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Ein unendlich sanftes, beruhigendes Schnurren hatte mich zärtlich aus dem Schlaf gehoben, weswegen ich mich ein klein wenig unelegant nach links wand, die Augen aber noch geschlossen hielt, um den wundervollen Moment auszukosten. Das Geräusch umschmeichelte meine Sinne, und vergleichmäßigte sowohl meinen Atem, als auch meinen Herzschlag, während es immer weiter anschwoll, und bald meine gesamte Existenz für sich beanspruchte. Die Decke auf meinem Körper war wohlig warm, und strahlte pure Geborgenheit aus, konnte jedoch nicht mit dem entspannendem und monotonem Ton mitthalten, der mich schon lange zwischen Traum und Erwachen gefangen hielt. Sehr lange. Beinahe zu lange… Neben der Sanftheit des Tones hatte mich auch eine allgegenwärtige Gleichgültigkeit in ihren Bann gezogen. Und keines von beiden hatte vor, mich in geraumer Zeit zu entlassen.

Die Sicherheit brachte mich dazu, verzückt zu seufzen, und mich abermals zu drehen, während mich eine mütterliche Zuneigung weiterhin sanft und langsam aus dem Schlaf zog. Nun benetzte zartes, fühlbares Mondlicht mein Gesicht, und ließ die Geborgenheit noch schneller und beinahe plötzlich enden. Ich protestierte mit einem unverständlichem Schnauben.

Dann machte ich den Fehler, meine Augen protestierend zu öffnen.


Als mein Schrei das Schnurren abrupt unterbrach, ich aus Reflex heraus im Bett einen Satz nach hinten machte, mir den Hinterkopf anschlug, und daraufhin meine Lampe vom Nachttisch fegte, verschwanden die fünf Insekten-artigen Gestalten geduckt durch meine Zimmertür, und knallten sie mit einem vernehmbaren Klackern zu, das mich nun eher mit dem Gegenteil von einem wohligen Gefühl zurückließ. Dies alles geschah innerhalb einer Sekunde, und mein Gehirn hatte nicht genügend Zeit, um die Geschehentnisse zu realisieren, doch das Aussehen dieser Dinger brannte sich mir in die Erinnerung, und ich erschauderte, woraufhin der Mond beinahe anklagend hinter den dicken, grauen Wolken verschwand, und mich alleine zitternd im dunklen Zimmer zurückließ. Mein Körper beebte, und ich schlang die Arme um die Beine, um mich irgendwie zu beruhigen, was mir kläglich misslang. Bilder blitzten vor meinem Inneren Auge auf, und ich konnte sie einfach nicht verdrängen, weshalb sie sich in einer endlos Schleife wiederholten.

Sie hatten ausgesehen wie Spinnen, mit den Proportionen eines Menschen, und den Sinnesorganen einer Fliege. Vier Schwarze, lange Beine hatten über mir geschwebt, und mich schützend von der Außenwelt abgeschirmt, und teilweise zärtlich über mich gestrichen. Reißzähne, die jeden Hai in den Schatten stellten, und eine matt glänzende Haut, die sowohl weich, als auch rau wirkte hatten ihren gigantischen Körper geziert, der mich wohl um einige Zentimeter überragen musste. Sie waren der Inbegriff von „Aliens“. Und dennoch hatte ich noch nie in meinem Leben etwas menschlicheres in ihren großen, runden Augen gesehen.

Zuerst hielt ich das alles nur für eine Art Traum-phase; wollte das Gesehene nicht akzeptieren, und die Bilder nur als eine Sinnestäuschung abstempeln. Doch nachdem ich Stunden damit vergeudet hatte, ängstlich zu dem Spalt unter meiner Tür zu sehen, gab ich schließlich auf, und ließ mich zurück in das mittlerweile klamm-kalte Bett gleiten, welches nunmehr Unwohlsein und Angst in mir entfachte. Die Geborgenheit hatte sich mit dem Mond hinter dem verhangenem Himmel versteckt. Auch die Decke, welche ich daraufhin vom Boden hob, ohne die halb zersplitterte Nachttischlampe zu beachten, spendete keine Wärme mehr. Kein Stern blitzte mehr in dem kühlen Nachthimmel, und ich fragte mich, ob jemand wohl mein Fenster mit irgendeiner grauen Farbe beschmiert hatte. Die Glasscheibe war leicht beschlagen, und spiegelte nur Dunkelheit wieder. Das Zittern meines Körpers ließ erst nach, als schon ein kleiner orangener Streifen das Dunkel durchbrach, und das Auferstehen der Sonne bekundete. Doch auch sie konnte das klamme Gefühl auf meiner Haut nicht überschatten, weshalb ich ohne einen wirklichen Grund begann zu weinen.

