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Bloody Mary.

Hallo, mein Name ist Benjamin und eigentlich bin ich nicht ängstlich. Eigentlich. Doch in der letzten Zeit sind Dinge geschehen, die mich dazu brachten, Angst zu haben. Richtige Angst. Es waren Dinge, die sich kein normaler menschlicher Verstand hätte vorstellen können. Außer man erlebt es.

Das alles begann an einem Abend, an dem ich mich langweilte und deshalb sah ich mir ein paar Creepypastas an und stieß auf "Bloody Mary" Natürlich kannte ich diese Geschichte schon, doch es war lange her, dass ich von ihr gehört hatte und ich erinnerte mich nur noch wage an sie. So las ich sie durch. Ein Fehler, denn hätte ich dies nicht getan, wäre das alles nicht geschehen. Aber hinterher ist man immer schlauer, stimmt`s?

Als ich mit dem Lesen fertig war, hatte ich Angst. Nicht die Angst, die man hat, wenn man tatsächlich in Gefahr war und Verletzt oder gar Sterben könnte. Ich hatte diese Art von Angst, die man hat wenn man ein Horrorgame spielt. Man hat Panik, aber weiß, dass einem selbst nichts zustoßen kann, sobald man den Bildschirm verlässt.

Trotz oder gerade wegen diesem Gefühl weckte diese Geschichte meine Neugier. Ich durchsuchte das Internet nach weiteren Geschichten von dieser Frau in dem normalerweise weißen Kleid, das jedoch blutgetränkt war. Nach dem ich mich durch ein paar möchte-gern-Horrorstorys und Videos, denen man von vornerein ansah, dass sie gefaket waren geklickt hatte, war ich auf eine Seite gekommen, bei der es nur um Bloody Marie ging. Sie war einfach gemacht, komplett ohne Bilder, und bestand nur aus einem etwas längeren Text. Die Überschrift war das einzige, was einem ins Auge fiel. Sie lautete: "Wie man Bloody Mary ruft".

In diesem Text, der nicht einmal in Absätze unterteilt war, wurde mehrmals darauf hingewiesen, dass man es nicht nachmachen solle. Ich verstand diese Hinweise nicht, denn warum sollte jemand eine Seite erstellen und dann ihren einzigen Sinn verhindern wollen?

Ich entschied mich dazu, es auszuprobieren. Ich holte eine Kerze aus meiner Abstellkammer und ging ins Badezimmer. Auch wenn ich mir sicher war, es würde nichts passieren, schloss ich die Badezimmertür hinter mir nicht zu. Dabei war das eine Angewohnheit von mir. Ich schloss die Tür immer zu, wenn ich ins Bad ging, selbst, wenn ich mir nur die Hände waschen wollte.

Es war auf jeden Fall gut, die Tür nur ran zu ziehen. Denn wenn etwas geschah, was ich nicht glaubte, wollte ich schnell weg. Ich stellte mich genau vor meinen Spiegel, der über dem Waschbecken hing und zündete die Kerze an. Sonst war der Raum komplett abgedunkelt, bis auf den kleinen Lichtstrahl, der unter der Tür durchfunkelte. Die Kerze erleuchtete den Raum, fast ganz, denn es war ein sehr kleines Bad. Auch wenn es ein schummeriges und zum Teil beruhigend zum Teil gruseliges Licht war, konnte ich das ganze Bad überblicken. Ich sah in den Spiegel, schloss meine Augen und sagte laut:"Bloody Mary, Bloody Mary, Bloody Mary, ich hab dich getötet." Dabei hielt ich die Kerze, wie auf der Seite beschrieben, mit beiden Händen vor meinen Brustkorb. Mit leichtem Bammel öffnete ich meine Augen.

Ich sah in den Spiegel und ich schwöre, in diesem Moment setzte mein Herz für einen Schlag aus. Das Spiegelbild zeigte mich und hinter mir konnte ich in der ersten Sekunde nur eine dunkle Gestallt sehen, doch nach dem ersten Schreck erkannte ich ein entstelltes Gesicht, welches in den Spiegel sah und mich musterte. Aus einem Reflex heraus drehte ich mich ruckartig zur Gestalt um. Als ich dann mit dem Gesicht vom Spiegel weg stand, packte Erleichterung mein Herz. Dort stand niemand. Ich hatte es mir eingebildet, so musste es sein. Das redete ich mir für wenige Sekunden ein, in denen ich erleichtert nach Luft schnappte.

