FANDOM


Seufzend starrte ich auf die Uhr. 12:34 Uhr. In 6 Minuten begann meine nächste Sitzung. Normalerweise freute ich mich immer, wenn ich einen Patienten hatte, dem ich mit seinen psychischen Problemen helfen konnte, so gab es einen Menschen mehr, den ich vor dem Suizid bewahren konnte oder davor anderen Menschen etwas anzutun. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. Mit den Taten, die ich vollbrachte könnte man glatt meinen, ich sei eine Art Superheld, der die Menschen vor Gefahren oder Schlimmerem rettete. Und diese Erkenntnis erfreute mich auch, dennoch werte sie nicht für lange. Mit eigenen Augen sah ich, wie sie durch die Eingangstür schritt in Begleitung einer älteren Frau. Ein 16-jähriges Mädchen mit bleicher Haut und dem Gesichtsausdruck eines äußerst Euphorischen Menschen. Fast schon zu Euphorisch. Irgendetwas in meinem Inneren sagte mir, dass sich im Gesicht dieses Jugendlichen keines Falls die Vorfreude auf ihre erste Therapiesitzung widerspiegeln konnte...

Sofort schüttelte ich den Kopf und verwarf den Gedanken damit. Stattdessen versuchte ich mich damit abzufinden, dass sie womöglich nur Aufgeregt war.

„Dr. Colens würden Sie bitte herkommen?“, rief mich Brenda, meine Kollegin zu sich. Langsam hob ich mich vom Stuhl und ging zu ihr hin. Den Blick nun nicht mehr auf die Neue gerichtet, sondern auf meine Kollegin. „Ja, was ist denn?“, erkundigte ich mich beiläufig. Brenda starrte starr auf ihren Bildschirm des Computers, während sie mir erklärte, dass Mrs. Winters – meine Chefin – leider nicht mehr im Haus war und sie mich dann bat die neue Patientin aufzunehmen. Heimlich flüsterte sie mir noch zu: „In den Pausen höre ich die anderen immer über dich lästern. Sie scheinen neidisch auf deinen Erfolg zu sein, mein bester.“ Ich lachte leise. „Na, das ist doch nichts Neues mehr!“ meinte ich und wandte mich meiner neuen Patientin zu. „Hallo, mein Name ist Dr. Colens.“, begrüßte ich sie und reichte ihr freundlich die Hand. „Interessiert mich doch nicht, wer sie sind!“, entgegnete die 16-jährige barsch und würdigte mich hasserfüllten Blickes. „Entschuldigen Sie,“ entschuldigte sich ihre Mutter bei mir, als sie meinen verwirrten Blick bemerkt hatte. „Mandy ist in letzter Zeit einfach etwas... schüchtern.“ Nochmals lächelte ihre Mutter entschuldigend. „Das ist schon, ok.“ meinte ich und wies sie daraufhin im Wartezimmer Platz zu nehmen. In 15 Minuten würde die Therapie beendet sein.

„Also... Mandy,“ begann ich vorsichtig. Ich wusste, dass man gerade bei den neuen Patienten das Gespräch sorgfältig aufsuchen sollte, denn sonst würde man den Zustand direkt verschlechtern und je nach Krankheitsbild war die Reaktion auf den Gesprächsverlauf ziemlich unterschiedlich. Gerade bei Mandy musste ich sehr aufpassen, da ich ihr Krankheitsbild noch gar nicht kannte. „Dürfte ich fragen, was genau deine Beschwerden sind? Kannst du mir erzählen, was dich quält?“ Urplötzlich verschwand das Mädchen mit dem frechen Mundwerk und eine ängstliche, schüchterne Mandy trat hervor. „Ich kann sie hören.“ flüsterte sie mir leise zu, als wäre sie sich unsicher, ob sie sich mir wirklich anvertrauen konnte. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, versicherte ich ihr, dass sie mir alles erzählen konnte, was sie wollte. Als Psychologe stand man unter Schweigepflicht, sowie bei den meisten ärztlichen Berufen auch. „Außerdem ist das keine Pflicht, dass du mir Sachen erzählen musst, die dir unangenehm sind oder wo du das Gefühl hast, dass keiner – selbst ich – es nicht zu wissen braucht.“, fügte ich ernst hinzu. Eine ganze Weile sagten wir nichts mehr. Einzig und allein die Tickende Uhr war zu hören, dessen Zeiger immer wieder und wieder die Minuten zu verstreichen schien. Dann räusperte sie sich auf einmal: „Sie singen.“ Das war wieder das einzige, was sie herausbrachte ehe sie wieder ihren Mund verschlossen hatte. Schnell schrieb ich mir diesen Satz auf. Es war ein guter Hinweis auf ihr Krankheitsbild, denn allmählich konnte ich mir erschließen, was sie hatte. „Wer singt, Mandy?“ „Die Stimmen in meinem Kopf.“ antwortete sie schnell.

