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Diese Nacht hat einen ganz besonderen Mondschein. Vollmond. Seit ungefähr anderthalb Stunden durchquere ich nachdenklich und wütend diese Stadt. Ich zittere. Verdammte Winterzeit. Kein Schnee und doch ist es so beschissen kalt. Meine Hände zittern in meiner Jackentasche. Würde mich nicht wundern, wenn mein schwarzer Vollbart bereits Frost angesetzt hätte. Mein Atem bildet einen weißen Rauchschleier, als würde ich gerade rauchen. Wurde von meiner Alten vor die Tür gesetzt. Hatten einen heftigen Streit und als sie mich "Alkoholiker" genannt hat, bin ich eben ausgerastet. Wenn sie so einen Dreck labert, hat sie diese Ohrfeige verdient. Manchmal muss ein Mann tun, was ein Mann halt tun muss. Wer damit nicht klar kommt hat Pech gehabt. Im Endeffekt habe ich mir damit nur selbst ein Bein gestellt, denn die miese Kuh ist nun im Warmen und ich nicht. "Scheiße..", murmele ich vor mich hin.

Ein junges Pärchen kommt mir entgegen. Sie sehen glücklich aus. Noch! Nichts auf dieser Welt hält ewig. Das werden diese beiden Schwärmer auch noch zu spüren bekommen. Irgendwann wird er zu trinken beginne, weil er seine Alte nicht mehr ohne ertragen kann. Eine Schande ist das! Okay. Ich bin auch erst 27, doch scheine ich wohl schon mehr Erfahrungen als diese Teenager zu haben.

Mein Weg zu Fuß soll mich zu einer Bar führen, die ich des Öfteren aufsuche, wenn ich Stress mit meiner Alten habe. Und schon bald kommt sie auch in Sichtweite. Eine kleine Spielunke mit dem Namen "Kamasutra Bar". Ich grinse jedes Mal aufs Neue über diesen Namen. Auch wenn das, was in der Bar abläuft nichts mit dem Namen zutun hat. Das ist einfach nur eine billige Bar mit noch billigerem Fusel. Zum betrinken vollkommen ausreichend. Und genau das habe ich vor. Einfach den ganzen Frust in einer Flutwelle von Alkohol ertränken. Ich stehe vor der Holztür, dessen bemalte Farbe allmählich abzublättern beginnt. Als ich die Bar betrete, schlägt mir warme, muffige Luft wie eine modrig riechende Faust entgegen. Eine Geruchsmischung aus Zigaretten, verschiedenstem Alkohol, Essen, Schweiß und abgenutzte Luft. Doch alles ist besser, als in der Kälte zu wandern.

Mein Blick schweift durch das Innere der Bar auf der Suche nach einem freien Platz. Der nächste ist der am Tresen. Was soll's. Ich setze mich an die Bar und betrachte die Barfrau. Wir kennen uns schon länger. Manchmal hat sie sich zu mir gesetzt und mit mir eine Weile erzählt. Sie schaut mich an und beginnt zu lächeln. "Hallo Tobi. Auch mal wieder im Land?", fragt sie mich einladend. Ich nicke stumm. Allmählich geht es mir besser. Die Wärme lässt mich meine Hände wieder spüren. "Einen Doppelten.", ordere ich knapp und lege meine immer wärmer werdenden Hände auf den Tresen ab. Sie nickt lächelnd, füllt eine klare Flüssigkeit in ein kleines Gläschen und reicht mir den Shot. Starker Alkoholgeruch steigt mir in die Nase, als ich ansetze und den Shot austrinken. Der Fusel brennt sich durch meinen Hals bis in meinen Magen. Knalle das Gläschen auf den Tresen und seufze aus.

"Was führt dich zu dieser späten Stunde hier her? Stress mit der Frau?", fragt mich die Barfrau freundlich und mustert mich.

"Was glaubst du? Ich arbeite 8 harte Stunden, nur um dann nach Hause zu kommen und mich volllabern zu lassen!", beschwere ich mich ein wenig lauter als gedacht. Naja, soll mir egal sein. Wenn sich jemand beschwere will, soll er es bei meiner Faust tun, die erledigt den Rest. Sie nickt zum Zeichen, dass sie versteht. Sie weiß, dass ich keine Antwort erwarte, sondern mich einfach nur auskotzen will. Das mag ich an ihr. Sie urteilt zwar über mich, behält es aber für sich.

