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Er hat etwas Schlimmes getan. Etwas, was man nie wieder gutmachen kann. Er hat getötet - und wird bis zu seinem Lebensende dafür büßen!


Eine quietschende Bremse,ein dumpfer Knall, ein abruptes Stehen. Schweißgebadet umkrallten seine Finger das Lenkrad seines Autos, mit jeder Sekunde verstärkte sich sein Griff, bis seine Finger erblassten und die Knöchel unter der dünnen Haut zum Vorschein kamen. Er saß auf seinem Sitz, den Blick starr ausgerichtet auf die endlose, weite Straße, die nach gut 10 Metern vollständig im Meer der Dunkelheit endete. Alles war still im Wagen, bis auf das Radio, welches leise im Hintergrund spielte. Der Rest der Stille wurde durch sein schweres Atmen durchzogen. Nach gut 5 Minuten regte er sich das erste Mal wieder. Langsam fuhren seine Hände zum Gurt hinunter, lösten ihn. Er öffnete die Tür zu seiner Linken und stieg benommen aus dem Fahrzeug heraus. Die Nacht war frisch und kühl, ein klares Anzeichen auf den kommenden Herbst. Mit glühendem Kopf taumelte Richard Richtung Heck. Seine Schläfen pochten, beinahe lauter und schneller als sein Herz. Richard schloss seine müden, blutunterlaufenden Augen und fuhr mit seinen zitternden Händen über sein erblasstes Gesicht. Er betete. Das alles gut war. Dass das, was er vor gut 5 Minuten unter die Räder genommen hatte, nur ein Tier war. Er betete und hoffte, obwohl Richard es besser wusste. Als er am Heck ankam, kramte er seine Taschenlampe mit bleichen Händen aus der Jackentasche, sein Keuchen durchstieß als kleiner, blasser Hauch die Oktobernacht. Der Kegel seiner Taschenlampe tanzte über den kargen Asphalt - dann sah er ihn.

Ein kleiner, schmächtiger Körper, gerade mal 1,65 groß, schätze ihn Richard. Er lag reglos auf der Straße, trotz fahlen Lichtes erkannte Richard die Lache aus Blut, die sich um ihn gebildet hatte. Richard stieß einen kurzen, spitzen Lufthauch aus, danach verstummte er. Er musste die Leiche beseitigen! Er durft nicht zulassen, dass man ihn festnehmen würde. Gerade, wo er es so schön hatte. Ein neuer Job, neue Frau - alles war gefährdet! Mit seiner rechten Hand tastete er langsam seine rechte Jacktentasche ab. Er spürte die Vodka-Flasche.

"45-jähriger alkoholisierter Mann fährt Mann zu Tode!" Richard sah die Schlagzeilen schon vor sich. Es würde das Ende seines Lebens bedeuten. Das durfte nicht passieren! Es durfte einfach nicht! Entschieden drehte sich Richard in alle Richtungen um, dann grub er mit angewiderten Bewegungen seine Hände unter die Achseln des Leichnams und zog ihn in den Waldabschnitt neben der Fahrbahn. Er kannte den Wald. Er wusste nicht woher, aber der Abschnitt kam ihn sehr vertraut vor. Er war hier schon einmal gewesen, da ist Richard sich sicher. Außerdem sah ihm die Leiche ebenfalls vertraut an. Er wusste nicht wie, eigentlich ging es nicht. Doch irgendetwas sagte ihm, dass er den Mann in seinen Händen kannte. Oder? Hatten sie sich durch Zufall einmal begegnet? Richard hatte keine Antwort auf seine Frage. - Beunruhigend genug!

Und was, wenn man das Schwein suchte? Was machte er dann? Man wird die Leiche finden, man wird sie kontrollieren und seine DNA auf ihm finden! Nein, soweit durfte es nicht kommen! Oh Gott, bitte nicht!, keuchte Richard erschöpft und niedergeschlagen. Das Gefängnis ist das Letze, was ihm wiederfahren durfte. Selbst den Tod würde Richard bevorzugen, als der trauernden Witwe ins Gesicht sagen zu müssen, dass er ihren Mann getötet und dann auch noch verscharrt hatte.

