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"Marcy? Ehm....kann ich dich kurz sprechen?". Marcy blickte von ihrem Schulbuch auf, welches sie vor sich aufgeschlagen hatte, um die Hausaufgaben zu machen. "Klar", sagte sie schnell, noch bevor sie in das Gesicht eines Jungen mit kastanienbraunen Haaren aufsah. Der Junge blickte sie mit seinen moosgrünen Augen etwas schüchtern an. Marcy kannte den Jungen. Kyle. Er saß immer ganz still in der Ecke und meldete sich nie. Manchmal dachte man, er wäre nie da, weil seine Anwesenheit eher der eines Geistes glich als der eines Schülers, doch Marcy bemerkte ihn. Sie fand ihn ganz nett. "Was willst du denn?", Marcy blickte fragend in seine Augen. "Können wir woanders reden?", fragte er schnell und hastig. Marcy war nervös, der Blick war teils auf Kyle, teils auf den Boden gerichtet. Ihre Hände verkrampften sich ein bisschen. "Okay, wo genau?", flüsterte sie. "Komm einfach mit!" Er führte Marcy aus dem Klassenzimmer, weiter den Flur entlang, bis zu einer der Türen, die nach draußen führten. Kyle öffnete sie und bat Marcy, sich auf eine der braunen Holzbänke, die an einer wunderschönen Rosenwand lag, zu setzen. Die Sonne strahlte auf diese Bank, sodass man dachte, die Sonne und Kyle hätten untereinander ausgemacht, dass sie genau dort und jetzt scheinen sollte. "Das ist echt ein wundervoller Ort, wieso hab ich den noch nie gesehen?", fragte Marcy mit ihren großen schokoladenbraunen Augen, die eine Spur von Angst zeigten. Kyle und Marcy nahmen auf der Bank Platz. "Weil der Ort eigentlich immer verrottet und kahl ist. Die Wand hinter dir hatte noch vor paar Monaten kein einziges grüne Blatt. Naja, kommen wir jetzt zu dem Thema, über das ich mit dir reden wollte". Marcy nickte leicht, und Kyle zog seine Hände aus seiner Hosentasche raus. Er suchte mit seiner Hand die Hand Marcys, die er mit seiner warmen Hand umschloss. Marcy zuckte auf und schaute ihn entblößt an, worauf sie ihre Hand aus seiner zog. "Was willst du von mir?", fragte sie ängstlich. "Marcy, ich mag dich schon eine ganze Weile. ich finde dich wunderschön, und wenn ich dich lächeln sehe, dann muss ich auch lächeln. Deine Freude ist ansteckend, und sie verbessert immer meine Laune. Ich kann es nicht mehr für mich behalten, aber ich liebe dich." Er seufzte vor Erleichterung und lächelte sie an. Er hoffte, sie würde sich nicht vor seinem Liebesgeständnis erschrecken oder so, insgeheim hoffte er, dass sie seine Liebe erwiderte.

Mit diesen Worten hatte Marcy niemals gerechnet. Ein Gefühl, als würden Eiskristalle an ihren Knochen festfrieren, ein tiefer Schauer bedeckte ihren Körper, und Marcy begann unkontrolliert zu zittern. Sie spürte ihren rasenden Puls, als würde er jede Sekunde vor Angst zu sprengen drohen. Eine imaginäre Nadel, die man ihr in ihr Herz rammte. "Was....was?!" Ihre Stimme bebte. Ihre Augen wichen seinem Blick aus. "Ja, ich liebe dich", wiederholte Kyle nochmal. Marcy war das zuviel. Sie stand auf. "Sorry, aber lass mich in Ruhe." Sie rannte, so schnell sie konnte, davon. Ihr Atem nahm einen unnatürlichen Rhythmus an. "Nur schnell weg", sagte sie zu sich selber. Es ist egal, ob jemand sie dabei hörte. Zurück im Klassenzimmer setzte sie sich hin und wartete mit rasendem Herz auf das Ende des Schultages.

Zuhause dachte sie an Kyle, und sofort bekam sie wieder ein eiskaltes Gefühl auf der Haut. "Ich....es tut mir leid, Kyle...", brachte sie leise und zitternd raus. Sie verkroch sich in ihrem Zimmer, immer noch mit diesem Gefühl, als würde sie zu Tode frieren.

"Marcy?", fragte eine allzu bekannte Stimme. Vor ihr stand ihre große Schwester Olivia. Sie hatte genau die schwarzen, glatten Haare wie ihre kleine Schwester Marcy. "Essen...was ist denn mit dir los?" Marcy saß da wie eine Leiche. Die Augen groß und leer. Die Decke auf ihr. "Lass mich...", Marcy blickte ihre 6 Jahre ältere Schwester an. "Jetzt komm schon, Mom wird sonst sauer." "Es... es ist mir egal... sag ihr, ich hab kein Hunger? Okay... bitte". Marcy drehte sich zur Seite, um nicht in das Gesicht ihrer Schwester zu blicken. "Hey, was ist denn?", fragte Olivia, die schon an ihrem Bett stand. "Nichts.. und jetzt lass mich in Ruhe". "Ja, schon okay". Olivia verschwand.

