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Es gibt Menschen, die sehen das Werk eines Autors nicht als Kunst, sondern vielmehr als eine Art kleinen Spaß an. Jeder könnte ihn mit genügend Willen haben. Sie denken, es ist ein Spiel, von dem jeder die Regeln kennt und die Spielfiguren hat, um sich  daran zu vergnügen. Wenn man dann aber gerade keine Lust mehr hat, wirft man die Würfel einfach achtlos in die Ecke, schließlich kann man sie ja später wieder aufheben. 

Aber dem ist nicht so!

Das ist eine Verletzung meiner Arbeit, der Kunst, auf die ich jahrelang hinausgearbeit habe und ihr immer wieder den Feinschliff verpasst habe, bis sie so sauber und so vollkommen war, wie ich sie heute stolz in ihrem vollen Glanz darzubieten habe. Ich verachte diese Menschen, denn sie verletzen meine Würde, spucken auf sie und treten sie respektlos mit ihren dreckigen Füßen! Ich kann ihr verspottendes, hämisches Lachen in meinem Kopf hören, wenn sie mal wieder eine ihrer schandhaften sogenannten Horrorgeschichten ohne jegliches Gefühl und Respekt vor der Kunst dahingeklatscht haben.  

Aber ab heute wird sich das ändern. Diese Verletzungen werden ein für mal ein Ende finden. 

Und mit dir fängt es an.

Denn du bist einer von ihnen und du brauchst garnicht erst versuchen, es zu leugnen, ich weiß, dass es stimmt. Vielleicht hast du noch nie selber eine geschrieben, das mag sein, aber du hast auf jeden Fall schon einige von ihnen gelesen. Und du hattest Spaß dabei! Es ist mir egal, welcher Sorte du angehörst, Prediger oder Gläubiger, da mache ich keinen großen Unterschied. Das, was dir bevorsteht, hast du dir so oder so verdient. 

Und genau deshalb bist du heute hier, angekettet auf dem kalten, silbernen Tisch meines Kellers, der zugegeben schon etwas bessere Tage erlebt hat. Die Spinnennetzte, die sich von Ecke zu Ecke ziehen, die Risse in den feuchten und vermoderten Wänden und der kleine spärliche Lichtstrahl, der sich tapfer den Weg durch das einzige Kellerfenster hier bis hin zu dir bahnt und dich mit Hoffnung auf Freiheit erfüllt. Aber vergeblich. Denn die kalten Ketten halten jedes deiner Glieder in ihrem eisernem Griff, graben sich gänzlich genüßlich in dein Fleisch, scheinen daran mit ihren Zähnen zu zerren. Und du windest dich verzweifelt, als hättest du eine Chance, ihrer Gefangenschaft zu entkommen. Es ist aussichtslos, du machst es nur noch schlimmer für dich. Denn das Rascheln der Ketten auf dem eisernem Tisch ist wie eine magische Melodie in meinen Ohren. Sie hallt durch die für dich unendlich langen Gewölbe dieses Kellers, welcher dein Grab sein wird.

Früher oder eher später, denn ich habe noch Großes mit dir vor.

Es sind Anfeuerungsrufe, die mich dazu drängen, endlich die Klappe zu halten und anzufangen, genau wie das Glitzern in deinen tränenummantelten Augen, die nach Erlösung flehen. Du wirst diese Erlösung bekommen.

Früher oder vielleicht eher etwas später.

Es dauert noch eine Weile, bis ich dich erlösen kann, denn ich brauche dich für meine Arbeit. Somit wird dir eine Ehre zuteil, die du in deiner unendlichen Ignoranz eigentlich überhaupt nicht verdient hast. Du musst wissen, dass du meine Quelle sein darfst. Zugegeben, ohne dich könnte ich nicht weiter meiner Arbeit nachgehen und so sehr es mir auch wehtut, muss ich mich bei dir dafür bedanken. Tatsächlich ist es aber so, dass ich meine Tätigkeit als Autor ohne dich aufgeben müsste. An deiner Stelle wäre ich froh, dass mir kurz vor meinem Tod eine solche Ehre bereitet wird, nur wenige haben dieses Glück. Es sind deine gequälten Schreie, sie durchbrechen die trügerische Stille der manifestierten Dunkelheit hier unten, die mich antreiben, weiterzumachen. Ich muss nur mein Messer, geschliffen wie meine Kunst, durch deine weichen Körperteile gleiten lassen, es vollständig in seiner Begabung aufgehen lassen, wie du sie mir lange Zeit die meine verwährt hast, um das Feuer, das du mir einst löschtest, wieder zu entflammen. Aus deinem zuvor leblosen und grauen Körper mache ich ein Kunstwerk, dessen volle Pracht durch deine Schreie bejubelt wird.

Wenn ich mir dich so angucke, sollte ich es mal in Erwägung ziehen, Maler zu werden. Aber nein, als Autor bin ich besser geeignet.


Es sind deine Tränen, erzwungen durch meine Folter, sie rinnen an deinem inzwischen blassen Körper hinab und lassen  dein Blut, welches sich mit ihnen vermischt, wie eine rote Rauchwolke deine Konturen umschmeicheln, die das Können in meiner Tat bestätigen. Zeitgleich zeigen sie mir dein Flehen nach Gnade. Doch du kommst hier nicht raus, denn ich brauche dich noch eine Weile.


Und jetzt, zumindest dieses eine Mal möchte ich ehrlich zu dir sein. Die Dinge sind nicht so, wie du vielleicht denkst. Du bist nicht meine Inspiration, wie du vielleicht die ganze Zeit stolz dachtest. Nein. Deine Schreie, deine Tränen, deine gequälten Windungen und die Musik in meinem Ohren, die du willigt erzeugtst, sie alle sind nur Nebenprodukte meines perfiden Racheplans. Du bist egoistisch und hast gedacht, dass du in diesem jämmerlichen Funken, den du dein Leben nennst, noch ein kleines bisschen Würde findest. Aber du bist nicht meine Inspiration, nicht meine Muse, wie könnte ich mich von so einem kranken Geist inspirieren lassen? Nein, du bist Dreck, du bist nichts für mich. Du hast nur eine Sache, die ich brauche, ohne die ich wirklich nicht weitermachen könnte, denn auch ich möchte mich steigern.

Ich schreibe nicht über dich.

Ich schreibe mit dir.

Und damit meine Quelle nicht versiegt, bleibt dein lebendiger Körper noch eine ganze Weile hier.

Dann tunke ich die Feder in das rot gefüllte Glas und lasse sie genussvoll über das Papier gleiten.

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