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I'm just an angel who wants to go home.





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Und nun saß ich da, im Schneidersitz auf diesen alten Schwellen aus Holz.

Sie lagen alle nebeneinander in einer Reihe.

Rundherum große, schwere, dunkelgraue Steine, die fast schwarz zu sein schienen und überall verteilt waren.

Ich nahm einen von diesen merkwürdigen Steinen in die Hand, holte weit aus und warf ihn. Er verschwand aus meinem Blickwinkel und landete irgendwo in der Ferne.

Ich ließ meine Finger, mit den abgetrennten Fingernägeln, über das rostige Metall gleiten. Meinen Blick ließ ich von links nach rechts wandern. Ich atmete tief durch die Nase die frische Abendluft ein und lächelte meinem großen Bruder, der neben mir Platz genommen hatte, an. Er hatte ein sehr breites Grinsen auf dem Gesicht. Er konnte es wohl auch kaum erwarten, wie ich.

"Keine Sorge, Kleine. Bald ist es vorbei. Ich verspreche es dir. Du musst dann nie wieder Schmerzen erleiden. Du wirst frei sein, für immer, das ist doch toll, oder?" Er sah mir  mit seinen eisblauen Augen tief in die Augen und wartete darauf, dass ich etwas sagte. Meine Augen weiteten sich und ich strahlte ihn an. Meine Grübchen wurden dabei immer sichtbarer. "Frei sein...", flüsterte ich und betrachtete die goldene Sonne und wie gleichzeitig das Tagesende einbrach. Meine Augen funkelten vor Aufregung. Ich konnte es wirklich kaum erwarten. Er hatte mir so vieles erzählt von oben. So viele schöne Dinge.

Und all meine Wünsche würden dann in Erfüllung gehen.

Lange schwiegen wir und betrachteten einfach nur den Himmel, der langsam orange und rötlich wurde. 

"Wann ist denn es denn so weit, Tim?", fragte ich plötzlich und durchbrach damit unser Schweigen. "Bald", erwiderte er sogleich mit sanfter Stimme. Er fuhr mit seiner vernarbten Hand durch meine gelockten, honigblonden Haare. Dann streichelte er meine Wange. "Du hast so eine zarte, weiche Haut und solche schöne, gepflegte Haare. Du siehst aus wie ein Engel. Ein Engel, der vom Himmel gefallen ist..."

Er machte eine kurze Pause.

"...und nun ist es Zeit, dass du nach Hause zurückkehrst.", beendete er seinen Satz

Ich nickte leicht und wandte den Kopf von ihm ab.

Ich griff nach seiner Hand und verschränkte meine Finger mit seinen.

Er presste seine kalten, trockenen Lippen auf meine Hand.

Es fühlte sich an wie ein hauchdünner Kuss, den ich fast nicht zu spüren bekam.

"Auch Engel dürfen frei sein."

Das waren seine letzten Worte, nachdem er langsam vor meinen Augen verschwand und ich nur noch die Luft umklammert hielt.

Ich ballte meine Hand zu einer Faust, so fest, dass es schon zu schmerzen begann.

Gleich darauf tauchten grelle Lichtstrahlen auf und ich nahm nur noch ein lautes, ohrenbetäubendes Knirschen wahr, das den schrillen Schrei, der wie aus dem Nichts kam, übertönte.

~HeartOfDark

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