"Hast du schon von dieser gruseligen Hütte am Waldrand gehört Tobi?", wechselt sie geschickt das Thema und schaut mich eindringlich an. Ich erwidere den Blick neugierig. Tatsächlich habe ich bereits davon gehört. Angeblich haben ein paar Wanderer an einem Morgen einen heftigen Windstoß abbekommen, die von der Hütte ausgegangen sein sollen. Sie hatten ein beklemmendes Gefühl. "Schwachsinn..", stoße ich heraus. Die Barfrau blickt mich irritiert an. "Noch einen Doppelten.", ordere ich. Sie tut, wie ihr geheißen. Ich trinke den Shot schnell aus. Der Typ neben mir schaut die Barfrau und mich kurzzeitig interessiert an. Sein Grinsen ist seltsam breit. Noch seltsamer ist, dass er Nachts eine Sonnenbrille trägt und einen Cocktail trinkt. Weibergesöff. Irgendein rotes Getränk. Die arme Männerwelt..

"So ein schöner Mann hat es doch gar nicht nötig so viel zu trinken.", sagt eine fremde, weibliche Stimme neben mir. Ich drehe meinen Kopf zur Seite und betrachte eine verdammt hübsche Frau. Sie sieht jung aus. Kurze, blonde, lockige Haare und stechend grüne Augen. Sie war etwas kleiner als ich und hatte einen Vorbau, der sich sehen lassen konnte. Verdammt ist sie heiß. Ihre Augen scheinen direkt in meinen Geist schauen zu können. "Und sie sind?", frage ich versucht charmant. Sie lächelt verführerisch. Aus dem Gemisch der Gerüche, die in dieser Bar vorherrschen dringt ein neuer Duft an meine Nase. Ein Duft, wie ich ihn noch nie gerochen habe. Er scheint von ihr auszugehen. Es betört mich.

"Mein Name ist Clara und ich habe mitbekommen, dass du Streit mit deiner Frau hast. Das finde ich echt schade.", sagt sie mit ihrer sehr angenehmen Stimme. Irgendwas an ihrer Ausstrahlung beruhigt mich ungemein. Weckt Vertrauen. Nimmt mich für sich ein. Auch wenn sie mich von Anfang an duzt. Ist mir Schnuppe. Kann nicht anders, als mir vorzustellen, wie ich mit ihr schlafe. Schüttele kurz meinen Kopf. Auch wenn meine alte mich ankotzt, will ich sie nicht betrügen. Das tut ein Mann nicht.

"Ja das stimmt. Aber sowas soll vorkommen.", erwidere ich mit einem gezwungenem Lächeln. Sie erwidert es mit einem ehrlichen. Zumindest glaube ich, dass ihr Lächeln ehrlich ist.  Der Typ neben mir steht auf und verlässt die Bar. Schaue dem seltsamen Kerl mit der Sonnenbrille hinterher. Seine schulterlangen, braunen Haaren wehen, als er die Tür öffnet und in die Kälte hinaustritt. Widme mich wieder der jungen Blondine, die sich jetzt auf dessen Platz gesetzt hat und mich weiterhin anschaut. Sie hat etwas in ihrem Blick, dass ich nicht einschätzen kann. Sie sieht wachsam aus. Nicht, dass sie zu der Art Weiber gehört, die einen erst antörnen und dann ausnehmen. Zuzutrauen ist ihnen das.

"Weißt du. Ich hatte auch mal einen Mann. Doch er hat mich betrogen und allein gelassen. Ich sehne mich einfach nach Gesellschaft.", erklärt die junge Blondine mit Schmerz in ihrer Stimme. Kann einfach nicht anders, als Mitleid zu empfinden. Will ihr irgendwie helfen. Diese Gedanken werden durch den Wunsch überschattet mit ihr Sex zu haben. Sie lächelt wieder. "Und auf der Suche nach Gesellschaft, treffe ich auf einen Leidensgefährten. Das Schicksal geht echt interessante Wege. Findest du nicht?", spricht sie weiter. Mein Blick ruht kurzzeitig auf ihrem Ausschnitt, bevor ich erwidere:" Wir haben alle unser Päckchen zu tragen."

