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Noch befand John sich an jenem Ort, von dessen Sicherheit er sich bewusst war. Doch konnte auch dieser nicht das Gefühl verdrängen, welches ihm den ganzen Tag schon belastet. Es schien so, als würde etwas nicht stimmen. Etwas war falsch. Nicht richtig. Vertauscht.

Sein Chef riss ihn aus seinen Gedanken. "Was soll die Scheiße?", schrie er ihn an. Es dauerte einen Moment bis er sich gefangen hatte. "Tut mir Leid, ich war grade etwas abwesend." "Ja ja. Anscheinend bist du den ganzen Tag abwesend. Wo sind die verdammten Berichte zu Projekt Alpha?", schnauzte sein Chef ihn an, mit leicht abreagierender Stimme.

Projekt Alpha. Die Wissenschaftler hatten in der nahelegenden Stadt ein Projekt mit den Namen Alpha begonnen. Laut seinen Informanten handelte es sich dabei um den Versuch Menschen zu klonen, auch wenn die Regierung dies abstritt.

Nachdem er auf das Gedränge seines Chefs einen ausführlichen Bericht über das Projekt Alpha mithilfe seiner Notizen und Recherchen geschrieben hatte, wirkte dieser erfreut. "Fantastisch. Ausgezeichnete Arbeit. Sie sind ein grandioser Journalist."

Obwohl er sich immer dieses Lob von seinem sonst so strengen Chef ersehnt hatte, wirkte der Klang dennoch beunruhigend. Es schien sein Chef wäre ein anderer. Er verhielt sich auch ganz anders als noch vor einer Stunde. Der sonst so zornige alte Mann wirkte jetzt plötzlich fröhlich und ausgeglichen. Aus seiner Erfahrung raus konnte dies nicht durch die Abgabe seines Berichtes erfolgt sein. Auch wenn er seine Arbeit stets tat und auch die Abgabetermine stets berücksichtigte, was er bis auf heute immer tat, linderte dies nicht die unfreundliche Art seines Chefs.

Es wirkte so, als wäre er wie ausgetauscht. So als hätte jemand ihn durch ein exaktes Nachbild ersetzte. Eine... Art Klon. Das Alpha Projekt.

Nervös verließ er das Büro und machte sich auf den Weg nach Hause. Alles schien normal zu sein. Die Bewohner aus seiner Nachbarschaft ging ihrer alltäglichen Arbeit nach. Auch sonst wirkte nichts verändert. Letztlich schloss er den Gedanken, sein Boss wäre durch einen Klon vertauscht worden, mit der Vermutung ab, sein Boss hätte sich lediglich ein paar "Happy-Pillen" aus seinem Medikamentenschrank eingeworfen.

Beruhigt fuhr er in die Einfahrt seines Hauses ein. Er hatte es vor genau drei Jahren gekauft, zusammen mit Jessica, seine Frau. Ein äußerst aromatischer Geruch stieg ihm entgegen, als er die Wohnungstür öffnete. Mit einem lauten "Bin wieder Zuhause." machte er seine Frau über seine Anwesenheit aufmerksam.

Sie antwortete etwas, doch es war zu leise um es deutlich zu verstehen. Jessica befand sich in der Küche und richtete das Mittagessen an. "Da bist du ja endlich", sprach sie zu ihm, bevor sie in seine Arme fiel. Hatte sie den Streit schon wieder vergessen? Normalerweise war sie bei selbst der kleinsten Streiterei Tage, teilweise auch Wochen nachtragend. Sie so glücklich zu sehen löste erneut dieses seltsame Gefühl aus.

Doch erwähnte er den vergangenen Streit nicht, auf Hoffnung ihre gute Laune würde den Rest des Tages andauern. Nachdem er sich setzte legte sie seinen Essteller vor ihm hin. "Guten Appetit, Schatz", flüsterte sie ihm ins Ohr. Es gab Rindersteak mit Kartoffeln.

Was ihm an der ganzen Sachen merkwürdig vorkam, war die Tatsache das seine Frau Vegetariern war und daher nie für ihn Fleisch kochte. Sie hasste allein schon den Gedanken die toten Reste eines ermordeten Tieres zu essen. Mehrfach hatte sie ihn schon gefragt, wie er diesen Mist essen könne und ob er nicht auch Vegetarier werden möchte. Daraufhin hatte er den lächerlichen Versuch seiner Frau meist mit den Worten "Ich bin Secondhand Vegetarier. Kuh ist Gras und ich esse Kuh", geantwortet. Diesen Spruch hatte er mal im Internet gelesen und fand den äußerst passend.

Warum in Gottes Namen würde sein Frau plötzlich anfangen Fleisch zu braten? Es fiel ihm nur eine Möglichkeit ein, die für ihn plausibel klang. Seines Frau hatte ihm nichts zu essen gemacht, sondern etwas das in ihrer Haut steckte oder zumindest genauso aussah wie sie.

"Wer bist du?", fragte er sie. Darauf hin blickte Jessica ihn merkwürdig an. Ihre Stimme klang plötzlich anders, so als würde der Stimmenverzerrer, der ihre Stimme wie die seiner Frau klingen lassen würde, allmählich zu neige gehen. "Wie meinst du das? Ich bin Jessica deine Frau. Wir sind jetzt seit fast drei Jahren ver..." noch bevor sie die Worte zu ende sprechen konnte, hatte er sie bereits niedergeschlagen.

Was war in ihn gefahren?, schoss ihm durch den Kopf als er seine bewusstlose Frau, oder zumindest das was seine Frau sein sollte, betrachtete. Als er ihren Körper absuchte, bemerkte er eine kleine Veränderung. In ihrem Nacken war ein schwarzer Strichcode eintätowiert worden. Er wusste nichts von diesem Tattoo. Weder hatte er es zuvor einmal gesehen, noch hatte seine Frau ihm davon in letzter Zeit berichtet.

Er starte in ihre blauen Augen. Sie wirkten nicht wie die seiner Frau, was auch daran liegen könnte das sie nicht besonders lebendig aussahen, sondern eher wie die einer vor kurzem erschlagenen Person. Mit den Griff an ihren Hals bestätigte sich seine Befürchtung. Jessica war tot. Er hatte sie viel zu fest geschlagen, doch wollte er sie niemals töten.

Nervös blickte er in sämtliche Richtungen. Er brauchte einen sicheren Ort. Dort wo niemand seine Frau je finden würde. Schließlich versteckte er die Leichte vorzeitig in der Gefriertruhe. Grade als er die Luke wieder schloss, klingelte die Haustür.

Wer konnte das nur sein? Erwartete seine Frau Besuch? Langsam ging er zum Wohnzimmerfenster um nach draußen zu schauen. Vor der Tür sah er einen dunkel gekleideten Mann. Den Umrissen nach zur vermuten, handelte es sich bei der Person um Matt, seinen Bruder.

Nach Vergewisserung niemand könnte zufällig auf die Leichte stoßen, öffnete er die Tür. "Hey John, alles fit bei dir?", begrüßte Matt ihn von der anderen Seite. Nachdem er ihn hineingelassen hatte, setzte sein Bruder sich auf das Wohnzimmersofa.

"Lang nichts mehr von die gehört. Wie geht es deiner Frau?", sprach dieser zu ihm. "Alles gut. Sie ist grade nur nicht Anwesend. Hat eine Verabredung mit ihren Eltern", versuchte er die Situation unschuldig wirken zu lassen. "Wirklich? Nur hat sie mir geschrieben das sie mich heute erwarten würde."

Erwarten? Jessica hatte sich mit Matt verabredet? Unmöglich. Die Beiden hassten sich seit dem Tag an dem er sie beieinander vorgestellt hatte. "Vielleicht hat sie sich mit dem Datum vertan? Kann ja mal passieren." Sein Bruder warf ihm einen misstrauischen Blick zu. "Wirklich? Kann ich mir nicht vorstellen. Jessica passiert sowas meistens nie. Schließlich führt sie seit Jahren ihren Terminkalender. Aber na schön, kann ja mal vorkommen."

"Woher weißt du von ihrem Terminkalender? Schließlich bist du heute zum ersten Mal hier. Ich habe dich zwar schon mehrfach eingeladen, doch bis jetzt warst du immer zu beschäftigt." Das Misstrauen in Matts Blick wurde durch einen anderen, gleichermaßen verstörendes Gesicht ausgetauscht. Es wirkte beinahe schuldbewusst, dennoch mehr als seltsam.

"Tut mir Leid. Ich war in der Vergangenheit ein Arschloch, doch habe ich mich geändert. Seitdem ich zu diesem neuen Psychiater gehe bin ich wie ein neuer Mensch. Er heißt Dr. Oldfield, wenn du willst kann ich dir seine Karte geben." Er reichte ihm die Visitenkarte des Psychiaters.

"Dr. Oldfield, Psychiater für psychische Probleme aller Art. Gesprächszeiten von Montags bis Freitags je von acht bis elf Uhr morgens", stand in Großbuchstaben auf der Visitenkarte. Hatte er nicht schon einmal eine solche Karte gesehen? Und zwar bei seiner Frau? Sie hatte ihm schon einige Male von ihrem Psychiater erzählt, doch immer Abends im Bett als er in den Büchern von Sebastian Fitzek vertieft war. Daher hatte er sich den Namen ihres Psychiaters nicht merken können.

"Wenn du willst kann ich dir auch seine Private Nummer geben. Da kannst du zu jeder gesitteten Zeit anrufen und er wird dir dankend helfen. Ich bräuchte nur einen Stift und einen Zettel." Verwirrt Blickte er Matt an. "Schau mal hinter dir auf dem Schrank, da müssten ein paar Schreibutensilien liegen.

Matt drehte sich um. Nachdem er den Schrank sah, den sein Bruder meinte, stand er auf und begab sich zu ihm. Als Matt sich nun mit dem Rücken zu ihm drehte, bemerkte er das seltsame Tattoo in seinem Nacken. Die Gleiche, die auch die Leiche seiner angeblichen Frau hatte.

