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Seltsam ist ein Begriff, welchen man sehr weit auslegen kann. Für die Mehrheit ist wohl seltsam, was sie nicht versteht. Zuweilen verteufelt man das Seltsame. Seltsames kann Ängste hervorrufen. Andererseits umgibt das Seltsame eine Faszination von bedeutsamer Größe. Ist es gefährlich, oder versteht man des Öfteren einfach nicht den tieferen Sinn...?!

Sie ist ein seltsames Wesen. Eine Frau, deren Schönheit die Sicht der Augen auf sich zieht. Ob Mann oder Frau, ihr Anblick ist reizvoll, regt an und kann den Moment verschönern. Sie versteht es auch, sich gebildet auszudrücken. Ihre Eloquenz ist beeindruckend. Es kam selten vor, dass jemand mit ihr sprach. Sollte es dennoch dazu gekommen sein, dass eine Konversation mit einem anderen Menschen erfolgte, schien ihr Gesprächspartner stets verwundert zu sein, in manchen Fällen sogar äußerst fasziniert. Es war fast so, als würde sie sofort die Lage ihres Gesprächspartners erkennen, als wüsste sie, was in dem Kopf und Leben des anderen vorgeht. Sie wählte die richtigen Worte und konnte mit sämtlichen Themen, welche in Gesprächen gefallen sind, sofort Anknüpfungspunkte finden um nahezu analytisch ihr Gegenüber zu verstehen und auf ihn einzugehen. Dennoch sprach sie sehr distanziert und förmlich, nahezu ohne emotionale Regung.

Er sah sie im Hörsaal sitzen. Er studierte ebenfalls Philosophie, beteiligte sich an Diskussionen während der Vorlesung, wohingegen sie stets ruhig war und regungslos da saß. "Sie ist so schön, ich würde sie gerne kennenlernen. Vielleicht ist ja sehr arrogant, oder aber sie ist eine traurige Seele und sehr einsam", dachte er sich.

Nach der Vorlesung beobachtete er sie. Sie saß auf einer Bank an einem großen Baum und rauchte eine Zigarette, scheinbar Menthol. Er liebte Menthol-Zigaretten, konnte sich aber aufgrund seines geringen Budgets nur billigen Tabak leisten.

"Sorry, darf ich mir bei dir vielleicht gegen 30 Cent eine Zigarette schnorren", fragte er sie.

"Deine 30 Cent kannst du behalten; wenn du schon schnorrst, dann richtig", sprach sie in monotoner Stimme und hielt ihm die Zigarettenschachtel entgegen.

"Vielen Dank......Menthol-Zigaretten, wie? Du hast einen guten Geschmack. Dazu noch von meiner Lieblingsmarke", sagte er mit einem leichten Lächeln.

Sie erwiderte nichts und schaute weg. Scheinbar war ein Blatt, welches durch den Wind wehte, wesentlich interessanter, als ein Gespräch mit ihm.

"Wie fandest du die Vorlesung?", erkundigte er sich.

"Nietzsche war ein intelligenter Mensch, jedoch glaube ich, dass der Professor nicht genau beurteilen kann, was seine Werke ausdrücken sollen. Heutzutage ist es scheinbar für Jedermann bestimmt, große Denker erklären zu können, ganz gleich wie sie damit wahre Bedeutung ihrer Worte verzerren", antwortete sie in einem Ton, der so herabsetzend war, als ob sie einzig und allein wüsste, wie man sich mit hohen Themen befasst.

"Kann man so sagen", sprach er und wusste nicht, was er sonst hätte sagen sollen.

"Verstehe, du suchst das Gespräch mit mir. Du bist wohl irgendwie an irgendwas von mir interessiert, oder gehe ich da fehl? Triff mich heute Abend in dem Café an der ersten Abzweigung der Hauptstraße, mit den widerlich gelben Stühlen. 20 Uhr, nicht früher, nicht später", sagte sie mit einem nicht zu erklärendem Unterton in der Stimme.

Er war völlig verwirrt, als sie von der Bank aufstand und in Richtung Bibliothek ging. Wie konnte es sein, dass sie ein Treffen mit ihm wollte? Hat er einen guten Eindruck auf sie hinterlassen? Sah er gut aus? Nichts konnte seine Fragen beantworten. Sein sonst so analytisch-orientiertes Denken setze aus.

Nun war es soweit, sie saßen im Café. Ihre Gesprächsthemen waren relativ simpel zu Anfang. Nach ein zwei Bier und einem Cocktail änderte sich das. Die Themen wurden intensiv, beinahe emotional. Hauptsächlich ging es um die Auslegung von Werken großer Philosophen.

Dann kam das Unerwartete: Sie fragte ihn, ob er mit in ihr Apartment möchte. Er überlegte nur kurz und gab mit lässigen Worten bekannt, dass er das sehr gerne tun würde. Sie nahmen einen Linien-Bus der Stadt und fuhren in einen kleinen Vorort. Er war es nicht gewohnt ausserhalb der Stadt zu sein, da er doch nahezu 100% seiner Zeit in der Stadt verbrachte. Dort wurde er geboren und hatte viel Schönes erlebt.

Sie schloss die Tür zu ihrem Apartment auf. Es war innerhalb eines Mehrfamilienhaus. Ihr Apartment war sehr karg eingerichtet. Überall Bücher und ein paar Flaschen Wein. Dann erstarrte er. Auf dem Küchentisch lagen die Werkzeuge und Instrumente eines Zahnarztes.

