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Immer noch benommen von den Elektroschocks, die sie mir verpasst hatten, öffnete ich die Augen. Ein weißer Raum, wie man ihn aus diversen Filmen kannte. An der Decke brannte eine grell leuchtende Neonröhre. Etwas außergewöhnlich, ein großer Flachbildfernseher mit einer rot leuchtenden 22, an der Wand vor mir. Mit Lederriemen, die in mein Fleisch schnitten, war ich an einen braunen Sessel geschnallt. In den Ecken des Raumes waren ein Lautsprecher und eine blinkende Kamera angebracht.

Die 22 wurde zu einer 23. Lief ein Countdown nicht normalerweise rückwärts? Wenn es denn einer war. "Hallo? Kann mich jemand hören? Was soll das hier?" 24. "Hey! Verdammt nochmal, was soll das hier?" 25. Mich beschlich eine Ahnung. 29. Ich fing an zu schwitzen. Etwa fünf Minuten später perlte der Schweiß mein Gesicht herab. Mein T-Shirt klebte auf meiner Haut. 36. Jede Faser meines Körpers war nass geschwitzt. 40. Der Schweiß lief in meine Augen und ein salziger Geschmack breitete sich in meinem Mund aus. "Ihr perversen Bastarde! Ihr wollt mich bei lebendigem Leibe verbrennen lassen." 43. Die Hitze wurde unerträglich. 50. Ich schien nur noch aus Wasser zu bestehen. Das Salz brannte in meinem ausgetrockneten Mund. Alles flimmerte und die Zahlen verschwammen vor meinen Augen. Eine monotone Stimme drang aus dem Lautsprecher. "Du weißt, warum du hier bist. Zu viel Neugierde wird bestraft."

Eine flackernde 60. Meine Haut fühlt sich an wie schwarzes Autoblech im Sommer. 70. Meine Schreie werden leiser, meine Atmung gerät ins Stocken und fällt ab und zu ganz aus. 75. Ich weiß, dass ich hier drin sterben werde. "Ihr Schweine, ich habe Frau und Kinder." Der Lautsprecher schweigt. 80. Ich fange an zu dehydrieren und bekomme kaum noch Luft. Meine Atmung setzt sekundenlang aus. Mein Herz schlägt nicht mehr im Takt. 84. Meine Emotionen, Gefühle, Gedanken – all das wird unwichtig. Alles, was wichtig ist, ist dieser Punkt an der Wand. Er ist wunderschön, zu schön, um von dieser Welt zu sein. 90. Ein letztes Mal bäumt sich mein Körper in einem sinnlosen Versuch, sich zu befreien, auf. Er zerrt an den Lederriemen, die sich mittlerweile tief in mein Fleisch eingebrannt haben. Dann wird er ruhiger. Die letzten Zuckungen erschlaffen, und seine Atmung wird langsamer.

Der Mann hinter der Wand blickt auf den Bildschirm. Die Kamera flimmert leicht. Sie sollte mal ersetzt werden. Er schaut auf seine Armbanduhr. "Mann, wie lange dauert das denn noch! Die meisten geben früher auf." Der Körper im Sessel zuckt noch ein paarmal, danach bleibt er regungslos sitzen. Der Mann vor dem Bildschirm wartet noch zehn Minuten, bis er sich ganz sicher ist, dann prüft er das Thermometer. Es zeigt 22 Grad an.

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