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Ungeduldig wippte ich mit meinen Füßen am Rand meines aus kaltem Metall bestehenden Bettgestells vor und zurück, während ein wohlwissendes Lächeln über meine Lippen huschte – auch wenn es nur für den Bruchteil einer Sekunde für Außenstehende zu sehen war. Bald… sehr bald werde ich dieses verrottete Ratenloch hier verlassen und mein Dasein mitten im Jenseits feiern. Ich werde zusammen mit dem Teufel und seinen zur Hölle verdammten Untertanten meinen Erfolg begießen. Zusammen werden wir das Blut all jener armseligen Bastarde trinken, dessen Körper auf der Erde verkommen und in der Hölle wiedergeboren werden und dann werden wir… Doch ehe ich in der Lage war, meine fantastischen Gedankengänge zu Ende zu bringen, unterbrach mich mein Zellennachbar dessen Name mir (selbst in dieser kurzen Zeit, in der wir uns nur flüchtig kennengelernt hatten, da ich ihm gleich nach eintritt in dieser verrosteten Zelle erklärt hatte, dass er für den Rest seiner Existenz mir gegenüber zu schweigen hatte) entfallen war. „Was gibt‘s so dämlich zu grinsen?“, fragte er in einem mehr spöttischen Tonfall, als dass er es beabsichtigt hatte eine tatsächliche, einfache Frage zu stellen. Jedoch antwortete ich ihm nicht direkt, sondern presste mir die Hand auf den Mund, derweil ich ein irres Kichern zu unterdrücken versuchte. Auf meinen zusätzlich scharfen Blick, dessen eiskalter Ausdruck jeden anderen das Fürchten gelehrt hätte (oder zumindest die naheliegende Vermutung erbracht hätte, dass ich gänzlich dem Wahnsinn verfallen gewesen wäre und in einer Zwangsjacke gepackt, in einer Gummizelle weggesperrt gehörte) verdrehte mein Nachbar nur gelangweilt und vollkommen unbeeindruckt die Augen. „Was auch immer…“, murmelte er entnervt, während er sich zur Wand drehte, einen Arm als Kopfstütze unter seinem Kopf.

Stillschweigend beobachtete ich, wie er mit seinen (sicher schon) abgerissenen Fingernägeln langsam, doch in rhythmischen Bewegungen die Wand weiter aufzukratzen versuchte, dessen anfängliche von einem langweiligen Weiß zu mit rotem Blut bedeckten Strichen gewechselt hatte. Seit seinem Einzug in meiner Zelle, hatte er sich die Zeit mit nie etwas anderem vertrieben, als sich seine Finger blutig zu kratzen. Bis heute ist mir nicht klar, warum er gerade diese Art zur Selbstverletzung nutzte. Die heutigen Möglichkeiten, seinem Körper Schaden oder gar eine gewisse Befriedigung anzutun, waren unbegrenzt und fast all Zeit erlaubt, wenn man sich nicht zu bescheuert dabei anstellte erwischt zu werden. Dennoch, genau diesen Fehler hatte ich begangen… während ich meine sehnsüchtige Befriedigung nach dem sexuellen Trieb in mir an einem unschuldigen, jungen Wesen ausließ, war ich zu sehr in meinem „Element“ gewesen, als das meine Sinne hätten etwas anderes in der Welt um mich herum aufnehmen können. So kam es, dass mich ein einfacher, bescheuerter Passant bei meinem Akt beobachtete und unmittelbar die Polizei verständigte. Erst als zwei Polizisten mich packten, von meinem Opfer wegzerrten und mir die Handschellen anlegten, kehrte ich in die Realität zurück. Sicher hätte jeder andere Täter, in diesem Moment geschrien, umsichgeschlagen und die Beamten samt ihrer verbliebenen Würde beleidigt, doch ich für meinen Teil entschied mich dazu keines der genannten Beispiele in die Tat umzusetzen. Selbst wenn ich meinen Trieb nur für eine geringe Zeit ausleben konnte und die Jahre zuvor, diesen damaligen Tag nicht ausgleichen konnten, so konnte ich doch mit „Stolz“ zu mir selbst aufsehen und sagen, dass ich es für eine lange Zeit geschafft hatte unentdeckt zu bleiben. Viele meiner Opfer hatte ich schreien hören, besonders laut wurden sie, wenn ich ihnen ihre Ohren oder die Zunge, gleich nach meiner Triebtat herausgeschnitten hatte. Dieses Gekreische und Geschreie erfüllte meine Seele jedes Mal aufs Neue mit dem seltsam, anerkannten Gefühl am Leben zu sein.