Ein Schaufelhieb, der Nächste. Die Schaufel flog hoch, wieder runter. Mit jedem Hieb neue, frische Erde. Bereits seit 2 Stunden buddelte Richard an dem Loch, es war 4 Uhr morgens. Viel Glück, das Lisa beizubringen, murmelte er kühn. Doch er hatte Glück gehabt. Als er den Wald betrat, fand er hier an Ort und Stelle bereits ein Loch vor, welhalb auch immer. Hatte man hier nach etwas gegraben? Nach Wurzeln oder brauchte jemand nur Erde?...oder hatte jemand das selbe Schicksal wie er geteilt? Richard mochte nicht im Inferntesten darüber Gedanken vergeuden, er brauchte einen klaren Kopf. Er nutzte die Gelegenheit, im Loch sein Fehler zu verstecken. Bereits 2 Meter tief, so musste das sein! Doch auf einmal durchzog ihn beim Schaufeln ein eigenartiges Gefühl. Ihm wurde schlecht. Taumelnd ließ sich Richard auf dem Boden plumsen, ein stechendes Gefühl breitete sich in seinem Kopf aus.

Er kannte diesen Ort. Er musste ihn kennen. Es war wie ein Déjà-Vu, dieser Ort sagte in ihm viel aus. Woher kannte er ihn? War er hier als Kind gewesen? Hatte er hier ein Picknick gemacht? Ganz egal!, dachte Richard kalt. Er musste den Mann vergraben und schnell die Biege machen, bevor ihm einer auf die Schliche kam. Er nahm den Spaten und stieß erneut ins Loch, er handelte wie aus Prinzip, handelte durch einen Schleier der Gleichgültigkeit. Wie im Rausch buddelte er weiter, ignorierte seine starken Kopfschmerzen.

Gegen 5:15 Uhr hatte Richard sein Werk volltan. Er schätzte das Loch auf 5 Meter in der Tiefe. Er kletterte aus dem Loch hervor und betrachtete stolz seine Mühe,wollte den Leichnam nun ins Loch legen - doch die Leiche war weg.

Mit pochenden Adern stand Richard nun da, starrte den leeren Busch an, wo er die Leiche drin versteckt hatte. Ein Gefühl der Panik breitete sich in ihm aus. Wo war er? Hatte ihn jemanden gefunden? Wenn ja, dann war er ausgeliefert. Wie vom Blitz getroffen jagte Richard über das Gelände, irgendwo musste er ja liegen. Hatte er sich im Busch geirrt? Hatte ein Wildtier ihn gefunden? Und während er suchte, hörte Richard plötzlich Äste hinter sich knacken, Schritte durch das frische Herbstlaub. Richard wirbelte herum. Polizei? Tier? Passant? Nein, es war wer anderes. Und wer es war, dass konnte Richard nicht fassen.

Der Mann, der eigentlich tot sein sollte, stand wie ein Fels vor ihm, starrte ihn mit leeren Augen an. ...Das kann nicht sein, schoss es Richard durch den Kopf. Unmöglich! Leichen können sich nicht bewegen, geschweige denn gehen! Doch diese konnte es anscheinend, denn mit schnellen Bewegungen sprang sie Richard an, wie ein Leopard die Antilope. Richard stürzte benommen zu Boden, das blasse Gesicht des Mannes hing vor seinem Gesicht, das Gestrüpp auf Ästen und Zweigen kitzelten seine Nase. Richard dachte, er würde an dem Gestank von modriger Erde und Kot, die der Mann ausstieß, zu Grunde gehen. Auf einmal stieß der Leichnam den Mund auf und flüsterte:

"Nochmal wirst du mich nicht töten!"

Richard verstand nicht. Genauso wenig war ihm bewusst, weshalb die Leiche genug Kraft hatte, ihn in das frisch ausgehobene Loch zu werfen. Richard hustete, als ihm Erde in den Mund flog. Auf einmal kamen die verstoßenden Erinnerungen zurück, Richard wurde alles klar vor Augen. Er wusste woher er den Mann kannte, wie eine Diashow schossen die Bilder an seinen Augen vorbei:  

Endless-road11

Vor 3 Jahren war Richard bereits schon einmal die selbe Strecke gefahren, hatte den selben Mann totgefahren, ihn genau hier vergraben. Daher kannte er diesen Ort, den Mann und deshalb war hier bereits ein Loch gewesen. Wie der Mann noch lebte, sich aus dem Loch befreien konnte und ihn durch Zufall auf der selben Straße aufs Neue traf, jenes konnte er nicht begreifen. Er war sich damals sicher gewesen, dass der Mann tot war. Oder war er tot? War er nur auferstanden von den Toten, wie Jesus? So wenig Ahnung Richard auch hatte, eins schimmerte ihm ein: Er hatte einen schweren Fehler begangen, jetzt würde er sterben! Mit letzter Kraft versuchte er sich aufzurichten, aber die Erdmassen umschlangen seinen Körper, drückten ihn zu Boden.

Der Sauerstoff wich, Richards Brustkorb begann zu beben. Ihm wurde schwarz vor Augen und er setze zum letzten Atemzug an...

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