Sie kichert zustimmend. Clara gibt eine Runde aus. Die Barfrau lächelt mich wissend an und stellt uns zwei Shots hin. Wir stoßen an und trinken aus. Ich genieße ihre Anwesenheit immer mehr. Sie gibt eine weitere Runde aus. Und noch eine. Clara ist echt spendabel. Ich hätte das bei Frauen nie gedacht, dass sie auch mal Männer einladen. "Meine alte hat sich von mir alles bezahlen lassen.", sage ich leicht angetrunken. Frust liegt in meiner Stimme. Sie schaut mich mitleidig an. Der Alk scheint bei ihr wohl gar keine Wirkung zu hinterlassen. Sie sitzt noch immer ruhig und elegant auf ihrem Platz. "Du hast das nicht verdient Süßer.", schmeichelt sie mir. Ihre Stimme klingt noch vollkommen klar. Sie hat Recht. Vollkommen Recht. Ich nicke zustimmend.

Nach einer weiteren Runde, die sie ausgegeben hat, steht sie auf und blickt mich fragend an. Ich erwidere lüstern ihren Blick. "Wollen wir zu mir?", fragt die blonde Schönheit mich grinsend und legt das Geld für die Barfrau auf den Tresen. Mein Widerstand ist längst aufgegeben. Ich will sie. Scheiß auf meine Frau. Sie hat mich nicht verdient. Clara schon. "Gerne", erwidere ich und stehe auf. Der Alkohol  erschwert mir das Gehen. Wir verlassen die Bar. Die Kälte ist es nun, die mir wie eine Faust ins Gesicht schlägt. Doch der Alkohol wärmt von innen. Vorfreude überdeckt alles andere. Gleich werde ich wohl den besten Sex bekommen, den ich seit langem hatte. Ich kann mir ein breites Grinsen nicht verkneifen. Ihr dunkles Auto steht direkt vor der Bar. Wir setzten uns rein. "Du hast doch auch viel getrunken, kannst du noch fahren?", frage ich leicht lallend. Sie nickt lächelnd und lässt den Motor an. Sie fährt erstaunlich gut und sauber für eine Frau. Wir fahren aus der Stadt hinaus. Verwirrung macht sich in mir breit. "Wohnst du nicht hier?", frage ich verwundert. Ihr Blick ist geradeaus auf die Straße gerichtet. "Ich habe ein gemütliches Haus in einer Waldlichtung.", sagt sie sanft. Ich hebe meine Augenbraue. Wer will schon im Wald leben. "Jeder, wie er will.", sage ich, um nicht unfreundlich zu klingen. Schließlich will ich ja mit ihr ins Bett.

Clara fährt einen Waldweg hinein. Es wird dunkler. Nur die Scheinwerfer vor dem Auto erhellen den Weg, den wir entlang fahren. Nach ein paar Minuten erreichen wir eine Lichtung, die vom Mondschein erhellt wird. Das Auto hält. Wir steigen aus und gehen zu der unfassbar schönen Hütte. Sie passt zu ihr. Sie hat Glas als Wände und hat sich in die Natur fast schon eingefügt. Die hölzerne Terrasse wird von Pflanzen überwuchert. Wir gehen auf die Tür zu. "Willkommen bei mir Zuhause mein Schöner.", sagt Clara sanft und schließt die Tür auf. Wir betreten ihre schlichte Hütte und verfallen sofort in heftiges Küssen. Küssend zerrt sie mich in ihr Schlafzimmer und aufs Bett. Mir fällt ihr Glasdach auf, der mir einen Blick auf den Vollmond gewährt. Ich werfe achtlos meine Jacke und meinen Pullover weg. Sie wird so wild, dass sie mein Shirt zerreißt. "Ich hatte schon so lange keinen Partner mehr.", sagt sie immer wilder atmend und beginnt meinen Hals zu küssen.