Wer weiß schon, was nur aus mir geworden wäre, wenn meine damalige Kindheit nicht von meinem eigenen Vater zerstört worden wäre? Wenn dieses Schwein nicht dafür gesorgt hätte, dass ich in seine „Fußstapfen“ trete? Dann müsste ich mich nie vor der Polizei verstecken, dann hätte ich keiner Menschenseele etwas angetan – und das schwöre ich bei Gott! Aber nein… ich war seit meiner frühsten Kindheit dazu verdammt worden, alles zu ertragen, was meine Opfer hatten ertragen müssen – mit Ausnahme der Zerstückelung natürlich. Bis heute verfolgen mich in der tiefsten und düstersten Nacht Albträume, wie er sich in mein Bett legte, über meinen Körper strich, nur um schlussendlich… Bittere Tränen suchten ihren Weg von meinen Tränendrüsen, weiter hinab zu meinen Wagen, bis sie leise auf den Boden tropften. Ich schluckte schwer, während ich versuchte all die schlimmen Erinnerungen zu unterdrücken und mich auf die bevorstehenden 24 Stunden zu konzentrieren, von denen ich nicht einmal die Hälfte würde lange lebend verbringen. Mein Blick fiel sichtlich müde aus dem Fenster in die azurblaue Nacht, dessen einzige Lichtquelle der silberne Mond war. Doch heute strahlte er ein kühleres weiß aus, als man es sonst von ihm gewohnt war. Augenblicklich fröstelte es mich, je länger ich dem Bann dieses Planeten verfiel. Eine unendliche Weile lang fühlte es sich für mich an, als würde mein Herz mit dem Rest meines Körpers unter dem matten Strahl des Mondes gefrieren, während ich nur langsam und mit nahezu größter Anstrengung in einen eher unruhigen, beinahe zu kurzen schlaf fiel.

Am nächsten Morgen wurde ich unsanft durch einen kräftigen Schlag ins Gesicht geweckt. Ruckartig rissen meine Augen auf, plötzlich auftretende Wut, samt des kurzdarauf eintretenden Schmerzes ließen mein Blut kochen. Von Zorn gepackt, starrte ich einem Mann im Alter von etwa 30 ins Gesicht. Sein 3-Tage-Bart und seine schwarzen, kurzen Harre verliefen ihm durch seine dunkel braunen Augen einen gewissen Charm, bei dem vermutlich jede Frau dahingeschmolzen wäre, doch wenn sie wüssten, dass diese meisten dieser Männer den Beruf Wächter in einem Polizeirevier nicht ohne Grund trugen, würden sie ihre Meinung genauso schnell wieder ändern, wie sie sie gebildet hatten. Doch zu meiner Überraschung lachte der Wächter, der mich holen kam nur leise. Fast schon wirkte es so, als sei ich in seinen Augen nichts weiter als ein widerwärtiges Geschöpf von Mensch, dass diese Welt mit seiner Existenz genauso verpestet, wie der CO²-Austoß die Luft. Zumindest hatte es der Richter in seinem Urteil so beschrieben, als er zuvor all meine unzähligen Taten durchgegangen war, die ich über Jahre hinweg begangen hatte. Diese Aussage war auch einer der Gründe gewesen, weswegen er mir keine mildere Strafe als die Todesstrafe ausgesprochen hatte. Seinen Erwartungen zum Trotz bettelte ich nicht, wie die meisten Straftäter um Gnade oder zumindest eine weitaus „bessere“ Strafe, ganz im Gegenteil: Ich lachte. Ich lachte selbst dann, als ich den Saal verlassen und in Begleitung eines Wärters in meine Zelle gebracht wurde. Mein Lachen schien deshalb kein Ende zu finden und immer weiter dem mir angesehenen Wahnsinn zu verfallen, weil ich genau wusste, dass sie mich zwar vor den zukünftigen Taten hindern konnten, aber niemals all jene Delikte begleichen konnten, die ich bereits begannen hatte.

Nie würden sie all die gebrochenen Gesichter meiner Opfer und deren in Stücke gerissenen Seelen wiederherstellen können. Ich habe sie alle mit Erfolg gebrochen. Genauso, wie es auch mein Vater damals mit mir getan hatte. Somit, war mein Werk mehr als nur vollbracht. Es war begonnen und würde für die Ewigkeit ihre wohl verdienten Früchte tragen.

