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Bei ihren ersten Anblick, erkannte er sie sofort wieder. Es war ihr blondes Haar, das golden im schmutzigen Barlicht leuchtete. Dieses warmes Lächeln erleuchtete seine Seele, umgab ihn von einer gutmütigen Aura. Schon damals hatte er viel für ihr empfunden, ohne sie zu kennen. Sie Beide... Verbunden durch mehrere Bänder, starke Bänder, doch keine Glücklichen. Sie waren finster, voller Hass und Trauer. Doch sie ahnte auch davon nichts. Sein Herz schmerzte bei ihrem lachenden Anblick. Er war es... Und dennoch lachte sie. Fast so schön wie auf dem Bild in der blutenden Hand. Er war es... Und dennoch stand er auf, um auf sie zu zugehen. Er war es... Und dennoch zitterte sie nicht. Er war es... Und deshalb zögerte er.
War das alles wirklich richtig? Durfte er sie überhaupt ansprechen? Stand es ihm zu, heute noch einen neues Band zu spinnen? Ein Band, welches leuchtete? Ein Band, welches auf Zuneigung baute? Nein, das durfte er ganz sicher nicht. Es war ihm verboten, so etwas zu empfinden. Nein, er war kein guter Mann. „Kann ich was für dich tun?“ Mit leeren Augen schaute er sie an. Wieso spürte sie es nicht? Wieso sprach er sie an? Nein, es war nicht richtig. Und dennoch antwortete er. Er stellte sich vor, doch sie lächelte weiterhin, bot ihm sogar ein Platz an! Tatsächlich setzte er sich hin, ohne zu zögern. Sie erzählte, sie freue sich über die neue Bekanntschaft. Zögerlich nickte er. Trotzt ihres Verlustes, funkelten ihre grünen Augen so hoffnungsvoll. Obwohl er wusste, was er tat, hörte er nicht auf. Dazu war er bereit. In dieser Nacht gab es ein neues Band zwischen ihnen, durch diese schicksalhafte Begegnung. Es hob sich von diesem Schlechten ab und stand allein. Trotz alledem brauchte er es, wollte es.

Ironischer Weise verstanden sich die Beiden gut. Mit jedem weiteren Wort wuchs sein Verlangen; er wollte sie haben. Er wollte sie mit guten Gewissen als seine Freundin bezeichnen können. Seine Freundin und von niemand Anderem.
Nicht nur bei ihm gab es das Interesse, auch sie schien angetan zu sein. Zwinkernd orderte die Blondine ein Blatt und ein Stift an. Ihr dichtes Haar fiel ihr beim Schreiben ins Gesicht, sie sah so unschuldig, so unbefleckt aus...

Hier ist meine Nummer und meine Adresse. Ich hoffe, du nimmst sie an!“

Als er dies bejahte, nickte er mit einen falschen Grinsen, was dennoch nie so ehrlich gemeint war. Es war ein innere Gegensatz. Noch nie stand er vor einem Konflikt, da er sonst immer sicher war bei seinem Tun. Dennoch wollte er es nicht ändern. Nein, er wollte viel eher ein weiteres Band, eines, das Vertrauen als sein Ursprung nannte. Vertrauen, Leidenschaft und Liebe. Sein Gewissen gab aber keine Ruhe. Er war ein böser Mann, er konnte es nicht ändern. Jedoch wagte er den Versuch.

Sie unterhielten sich lange, sehr lange. Viele verließen die stickige Bar, um ihr Zuhause auf zu suchen. Der Mann wusste, sie würden sicher ankommen. Keiner von ihnen sollte heute Leiden, schließlich war der Böse beschäftigt. Heute brauchte er keinen töten. Und dennoch würde er es tun.
Jedes Wort aus ihrem Mund verglich er mit Engelsgesang. Jede Rose würde neben ihr verblasen. Sie verdiente eine gute Familie mit einen guten Mann. Konnte er vielleicht doch dieser guter Mann sein? Kindischer Glauben wuchs in seiner Brust, weshalb auch sein Herz schneller schlug. Glauben... Ja, der Glauben konnte Vieles ermöglichen, wieso dann nicht auch dies? Jeder Mensch verdiente doch eine zweite Chance, egal wie spät es dafür war. Jetzt konnte er sich doch verändern!
Nein, dies wollte er auch nicht... Er verdiente sein jetziges Leben in seiner grauen Einsamkeit. Ohne Grund tat er es ja nicht... Einzig hörte er auf dem anderen Menschen. Diesen Menschen, mit dem er sich seinen Körper teilte. Er brauchte keine Freunde. Dennoch sehnte er sich nach etwas Wichtigerem. Eine liebevolle Person, die vor ihm saß.

Langsam wurde das neue Band dichter, strahlender, bedeutender. Sein schlechtes Gewissen rückte immer mehr in den Hintergrund. Von dem anderen Menschen gab es keine Einwände, er tat nichts Verbotenes.

Es tut mir leid, doch die Bar schließt jetzt. Ich muss sie leider zum Gehen auffordern.“

Fröhlich lachte sie draußen auf, drehte sich im Kreis und griff nach den einzigen erkennbaren Stern. Eine erdrückende Wolke versteckte den größten Teil des Himmels. Ja, dieser Anblick spiegelte seine Gefühle wieder. Die Wolken waren das Böse, doch dieser kleiner, bedeutender, leuchtender Stern war das Gute ihn ihm. Vom Böse sein hatte er genug. Lachen. Er wollte Lachen, Lieben und Glück spüren. Genau das tat er. Gemeinsam mit ihr.

Die schmalen Lippen innerhalb ihres Gesichtes setzten sich erneut in Bewegung, um ihn zu sagen, wie toll die Zeit mit ihm war. Daraufhin lächelte er ehrlich. Hatte sie ihn etwa verziehen? Verziehen, ohne von seinen Taten zu wissen? Natürlich, sie war ein Engel, sie symbolisierte das Gute und die Verzeihung. All dies, von dem er nicht zu Träumen wagte.

Er berichtete von einem Wald, in dem sie ungestört weiter Reden könnten. Gemeinsam könnten sie sich doch den Stern ansehen.
Schlagartig hörte sie mit den Umdrehungen auf, ihre grünen Augen wurden groß. Es war keine Angst, er kannte das Gesicht von Angst genauer als sein eigenes.
Auf dem Weg blickte sie immer wieder kurz auf ihn auf, zögerlich, schnell, als wäre es Verboten. Unsicher drehte er seinen leicht geröteten Kopf weg. Er kannte diese Gefühle nicht, er hatte lediglich von ihnen gehört und gewünscht. Wünsche erfüllten sich manchmal. Ja, dies verstand er nun. Eine warme, kleine Hand Stich über seine, vorsichtig, dennoch bestimmt. Verlegend lachte er auf. Mit seiner nächsten Tat erschuf er ein weiteres Band. Er nahm ihre Hand unbeirrt. Dies war das Band der Zweisamkeit. Mit jede Sekunde fühlte er sich wohler. Etwas war in ihm... Etwas, das zu ihm Sprach.. Alles wäre gut... Alles wäre in Ordnung... Alles wäre richtig...

Dennoch log diese Stimme. Sie spielte ihn nur etwas vor. Noch war diese Hand, die er hielt, frei von Blut.

Es ist wunderbar! Ich will nicht mehr weg von hier!“


Am Waldrand ließ sie sich zu Boden gleiten. Es war perfekt. Die Wolken hatten sich verzogen, zeigten Mond, Sterne und die schlafende Stadt. Alles war so friedlich und harmlos. So harmlos, wie der Wind, der Sacht seine Haare zerzausten. Noch nie fühlte er sich so befreit und erfühlt. Es war der schönste Tag in seinen Leben. Noch.