Sogar die heißen Tränen, die in mir aufwallten, und an meinen Wangen hinabstrichen, konnten die Kälte und das Unwohlsein nicht vertreiben. Mein Schluchzen wurde begleitet von einem leisen Klackern vor der Eichentür. Ich wollte nicht wissen, was es verursachte. Langsam beruhigte ich mich wieder, und trocknete die letzten Tropfen mit dem Ärmel meines Nachthemdes. Schließlich war das alles nur ein dämlicher Albtraum, aus dem ich erwachen würde. Bestimmt nur ein Trick meines Hirns. Bestimmt würde ich gleich wieder leicht verschwitzt und auf nass-kalten Bettlacken aufwachen. Ich sollte also keine unnötigen Befürchtungen an die Wand stellen.


Ihr könnt euch die Panik wohl kaum ausmalen, welche mich ergriff, als die Tür abermals sanft aufgeschoben wurde. Wieder kollidierte mein Rücken mit der Wand hinter mir, als sich meine Augen weiteten, und ängstlich zu der spaltbreit geöffneten Pforte starrten.

Anstatt jedoch hereinzustürmen, und mir die Haut vom Leib zu reißen, oder mich bei lebendigem Leibe zu verschlingen, schob eines von ihnen mit einem langen, mattschwarzen Bein eine Art Tablett herein, auf dem sich ein lecker wirkendes Frühstück befand. Alles in mir schrie förmlich danach, es mit einem Happen zu verschlingen, nachdem die Tür sich mit einer fatalen Endgültigkeit geschlossen hatte, doch genau wie mein Körper ließ auch mein Verstand ohrenbetäubende Alarmglocken erklingen. Ich konnte ihnen ohnehin nichts nutzen, aus welchem Grund sollten sie mich also füttern?

Da ich aber nicht mehr an die seltsamen Kreaturen denken wollte, sah ich mich in dem kahlen Raum um, der mein Schlafzimmer darstellte, und nur von einem Bett, einem Nachttisch und einem Bücherregal bevölkert war. Zuerst rührte ich nichts an, was sie mir ins Zimmer schoben, egal wie sehr das Bedürfnis nach Nahrung an meinen Kräften zerrte. Zwar gab es da noch ein Fenster in meinem Zimmer, welches ich zu jeder Gelegenheit öffnete. Aber ich hing relativ an meinem Leben, und wollte nicht aus dem dritten Stock auf den eher steinigen Boden treffen, welcher mir nicht nur die Luft aus der Lunge, sondern auch das Leben aus dem Körper pressen würde.


Bald schon ertrug ich diesen unfreiwilligen Hungerstreik nicht mehr, und somit musste ich etwas zu mir nehmen. Wahrscheinlich wäre es für jeden anderen lustig gewesen, so wie ich zum neuen Tablett rannte, es packte, und daraufhin wieder zu meinem sicheren und dennoch nicht wärmenden Bett hastete. Für mich war es jedoch bitterer Ernst. Wer weiß, was die Dinger neben Hundewelpen so zum Abendessen aßen. Wahrscheinlich hatten sie das ganze Zeug, das ich essen sollte, noch vergiftet. Aber der Argwohn konnte meinen Hunger und Durst nicht besiegen, weswegen ich erst einen Schluck Wasser zu mir nahm, und dann einen Löffel der Haferbrei ähnlichen Masse zu meinem Mund führte…

Mir fiel beinahe das gesamte Tablett aus den verschwitzten und beebenden Händen.

Nicht aus Schock, Schmerz oder Angst…

Sondern weil…

Lecker.



Obwohl ich erwartet hatte, dass es verpestet, oder zumindest ungenießbar sein würde, schmeckten ihre meist eher seltsam wirkenden Mahle durchaus gut. Zuerst hatte ich die Vermutung, dass sie mich mästen wollten, doch nachdem ich ein klein wenig – zu meinem Bedauern – zugenommen hatte, da es nicht sonderlich viele Bewegungsmöglichkeiten in meinem Schlafzimmer gab, befand sich auf den vielzähligen Tabletts allerlei gesundes und ausgewogene, dass auch ich als Mensch kannte. Meine Tage wurden wieder freudiger. Schließlich hatte ich nun einen Grund, untätig herumzusitzen. Vor allem, da ich nun endlich meine Lieblingsbücher lesen konnte, ohne gestört zu werden. Selbst an ihre nächtlichen Besuche gewöhnte ich mich nach der Zeit, und ihr Schnurren brachte mein Bett dazu, nach langer Zeit wieder gemütlich und warm zu werden.

