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Meine Frau hatte mich heimlich in diesem seltsamen Depressions-Selbsthilfe-Club, oder wie ich ihn liebevoll nannte: Bei der Gemeinschaft der anonymen Spinner angemeldet.

In den letzten Tagen habe ich so viele niederschmetternde Geschichten gehört, die mein Kindheitstrauma mit Einfachheit in den Schatten stellten, dass ich nicht anders konnte, als den dunkelhäutigen Mann mit dem kränklichem Aussehen genaustens zu betrachten, und mich zu fragen, welches Schicksal ihm auf den mageren Schultern lastete.

Er schien halb unter meinem wachsahmen Blick zusammenzuschrumpfen, und die langen Locken fielen ihm geschwungen ins Gesicht, während er schnellen Schrittes zu einem der freien Stühle im Kreis huschte. Seine Kleidung deutete auf Wohlstand hin, während seine schlacksige Gestalt purste Armut zeigte. Er war ein Paradoxon, da sein Blick mich mit Verachtung strafte. Seine Lippen kräuselten sich zu einem überheblichen Lächeln...


Als wir uns - wie immer- nacheinander die Hand gaben, war seine verschwitzt, und kühl. Nachdem er meine mit der gewohnten Begrüßungsgeste drückte, zuckte ich kaum merklich zusammen, und schalt mich sofort stumm. Wie lächerlich. Dennoch konnte ich mir daraufhin nicht verkneifen, die Handfläche an meinem Hosenbein abzuwischen.

Daraufhin ließen wir uns alle nieder, und die heutige Sitzung begann.


Claire glaubte doch tatsächlich, dass mein mürrisches Verhalten aus dem Autounfall meiner Eltern vor all den Jahren resultierte. Aber da ich sie abgöttisch liebte, und meinen Kindern ein guter Vater sein wollte, hatte ich mich breitklopfen lassen, drei Mal in der Woche hier hin zu kommen. Eigentlich hatte ich vorgehabt, heute aufzuhören, aber irgendwie hatte ich es nicht recht übers Herz gebracht.

Depressiv war ich definitiv nicht. Schließlich hatte ich alles, was ich mir wünschen könnte. Wer würde da schon depressiv sein? Ich meine...

Der andere Kerl saß geduldig da, bis er an die Reihe kam. Doch er riss mich aus meinen Gedanken, indem er ein leises, aber wohl vernehmliches, düsteres Lachen anstimmte.

"Ich bin hier um euch zu erlösen."


Die Gruppenleiterin warf ihm nun einen verwirrten Blick zu, woraufhin er nur kühl lächelte. "Ihr wollt doch alle sterben, nicht wahr? Also habe ich euch soeben erlöst."

Etwas in seinem Ton brachte mich dazu, zu erschaudern. Warum zum Teufel war es plötzlich so verdammt heiß hier? War der Typ ein Amokläufer? Was zum Teufel meint er? Claire, ich liebe dich.

Der Mann grinste, und ließ seine nächsten Worte in der Stille detonieren.

Mein Herz sank mir in die Hose, und das Schweigen, welches folgte, war ohrenbetäubend.




"Ich habe Ebola."


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