Sie klopfte das Gras nieder. Die stumme Bitte kam er nach, als er sich dicht neben ihr setzte. Ihre Haut... Weich, warm und lebendig. Dankbar strich er die Haare aus dem feinen Gesicht. Sie war eine Schönheit. Für einen Moment seine Schönheit. Seit er das blutbefleckte Foto in den Händen dieses Mannes gesehen hatte, schlug sein Herz schneller für diese Person. Die letzten Tage hatte er sie im Schlaf besucht. Alles, woran er gedacht hatte, ging um diese Frau. Bis vor einer Woche hatte er im Spiegelbild bloß ein grauenhaftes, böses Monster entdeckt. Er war dieses Monster. Doch tief in ihm war eine leidende Seele, die nach Erlösung jammerte.
Ihre Gespräche wurden inniger, privater. Beide wollten alles wissen. Jeden Erfolg, jedes Glück, jede Sekunde über das Leben. Während er sich freute, fürchtete er sich. Zu gern wollte er ihr alles anvertrauen, doch genauso wollte er es verhindern. Er war ein Monster und wollte sich verstecken. Zu perfekt war dieser glücklicher Moment.
Deshalb fing er an, zu lügen. Sie sollte ein gutes Bild von ihn haben. Kein Böses. Nein, er wollte sein Leben verstecken und ihr gleichzeitig eins schenken. Für diesen Moment glaubte er, normal werden zu können. Eine Frau zu heiraten. Eine Familie zu besitzen. Ein sogenanntes Zuhause auf zu bauen.

Irgendwann wurde es zu tief. Er hatte sie nicht drauf angesprochen, dennoch redete sie davon.

Ihr Engelsgesicht verblasste, als sie sprach. Ihre Lippen bebten, als sie lächelte. Ihre Augen weinten, während sie vor Dank strahlten. „ Danke. Ich bin glücklich. So glücklich wie seit Tagen nicht mehr. Meine Eltern... Sie wurden vor einigen Tagen ermordet.“ Mit diesen Worten brach sie nun ganz Tränen aus. Natürlich wusste er davon. Er war dabei gewesenen, hatte ihren letzten Atemzug mit angesehen. Er war dabei gewesen, hatte ihren Körper zerstochen. Er war dabei gesehen, hatte dieses Bild in den Händen jenes Mannes gesehen.

Trotzdem nahm er sie in den Arm und drückte sie mit einen bitteren Nachgeschmack an seine Schulter.
Er war ein böse Mann. Er war ein Mörder. Er würde immer ein Mörder bleiben. Er würde immer ein Mörder sein.

Dennoch wollte er nicht. Die Zeit... Sie verging weiter... Glück... Freude... Liebe... Nähe... Freundschaft... Zweisamkeit... Lachen... All dies gab es überall auf der Welt, nur für ihn nicht. Dennoch hatte er gehofft, hatte geträumt, hatte gewünscht. Fast. Fast wäre das ganze Glück der Welt bei ihm gewesen. Fast... Ein weiteres Band. Ein Band der Reue.

Es tut mir leid... Ich wünschte, ich könnte sie wieder sehen und bei ihnen sein...“

Auch sie hoffte, träumte, wünschte...
Er war ein Monster, doch sie war ein Engel. Sie hatte es verdient, dass dieser Wunsch erfüllt werden sollte. Vielleicht war er deswegen ein Mörder. Um heute ihr den größten Wunsch zu erfüllen. Zu mehr war er nicht fähig. Daran wollte er fest hallten. Diese Frau, in der er sich verliebt hatte, die mehrere, feste Bänder zu ihn hatte, sie durfte, nein, sie musste Glücklich werden!

