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Die Geschichte von Billy Parker hörte ich zum ersten Mal, als ich 1985 in das kleine Dorf Quarty 13km westlich von Epipremnum zog. Ich hatte gerade mein Medizinstudium abgeschlossen und vom Dorfarzt, einem kleinen rundlichen Mann mittleren Alters, der sich Dr. Hardwick nannte, eine Zusage auf meine Bewerbung um eine Arbeitsstelle hier erhalten.

Billy Parker erlitt ein grausiges Schicksal. Ein Schicksal so blutig, dass es ein Viertel der Bevölkerung aus Quarty vertrieb. So erzählt man es sich zumindest. Als ich die Geschichte das erste Mal hörte, tat ich sie als bäuerlichen Aberglaube ab, doch als sich vor meinen Augen dasselbe noch einmal abspielte, war ich wohl oder übel gezwungen meine bisherigen Ansichten, ja sogar meinen Glauben an die moderne Lehre der Naturgesetze zu verwerfen. Ich kann selbst jetzt nach all den Jahren nicht glauben was ich damals mit meinen eigenen Augen zu sehen bekam. Es ging die Wand hoch… mit bloßen Händen kletterte Es die Wand hoch!

Billy Parker war ein Junge von ungefähr acht Jahren und wie alle Jungen in seinem Alter, liebte er es Unfug anzustellen und Süßigkeiten zu naschen. Er besuchte wie alle anderen Kinder die Schule im Dorf und spielte nachmittags draußen mit den anderen Jungen Ball. Eigentlich war das Einzige, dass ihn von den anderen Kindern unterschied, sein grausiges Dahinscheiden. Der letzte Tag im Leben des kleinen Billy Parker ereignete sich am 13. August 1948. Schlimm genug, dass es Freitag der 13. war.

Es war auch noch eine Vollmondnacht. Neblig und düster. Die Jungen spielten heute länger als üblich auf dem Fussballplatz der Dorfschule. Als Mutprobe wollten sie die Eingangshalle des unheimlichsten Hauses der Gegend betreten, denn es hieß, dass noch nie jemand das schaudererregende Gemäuer jemals wieder lebend verlassen hatte. Jeder von den Jungs kannte die Geschichten, welche über das Haus auf dem Hügel neben dem Dorf erzählt wurden. Das ließ sie wohl glauben, dass wirklich nur der Mutigste das Gebäude betreten würde. Sie machten sich also auf den Weg zum sagenumwobene „Haus aus dem All“ wie es vom Volksmund genannt wurde. Über die darauf folgenden Ereignisse ist nichts bekannt, nur das Billy Parker nicht mehr ins Dorf zurück kehrte. Die Kinder hatten wohl so schreckliche Angstzustände durchlitten, dass ihr Gehirn alle Erinnerungen daran aus einem Schutzmechanismus heraus verdrängt hat. Es hieß, dass in dieser Nacht, wie bei jedem Vollmond, grausiges Geschrei die Stille der Nacht zerriss. Jedoch wollten einige aus dem Dorf unter den Schreien auch die eines Kindes herausgehört haben. Zwei Tage vergingen ohne das Billy Parker wieder auftauchte.

In der Nacht des dritten Tages fand ein dorfbekannter Säufer die Leiche des Jungen auf dem Dorfplatz. Sie war so hässlich entstellt, dass sie nur anhand von Fingerabdrücken der zwei noch übrigen Zeigefinger identifiziert werden konnte, wobei sich nur noch einer davon an seinem ursprünglichen Platz befand, der andere wurde unter der linken Fußsohlen, oder was noch davon übrig war, angenäht. Wie die Leiche genau aussah kann ich nicht sagen. Es hieß nur, dass das Gesicht bis auf die Knochen abgeschliffen wurde. Von diesem Tag an erlaubte keine Mutter in Quarty jemals wieder ihrem Kind auch nur den Hügel, auf welchem das verfluchte Bauwerk stand, zu betreten. Was nach dem Schicksal des kleinen Billy Parker auch nur allzu verständlich war. 

Über Jahre hinweg schockierte der Fund des formlosen Fleischstückes, welches einst ein kleiner Junge war, die Bewohner des kleinen Dorfes. Doch trotz aller Gebete und Hoffnungen blieb Billy Parker nicht das letzte Opfer des grausamen Hauses. 1986, ein Jahr nach meinem Einzug in die kleine Dachwohnung des ehemaligen Farmhauses welches Dr. Hardwick bewohnte, wurde ein anderer Junge aus dem Dorf Betroffener einer neuen Tragödie. Am Abend des 22. Juni, welcher ein Sonntag war, suchte mich Frau Marigold auf und fragte mich, ob ich etwas über den Verbleib ihres Sohnes Thomas zu vermerken hätte. Ich verneinte und bot ihr an sie bei der weiteren Suche zu begleiten. Da es schon nach 20:00 Uhr war und Dr. Hardwick seine Praxis immer um 19:00 Uhr zu schließen pflegte, stand dem Vorhaben nichts im Wege. Ich versuchte die äußerst aufgebrachte Frau Marigold ein wenig von ihren Sorgen abzulenken und erläuterte ihr beispielsweise warum Dr. Hardwick seine Praxis auch sonntags geöffnet hatte. Wir zogen von Haus zu Haus und fragten die Bewohner nach Hinweisen über den möglichen Aufenthaltsort des kleinen Thomas Marigold. Doch leider blieb diese Fragerei erfolglos. Ungefähr um 23:30 Uhr hörte ich entfernt jemanden schreien, zu meiner Überraschung jedoch blieb Frau Marigold von dieser Entdeckung ziemlich unbeeindruckt und meinte nur, dass diese Klänge bei jedem Vollmond zu hören seien. Dies war das erste Mal, dass ich die sagenumwobenen Schreie mit meinen eigenen Ohren hörte, denn normalerweise ging ich früh schlafen und erfreue mich eines sehr tiefen Schlafes. Wahrscheinlich hätte mich nicht einmal ein Bombenangriff auf unser Nachbarhaus aufwecken können. Ich hielt die Schreie deshalb bis dahin für reinen Aberglaube. Doch sie jetzt tatsächlich selbst zu hören lies mir einen eisigen Schauer den Rücken hinab kriechen. Diese Schreie schienen wirklich nicht von dieser Seite der Unterwelt zu stammen und enthielten den leisen Unterton des eisigen Todes. Um Mitternacht entschlossen wir uns unsere Suche auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben und wenn nötig auch unseren Suchradius auszuweiten. In den folgenden 2 Tagen blieb Thomas Marigold verschwunden und es schien, als hätte ihn der sprichwörtliche Erdboden verschluckt.

