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Ich versuchte die Augen zu öffnen, aber die Anstrengung war zu groß. Der Kopf tat mir entsetzlich weh. Wo war ich überhaupt, was war passiert? Ich hob die rechte Hand hoch, stieß jedoch schon Zentimeter über mir gegen ein Hindernis, konnte nicht weiter vordringen.

Ich drückte etwas fester dagegen, es ließ sich zwar ganz leicht eindrücken aber nur bis zu einem doch soliden Widerstand. Was war das? Es fühlte sich weich wie Seide an, und es war kalt. Ich ließ meine Finger zur Seite und nach unten gleiten, die Oberfläche veränderte sich. Jetzt fühlte sie sich wie Rüschen an - und wie eine Steppdecke vielleicht? Lag ich in irgendeiner Art von Bett?

Ich schob die andere Hand zur Seite und zuckte verwirrt zurück, als ich auch mit dieser Handfläche sofort auf die gleichen kühlen weichen Rüschen stieß. Es gab sie also auf beiden Seiten dieser engen Einfassung. Ebenso spürte ich etwas um meine Handrücken, Offensichtlich war auch ein Rüschenbesatz an den Ärmeln meiner Kleidung. Langsam kam ich eine schreckliche Ahnung, ich befand mich in einem Sarg. Und zwar in einem bereits unter die Erde gebrachten.

Endlich konnte ich meine Augen öffnen und starrte voller Entsetzen in totale Dunkelheit. Wie war ich in diese Lage gekommen, was war geschehen? Panisch jagten mir die Gedanken durch den Kopf, während ich die Bruchstücke dessen zusammenzusetzen versuchte, was mir eigentlich passiert war. Da war dieser Drohbrief vor ein paar Tagen in der Post, mit der unverblümten, deutlichen Aufforderung „aufhören, weiter nachzuforschen und Dinge, welche mich nichts angingen ein für alle mal ruhen zu lassen, sonst würde ich bald ruhen“ (in einem Sarg, war wohl eindeutig damit gemeint.) Dann, Stück für Stück setzen sich die Bruchstücke der Erinnerungen zu einem Gesamtbild zusammen.

Nachdem ich wegen einer Zugverspätung unerwartet spät nachts heimkam und nach öffnen der Haustür von einem grellen Licht geblendet wurde, dabei sofort einen kräftigen Schlag von vorne gegen den Kopf bekam. Jemand hatte mich k.o. geschlagen, daher offensichtlich die fürchterlichen Kopfschmerzen. Weiter konnte ich mich an nichts mehr erinnern. Noch immer völlig durcheinander und zutiefst erschreckt, bemühte ich mich ruhig zu bleiben, meine Gedanken zu ordnen. Die Totenglocken! Es gab sie seit kurzem auf beinahe jedem Friedhof, ich hatte selber schon eine auf einem neuen Grab gesehen.

Die Menschen hatten sich schon immer davor gefürchtet, lebendig begraben zu werden, dass man diese einfache, raffinierte Sicherheitseinrichtung erdachte. Vor der Beisetzung wurde dem Verstorbenen eine Schnur an einem Finger befestigt, die durch ein Loch im Sargdeckel und eine Röhre, gleichzeitig Notbelüftung, bis zur Oberfläche der Grabstätte reichte. Und dort an eine Glocke gebunden war. Sieben Tage lang wurde das Grab regelmäßig von Wachposten überwacht. Um nach dem Glockenläuten zu hören, zum Zeichen, dass die bestattete Person eben doch nicht tot war. Jetzt da ich wieder ganz bei Bewusstsein und Verstand war, spürte ich auch tatsächlich die Schnur, fest um den Ringfinger der linken Hand gewickelt. Ich tastete danach, tatsächlich, eine dünne raue Schnur, die nach oben führte. Gottseidank!! Auch über meinem Grab hatte man eine Totenglocke aufgestellt.

Zum ersten Mal seit dem Augenblick der Erkenntnis, sich lebendig begraben in einem engen Sarg unter festgetretener, feuchter Erde zu befinden, wichen der Verzweifelung und Panik Hoffnung und Euphorie. Fieberhaft zog ich an der Schnur, krümmte den Finger dabei um nicht zu riskieren, daß sie sich etwa löste und vom Finger rutschte. Horchte angestrengt in der Hoffnung, einen schwachen Klingelton oben über ihr zu hören. Aber es herrschte völlige Stille. Dunkelheit und Stille. Erneut überkam mich pure Verzweifelung, Panik; hoffnungslos, kein Läuten würde erklingen, kein Wächter an meinem Grab erscheinen. Ich spürte, wie Tränen meine Wange herrunterrannen

Lebendig begraben!

Ich trommelte mit den Fäusten gegen den gepolsterten Sargdeckel, der dicke Satinstoff dämpfte das Geräusch ab, schluckte es. Schließlich schrie ich. Schrie laut, bis ich heiser wurde, bis ich nicht mehr schreien konnte..

Nein, ich mußte jetzt Ruhe bewahren, Atemluft sparen, meine Gedanken wieder ordnen. Nicht von Panik übermannen lassen. Niemand würde meine Schreie, mein Klopfen hören. Der von innen verkleidete massive Sargdeckel, die Erde darüber verschluckten jegliches Geräusch.... und zwar in beide Richtungen, logisch! Ich konnte die Glocke gar nicht hören, wie auch. Ich mahnte sich selber zur Ruhe...“ruhig bleiben“...“nicht hysterisch werden“...“keine Energie vergeuden“...“Geduld“.

Geduld, der Wächter war nicht ständig am Grab, er machte seine regelmäßige Kontrollrunde. Vielleicht hatte er das Glockenleuten schon gehört, war auf de Suche nach der Gräberreihe, wo es herkam. Vielleicht war er schon unterwegs, Hilfe holen.

Geduld, nur Geduld….ganz wichtig jetzt... motivierte ich mich selber. Ich zerrte weiter an der Schnur.... wieder..., und wieder. Ganz sicher gab die Glocke oben Töne von sich. Hier unten konnte ich es zwar nicht läuten hören, aber irgend jemand würde es bald hören. Mußte es einfach hören, so groß war der Friedhof nicht. Oben schimmerte ein Hügel frisch aufgeschütteter Erde im Licht des Vollmonds. Die einzige Bewegung rührte von der Bronzeglocke her, die an einem aus dem Erdhügel ragenden Rohr befestigt war. Die Glocke schwang im unsteten Rhythmus eines Todestanzes hin und her. Rundum blieb alles still.

Der Klöppel war entfernt worden.......

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