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Meine Tochter Anna war einmal eine begabte Sportlerin gewesen. Viele Eltern unterstellen ihren Kindern irgendeine Begabung, aber bei ihr stimmte das wirklich. Sie war gelenkig und ausdauernd und ihre Turnlehrerin bescheinigte ihr eine großartige Körperhaltung. Ein wenig schüchtern war sie und sprach nur selten und ungern mit anderen Menschen, weshalb sie auch nicht so viele Freunde hatte. Ich erzähle das alles, weil es wichtig ist um zu verstehen was passiert ist.

Ihr Vater hatte uns kurz nach ihrer Geburt verlassen, er war ein Taugenichts, ein Trinker, das muss ich so sagen und außer Anna zu zeugen hat er wohl nichts Gutes in seinem Leben hervor gebracht. Als er sich vor drei Jahren tot gesoffen hatte, habe ich ihm ehrlich gesagt keine Träne hinterher geweint. Ich habe ihn nie wirklich gelíebt und Anna war damals auch eher ein Unfall der aus unserer kurzen Beziehung entstanden ist, wenn ich auch immer der Meinung war, dass dies der beste Unfall war der mir je passiert ist.

Es war letzten Sommer als wir in unseren lange geplanten Amerika Urlaub flogen. Ich hatte Verwandte in Norwood Park, das ist ein kleiner Vorort von Chicago und wir besuchten sie für zwei Wochen. Es schien alles in allem ein schöner Urlaub gewesen zu sein, wir sahen viel von der Landschaft und Anna war ganz begeistert als wir ein Indianerdorf besuchten. Natürlich war dort alles nur Show, aber das musste sie ja noch nicht wissen. Die harte Realität, das diese Menschen auf der unteren Stufe der amerikanischen Wohlstandspyramide stand, das würde sie noch früh genug lernen so wie andere harte Wahrheiten wie, dass es keinen Weihnachtsmann gab.

Es war der letzte Abend, ich saß mit meinen Verwandten in der Küche während Anna in ihrem Zimmer war und ein Buch las. Ich beschloss, dass es Zeit wurde, dass sie schlief, immerhin würde uns am nächsten Tag eine anstrengende Heimreise und ein langer Flug bevor stehen, weshalb ich in ihr Zimmer ging um ihr einen Gutenachtkuss zu geben und das Licht zu löschen.

Doch als ich die Tür öffnete war das Zimmer leer. Ihr könnt euch meinen Schock vorstellen, ich schrie das ganze Haus zusammen und sofort waren alle in heller Aufregung. Wir suchten das ganze Haus ab, aber sie war nirgendwo zu finden. Während meine Verwandten schon die Polizei rufen wollten beschloss ich nochmal im Garten nach zu sehen. Und dort stand sie und blickte ins Leere. Ich war erleichtert, so erleichtert, dass es mir nicht Mal in den Sinn kam zu schimpfen. Ich umarmte sie einfach nur und rief „Anna, was machst du denn für Sachen?“ Sie schaute mich einen Moment verwirrt an, so als wüsste sie gar nicht was los sei doch dann lächelte sie und rief fröhlich „Hallo Mama, ich habe nur noch ein wenig gespielt.“ Ich brachte sie in ihr Zimmer zurück, es war ein Schock am Abend aber einer der anscheinend gut ausgegangen war.

Wir flogen am nächsten Tag zurück und ich gebe zu, dass ich das Erlebnis schnell vergessen hatte. Natürlich mache ich mir Vorwürfe deswegen, aber wer hätte denn ahnen können was passieren würde? Und selbst wenn, was hätte ich denn tun können? Die nächsten Tage und Wochen vergingen relativ normal, Anna ging wieder zur Schule und ich wieder zur Arbeit. Die Veränderungen traten eher schleichend ein und waren einzeln kaum zu bemerken. Mein kleiner Engel, der sich früher so viel aus Sport gemacht hatte begann das Interesse daran zu verlieren. Auch aß sie mehr, wirkte sie früher oft eher unterernährt, so wurde sie im Laufe der Zeit richtig proper.