Ich drehte mich, diesmal langsamer und entspannter als zuvor, um damit ich das Bad verlassen konnte. Als ich das tat stockte mir der Atem und ich spürte, wie ich meine Augen so weit aufriss, dass sie womöglich fast herausgefallen wären. Sie stand nun vor mir. Zwischen mir und dem Spiegel. Sie war wirklich da. Und sie hatte gewartet. Sie hatte gewartet, bis ich mich selbst umdrehte und sie sah. Sie wollte es so, denn sie hatte es geplant. Diese Gedanken schossen mir innerhalb einem Bruchteil einer Sekunde durch den Kopf. Danach hatte ich nur noch einen Gedanken, der immer lauter wurde. LAUF! RETTE DICH! RENN WEG!!!

Gerade als Mary oder wie man sie nennen möchte, ihren Mund öffnen wollte, machte ich einen großen Satz zur Tür und rannte sie beinahe ein. Obwohl ich nie gläubig war, dankte ich Gott dafür, dass ich sie nicht verschlossen hatte. Ich sie hinter mir zu. Danach wurde mir schwarz vor Augen.

Ich wachte in meinem Bett auf. In meinem Schlafzimmer. In meinem kleinem Haus. Ich war mir sicher alles nur geträumt zu haben. Zwar wusste ich alles noch ziemlich genau, doch langsam verblassten die Erinnerungen. Ich sah auch den kleinen Taschenkalender, der auf meinem Nachttisch stand und erinnerte mich daran, dass ich mit meiner Tante zum Kuchenessen verabredet war. Ich starrte ungläubig die Uhr an, denn es war schon 15.30 Uhr. Ich sollte schon in einer halben Stunde bei meiner Tante sein. Ich beeilte mich und hetzte in meinen Umkleideraum. Dort hing ein Spiegel. Ich zog mich um und als ich den Spiegel betrachtete, erkannte ich, dass sich im Hintergrund etwas bewegte. Nicht viel, aber ich war mir sicher. Ab diesem Moment hatte ich das ständige Gefühl verfolgt zu werden.

Ich stieg ein mein Auto und fuhr los. Ich hatte noch ungefähr 10 Minuten Zeit, bis ich da sein musste, deshalb gab ich ein wenig mehr Gas als sonst. Und ich meine im Rückspiegel gesehen zu haben, wie sich auf meinem Rücksitz etwas bewegt hat. Wie in dem Umkleideraum, nur stärker. Ich konnte es wieder nicht richtig fixieren aber es war da.

Als ich bei meiner Tante angekommen war, ignorierte sie die 5 Minuten Verspätung gelassen. Immer noch hatte ich Angst und die Panik der Verfolgung ließ mich auch nicht los. Doch ich tröstete mich mit dem Gedanken:" Du willst nur Kuchen essen, Ben. Es ist nur Kuchen. Kuchen ist lieb und nett. Kuchen würde niemals jemandem etwas antuen, außer vielleicht Diabetes." Das wusste ich. Aber ich hatte keine Angst vor dem Kuchen. Kuchen würde nie jemandem was tun. SIE schon.

Nach einer netten Plauderrunde mit meiner Tante und ihrer Freundin entschuldigte ich mich kurz um die Toilette auf zu suchen. Dort war ein Spiegel. Als ich fertig war, wusch ich mir die Hände. Ich sah in den Spiegel. Aber ich sah nicht mein Gesicht, ich sah die Fratze, die ich schon in meinem Bad gesehen hatte. Sie blickte mich mit blutunterlaufenden Augen an. Ihr Haar war schwarz und hing in Püscheln von ihrem Kopf ab. Ihre Haut war weiß, wie die eines Toten. Wahrscheinlich war sie das auch. Oder ist es. Sie öffnete ihren Mund und zum Vorschein kamen Zahnstummel. Mit ihnen könnte sie sicher jemandes Knochen zermahlen und ich hoffte von ganzem Herzen, dass es nicht meine sein würden. Sie hatte blutende Wunden im Gesicht und am Hals. Es waren Schnitte. Und an ihrem Schädel war ein großes Loch, was etwas preisgab, was meinen Augen nach Gehirnmasse gewesen sein könnte. Doch ich war mir nicht sicher.