Dennoch konnte ich nicht aus dem Zimmer heraus, und meine Tage gewannen an Tristheit. Bald hatte ich jegliches Buch zwei Mal gelesen. Aber da ich weder Freunde, Verwandte noch eine Arbeit hatte, und eher abgelegen von der Stadt wohnte, bemerkte niemand mein Verschwinden. Ja, mein Verschwinden. Auch wenn ich immer noch im selben Bett schlief.

Denn nichtsdestotrotz war ich ein Gefangener.

Ihr Gefangener.

Ihre Motive blieben verschleiert.

Sie erlaubten mir nicht, herauszukommen.

Und die Tür würde ich sicherlich nicht aus eigenem Antrieb öffnen.''



Bald brach ich mein eigenes Versprechen, denn eines Nachts erklang kein sanftes Schnurren, das mich so oft in den Schlaf gewogen hatte, sondern nur ein markerschütternder Schrei, und mehrere Schüsse durchschnitten, die die allgegenwärtige Stille der Nacht schändlich durchschnitten. Als ich die Tür einen spaltbreit öffnete, sah ich, wie sie einen mutmaßlichen Einbrecher zerfetzten, und mit ihren gigantischen Zähnen ausweideten. Mein Gehirn dachte gar nicht daran, den Blick abzuwenden, und so sah ich zu, wie er vor Qualen geschüttelt und vor Angst bebend schrie. Sein Blut befleckte bereits die weiße Tapete rot, und seine Gedärme bildeten ihr Abendmahl, während einzelne Fetzten seiner Haut achtlos durch die Gegend geworfen wurden. Die schwarzen Beine bohrten sie durch seinen Körper, spießten ihn auf, betrachteten klackernd, wie er langsam herabglitt, und röchelte. So wie sie ihn verschlagen, konnte man urteilen, dass er ihnen sehr gut schmeckte. Und so wie er wimmerte konnte man urteilen, dass er jede Sekunde wie eine eigene Ewigkeit verspürte. Selbst die Knochen stellten kein Problem für sie dar, da sie sie mit ihrem rasiermesserscharfen Gebiss ohne Schwierigkeiten durchbrachen, und zu Pulver verarbeiten.

Etwas heißes brannte schon halb in meiner Kehle, als ich zurück in mein Zimmer hastete, die Tür zuknallte, und das Fenster nach Luft schnappend aufriss, um mich weit in die Nacht hinaus zu lehnen. Der kühle Wind umschlang mich, und der sanfte Geruch der Nacht benebelte meine Sinne, bis ich keuchend dort stand, und die Gedanken an diesen Vorfall verdrängte.

Doch ich wusste, dass sie das alles nur taten, um mich zu schützen. Als ob ich ihr Anführer, oder sonstiges wäre.

Die Nacht darauf hatte ich aber schreckliche Bauschmerzen. Es lag nicht an dem Essen, das war mir klar. Aber die Schmerzsalven waren so intensiv, dass ich mich bald zusammenkauerte, und intensiv litt. Mein Körper wurde heiß und kalt, Angst und Panik kämpften um die alleinige Herrschaft, ich schwitzte, alles in mir schien auseinander gerissen zu werden. Meine Rippen dehnten sich ungewöhnlich weit. Ich wurde gezwungen den Rücken durchzustrecken. Mein Schweiß benetzte das Laken, und die Decke war einfach nur unangenehm. Meine Haut dehnte sich, mein Kreischen zerteilte die Stille, wie der Einbrecher. Die Dinger stürmten an mein Bett und frohlockten mit einem Klackern, während ich, als die Dunkelheit meine Sicht benebelte sah, wie mein Bauch sich ungewöhnlich weit wölbte.

Als mich endlich die Schwärze verschluckte, aus der es kein Entkommen gab, und meine schrecklichen Qualen linderte, wurde mir Einiges klar.

Sie kamen nicht von dieser Welt, und wussten definitiv mehr, als ich jemals verstehen könnte.

Sie waren nicht wirklich freundlich zu mir gewesen, sondern hatten mich gemieden.

Sie hatten mich gefangen gehalten, und nur dafür gesorgt, dass ich nicht starb.

Sie hatten nicht mich mit ihrem Leben beschützt,


sondern nur auf das Schlüpfen ihrer Brut gewartet…


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