In der Nacht des dritten Tages jedoch geschah es, dass eine so grausame Entdeckung gemacht wurde, dass sich Frau Marigold einen Tag später auf schreckliche Weise das Leben nahm. Der Doktor und ich wurden ungefähr um 2:00 Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen, womit ich sagen will der Doktor wurde aus dem Schlaf gerissen und ich mehr oder weniger einfach aus dem Bett gezerrt, als ich wegen meines tiefen Schlafes immun gegen alle Arten von akustischen Aufweckmethoden war. Ich sollte beim Transport eines Notfallpatienten helfen. Ein Mann der gerade auf dem Weg nach Hause war, fand ein schwer verletztes Kind auf der Strasse liegen doch hatte keine Möglichkeit das Kind sicher zu uns zu bringen. Als wir bei unserem Patienten ankamen und ich seinen Zustand sah musste ich mich als erstes übergeben. Ich werde das Gesicht des Jungen nie wieder vergessen können.

Die Augen wurden herausgeschnitten und durch silberne Kugeln ersetzt. Seine Nase wurde offensichtlich auf dieselbe Art abgeschliffen wie damals Billy Parkers Gesicht. Er hatte an jeder Hand nur noch den Daumen und den kleinen Finger, jedoch hatte er nicht nur zwei Arme sondern sechs. Die vier, welche offensichtlich nicht seine eigenen waren wurden ihm auf der Seite angenäht. Auf seiner Oberlippe wurden ihm zwei Zeigefinger angenäht, welche später als seine eigenen identifiziert wurden. Er war vollkommen nackt und kahl rasiert. Sein ganzer Körper war übersät mit tiefen Schnittwunden, manche saubere Schnitte und andere von stumpfen Klingen aufgerissene Löcher, welche nicht mehr zu bluten aufhörten. Überall wo keine Schnitte zu sehen waren, war seine Haut blau gefärbt von harten Schlägen, womöglich Stockhiebe. Die gesamte Erscheinung erinnerte entfernt an eine misshandelte Riesenspinne. Doch zu meinem Erstaunen atmete der Junge noch. Wie Sie sich sicher denken können handelte es sich um den vermissten Thomas Marigold, welcher da vor uns im Dreck der Strasse lag. Eine Frau welche eines der umliegenden Häuser bewohnte kam aufgeregt zu uns gelaufen und konnte gar nicht aufhören zu weinen.

Sie gab merkwürdige Dinge von sich wie: „Jetzt werden sie uns alle holen“ und „Er wird zurückkommen“. In ihrer Hysterie nicht mehr zu bremsen begann sie herumzuschreien und schien eine regelrechte Panikattacke zu haben. Auf Anweisung des Doktors blieb ich bei ihr und versuchte sie wieder ein wenig zu beruhigen, während er und der Mann, welcher uns als erster konsultierte, den Jungen in die Praxis brachten und weitere Hilfe aus dem Krankenhaus der nächsten größeren Stadt hinzuzogen. Als ich also auf die aufgeregte Frau einredete, schrie sie plötzlich auf und deutete mit ihrer Hand auf die Fassade eines Gebäudes hinter mir. Ich drehte mich um und sah das schrecklichste „Ding“ das mir jemals vor die Augen kam. Es hatte die selben silbern schimmernden Augen, wie die welcher der kleine Thomas implantiert bekommen hatte. Und es starrte mich damit an, während es sich mit bloßen Händen an der Fassade fest hielt. Es sah aus wie ein Mensch und doch hatte es eine Art Pelz auf der Haut. Es starrte mich einige Sekunden über seine Schulter hinweg an während es dort hing. Danach kletterte es in einem blitzartigen Tempo die Wand hoch und verschwand in der Dunkelheit. Ich drehte mich zu der jetzt schweigenden Frau um und fragte sie was das war. Sie sagte nur „Arachnon“ und ging danach ohne ein weiteres Wort in ihr Haus zurück und ließ mich alleine auf der Strasse zurück. Dies war die schlimmste Nacht meines gesamten Lebens.

Seit dieser Nacht ist es vorbei mit meinem tiefen Schlaf.
Das Haus aus dem All

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