Für eine Sekunde hatte ich Mitleid mit ihr. Was war ihr geschehen? Was könnte sie so entstellt haben? Wer hatte ihr das angetan? Wer oder...was? Was hatte es mit ihr gemacht? Was hatte es AUS ihr gemacht? Doch dieses Mitleid verflog, als sie gurgelnde Geräusche von sich gab. AUS DEM SPIEGEL HERAUS. Dies riss mich aus meiner Gedankenwelt und ließ die Fragen, die eben noch in meinem Kopf pochten, verblassen. Ich rannte so schnell ich konnte in das Wohnzimmer, wo meine Tante und ihre Freundin saßen. Ich verabschiedete mich hastig und fuhr schnell nach hause. Dabei sah ich nicht in die Rückspiegel, auch wenn das nicht gerade im Sinn des Straßenverkehrs war.

Kaum war ich daheim, zerbrach ich alle meine Spiegel, möglichst ohne hinein zu sehen. Doch ich sah sie. Ich sah sie in den Scherben schreien.

Ungefähr eine Woche verging. In dieser Zeit sah ich sie oft. Nicht mehr so intensiv, wie zuvor, aber sie war immer und überall. Sie verfolgte mich. Ich verlor das Gefühl verfolgt zu werden nicht mehr. Ich hatte ununterbrochen Angst. Sie zerstörte mein Leben. Ich hatte zwar keine Spiegel mehr, aber ich konnte sie in Fenstern sehen. Schwach, wie jede Spiegelung in einem Fenster. Das schlimmste was ich je gesehen habe, war gestern, glaub ich.

Ich wusste natürlich, dass man sagt, die Augen sind die Spiegel der Seele, aber ich war nie dieser Meinung. Bis dato. Ich schaute mir die Fotos meiner Familie an. Das beruhigte mich ein wenig. Auf einem Foto meiner Mutter sah ich es. In ihren Augen. Da war SIE. Sie, Mary. So war das Foto nie gewesen. Mary hatte das Bild meiner Mutter verändert.

Ich fuhr kein Auto mehr. Nur noch mein altes Fahrrad. Da sind keine Spiegel dran. Ich fuhr gestern mit dem Fahrrad zur Arbeit. Ich hatte meinen Laptop im Rucksack und war relativ schnell unterwegs. Ich wollte nicht zu spät kommen, jetzt wo mein Urlaub gerade zu Ende war.

Ich sah es nicht kommen. Das Auto. Es kam blitzschnell, so schien es, aus einer Gasse und rammte mich. Ich fand mich in einem Krankenhauszimmer wieder.

In dem Zimmer stand ein Spiegel. Ich rief nach einer Schwester. Sie sollte ihn rausstellen oder wenigstens abdecken. Doch sie drehte ihn nur von mir weg. Das half nicht. Ich konnte nicht schlafen. Ich starrte abwechselnd den Spiegel und die beleuchtete Wanduhr an. Dann um 1:04 Uhr kam sie aus dem Spiegel raus. SIE KAM AUS DEM SPIEGEL. Sie kam mich zu holen. Ich wusste nicht, was ich mir alles gebrochen hatte, aber ich hatte Schmerzen, als ich aus dem Bett sprang und meinen Rucksack von dem Tisch neben dem Bett riss und mit nahm. Ich rannte. Und sie rannte mir hinterher. Ich hörte ihre Schritte. Als ich auf dem Flur war, hörte ich, dass ihre Schritte schneller waren als meine.

Sie würde den winzigen Vorsprung, den ich hatte, bald einholen. Ich sprang in die erste offene Tür, die ich sah und verbarrikadierte sie hinter mir mit einem Putzwagen. Ich war in der Besenkammer gelandet. Jetzt sitze ich hier. Und warte auf meinen Tod. Sie klopft gerade gegen die Tür. Bald hat sie sie aufgebrochen. Ich hatte genug Zeit das hier zu schreiben. Warum ich das tu? Ganz einfach. Es gibt 2 Gründe.

1. Ich möchte nicht tatenlos auf mein Ende warten.

2. Ich möchte der Welt noch etwas sagen. EGAL WAS IHR TUT! EGAL WIE LANGWEILIG EUCH IST. MACHT NICHT DEN SELBEN FEHLER WIE ICH. BITTE! FÜR EUER LEBEN. RUFT SIE NICHT. NIEMALS.

             RUFT. SIE. NICHT.


Das hier werden die letzten Worte sein, die ich je der Öffentlichkeit mitteilen durfte. Das Schloss der Tür hat geknackt... Ich glaube, sie hat absichtlich gewartet, bis ich fertig schreiben konnte. Sie hat das alles geplant.

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