Auf einmal waren ihre eben smaragdgrünen Augen verblasst und sie konzentrierte ihren Blick starr auf meinen. Mit einer heiseren, kratzigen Stimme das mir einen Schauer über den Rücken laufen ließ, begann sie mit dem Gesang: „Es fließt so rot, es riecht nach Tod. Lass dir das süße Blut schmecken, es sollen alle qualvoll verrecken!“ Ich schüttelte den Kopf und erhaschte einen schnellen Blick zur Uhr. „Tja, unsere Sitzung ist jetzt um.“ beendete ich unser Gespräch und reichte ihr die Hand um mich zu verabschieden, doch Mandy starrte mich nur angsterfüllt an und flüsterte mir ins Ohr: „Was ist denn nur los mit mir Doktor?“ Ich schwieg. Bis eben hatte ich noch geglaubt sie würde an einer bestimmten Form von Schizophrenie leiden, jedoch wusste ich aus der Sicht der Patienten heraus, dass diese Stimmen jemanden etwas befahlen und nicht sangen. „Nun...“, brach ich das Schweigen. „Ich kann es dir erst sagen, wenn du dich mehr mir gegenüber öffnest, aber das lass uns lieber morgen besprechen.“ Jetzt stand Mandy auf und wandte sich zur Tür. Ein Schaudern lief mir erneut über den Rücken. Was war das denn eben? Es fühlte sich so seltsam als sie sang. Vielmehr so, als ob sie mich… versucht hatte zu kontrollieren.

Abends lag ich zusammen mit meiner Frau im Bett. Während sie – mit dem Rücken zu mir gedreht – schlief, war ich darauf konzentriert in meinen alten Büchern über die Psychologie nach einer Erklärung für Mandys Verhalten zu finden. Leider statt dort nichts Brauchbares drin, außer das, was ich ohnehin schon wusste. „Eric,“ brummte meine Frau verschlafen. „hör doch einfach mal auf in dem Buch zu lesen und leg dich bitte schlafen! Es ist schon spät!“ Erst wo sie es sagte, merkte ich wie meine Augenlider immer schwerer wurden und ich mich der Müdigkeit hingab. In der Nacht träumte ich wieder von Mandy und wie sie mit ihrem glasigen, durchdringenden Blick auf mich starrte und jede einzelne Strophe ihres im Kopf produzierten Liedes begann zu singen. Immer wieder und wieder sang sie ihr Lied von vorne und übte dabei auf mich ein seltsames Gefühl aus. Es fühlte sich so an, als wurde ich ihrem Text folgeleisten und als müsste ich jemanden töten! Es dauerte nicht lange und sie hatte mich vollkommen unter Kontrolle. Neben mir stand meine Frau. Ein psychopathisches Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus, während ich ein geschärftes Messer in die Höhe hielt. Caren, meine liebe Frau blickte mich voller Panik an. Doch ich ignorierte ihren Blick und fing an auf sie einzustechen. Je lauter ihr Schrei wurde und je stärker sie mich anflehte damit aufzuhören, desto lauter und lauter lachte ich. Es machte mir großen Spaß, ihr beim Leiden zu zu sehen! Und wie das warme, süße Blut an meiner Hand und an dem glitzernden Messer klebte. Jeder ihrer krampfhaften Schreie versetzten mich nahezu in Ektase... Gott! Ich liebte es! Aus lauter Gier und Lust heraus zog ich ihren Darm heraus und riss ihn in einzelne Stücke, mischte ihn dann zusammen mit ihrem Blut und steckte ihn mir genüsslich in den Mund.

Der Geschmack des Organs in Kombination mit dem salzigen und leicht süßlichen Blut ließ mich nur noch lauter schmatzen. Doch irgendwann endete auch dieser wunderschöne Traum...

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, streckte ich die Hand nach Caren aus. Ich spürte etwas Warmes, dickflüssiges auf meinen Händen. Als ich mich umdrehte, entfuhr ein schockierter Schrei meiner Kehle. Meine eigene Frau, die ich über alles liebte lag mit einem aufgeschlitzten Bauch auf dem Rücken und starrte mit toten, kalten Augen zur Decke. Ihre leichenblasse Haut gab einen eigenartigen Kontrast zu der purpur roten Farbe des Blutes. Mein Blick, der sich immer noch in der Schockstarre befand wanderte langsam von ihrem Gesicht zu ihrem Bauch herab. Angestrengt versuchte ich einen Brechreiz zu unterdrücken, während meine Augen sich nicht von dem grauenvollen Anblick lösen konnten: Ihre Bauchdecke war aufgeschnitten und bot einen Einblick in ihre bereits zerstochenen Organe. Doch ein Organ fehlte: Der Darm. Plötzlich meldete sich wieder der Brechreiz in meinem Körper, jedoch konnte ich ihn diesmal nicht unterdrücken…

Schnell beugte ich mich über die Bettkante und erbrach meinen Mageninhalt. Neben dem verdauten Essen von gestern nahm ich auch von etwas Anderes wahr. Ich beugte mich näher vor, während mir der beißende Geruch des erbrochenem in die Nase stieg. Vorsichtig stupste ich mit einem Finger, dieses weiße etwas an, was wie Röhren aussah. Es fühlte sich so glitschig an und so zäh... In meinem Mund schmeckte ich einen sauren leicht fleischigen Nachgeschmack. Als hätte ich rohes Fleisch gegessen... Dabei realisierte ich, dass es kein rohes Fleisch war, dass ich zu mir genommen hatte. Es war IHR Darm gewesen! Reflexartig beugte ich mich vor, um mich zum wiederholten Male zu übergeben. Nachdem ich mich von dem Gedanken das Organ von Caren gegessen zu haben, beruhigt hatte erblickte ich auf der Decke über ihr etwas mit Blut geschrieben...

„Es fließt so rot, es riecht nach Tod. Lass dir das süße Blut schmecken, es sollen alle qualvoll verrecken!“

 

Seit jeher sitze ich in einer psychiatrischen Anstalt. Sie verfolgt mich jede Nacht. Diese Stimme. Ihre Stimme. Leise fang ich an ihr schönes Lied zu singen, während ich in einer Zwangsjacke eingehüllt hin und her wippte und lachte…


Geschrieben von: BlackRose16 (Diskussion) 11:29, 5. Mai 2017 (UTC)

 

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki