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Man kann zu jeder Horrorgestalt hunderte von Theorien aufstellen und Geschichten erzählen. Man kann ihnen die Schuld an allem geben oder versuchen sie zu widerlegen. Wenn aber eine Gestalt, deren Geschichte erzählt wird, ins wirkliche Leben tritt, wird es problematisch. Diejenigen, die geschaffen wurden, um sie zu vernichten, sind heute nicht mehr da. Von der Skepsis der Menschen vertrieben haben wir niemanden mehr, der uns vor den Gestalten beschützt. Seit dem Tod meiner besten Freundin versuche ich ihren Platz einzunehmen. Ich jage jene, die sich dem Tod und der Zerstörung verschrieben haben. Der Todesfall meiner Freundin war mein erster Fall. Ich habe eigentlich nie an Horrorgeschichten geglaubt, aber meine beste Freundin glaubte alles was man ihr erzählte fast sofort. Es gab kaum ein Ritual, das sie nicht kannte. Alles vom Hexenkult bis zur Dämonenbeschwörung war ihre Welt und ich als ihre Freundin unterstützte sie soweit ich konnte. Als sie irgendwann wollte, dass ich mit ihr das Ritual zur Bloody Mary durchführen wollte, willigte ich ein. Ich stand dieser ganzen Welt zu skeptisch gegenüber um Angst zu haben.


In meiner Wohnung hing ein großer Spiegel mit dem wir das Ritual vollziehen wollten. Schnell waren die Kerzen bereit und meine Freundin stand zitternd neben mir. Sie blickte tief in den Spiegel, als wolle sie etwas darin erspähen, das nicht von dieser Welt war. Fast erfürchtig sagte sie die Worte: "Bloody Mary. Bloody Mary. Bloody Mary." Ich sah ihr über die Schulter. Wie erwartet sah ich nur uns beide vor dem Spiegel. Lachend drehte ich mich zum Lichtschalter: "Ich hätte dir gleich sagen können, dass das nicht klappt." Meine Freundin stand immer noch vor dem Spiegel. Sie war blass geworden und ihre Augen waren schreckgeweitet. Langsam drehte sie sich um. Ein Tropfen Blut löste sich aus ihrem Augenwinkel und lief ihre Wange hinunter. Sie murmelte ein Wort: "Hilfe." Immer mehr Blut floss ihr Gesicht hinunter, während ich nur fassunglos dastehen konnte. Als sie sterbend zu Boden sank, schrie ich bis die Nachbarn hineinstürmten. Sie sahen nur mich über der Körper meiner Freundin in der langsam größer werdenden Blutlache und riefen die Polizei. Im Nachhinein war festgestellt worden, dass irgendeine Arterie hinter ihrem Auge geplatzt war. Mich traf keine Schuld. Das hat man mir zumindest gesagt.


Viele haben zu diesem Zeitpunkt erwartet, dass ich durchdrehe, aber alles woran ich denken konnte, war Rache und meine Schuld. Nach außen hin wirkte ich ruhig und gefasst, während ich der Bloody Mary Geschichte auf den Grund ging. Ich fand tatsächlich in meiner Stadt die Todesanzeige einer jungen Frau namens Mary. Sie ist vor Jahren gestorben. Kurz nachdem ihr Sohn während eines Autounfalls umgekommen ist nahm sie sich vor ihrem Spiegel das Leben. Sie gab sich die Schuld an dem Unfall, weil sie neben ihm saß und sie fast unverletzt geblieben war. Der Spiegel war sogar noch in dem Haus in dem sie damals gelebt hatte. Das Haus war mehrmals verkauft worden, aber die Besitzer verschwanden immer, weil sie das Gefühl hatten, beobachtet zu werden.


Immer wieder während meiner Nachforschungen blickte ich in den Spiegel, der meine Freundin getötet hatte. Etwas hatte sich an ihm verändert. Er wirkte bedrohlicher, als würde er mich beobachten. Irgendwann nahm ich ihn ab. Es war einfach zu unheimlich, ihn einfach hängen zu lassen. Auf der Rückseite war in der Handschrift meiner toten besten Freundin ein Name gekritzelt. Christina Brown. Der Name ihrer kleinen Schwester, die sich das Leben genommen hatte. Meine Freundin hatte sich immer die Schuld an ihrem Tod gegeben, aber ich dachte sie wäre darüber hinweggekommen. Was ist wenn sie gestorben war, weil sie sich die Schuld an dem Tod ihrer Schwester gab? Es war einen Versuch wert. Ihr Leben ging auf mein Konto, was hatte ich schon zu verlieren.


Mit einer Brechstange bewaffnet ging ich zu dem alten Haus in dem der Spiegel hing, vor dem Mary sich das Leben genommen hatte. Er war in einem großen Raum. An den Wänden waren noch Stangen, wie sie in einem Kleiderschrank. Ich stellte einige Kerzen auf und starrte in den Spiegel. Alles was darin erkennen konnte, war ich, wie ich mit hasserfüllten Blick in den Spiegel starrte. Ich holte tief Luft und sagte die Worte die meine Freundin töteten: "Bloody Mary. Bloody Mary. Bloody Mary." Anstelle von meinem Spiegelbild stand eine blasse Frau mit dunklen Haaren und einem weißen langen Kleid. Sie lächelte sanft. Ich spürte einen Tropfen Blut an meiner Wange und zerschlug den Spiegel. Die Frau aus dem Spiegel schritt aus den Scherben. Ihr Lächeln verwandelte sich in eine Grimasse aus Hass und Verzweiflung. Sie stürzte auf mich zu. Mein Körper bewegte sich wie von alleine. Alles was ich bewusst wahrnahm war das Pfeifen der Brechstange, die ich immer und immer wieder auf den Körper der Frau schlug.


Ich weiß nicht, wie lange ich auf sie einschlug, aber irgendwann rutschte mir die Stange, die ich bis zu diesem Zeitpunkt fest umklammert hatte, aus der Hand und ich richtete mich auf. Der Körper des Wesens, das meine Freundin getötet hatte, lag zertrümmert auf dem alten Holzparkett. Ich drehte mich um und verließ das Haus.

Es war vorbei. --KatyCraft (Diskussion) 15:58, 24. Mär. 2014 (UTC)

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