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Ich schreibe diese Seiten unter Zeitdruck, weiß ich schließlich nicht, wann dieses Monster mich in meinem Schrank, eingegraben unter dreckiger Kleidung findet. Doch lass mich von vorne beginnen.

Alles begann an einem Wintermorgen im Speisesaal. Seit einem halben Jahr ging ich auf ein Internat, da meine Eltern sich damals viel stritten und ich das nicht so abbekommen sollte. Jedenfalls hatte ich an jenem Morgen verschlafen und deshalb war bei meinen Klassenkameraden am Tisch kein Platz mehr frei und ich musste mir einen anderen suchen.

Also ging ich mit einer Schale Cornflakes in der einen und einem Apfel in der anderen Hand durch den Speisesaal und suchte einen freien Tisch. Da kein Platz mehr bei den Jungen frei war, musste ich wohl oder übel bei den Mädchen nach einem freien Tisch suchen.

Es war nicht verboten, den Bereich der Mädchen aufzusuchen, aber Sticheleien von allen Seiten waren bei so etwas vorprogrammiert.

Schon bald fand ich einen freien Tisch und setzte mich, in der Hoffnung, nicht beachtet zu werden. Natürlich funktionierte das nicht.

"Hey, wie heißt du?" "Wer bist du" "Ist es drüben so voll, dass du keinen Platz mehr gefunden hast?" "Hey, lasst den armen Jungen doch mal in Ruhe, der ist doch total verängstigt!"

Lautes Lachen. Ich blickte mich um, wer das gesagt hatte. Mein Blick blieb an einem Mädchen mit hellbraunen Locken hängen. Ihre Augen strahlten neckisch, ihr Gesicht wirkte kindlich und doch schon erwachsen. Sie war wunderschön.

Ich hatte sie wohl zu lange gemustert, denn sie fragte:

"Ist was?"

Ich schüttelte den Kopf und konzentrierte mich dann intensiv auf mein Frühstück, damit keiner merkte, wie rot ich wurde. Schnell verließ ich den Tisch.

Den ganzen Tag lang spukte dieses Mädchen durch meinen Kopf. Dieses Lächeln... Diese Augen...

Nach der letzten Stunde passte mich mein Mitbewohner Gregor ab.

"Na, Ben, was lief da heute morgen bei den Mädchen? Wer ist es, sag schon! Die kleine Rothaarige? Das Blondchen? Komm schon, sag mir wenigstens den Namen!"

Ich schüttelte den Kopf.

"Kein Name? Was ist das denn für ein Schwarm? Also: Wie sieht ohneName aus?"

"Sie ist wunderschön" platzte es mir heraus.

"grüne, neckische Augen, hellblonde Engelslocken..."

"Ohh... Ganz schwerer Fall von Verliebteritis, eine Herzkrankheit..."

Ich boxte ihn in die Seite. Vor uns stand eine Mädchentraube. Sie schienen aufgeregt.

"Und sie erlauben dir das einfach so?" Sagte eine von ihnen.

Das Mädchen vom Frühstückstisch, das so perfekt war, nickte.

"Mensch Kaja! Das wird klasse! Wir feiern deinen vierzehnten Geburtstag so richtig! Meine Schwester kann uns Alk besorgen, wir laden ein paar Jungs ein... Ein Wochenende auf dem Gut deiner Großeltern ohne Aufsicht!"

Gregor zog mich weiter. Als wir auf unserem Zimmer waren, fing er an, zu lachen.

"Du müsstest mal dein Gesicht sehen! So ein dümmliches Grinsen! Die perfekte Tarnung im Affengehege!"

Meine Gedanken hingen immer noch bei Kaja. Kaja... Ein wunderschöner Name, passend zu seiner Trägerin... Ich musste mehr über dieses Mädchen wissen. Und ich musste ein Geschenk für ihren anstehenden Geburtstag finden, damit sie auf mich aufmerksam wurde.

Vierzehnter Geburtstag... Das hieß, sie musste mehrere Klassen übersprungen haben, wenn sie jetzt in der Neunten Klasse war - Das Internat nahm erst ab der neunten.

Intelligent und schön...

"Hallo! Jemand zu Hause?"

Gregor klopfte mir gegen die Stirn.

"Lass das!"