Außerdem begann ihr Interesse für Kunst zu wachsen, sie begann Bilder zu malen, wirklich gute Bilder für eine Achtjährige. Die entscheidendste Veränderung war allerdings ihr sozialer Umgang. War sie früher oder still und einzelgängerisch so schien sich ihr Wesen komplett umgewandelt zu haben. Ihr Freundeskreis wuchs und wuchs ständig, wenn ich sie von der Schule abholte war sie immer von einer Gruppe von Kindern umgeben, meistenteils Jungs. Letztlich hat mich das aber alles nicht misstrauisch gemacht, ich muss zugeben, dass ich mich über einige Veränderungen sogar freute. Dass ein Kind mal seine Interessen ändert war ja nun nichts Neues und, dass sie nun lieber Kunst als Sport machte war für mich vollkommen in Ordnung. Dass sie nun meistens mit Jungs unterwegs war, war für mich auch kein Problem. Wir leben im 21. Jahrhundert und alte Rollenverhältnisse sind ja schon lange überflüssig.

Allerdings war sie auch immer öfters in gewisser Weise abwesend, sie starrte vor sich hin und reagierte erst wenige Sekunden nachdem man sie ansprach. Auch schien sie zunächst Probleme haben sich zurecht zu finden, sei es das sie erst ihr eigenes Zimmer in unserem Haus suchen musste oder dass sie nicht mehr den Weg zur Schule kannte. Aber all das legte sich mit der Weile und so schenkte ich dem keine weitere Beachtung.

Bis hierhin kann ich wohl mit Fug und Recht behaupten, dass ich nichts ahnen konnte, aber spätestens als diese Sache mit Adrian passierte hätte ich misstrauisch werden sollen. Adrian war ein Mitschüler von Anna, ein stiller Junge mit dunklem Haar und tiefbraunen Augen. Eines Tages war er verschwunden, er kam nach der Schule einfach nicht nach Hause. Man fand ihn drei Tage später, zumindest das was noch von ihm übrig war. Die Gerichtsmedizin ergab, dass er auf grausamste Weise gequält und dann erstochen wurde. Die ganze Stadt war in heller Aufregung, aber es gab keine Spur die zu einem Täter führen könnte. Natürlich musste ich mit Anna darüber sprechen, ich wollte ihr schonend erklären wieso ihr Freund nicht mehr da war.

Als ich in ihr Zimmer kam, saß sie auf dem Bett und starrte ins Leere. Kurz überlegte ich was ich sagen sollte und ging auf und ab. Dabei fielen mir die vielen Bilder auf, die sie in letzter Zeit gemalt hatte. Auf vielen war ein Clown zu sehen, keiner dieser Horrorclowns wie man sie aus ES oder ähnlichen Filmen kennt, nein einfach nur ein freundlich dreinblickender Clown der Ballons in den Händen hielt. Kinder mochten halt Clowns, zumindest die meisten weswegen ich der Sache keine weitere Beachtung schenkte. Ich setzte mich zu Anna und wollte mit ihr über alles reden, aber sie schüttelte nur den Kopf und sagte, dass es schon in Ordnung sei. So etwas würde nun einmal passieren. In gewisser Weise schockte mich das, aber ich lies es erst Mal darauf beruhen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt muss ich sagen, dass ich einfach eine schlechte Mutter bin, ich hätte wissen müssen was da passiert.

Natürlich reagierten wir Eltern darauf, sperrten quasi unsere Kinder ein, fuhren sie zur Schule und holten sie von dort wieder ab. Draußen spielen kam nicht mehr in Frage, aber es half nichts. Der kleine Tobi, ebenfalls aus Annas Klasse, wurde auf der Schultoilette gefunden. Vielleicht sollten wir dankbar sein, dass sein Tod relativ schnell passierte, wir nahmen an das der Täter keine Zeit hatte das Kind zu Tode zu quälen. Die ganze Schule wurde gesperrt, alle Lehrer vernommen aber man konnte keinen Täter finden.