"Ach, habe ich ja fast vergessen, du hast ja eine Odontophobie; die Angst vor Zahnarztbehandlungen", sagte sie und fing laut an zu lachen.

"Woher weißt du davon", sprach er erschrocken. Sein Gesicht war bleich geworden und er fing an zu zittern.

"Ist das wichtig? Komm lass uns Zahnarzt spielen", entgegnete sie ihm mit einem gefährlich lächelnden Gesichtsausdruck.

Er rannte furchtdurchdrungen aus dem Apartment. Er rannte bis er nicht mehr konnte. Er war auf halbem Weg zwischen dem Vorort und der Stadt. Er stand nun im Dunkeln, keine Straßenlaternen oder ähnliches. Da klingelte sein Smartphone. Er schaute auf das Display. Eine unterdrückte Nummer rief ihn an. Als Kontaktbild wurde ein Zahnarztstuhl gezeigt.

Er schrie und fing wieder an zu rennen. Nach kurzer Zeit konnte er jedoch nicht Er war völlig außer Atem. Ihm wurde schlecht und er musste sich übergeben. Danach wurde ihm schwummrig vor Augen und er setze sich auf den Boden und fing an zu weinen.

"Was geht hier vor?", flüsterte er vor sich hin.

Plötzlich fühlte er etwas kaltes an seinem Hals. Es schnürte ihm die Luft ab. Er wurde ohnmächtig.

Er wachte auf. Er war offensichtlich in einer Zahnarztpraxis. Er saß auf dem Stuhl und konnte sich nicht bewegen. Lederbänder hatte er um Arme, Beine und den Hals.

Ein Mann kam rein. Er lächelte ihn an und öffnete ihm den Mund und brachte eine Apparatur an, welche dafür sorgte, dass der Kiefer auseinander gespreizt wurde und er den Mund nicht schließen konnte. Er fing an zu schwitzen und schrie. Er hatte dieses Level an Angst noch nie erlebt. Der Mann nahm eine Zange und zog ihm mehrere Zähne aus mit brachialer Gewalt. Er spürte wie sein Blut sich in seiner Mundhöhle sammelte und seine Haut wärmte, als es aus dem Mund hinauslief. Dann kam sie herein in das Zimmer. Sie beugte sich über ihn.

"Ich bin das Innere. Ich kenne eure Ängste. Ich weiß, wie man euch fertig macht. Alle von euch sind dem Wahnsinn geweiht.", sprach sie mit einer kalten, aber belustigten Stimme.

Er wurde nochmals ohnmächtig. Als er zu sich kam, lag er in einem Bett. Es war dunkel. Er erkannte eine Tür am Südende des Raums mit einem kleinen Fenster aus dem Licht heraus strahlte. Er spürte starke Schmerzen in seinem Mund und den Geschmack von Salbe. Er ging zu Tür und versuchte sie zu öffnen. er konnte es aber nicht und schlug gegen die Tür. Nach einer Weile erschien eine Frau im weißen Mantel.

"Was ist denn los, mein Herr?", fragte sie mit einer beruhigenden Stimme.

"Wo bin ich?", stieß er in lautem Ton aus, aber unklar durch den Mangel mehrerer Zähne.

"Ich war mir sicher, Sie würden das irgendwann fragen. Sie sind hier in einer psychiatrischen Heilanstalt. Man hat Sie auf einer Landstraße liegend gefunden. Anscheinend hatten Sie mehrere Ihrer Zähne entfernt. Wie Sie das angestellt haben, wollten Sie uns bisher nicht sagen. Alle Versuche Sie anzusprechen, endeten darin, dass Sie aggressiv wurden und auf andere eingeschlagen haben. Das ging auch noch drei Tage so weiter, als Sie schon hier waren. Wir haben Ihnen ein Medikament verabreicht, welches noch in der Testphase ist. Anscheinend hat es gewirkt.", erklärte sie ihm.

Ihm wurde wieder schwummrig und er konnte es gerade noch zum Bett schaffen, bevor er nicht mehr bei Bewusstsein war.

Dann kam der Morgen. Er wurde von zwei Pflegern und einer Krankenschwester aus dem Zimmer geführt in den Speisesaal. Er wurde auf einen Stuhl gesetzt und ihm wurde Suppe vorgesetzt, scheinbar Tomatensuppe. Doch da schwamm doch etwas darin. Er nahm das Besteck und rührte durch die Suppe. Es waren Zähne darin. Jetzt erst bemerkte er, dass sein Besteck aus Zahnarzt-Utensilien bestand. Alle am Tisch hatten diese als Besteck.

Er rannte wie vom Blitz getroffen aus dem Speisesaal wurde aber an der Pforte zu seiner Station aufgehalten.

"Warten Sie, mein Herr. Sie müssen doch zu Ihrer Behandlung", sagte sie und hielt einen Zahnbohrer in der Hand.

Er war von Angst erfüllt und die Panik erreichte ein kritisches Niveau. Er sah ein offenes Fenster und sprang ohne zögern heraus.

Er starb an einem Schädelbruch.

Kurze Zeit später kam sie mit Pralinen in die Klinik. Sie schien überrascht von seinem Tod und bat, die Pralinen seinen Verwandten zu überreichen.

-Kirwo-

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