"Ich sagte: Die kleine wohnt in Flur zwei, Zimmer 213!"

"Woher weißt du das?"

"Ich hab Anna gefragt."

Anna war ein Mädchen aus Kajas Klasse

"Was läuft denn zwischen dir und Anna?"

Dieses Mal war es Gregor, der anfing zu grinsen. Aha, also war auch er verliebt.

"Du hast echt einen an der Klatsche!" fluchte Gregor.

"Ach komm, du musst sie nur kurz aus dem Zimmer locken. Ich schau, wofür Kaja sich interessiert und geb dir dann ein Zeichen!"

"Was tu ich nicht alles für zwei Wochen deine Portion Nachtisch!" grummelt er und lief zu der Zimmertür. Ich drückte mich derweil in eine Nische. Gregor klopfte. Stille. Dann ein Herein. Eine Mädchenstimme.

Kurz darauf kam Gregor mit einer skeptisch dreinblickenden Anna wieder heraus und streckte mir versteckt die Zunge raus. Anna und Kaja wohnten also zusammen. Zufall.

Ich schlich mich in das Zimmer. Es war unglaublich ordentlich. Zwei Schreibtische standen in der Mitte des Zimmers, zwei Betten unter den Fenstern, zwei Schränke an der Wand, zwei Bücherregale neben den Betten. Mir fiel auf, dass immer eins von beiden in irgendeinem Blauton gehalten war. Auf einem der Schreibtische, dem nichtblauen, lag ein Heft mit der Aufschrift "Anna" und ein Bild von ihr. Also musste der andere Kajas sein. Liste von Dingen, die Kaja mag: Blaue Dinge.

Auf ihrem Schreibtisch stand ein aufgeklappter Laptop. Ich sah eine geöffnete Seite:

Creepypasta Wikia: Eingeloggt als Crepka

Ich hörte Schritte im Treppenhaus und verschwand wieder aus dem Zimmer, wo ich mich gerade noch vor einer genervten Anna verstecken konnte. Dann lief ich in mein Zimmer.

Dort erwartete mich Gregor. Ich fragte ihn, was los war, dass Anna so genervt wirkte, und er erzählte mir haarklein, wie er Anna erklärt hatte, dass sie reden müssten, er mit ihr in den Park gegangen war, aber sich nicht getraut hatte, mehr als nur Smalltalk zu betreiben, bis sie ihn einfach stehen lassen hatte.

"Wegen dir hab ich es mir vermutlich bei ihr verschissen! Aber ich bekomme jetzt ja deinen Nachtisch... Was haben deine Untersuchungen ergeben?"

"Ich habe ihr Profil für eine mir unbekannte Seite gefunden. Darüber nehm ich mit ihr Kontakt auf!"

Also legte ich mir ein Profil bei Creepypasta Wiki an. Das ist eine Seite, wo User Gruselgeschichten schreiben und veröffentlichen. Schon bald fand ich Crepkas Profil. Sie war eine recht aktive Userin und ihre Geschichten gefielen mir. Mit ihrem Schreibstil fesselte sie mich jedes Mal.

Ich schrieb sie an, erst unter dem Vorwand, dass ich ein Fan ihrer Geschichten sei und sie gerne vertonen würde, um dann zu sagen, ich wäre heiser. Bald schrieben wir uns mehrmals täglich und ich erfuhr einiges über sie: Ihre Familie war einst sehr reich und mächtig, aber ihre Eltern waren verarmt. Sie liebte alles, was blau war und einem Angst machte. Sie kletterte gerne und sparte derzeit auf ein paar spezieller Schuhe dafür.

Irgendwann fragte ich sie nach ihrem Geheimnis, wie sie so gut schreiben könne. Sie wies mich - wie ich dachte scherzhaft - auf ihre Pasta Ideen hin.

Irgendwann lag auf unserer Schwelle eine Einladung zu ihrem Geburtstag; zwar hatte sie alle aus dem Jahrgang eingeladen, aber ich freute mich dennoch unbändig und Gregor hatte die Hoffnung, weiter an Anna heranzukommen.

Am Freitag standen wir mit Schlafsäcken, Isomatten, Chips und die meisten mit Alkohol oder einem Geschenk vor dem riesigen Haus ihrer Großeltern. Kaja begrüßte jeden persönlich. Als sie bei Gregor und mir ankam, musterte sie mich irgendwie seltsam.