Ein Schulbesuch kam natürlich nicht mehr in Frage, alle Kinder blieben zuhause und durften nicht Mal zum Spielen vor die Tür. Anna schien das erneut gut zu verarbeiten und immer noch reagierte ich nicht. Sie nutzte die Zeit um zu malen, immer mehr Bilder von diesem komischen Clown. Wir Eltern regten uns über die Polizei auf, welche nicht in der Lage war dieses Monster zu fangen, aber wir glaubten die Situation zumindest soweit unter Kontrolle gebracht zu haben, dass es keine weiteren Opfer gab. Doch wir irrten uns, wenige Tage später starb Richard, ebenfalls ein Klassenkamerad von Anna und ebenfalls ein Freund von ihr. Seine Eltern brachten ihn abends ins Bett und fanden ihn am nächsten Morgen. Der Täter war durchs Fenster gekommen, offensichtlich wurde es von innen geöffnet. Richard musste also seinen Mörder hinein gelassen haben, dann wurde er mit seiner eigenen Schlafanzughose geknebelt so das er nicht schreien konnte und dann zu Tode gequält.

Ihr könnt euch vorstellen, was in unserem Ort los war. Wenn wir nicht Mal in unseren eigenen Häusern sicher waren, wo denn dann? Ich schnappte mir Anna und beschloss die Stadt zu verlassen, wir zogen in einen neuen Ort, ich fand einen neuen Job und alles schien wieder normal. Zunächst war auch alles gut und ich traute mich sogar wieder meinen kleinen Engel tagsüber auf die Straße zu lassen. Es erschien mir nicht möglich, dass uns der Täter gefolgt war.Sie freundete sich mit den örtlichen Kindern an und Normalität schien zurück zu kehren.

Doch dann geschah der nächste Mord, wieder ein kleiner Junge und einer der neuen Freunde die Anna gefunden hatte. Auch er wurde auf grausamste Weise gefoltert. Es schien als wäre uns die Blutspur gefolgt. Alle Kinder die in unserer Stadt gestorben waren, waren Freunde von Anna gewesen und die Mordserie setzte sich in unserem neuen Wohnort fort. Und Anna zeigte keine Emotionen. Vielleicht hätte mir jetzt ein Verdacht kommen müssen, aber es war doch meine Tochter. Wer denkt so etwas von seinem eigenen Kind? Die Polizei schien allerdings langsam einen Verdacht zu haben, allerdings gegenüber mir. Kaum verwunderlich immerhin fanden die Morde ja immer dort statt wo ich wohnte. Ich kam in Untersuchungshaft und meine Schwester kam für diese Zeit vorbei um auf Anna aufzupassen. Doch bereits nach einigen Tagen lies man mich wieder frei, einerseits weil es keine Beweise gegen mich gab und außerdem geschah der nächste Mord. Wieder das selbe Muster und wieder einer von Anna's Freunden.

Mir war nicht wohl als ich nach Hause kam, irgendwie ergab das alles langsam ein Bild. Anna hatte sich verändert und in ihrer Umgebung fanden Morde statt. Aber ich wollte die Wahrheit immer noch nicht glauben.

Ich fragte meine Schwester wie sich meine Tochter benommen hatte und sie zuckte nur mit den Schultern. Gut, meinte sie auch wenn sie keine Emotionen auf die Morde zeigte. Doch irgendetwas schien sie zu beschäftigen. Sie musste wieder nach Hause und erst als wir uns verabschiedeten rückte sie mit der Sprache raus. Sie erzählte mir, dass sie es beunruhigend fand das Anna diesen komischen Clown malte, welcher doch so viel Ähnlichkeit mit diesem anderen Clown hätte. Mehr sagte sie nicht, bevor sie in ihr Taxi stieg.

Natürlich interessierte mich was sie damit meinte und kaum war sie weg fotografierte ich das Bild ab und lud es auf meinem Computer hoch. Ich erhoffte mir über die google-Bildsuche vielleicht heraus zu finden was sie damit gemeint hatte. Mir blieb der Atem weg als ich tatsächlich eine Übereinstimmung fand, ein Bild das fast genauso aussah wie das von Anna. Und mir wurde schlagartig klar was passiert war. Ihre Gewichtszunahme, ihr Interesse am Malen und ihre extrovertiertes Wesen welche sich seid unserer Rückkehr aus Amerika entwickelt hatte. Und ich wusste, dass sie für diese Morde verantwortlich war, oder besser gesagt nicht sie. Denn es war schon lange nicht mehr Anna, das erkannte ich an dem Clown der nun einen Namen hatte. Er hieß Pogo und die Bildunterschrift zeigte mir was oder besser gesagt wen wir aus unseren Urlaub in Norwood Park mitgebracht hatten. Jemand der dort einst gelebt hatte und nun in Körper meiner kleinen Tochter gefahren war.

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