Der nächste Morgen verging langsam, und Marcy litt; ständig dachte sie an Kyle. Seine Augen, sein Lächeln. Das Gespräch des gestrigen Tages. Sie litt unter Schock. Schock, der von der Liebe Kyles hervorgerufen wurde. Wieso? Wieso ausgerechnet sie? In der Schule schaute Kyle sie besorgt an, doch Marcy ignorierte ihn einfach. Als die Blicke von Marcy nicht erwidert wurden, stand Kyle schließlich auf und ging zu ihr. "Hey, es tut mir leid wegen gestern. ich hab dich wohl sehr überrumpelt." Sein Atem zu warm. Seine Hand zu nah an ihrer. Sein Blick schaute sie besorgt, aber doch verliebt an. Ihr Blick war nichts als eine Spur aus Angst und Verletzlichkeit. Er wusste nicht, was er ihr damit angetan hat. Kyle nahm seine Hand an ihr seidenglattes Haar. Eine Berührung wie eine Ladung Säure. Sie zog seine Hand weg. Was fand er nur an ihr?! Sie ging mit hämmernden Kopfschmerzen nach dem Schultag nach Hause.

"Und jetzt sag, was passiert ist!", sagte Olivia mit einer fürsorglichen Stimme, die Schwester im Arm haltend, als diese zu ihr ins Zimmer kam und sie schluchzend um Rat bat. "Ich weiß nicht, was ich machen soll... Es gibt da so einen Jungen, er hat gesagt, dass er mich liebt....." Im Gesicht ihrer Schwester breitete sich ein Grinsen aus. "Das ist doch niedlich". "Du hast keine Ahnung davon, was ich durchlebe. Hast du dich nie gefragt, wieso ich keinen Freund haben will?" Die braunen Augen Olivias untersuchten die Mimik Marcys. "Ja, das war immer schon seltsam, du bist mittlerweile 17 und hast kein Interesse an Jungs.". "Nein... so ist das nicht... es ist was anderes, was du... nein, niemand kann das verstehen. Es ist, als würde ich paralysiert am Boden liegen, als würde man mich zu Boden drücken. Ich will das nicht mehr. Ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll. Verstehst du, das macht mich fertig.". "Okay... mal schauen." Sie zog ihre Schwester näher zu sich. "Wir werden eine Lösung finden".

Am nächsten Tag fehlte Kyle. Marcy fiel ein Stein vom Herzen. Zwar war er weg, aber er regierte immer noch ihren Kopf, obwohl sie das nicht wollte. Sie stand immer noch ein wenig unter Schock.

Die Tage vergingen. Kyle fehlte immer noch. Langsam befreite sich Marcys Körper von dem Schock, und die Bilder von ihm in ihrem Kopf verblassten allmählich. Marcy konnte sich endlich nach diesen Tagen der Tortur entspannen.

2 Wochen vergingen. 3 Wochen vergingen. Marcy war wieder die alte. Kyle war weder in der Schule noch in ihren Gedanken. Die Lehrerin erzählte, dass er einen schweren Infekt hatte, die Entschuldigung seiner Mutter lag auf ihrem Schreibtisch. "Wer ist Kyle?", fragte jemand. "Der Geisterjunge", flüsterte ein Mädchen. Marcy hörte davon nichts. Sie war zu sehr mit ihren Schulaufgaben beschäftigt.

Mit einem Lächeln kam sie nach dem Schultag zuhause an. "Marcy, warte schnell. Ich hab ein Geschenk. Wir haben einen neuen Radiergummi im Laden bekommen und meine Chefin hat ihn mir geschenkt. Ich möchte, dass du ihn bekommst, da ich nichts mit ihm anfangen kann." Da Olivia in einem Schreibwarengeschäft arbeitete und die Chefin sie sehr mochte, schenkte die Chefin ihr oft etwas kleines, wie z.B Stifte oder ein neuen Schreibblock. Olivia gab Marcy einen rosa Radiergummi, der die Form eines Herzens hatte. "Danke, ich werde ihn gleich mal ausprobieren. Muss nämlich Hausaufgaben machen". "Dann viel Spaß, Sis". Olivia verschwand mit einem Grinsen in ihr Zimmer.