Der Abend war schön, es wurde getrunken und gelacht, Musik spielte und eine kleine Tanzfläche war aufgebaut. Während ich nur wenig trank, sah ich, wie Gregor einen Schnaps nach dem anderen kippte und, wie die meisten, immer ausgelassener wurde. Irgendwann sah ich, wie er mit Anna im Gebüsch verschwand, beide konnten kaum noch gerade stehen.

Ich suchte nach meinen anderen Klassenkameraden, doch alle waren entweder besoffen, knutschten mit Mädchen rum, die sie nicht kannten oder beides.

Nach einer Weile bekam ich einen Becher in die Hand gedrückt. Das Zeug darin schmeckte echt gut. Ich besorgte mir noch ein Glas. Als auch das alle war, fühlte ich mich viel besser und ausgelassener. Ich ging zum Barmann und bestellte noch einen. als ich sah, wie viel Alkohol er dort hineinmischte, wurde mir kurz mulmig, aber das Zeug schmeckte ja so gut und ich hatte ein großes Glas bestellt.

Das Glas in der Hand bahnte ich mir wieder einen Weg durch die Menge. Mir fiel auf, wie viele doch recht hübsche Mädchen hier waren. Ich nahm einen Schluck von meinem Getränk. Es schmeckte anders als vorher, mehr Schnaps. Ich leerte es. Danach war alles verschwommen.

Ich erinnere mich an ein Mädchen in meinen Armen, das wir irgendwann ins Gebüsch sind, oder war es doch ein anderes Mädchen? Zwischendurch trank ich immer wieder etwas. Jedenfalls lag ich irgendwann unter einem Sofa im Wohnzimmer, da ich nicht mehr richtig stehen konnte. Da hörte ich es: Kaja unterhielt sich mit einem Jungen. Das musste ich unbedingt hören!

"Schau, Johannes. Da sind sie! Dieser Abschaum lässt sich volllaufen bis zur Besinnungslosigkeit! Doch seit jeher ist es meiner Familie vergönnt, diese wertlose Rasse auszulöschen!"

"Ich diene eurer Familie jetzt seit Jahrhunderten, hat mich euer werter Urahn doch unsterblich gemacht. Nie habt ihr euch einen Fehltritt erlaubt, immer habt ihr euer Blut behalten, auch wenn ihr unter diesen verachtenswerten Kreaturen, die mein Ursprung waren, leben und leiden musstet. So stehe ich hinter eurem Vorhaben, euch heute in eurer wahren Gestalt zu zeigen!"

"Du hast recht, ich brauche dringen wieder Nahrung. Über die Jahrhunderte lernte meine Familie, sich menschlich zu verhalten und von menschlichen Speisen zu ernähren, doch schmecken tut dies nicht im Geringsten. Doch heute werde ich mir die Speise nehmen, die ich brauche. Aus ihren Leibern werde ich das Leben aussaugen. Aus ihren Gedanken werde ich Geschichten schreiben, wie sie noch niemand hörte oder las. In der Bewunderung anderer werde ich mich sonnen, das weltweite Netz ermöglicht es mir. Heute schlägt meine große Stunde, danach werde ich eine der geachtetsten meiner Familie sein, die meinen Vater verstießen, da sein Herz weich wurde!"

"Miss, wann soll es losgehen?"

Etwas Schleimiges glitschte über den Boden. Eine rasselnde Stimme, die nur entfernt an Kajas erinnerte, zischte:

"Jetzt"

Kurz darauf folgte Geschrei und ich versteckte mich in einem Schrank. Als ich kurz sah, was das Geschrei verursachte, blieb mir der Atem stehen:

Ein Geschöpf mit Tentakeln statt Beinen und Armen und Kajas Kopf wütete und zerfleischte die Gäste.

Wer auch immer das liest: Halte dich fern von Kaja oder Crepka, je nach dem, wie du sie kennst!

Hier sitze ich nun und schreibe alles nieder. Vor dem Schrank ist eine Stimme:

"Ich sagte dir, woher meine Ideen für Geschichten kommen. Aus dir könnte man eine schöne Geschichte machen"

Crepka

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