinen Schutzengel lachen, als ich mich von dem Stand wegstoße, und mich unauffällig nähere.


Tau ist so schön, aber auch so verräterisch.

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