Während ich all meine begangenen Taten in meinem Schädel wie einen einzigartigen Film Revue passieren ließ, vernahm ich nur beiläufig, wie in weiter Ferner gerückt, was der Wächter von mir befahl. Mein geistesabwesender Blick schien nicht an ihm spurlos vergangen zu sein, während er mich in eine kleine Kabine zu meiner rechten schubste und ein erneutes Mal mit stärkerem Nachdruck mich dazu aufforderte, mich meiner zu entledigen. Mürrisch, ging ich seinem Befehl nach. Kurze Zeit später, zerrte er mich (splitternackt, wie ich war), weiter in einen nunmehr etwas größeren Raum hinein, welcher eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Badezimmer hatte, wären die kalten, rauen und an einigen Stellen bereits aufgesprungenen Fließen, so wie die mit Schmutz und Schimmel bedeckte Wand nur ordentlicher und sauberer gehalten. In diesem Raum gab es nur ein einziges kleines Fenster, dessen verrostete Erscheinung nach zu urteilen und beim Anblick des Griffes, welcher nur bis zur Hälfte zur Seite gedreht war, sich nicht öffnen ließ. Das niemand es öffnen konnte, war auch nicht schwer an der von Muff und Dreck geschwängerten Luft zu erkennen, dessen ständiges einatmen mich immer wieder zum Husten brachte. Hier drin stank es schlimmer als in einer öffentlichen Bahnhofstoilette, dachte ich amüsiert lächelnd. Gleich unmittelbar an der Wand befand sich eine Badewanne befühlt mit vermutlich einst glasklarem Wasser, wäre die Wanne nur zuvor – genau wie der Rest des Raumes – gesäubert worden. Jetzt schwamm darin nichts weiter, als eine ekelige schwarz-braune Brühe, in die ich gezwungen war hineinzusteigen. Augenblicklich schoss mir die naheliegendste Vermutung in den Kopf, dessen Vorstellung ich unter diesen widerwärtigen Bedingungen hätte aufbringen können: Sie wollten mich in diesem Siff ertränken. Sie wollten wirklich, dass ich an dieser Scheiße ersticke! Dem Wächter entging, mein amüsiertes Lachen, über jenen absurden Denkinhalt keines Wegs, als ich mich auch noch zu ihm umdrehte und in einem gespielten Tonfall ihn um Gnade anflehte, er möge doch Erbarmen mit mir haben und mich nicht in diesen tiefen See aus Jahrzehnte angesammeltem Dreck hineinwerfen. Doch zu meiner erneuten Überraschung, entgegnete der Wächter meine Schauspielerei nun ebenfalls mit einem genüsslichen Lachen und schüttelte den Kopf. „Oh nein, ich bin nur derjenige, der dich hierhergebracht hat, mein Lieber. Dein Henker, wird jemand anderes sein…“ Den letzten Satz hatte er absichtlich in der Luft hängen lassen, ohne ihn zu beenden, denn kaum war sein letztes Wort gesprochen, besah ich mich an der offenen Tür stehend, einem Mann mit einer dunklen Kapuze auf dem Kopf. Es war schon beinahe lachhaft, wie lässig er gegen den Türrahmen lehnte und darauf wartete, endlich hineingehen zu dürfen. Seine Augen waren von einer schwarzen Brille verdeckt. Der Wächter verließ wortlos meinen Todesraum, nur einmal drehte er sich zu mir um, um mir seine letzte Botschaft zu übermitteln: „Ich hoffe du Bastard verreckst qualvoll unter dem klebrigen Sumpf, deines eigenen Drecks!“ Dann fiel das schwere Schloss der Tür mit einem langgezogenen Quietschen zu, bis diese mich und meinen Henker für eine gewogene Unendlichkeit einschloss.

Epilog:

Drücke diesen Wichser immer und immer wieder in diesen widerwärtigen Sumpf hinein. Dreck und mittlerweile auch seine eigene Pisse haben sich in dieser Brühe vermischt. Habe mich unmittelbar nachdem wir endlich alleine waren zu erkennen gegeben. Will, dass dieser Bastard sieht wer und vor allem was ich bin. Übelkeit überkommt mich. Nicht nur, wegen dem Gestank, sondern auch weil dieses jämmerlich Biest so zäh ist. Überraschenderweise zäher als der Rest meiner Opfer, aber nicht für lange… „Bitte!“, wimmert er schwer keuchend und hustend, während ich ihn nach einem erneuten Mal eintauchen wiederauftauchen lasse. „Lass mich gehen! Ich bin nicht so, wie du denkst! Ich verdien-“ Er hustet. Bekommt kaum Luft, da ich ihn mit meinen Händen erwürge, derweil ich seine erbärmliche Fresse näher zu mir heranziehe. „Was hast du da gerade gesagt?“, knurre ich mit zusammengebissenen Zähnen, bevor ich diesen Bastard mit Wucht auf dem Fließen aufprallen lasse. Er ist nicht so, wie ich denke?! Sein Kopf schlägt mit einem zerschmetterten Geräusch unsanft auf. Purpur, dreckiger Lebenssaft bahnt sich seinen Weg aus seinem dürren, verrottenden Körper. „Ihr Bastarde seid doch alle gleich!“, schreie ich ihn an, während ich beginne auf ihn einzutreten. Stoppe für einen Moment. Mustere ihn kurz. Alte Narben zeichnen seine Beine und seinen Bauch. Wende dann meinen Blick skeptisch zu ihm. Hat er etwa auch ein schweres Schicksal erfahren müssen? Schüttel kurzdarauf meinen Kopf, um diesen jämmerlichen Gedanken zu vertreiben. Mir egal. Triebtäter sind Triebtäter. Habe kein Mitleid mit ihnen. Knie mich nun neben ihn. Durch den ganzen Blutverlust und den zusätzlichen Tritten ist er völlig benommen. Gut für ihn. Muss er nicht das ganze Leid erfahren, dass ich für ihn bereithalte.

