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Jedes Kind hat eine Platz, an dem es gerne ist. An dem es sich wohl fühl und dorthin flieht, wenn es Zuhause oder in der Schule Probleme hatte. Mein Ort war das Bungalow. Ich entdeckte es aus reinem Zufall. Ich lief durch den ortsnahen Wald, der durch seine Größe und der in ihm währenden Finsternis schon an sich etwas gruseliges hatte. Dort sah auf einmal ein Haus, das am Rande eines schmalen Weges lag. Es war vermutlich nur ein Ferienhaus, doch in meinen Augen groß genug, um auch dauerhaft dort wohnen zu können. Die Haustüre war eingeschlagen, also betrat ich es. Der Ort hatte etwas mystisches, aber vor allem hatte ich hier meine Ruhe. In den nächsten Tagen und Wochen ging ich immer wenn ich Zeit hatte zu diesem einen Haus im Wald und erkundete die Räume, in denen es fast immer etwas an altem Plunder zu entdecken gab. Nur auf den Dachboden oder in den Keller wagte ich mich nicht. Schließlich gab es dort nicht einmal Fenster, um das ganze etwas zu erhellen.

Eines Tages ging ich wieder zum Haus. Nachdem ich mich eine Weile lang einfach nur herumsaß bemerkte ich einen Zettel im Flur, den ich zuvor noch nicht gesehen hatte. Ich lief hin und hob ihn auf. Es war ein Blatt aus einem kleinen Notizblock, die Schrift war kindlich und eindeutig von einem Mädchen verfasst. Wer würde sonst mit Rosa schreiben?

„13. Juli: Heute habe ich einen Jungen beim Haus gesehen. Er sieht nicht böse aus, aber ich habe mich besser trotzdem versteckt. Nicht dass es schimpft wieso ich hier alleine bin. Vielleicht sehe ich ihn ja noch einmal und rede dann mit ihm. Möglicherweise habe ich hier einen Freund gefunden! :D“

Ich lächelte und legte den Zettel wieder an seinen Platz. Schließlich ging es mich ja nichts an. Eigentlich musste es mir klar gewesen sein, dass ich sicherlich nicht als einziger von diesem Haus hier wusste. Und es als Abenteurspielplatz nutzte. Dem Zettel zu urteilen war sie erst vor zwei Tagen hier. Ebenso wie ich. Ja, vielleicht würden wir uns wieder einmal begegnen. Und es würde mich sehr freuen. Ich sah aus dem Fenster im Esszimmer hinaus. Wolken zogen auf, es wurde langsam finsterer. So sehr ich dieses Haus auch mochte, so sehr hasste ich es bei Dunkelheit. Die Fantasie spielte viele Streiche, wenn man an so einem Ort war. Besonders bei Dunkelheit. In der Woche zuvor war ich mir sicher, Schritte im Garten des Hauses zu hören. Die Kinder im Ort erzählen sowieso immer von einer Geisterfrau im Wald, was das ganze nicht gerade besser für mich machte. Gerade als ich das Haus wieder verlassen wollte ließ mich ein lautes Kratzen aufschrecken. Es wollte einfach nicht aufhören, wurde in meinen Ohren sogar immer lauter. Ich zuckte zusammen. Was zur Hölle war das? Das Kratzen hallte durch das ganze Haus, so dass ich es nicht genau lokalisieren konnte. Ich wollte es auch nicht mehr. Ich wollte nur noch gehen. Panisch zog ich mir meine Jacke an und rannte nach Draußen.

Es dauerte ganze zwei Wochen, ehe ich mich wieder zu dem Haus traute. Ich ging bereits an Vormittag, damit ich genug Zeit zum erkunden hatte. Schließlich wollte ich ja auch auf das Mädchen warten. Im Haus angekommen hielt ich eine Weile inne. Kein Kratzen oder sonstige Geräusche. Aber auch kein Mädchen oder eine neue Notiz von ihm. Nur der alte Zettel lag noch immer im Flur. Scheinbar war sie also seitdem nicht mehr hier gewesen. Ich beschloß, mich auf den Podest vor die Haustüre zu setzen und zu warten. Nachn einer Weile wurde es mir jedoch zu langweilig. Vielleicht hatte sie die Lust an dem Haus hier verloren. Oder sie hatte einfach keine Zeit. Ich drehte mich um und wollte gerade aufstehen, als ich aus dem Augenwinkel etwas an der Decke über dem Hausflur sah. Ich sprang auf und ging wieder ins Haus hinein. Über dem Flur befand sich die Klappe zum Dachboden, die ich mich nie zu öffnen traute. Und eben zwischen diese Klappe schaute ein Stück Zettel hervor. Ich streckte mich nach oben, um ihn zur erreichen, doch er steckte fest. Ich zog mit Gewalt an den Griff der Klappe, als sie plötzlich nachgab und nach unten fiel. Eine Leiter kam mir entgegen. Zusammen mit mindestens zwanzig Notizzetteln. Und dem kleinen Block, auf dem „Lucy“ geschrieben war. Es war eindeutig ihre Schrift, wenn auch wesentlich unsauberer als zuvor.

„Ich werde heute auf den Dachboden klettern. Dort war ich bisher noch nie! Vielleicht finde ich ja was tolles!“. Ich legte die Notiz beiseite und griff nach dem nächsten Zettel. Ich zuckte zusammen. Die Schrift war kaum leserlich und aufgeregt.

„Ich bin auf dem Dachboden, die Klappe hat keinen Griff auf der Innenseite! Helft mir! Ich schiebe die Zettel zwischen den Spalt, damit sie jemand findet. Wenn du das liest, HILF MIR BITTE!“.

Ich grübelte noch eine Weile, ehe ich einen Schauer durch meinen ganzen Körper spürte. Dieses Kratzen...Nein, das konnte nicht sein! Ich hob die anderen Zettel auf, doch ich konnte nichts mehr davon lesen. Es war kaum mehr als hektisches Gekritzel. Ich zögerte, ehe ich laut ausatmete und die Leiter emporstieg. Es roch muffig, wie eben in einem alten Haus. Doch es war nicht der einzige Geruch. Ich zuckte abermals zusammen. Die Wandverkleidung und der Boden waren voller Kratzer, an einigen Stellen war angetrocknetes Blut. Direkt neben der Klappe lag ein abgebrochener Fingernagel. Zitternd griff ich nach meinem Handy, um in die hintere Ecke der kleinen Dachkammer zu leuchten. Der Dachkammer, deren Klappe man niemals hinter sich schließen sollte. Da sie tatsächlich keinen Griff auf der Innenseite hatte. Ich schaltete es ein und erblickte einen leblosen Körper, der in der Ecke kauernd auf Hilfe zu warten schien. Die Augen weit aufgerissen, die kleinen Hände geradezu geschunden und verstümmelt.

„Lucy“.

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