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Gefangen?

Nein ich bin nicht gefangen.

Ich weiß nur nicht wo ich bin.

Von einem fernen Ort scheinen animalische Schreie an mein Ohr zu dringen. Schneiden durch meinen Geist hindurch, als wären sie die scharfe Klinge eines rostigen Rasiermessers. Hinterlassen triefend eitrige Wunden und rote Striemen dort wo sie treffen. 

Meine Beine kaum mehr dazu in der Lage schleife ich mich vorwärts immer weg von diesen Schreien. Dabei kann ich gar nicht sagen woher sie kommen. Hinter mir ist nichts als dräunende Dunkelheit, verschluckt jeden Lichtschimmer der vielleicht irgendwo von der Oberfläche herrühren mag. Vor mir, unendlich weit vor mir sehe ich einen schwachen Schimmer. Kein wirkliches Licht, mehr ein hellerer Fleck in der eiskalten Schwärze die hier herrscht.

Schwer geht mein Atem, vermag kaum die abgestanden stinkende Luft zu verwerten die hier in dicken Wolken unter der steinernen Decke klebt. Rau, scharfkantig die Wände, an denen ich mich mit ausgestreckten Armen entlang taste. Bald wird die Decke so niedrig, dass ich auf die Knie sinken muss um überhaupt vorwärts zu kommen. Mehr als einmal schabt meine Schädeldecke über hartes Gestein und ich kann spüren wie sich heißes Blut mit klebrigem Schweiß in meinem Nacken vermischt. Feine Ströme bildet, die sich unaufhaltsam meinen Rücken hinab bahnen.

Es wird enger, der Gang wird schmäler, ich fühle es an meinen Armen die immer weiter an meinen Körper gepresst werden. Aber der fahle Schemen zieht mich vorwärts. 

Längst schmerzen meine Knie bei jeder Bewegung, würde gerne auf allen Vieren kriechen, wage es aber nicht die Handflächen von den glitschigen Wänden zu nehmen. Möchte den Kontakt nicht verlieren. Das Einzige, dessen ich mir noch sicher sein kann.

Stoßweise keuche ich verbrauchte Luft aus meiner Lunge, schmecke das Salz auf meiner oberen Lippe. Meine Kehle ist längst wund, aufgeschabt und preisgegeben vom Mangel an Wasser und staubtrockener Luft die hindurch rauscht wie durch eine alternde Orgelpfeife.

Nicht mehr lange und meine Arme liegen beinah an meinem Körper an, ich muss den Kopf einziehen möchte ich überhaupt noch vorwärts kommen. Aber der kleine Punkt vor mir ward deutlicher, zeichnet sich nun kräftig gegen den dunklen Abgrund ab. Sanft führt der Weg nach unten, es wird schwer das Gleichgewicht zu halten. Immer näher kommen die Wände, die Decke. Spüre ihren Druck von der Seite, das Gewicht Millionen von Tonnen Gestein von oben. Pressen mich zusammen, lassen mich kleiner, immer komprimierter werden. Möchte schreien! Doch alles was meine Kehle verlässt ist ein trockenes Rascheln. 

Nur noch langsam komme ich vorwärts. Rutsche weiter nach unten, dem Lichtpunkt folgend der mich zu sich ruft. Dauernd sind diese Schreie allgegenwärtig. Hören nicht auf, reißen niemals ab. Meine Arme strecke ich nun nach vorn und ziehe die Schultern weit nach vorn. So eng… unglaublich eng. Der Rücken längst gekrümmt wie der eines alten Mannes, reißt mir die Decke die Haut vom Schädel. Heiß, es wird heiß. Das Blut kocht in meinen Adern, führt wilde Tänze auf, während mein Herz in der Brust rotiert und nicht weiß wie es weiter schlagen soll. Habe kaum noch Luft in der Lunge, es brennt zu sehr. 

Liege nun auf dem Bauch und ziehe mich mit gesplitterten und abgebrochenen Fingernägeln vorwärts. An den Seiten ist kaum mehr Platz, aber das Licht kommt näher. Wimmernd schiebe ich mich darauf zu. Ich kann nicht mehr! Es ist kein Platz mehr!

Plötzlich wird mir gewahr, dass ich nicht mehr weiter kann. Kann nicht vor, nicht zurück. 

Ich stecke fest. 

Verzweifelt schlage ich um mich, winde mich wie ein Aal auf dem Trockenen. Nur um mich Millimeter für Millimeter weiter hinein zu drücken. Das Licht ist so nah! Wenn ich die Hand hebe kann ich deutlich ihren Schatten sehen! Es muss zu schaffen sein! Geifer rinnt in Fäden mein Kinn hinab und tropft auf den Boden. Weit aufgerissen die Augen um jedwede Einzelheiten aufzunehmen. 

Kein Stück mehr. Festgefahren. Eingefangen. Strampelnd, kichernd und lachend. 

Ich stecke fest!

Dann sehe ich, was ich nicht sehen wollte. Das Licht ist nur ein kleines Loch in einer Mauer, nicht weit vor mir.

Und meine erbarmungslosen Schreie vermischen sich in der Agonie der übrigen Stimmen in diesem Kaninchenbau…

Ravnene

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