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Catboy-der Junge mit den roten HaarenBearbeiten

Das erste Mal sah ich ihn auf dem Weg zur Schule. Ich stand an der Bushaltestelle und wartete auf den Bus. Es war noch früh und ich war allein, doch die Schule war im Nachbardorf und ich brauchte schon mal eine halbe Stunde. Alles war wie jeden Tag, ich setzte mich in das kleine Häuschen und wartete im Halbschlaf, als etwas meine Aufmerksamkeit erregte. Ein Junge, vielleicht 15 oder 16, stand auf der anderen Straßenseite. Er trug ein kariertes Hemd in weiß-schwarz, schwarze Hosen, weiße Turnschuhe und einen schwarzen Hut. Er hatte strubbelige, rote Haare, doch sein Gesicht wurde von dem Schatten des Hutes verdeckt. Alles in allem ein ziemlich normaler Typ. Doch trotzdem war irgendwas an ihm seltsam, auch wenn ich nicht sagen konnte was. Ich wandte mich wieder den Mathehausaufgaben zu, die ich gerade bearbeitete. Als nach kurzer Zeit ein Schatten auf mein Heft fiel, sah ich auf. Der seltsame Junge stand plötzlich direkt vor mir, den Kopf gesenkt, reglos wie ein Stein. Ich sah ihn an und fragte etwas unbehaglich: „Gibt es...irgendwas?“ Der Arm des Jungen hob sich und er hielt mir eine wunderschöne goldene Kette hin. Sie war unglaublich fein gearbeitet, ein Anhänger in Form einer Katze hing daran. Ihre Augen waren kleine Rubine. Der Junge legte sie mir auf mein aufgeschlagenes Heft. Noch immer völlig aus dem Häuschen stammelte ich: „A-aber, d-das ist doch bestimmt wertvoll, i-ich-“. Ich sah mich verdutzt um. Der Junge war weg! Verwirrt schüttelte ich den Kopf.

Die Kette ließ ich den ganzen Tag in der Jackentasche. Vorerst sollte niemand von diesem Schmuckstück etwas wissen. Als ich zuhause war und an meinem Schreibtisch saß, nahm ich die Kette heraus. Wie schön sie im Licht funkelte. Ich kramte meinen Spiegel aus der Schublade und hängte mir die Kette um. Sie stand mir ganz gut. Gerade als ich lächelnd meinen Kopf drehte, fingen die Augen der Katze seltsam an zu schimmern. Es sah aus, als würde sie mich beobachten. Voller Bewunderung sah ich zu, wie der kleine Ring, der die Goldkatze an der Kette hielt, schmolz und das kleine Tier elegant auf meinen Schreibtisch sprang. Ich lachte leise: „Wie cool ist das denn!“. Die Katze sah mich an und ihr leuchtend roter Blick bohrte sich in meinen Kopf. Ich beobachtete, wie langsam ihre Gliedmaßen wuchsen. Doch jetzt wurde ich nervös. Das Goldkätzchen veränderte sich. Seine Goldfarbe blätterte ab, darunter kam schleimige schwarze Haut zum Vorschein. Seine Schnauze wurde breiter und die Zähne länger und spitzer. Bis ich realisiert hatte, was da eben passiert war, war aus dem kleinen, eleganten Goldkätzchen ein spinnenartiges Monster geworden.

Seine vier Beine waren spindeldürr und unnatürlich lang. Sie endeten in messerscharfen Klauen. Sein Körper war vergleichsweise klein, der Schwanz war stachelbesetzt. Anstatt schönes, seidiges Fell hatte das Katzenmonster schwarze, schleimige, tropfende Haut. Doch das Schlimmste waren die roten Augen, die einem alle Freude aus dem Leib brannten. Ich wollte schreien, doch kein Ton verließ meine Kehle. Ich wand und krümmte mich, als das Monster seine Klauen in mich bohrte. Das Monster, das fast mein ganzes Zimmer ausfüllte, sah mir direkt in die Augen.

In einer Sekunde war die Welt plötzlich komplett anders. Ich saß schweißgebadet im Bett, die Kette mit der Goldkatze lag auf dem Schreibtisch. Mit zitternden Beinen ging ich zum Schreibtisch, packte die Kette und warf sie aus dem Fenster in den Gartenteich.

Den ganzen Tag über musste ich an das Ungeheuer denken, das ich gesehen hatte. Es war so... real gewesen. Als ich am Abend in mein Zimmer ging, war ich doch ziemlich nervös. Ich legte mich ins Bett und schlief ein. Wieder der gleiche Traum. Doch diesmal lag, als ich aufwachte, die verhasste Kette auf meiner Bettdecke. Ich schrie auf und warf das Ding einfach aus dem Fenster, egal wohin. Keiner merkte mir den Tag über meine Nervosität an. Als ich am Abend am Schreibtisch saß, brach mir der Schweiß aus. Ich stand auf und legte mich ins Bett. Nicht lange nachdem ich die Augen geschlossen hatte, kam wieder dieser Traum. Das Monster durchbohrte mich mit seinen Krallen und biss mir in den Brustkorb. Der Schmerz war unerträglich, ich schrie mir die Seele aus dem Leib. Doch diesmal wachte ich nicht auf.

Kurz nachdem das Katzenmonster das Mädchen brutal ausgeweidet hatte, stand der Junge mit dem schwarzen Hut neben dem Haus des Mädchens. Das Monster war jetzt eine zierliche schwarze Katze mit rubinroten Augen. Sie lag in den Armen des Jungen, der nun langsam im Schleier der Nacht verschwand. Er drehte sich nochmal um und man sah seine eisblauen Augen, die die Straße absuchten.


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