Jetzt war er sich sicher. Matt war nicht mehr er selbst. Er wurde ausgetauscht. Noch bevor Matt den Schrank erreichte sprang sein Bruder ihn von hinten an und drückte ihn gegen die Wand. "Wer bist du? Und wo ist mein Bruder?", schnaubte er ihm zornig entgegen. "Was meinst du? Ich bin Matt", versuchte sich die Person, die genauso aussah wie sein Bruder rauszureden. "Nein bist du nicht! Du hast die gleiche Tätowierung wie die von Jess. Der ausgetauschten Jessica, die ich niedergeschlagen habe."

Matt schien offensichtlich schockiert. "Du hast Jessica niedergeschlagen?" Er schaffte es sich aus dem Griff seines Bruders zu befreien. "Warum hast du das getan?" "Weil sie nicht die echte Jess war. Sie wurde vertauscht genau wie du." "Heißt das, du willst mich jetzt auch töten? Deinen eigenen Bruder?," fragte Matt zögerlich aber dennoch ernst.

"Ja, du bist nicht echt. Genauso wenig wie Jess es war", sprach er. "Du bist verrückt. Einfach nur gestört", schrie Matt ihn an. "Ich bin nicht gestört, ihr seit einfach nur nicht echt", brüllte er bevor er auf Matt zustürmte. Dieser jedoch schlug ihn mit einem Schlag zu Boden. Von dem Boden aus sah er seinen Bruder über sich kauern und etwas zu ihm sagen. Doch er konnte kein Wort verstehen, die Dunkelheit wiegte ihn bereits in der Finsternis.

Schreiend kam er wieder zu sich. Er saß auf einem weißen Bett in einem kleinen leeren Raum. Es war eine Zelle. Neben seinem Bett saß ein fein angezogener Mann. Auf dem Namensschild konnte er einen Namen lesen:

"Dr. Mark Oldfield"

Die Angst umschlich ihn. "Wo bin ich hier?", fragte er den Psychiater. Dieser hielt einen Moment inne und begutachtete den am Bett gefesselten Mann. "Mein Name ist Mark Oldfield und ich bin dein behandelnder Psychiater."

Verstörte starrte er den Mann neben ihn an. "Das kann nicht sein." "Ich fürchte da muss ich Sie enttäuschen, es ist in der Tat so wie Sie befürchten." "Wie lange bin ich schon hier?"

Dr. Oldfield blickte den Mann an und antwortete "Seit grade mal sieben Stunden." "Sieben Stunden?", fragte er den Psychiater. "Ganz genau. Ihr Bruder hat Sie hierher eingewiesen. Er behauptet Sie haben ihre Frau ermordet und hätten auch einen Mord an ihm ausüben wollen. Stimmt das?"

Schuldlos starte er ihn an. "Das habe ich, aber es war nicht meine Frau. Genauso wenig wie der Typ der mich eingeliefert hat mein Bruder ist. Sie wurden vertauscht. Ich weiß nicht wie oder warum, aber sie verhalten sich mehr als merkwürdig und außerdem haben sie da noch diesen Tattoo."

"Capgras", unterbrach ihn der Psychiater. "Wie bitte?", fragte er nach. "Die Störung die Sie haben wird in medizinischen Kreisen das Capgras-Syndrom genannt. Ein sehr seltenes Syndrom, erstmals erforscht im Jahre 1923 durch Joseph Capgras. Bei dieser Erkrankung glauben die Betroffenen, Personen aus ihrem Bekanntenkreis seien durch exakt gleich aussehende Doppelgänger ausgetauscht worden."

Er starte den Psychiater nun immer verstörter an. "Das kann nicht sein", brüllte er. Der Psychiater fuhr mit seiner sanften Stimme fort. "Ich befürchte doch. Sie haben Ihre Frau ermordet, verleitet durch ihre psychische Störung." "Nein, das habe ich nicht! Sie ist verdammt nochmal vertauscht worden!"

Der Psychiater warf einen Blick auf seine Uhr. "Ich befürchte da irren Sie sich. Wenn wir mal ehrlich sind, dann sind Sie nichts weiter als ein psychisch kranker Mörder." Die Hoffnung in seinen Augen zerbrach, als Dr. Oldfield die folgenden Worte aussprach: "Zwar können wir Ihre Krankheit heilen, doch wird dies nichts an der Tatsache ändern, das Sie ein abscheuliches Monster sind. Trotz der Krankheit bestand keinerlei Anlass Ihre Frau zu ermorden. Auf diesen Tatsachen beruhend wird das Gericht ein schnelles Urteil fällen und Sie zum Tode verurteilen."

"NEIN! Verdammte Scheiße, lassen Sie mich hier raus!"

Der Psychiater warf ihm einen verachtungsvollen Blick zu, dann stand er auf und ging zur Tür. Kurz bevor er den Raum verließ, konnte John einen Blick auf das erhaschen, was seine schlimmsten Befürchtungen bestätigten sollte. Am Nacken des Psychiaters befand sich ein schwarzes Tattoo das einen Strichcode bildete. Es war das gleiche Symbol wie bei Matt und Jessica.

Projekt Alpha hatte begonnen.

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