Setze mein geliebtes Werkzeug an seiner abartigen Visage an. Schneide sanft entlang seiner Mundwinkel. Plötzliche Schreie und Blut vereinen sich zu einem einzigen Fluss und sind wahrlich Musik für meine Ohren und süßlicher Duft für meine Nase. Keuche nahezu auf, bei dem wohligen süßlich-metallischen Geruch, der meine Sinne benebelt. Der anfängliche Zorn, dem ich diesem Abschaum gegenüber empfand, wandelt sich mit zunehmender Brutalität in einen noch größeren Zorn um, dessen „Feuer“ ich nicht mal zu kontrollieren versuche. Nicht mal, nachdem, was er versucht hatte mir zu sagen: „Was wolltest du noch sagen? Du hast es nicht verdient zu sterben?“, wiederhole ich seine Worte mit gespielter Traurigkeit und jage ihm mehrmals mein Skalpell in den Hals, in seinen Bauch und in seine Brust. „DIE KINDER, DIE DU VERGEWALTIGT HAST, HATTEN ES AUCH NICHT VERDIENT, DASS DU DEREN LEBEN ZERSTÖRST UND DU HAST ES TROTZDEM GETAN DU JÄMMERLICHER BASTARD!!!!!“, brülle ich von Sinnen, während ich meine Stiche immer schneller und präzise auf seinen mickrigen, widerwärtigen Körper niederprasseln lasse. Lache, währenddessen krankhaft auf. Erinnere mich plötzlich an meine eigene Kindheit zurück. Einzelne Bilder tauchen wie Blitze vor meinen Augen auf. Spüre den Schmerz, meinen Scharm, meine verdammte Hilflosigkeit. Schlitze nun mehrere Male diesem Wichser seinen Hals auf. Sein Lebenssaft fließt stoßartig in nunmehr größeren Flüssen aus seiner Wunde. Mittlerweile rührt er sich nicht mehr. Mir egal. Mache solange weiter, bis dieser verdammte Flashback verschwunden ist.

Blut klebt an meinen Händen, saugt sich in meinen Klamotten und befindet sich auf meinem Werkzeug. Werfe es achtlos zur Seite. Fällt klirrend zu Boden. Ignoriere das scharfe, helle Geräusch und richte mich langsam auf. Schon wieder ein Overkill? Höre ich Lars in meinem Kopf fragen. Muss grinsen. „Musste nur wieder was aufarbeiten… und diese Gelegenheit hat sich mehr als angeboten.“ Erwidere ich und verlasse den Raum. Gehe weiter zur Rezeption des Polizeipräsidiums, lasse mir meine Bezahlung von einer bussigen Dame, die aufgrund ihres Aussehens als zweite Bardame sicher besser geeignet wäre, anstatt als Sekretärin übergeben und verlasse dieses Gebäude, das nur so von Abschaum und Kinderschändern wimmelt. Würde sie am liebsten alle nacheinander umbringen, doch ich hatte den Auftrag nur für einen von ihnen bekommen. Zumindest ist die Mordlust fürs erste befriedigt. Und? Was hast du jetzt als nächstes vor? Ertönt eine erneute Frage meines Kumpels in meinem Kopf. „Mit einer würzig-süßen, blutroten Bloody Marry meinen Sieg des Tages feiern“, antworte ich und mache mich im Schatten der riesigen Einfamilienhäuser auf den Weg in meine Lieblingsbar.



Geschrieben von: BlackRose16  Sleepless ist ein Charakter, entstanden aus der Feder meines werten Kollegen: Lord_Maverik