Ich lehne mich nach hinten. Genieße es. Schließe meine Augen. Plötzlich ist mir so, als würde sie in meinen Hals beißen. Stechender Schmerz durchfährt meinen Körper. Ich reiße meine Augen auf während ich schmerzerfüllt aufschreie. Stoße sie weg. Claras Gesicht ist blutig und zu einem bösartigem Grinsen verzerrt. Sie spuckt etwas blutiges aus ihrem Mund auf das Bett. Sie hat mir ein Stück Fleisch aus dem Hals gebissen!? Was zum Teufel ist hier los? "Was soll das du Schlampe?", brülle ich wutentbrannt. Sie lacht schallend auf. Ich will weg, aber kann mich nicht bewegen.

Sie kommt auf mich zu. Ihre Augen beginnen grün aufzuleuchten. Die gestörte Blondine umkreist mich. Was ist mit ihren Augen los? Was will sie von mir!? Angst übernimmt mich. "Wie ich schon sagte, ich sehne mich nach Gesellschaft. Nach Lebensenergie. Und ihr Männer seid genau diese Art von Energie.", erklärt sie mit lüsterner Stimme und haucht mir einen Kuss auf meinen Hals. Clara schaut mir in die Augen. "Du wirst nie wieder gehen können. Du bist ein besonders abscheulicher Mann. Ich werde es genießen dir dein Leben zu entziehen.", haucht sie in mein Ohr und stößt mich aufs Bett zurück. Ich kann mich noch immer nicht bewegen.

Sie legt sich auf mich. "Du wirst alle Qualen der Hölle spüren, um mir die Freuden des Paradieses zu schenken.", flüstert sie zärtlich und beginnt mich zu küssen. Das ist kein normaler Kuss. Es ist anders. Mir wird warm. Zu warm. Es ist, als würde ich beginnen von innen zu brennen. Ich will schreien. Bin aber nicht dazu in der Lage irgendwas zutun. Am Ende hat mich eine Schlampe getötet. "Der Mond wird deine verrottete Seele in sich aufnehmen", sagt Clara bösartig und küsst mich weiter. Ich werde schwächer. Schaue ein letztes Mal verzweifelt durch den Raum. Sehe in der dunklen Ecke jemanden stehen. Ein älterer Mann, der schwach blau zu leuchten scheint. Ungefähr so groß wie ich. Muss wohl endgültig den Verstand verloren haben. Drehe meinen Kopf zu der gläsernen Decke, während Clara mich durch den Kuss auszusaugen scheint. Mein Blick ruht auf den Vollmond. Er ist wunderschön. Hätte wohl bei meiner Alten bleiben sollen. Ich merke, wie ich das Bewusstsein allmählich verliere. Es tut so unbeschreiblich weh. Schwärze umfängt meinen Geist...

Epilog Bearbeiten

Das war gut. Neue Lebensenergie. Ich stehe von meinem Opfer hoch und betrachte diesen Abschaum. Männer sind so vorhersehbar. Und der hier, wird niemandem fehlen. "Gute Arbeit Sukkubus.", spricht eine dunkle und nicht minder bedrohliche Stimme in meinem Kopf. Ich wirbel um und sehe einen alten, blau leuchtenden Mann  in der Ecke stehen. Er ist kein Mensch. "An dir klebt der Geruch eines Geistes.", sage ich leicht lächelnd. Also ist dies das Wesen, welches neuerdings hier sein Unwesen treibt. Er ist mächtiger. Viel mächtiger als ich. Gegen ihn zu kämpfen würde mir nichts bringen.

"Du hast es erkannt Sukkubus. Du tätest besser daran, mir nicht in die Quere zu kommen.", sagt er in meinem Kopf. Ich grinse. Er hat Recht. Ich muss wohl einknicken. Schade, dass ich ihn nicht aussaugen kann.

"Du würdest bestimmt köstlich schmecken, aber ich werde dir das Gebiet überlassen.", sage ich lüstern und verlasse den Raum. Er lässt mich tatsächlich gehen. Vermutlich ist er nicht an mir interessiert. Egal an wen oder was dieser Geist interessiert ist, jenes Etwas oder dieser Jemand tut mir jetzt schon leid....


Lord Maverik

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