Nach einigen Minuten hörte sie auf zu weinen. Keuchend wischte sie sich die Tränen vom Gesicht. Es war Zeit. Er musste gehen.
Verletzte Augen folgten ihn beim aufstehen. Sie wollte ihn nicht gehen lassen, doch er musste. Alleine ließ sie ihn nicht, denn er gab ihr ein Versprechen. Schon bald... Da würde sie diesen Schmerz nicht mehr spüren müssen, dafür wollte er sorgen. Auch sie gab ihn ein Versprechen auf den Weg.

Ich warte auf dich...“

Türen knacken war das einfachste für ihn. Oft tat er schon. Jedes Mal mit leisen Erfolg. Auch nun.

In der Hand hielt er sein Werkzeug für die Erlösung. Dies würde ihn helfen, ein neues Band zu spinnen. Das letzte, was die Beiden verbinden sollte. Für immer. Dieses Band würde zwei Seiten haben. Eine gute und eine schlechte. So viel hatte er ihr genommen. So viel wollte er ihr nun wiedergeben. Heute würde er trotzdem ein guter Mann sein. Ein Guter und ein Böser. Doch er tat es nur für das einmalige Gefühl der Liebe.

Das Licht im Wohnzimmer war an, zudem nahm er von dort Fernsehgeräusche war. Behutsam klopfte er an die Tür, ehe er eintrat. Auf eine Antwort wartete er dennoch nicht. Ihm reichte es aus, dass er sich angekündigt hatte.
Sie saß in einen alten Sessel und wirkte überrascht, dennoch froh. Verwunderung machte sich ihn im breit. Er hatte es ihr doch vor ein paar Stunden versprochen! Ja, ihr erleichtertes Gesicht hatte er sich eingebrannt. Heute würde ihr Schmerz aufhören. Nie wieder sollte ihr Gesicht mit Tränen überdeckt sein wie jetzt.
Schnell erhob sie sich, rannte ihn mit offenen Armen entgegen, weshalb er zurück wich. Nein, die Beziehung war schon innig genug, sodass er darunter litt. Verwirrt lag sie den Kopf schief. Vielleicht würde sie es verstehen, wenn er ihr das Messer zeigte? Sogar das Blut ihrer Eltern klebte noch darauf.

Es tut mir leid, dass du Leiden musstest. Ich werde es heute beenden, wie versprochen.“

Auch wenn er schreien wollte, dass es aufhören sollte, so schritt er auf sie zu. Sie wehrte sich nicht, als würde sie sich darauf freuen.

Du wirst heute deine Eltern wieder sehen.“

Er war kein böser Mann! Nein, heute richtete er alles wieder! Mit festen Griff, drückte er sie auf den Sofatisch. Vor Schreck schrie sie auf.

Es tut mir leid, dass ich sie dir genommen habe. Ich mache alles wieder gut! Manchmal erfüllen sich Wünsche!“

Salzige Tränen liefen über sein Gesicht, als er das erste Mal zustach. Er war ein guter Mörder! Der erste Faden des neuen Bandes entstand. Blutrot, wie ihre blutigen Finger. Immer wieder und wieder stach er zu. Immer und immer wieder schrie sie auf. Es zerriss ihm das Herz.

Hörst du? Ich bin Gut! Ich bin nicht mehr Böse! Verdammt, hör auf zu schreien! Verstehst du es!? Ich bringe dich zu deinen Eltern, ich erfülle dir den letzten Wunsch! Ja? Ich helfe dir, vertraue mir!“

Aufmunternd lächelte er. Zweifel hatte er keine. Wieso sollte er auch? Alles war gut. Wieso weinte sie dann? Wieso schrie sie um Hilfe? Wieso wollte sie, dass er aufhörte?

Sei leise! Ich tu dir doch nichts! Alles ist gleich vorbei, du wirst es verstehen. Vertraue mir! Ich würde nichts tun, was dir schadet, weil ich dich gern habe“

Stille... Sie schwieg... Es war vorbei.

Ein Band... Ein Blutrotes und ein Schwarzes...

Blut, Schmerz und Tod.
Doch er war heute Nacht ein guter Mann.

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