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Marcy machte sich es an ihrem Schreibtisch gemütlich und holte ihre Mathesachen heraus. Sie musste bis morgen ein paar Geometrieaufgaben erledigen. "Da kann ich ja gleich den Radiergummi ausprobieren", dachte sie sich, während sie schon ein paar Bleistiftstriche auf ihrem karierten Blatt zeichnete. Mit einem Seufzer griff sie zum Radiergummi. Sie hatte etwas falsch gezeichnet. Marcy setzte an und zog ihn über die missglückte Skizze, ein paar rosa Fussel lösten sich und ein Gesicht, dem sie am liebsten niemals begegnet wäre, tauchte langsam, aber deutlich in ihren Gedanken auf. Kyle. Seine Worte hallten in ihrem Kopf. "Ich liebe dich. Ich liebe dich." Der längst vergessene Schauer breitete sich aus. Die Angst, ein vergessener Feind, begrüßte sie erneut. "Was soll das?", redete sich Marcy ein, die Hände verkrampften sich in ihren Haaren. "Er soll damit aufhören, er soll mich nicht lieben". Ihre Nägel krallten sich in ihre Kopfhaut. Eine Welle an Schmerz durchkreuzten die Gedanken von Marcy. Langsam ließ sie ihre Finger locker, und der Schmerz verflog. "Was ist los mit mir, verdammt?". Marcy kam sich vor wie eine Verrückte. Sie war nicht in der Verfassung, die Aufgaben noch zu erledigen. Marcy ging einfach ins Bett und versuchte die Gedanken von Kyle zu vertreiben, was erst spät in der Nacht erfolgreich war.

Am nächsten Tag waren ihre Gedanken wieder klar. Marcy bekam Ärger, da sie die Aufgaben nicht gemacht hatte, aber das war ihr letztendlich egal. Sie war eine gute Schülerin, da war es nicht so schlimm.

Abends wollte Marcy etwas zeichnen, doch sie musste noch mal den neuen Radiergummi benutzen. Marcy berührte die weiche Oberfläche des Radiergummis und fuhr mit ihr über das Blatt. "ich.." Die Stimme brachte sie zum Stocken. Ihre Hand fing an zu zittern. Es war Kyles Stimme. Sein Atem, als würde sie ihn spüren. Marcy ließ den Radiergummi fallen. "WAS IST SO TOLL AN MIR?!", fragte sie panisch sich selbst. "Wieso muss er mich lieben? Ich bin nicht so toll, wie er denkt.". Marcy blickte in Richtung ihres Spiegels. "Ich will nicht mehr, dass er mich liebt, deswegen muss ich mich verändern. Wenn er wieder zurück in die Schule kommt, dann hört er damit auf".

Mit diesen Wort öffnete sie die Schublade; dort lag eine Schere mit rotem Griff, bereit für ihre Arbeit, etwas zu durchtrennen. Marcy nahm die Schere heraus und legte sie an ihre langen schwarzen Haare, die ihr leicht über die Schulter fielen. Sie nahm eine Strähne und schnitt sie ab. Die nächste folgte. Mit einem irren Grinsen auf ihren Lippen schnitt sie Strähne für Strähne ab. Bald darauf spürte sie Kälte auf ihrer Kopfhaut. Sie legte die Schere an ihre Wange und bohrte die Scherenklinge dort so fest hinein, bis sie die Klinge fast an ihrer Zunge spürte. Den Schmerz, der dadurch entstand, nahm sie gar nicht so wahr. Marcy fixierte sich nur auf das Ergebnis. Aus der offenen Wunde floss Blut die massakrierte Wange runter. Noch war dort nur ein Loch. Marcy ritzte sich bis zu ihrer Lippe vor und zog die Schere raus. Nun blickte sie nochmal ihr Spiegelbild an, welches sie mit einem entstellten Grinsen angrinste. Sie fuhr sich mit der Hand durch das kurze, stoppelige Haar. Marcy fand sich schön. Auf die Art schön, dass kein anderer sie für schön halten konnte.

Olivia machte die Tür zu Marcys Zimmer auf und ging rein. Da es schon dunkel war, konnte sie nur die Umrisse Marcys erkennen. "Marcy?". "Ja?". Marcy trat einen Schritt vor, das Licht von außerhalb schien auf ihr neues Gesicht. "Oh mein Gott, Marcy, WAS HAST DU GETAN?!", Olivias Augen weiteten sich. "Ich konnte es nicht mehr aushalten, Schwester. Ich will nicht hübsch sein, ich finde, so sehe ich besser aus". "Kyle? Stimmt's?" Marcy durchlöcherte ihre Schwester mit einem wahnsinnigen Blick. "Woher weißt du das?". "Shit.... ich... ich hätte das nie machen sollen. Ich wusste nicht, dass es dich so mitnimmt." Marcy ergriff die Hand Olivias. "Was hast du denn getan? Hast du mir diese Erinnerungen in den Kopf gesetzt?". Olivia nickte: "Ich wollte dir nur helfen. Kein Mensch darf meiner Schwester weh tun. Ich hab das nur für dich gemacht. Es tut mir leid." Ihre Schwester funkelte sie mit wilden Augen an. "Sag schon, was hast du getan?!". "Der Radiergummi...Kyle.. mein Zimmer", Olivia konnte vor Schock keine richtigen Wörter mehr bilden. Marcy stürmte in Olivias Zimmer und sah sofort den grausigen Anblicks eines zerfetzten Menschen, der leblos und blutüberströmt auf einem Plastiksack lag. Marcy lächelte.

"Danke"

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