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Vor meinen Augen erstreckte sich ein dunkler Flur. Diese Dunkelheit. Sie war so erdrückend. Und doch gab es etwas, was mein Innerstes dazu bewegte bis zum Ende hinzulaufen. Ich spürte eine unangenehme, fast schon zerrende Spannung in meinen Muskeln. Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Für keinen Preis der Welt, wollte ich dort entlang gehen… Verzweifelt versuchte ich gegen dieses Treiben anzukämpfen, doch gerade als ich der Ansicht war meinen Körper wieder vollkommen unter Kontrolle zu haben, verspürte ich etwas sanftes auf meiner Nase. Es kitzelte mich leicht, sodass ich gezwungen war zu kichern. Augenblicklich entspannten sich meine Muskeln. Bei genauerer Betrachtung besah ich mich einem Schmetterling. Seine Flügel schimmerten dunkelblau und waren das einzige, was diese grausame und unheilvolle Schwärze zu durchbrechen schien. „Na wo kommst du denn her, mein kleiner?“, fragte ich meinen Begleiter und hielt meinen Finger in der Nähe hin, sodass er darauf übergehen konnte.


Ein leichtes Lächeln zeichnete sich auf meinen Lippen ab. Ich liebte Schmetterlinge. Doch es war nicht nur ihre Schönheit vor der ich Achtung hatte, sondern das Leben dass sie führten. Sobald sie sich von ihrem elendigen, weniger bedeutungsvollen Dasein als Raupe in ein wunderbares beflügeltes Insekt entpuppt hatten, konnten sie dorthin reisen, wo ihre Wege sie führten. Jede Blume und jede Wiese ist ein prachtvolles Geschenk Mutter Naturs, die nur darauf wartete bis ihre Kinder zu solchen Wesen heranwuchsen, um diese dann mit der freien Natur zu beglücken. Plötzlich flog mein kleiner Freund davon. Er flog so gleichmäßig und schnell, bis nurnoch ein schwacher Lichtschein von Azurblau zu vernehmen war. Tränen stiegen in mir auf als er mich verließ.


Auf keinen Fall wollte ich, dass er mich alleine ließ. An diesem Ort, in welchem ich mit nachtschwarzen Armen vom Korridor begrüßt wurde. So rannte ich ihm hinterher. Der Korridor erstreckte sich ins endlose. Meine Beine brannten, mein Atem wurde flacher. Mit jedem weiteren Schritt den ich tat bekam ich mehr und mehr das Gefühl die Luft würde dünner werden. Schlussendlich brachte mich mein rasendes Herz und die in Schweiß gezeichnete Erschöpfung zum stehen. Nachdem ich eine Weile lang mich aufs gleichmäßige Ein- und Ausatmen konzentriert hatte, blickte ich hinauf. Ein ganzer Schwarm voller prachtvoller Schmetterlinge, dessen Flügel in ein Azurblau getaucht waren flog seine Kreise. Von irgendwoher schien auch endlich ein kleiner Schein Licht hereinzubrechen, selbst wenn es so schwach und matt war, wie das eines Mondes. Es unterstützte das atemberaubende Spektakel umso mehr.


„Du findest sie auch schön, nicht wahr?“, ertönte eine tiefe, nahezu dämonische Stimme aus dem Nichts. Ich hätte erwartet dass jene Stimme unter den kahlen Wänden wiederhallen würde, doch diese schien sie nur zu verschlingen. Zögernd trat ich einen Schritt näher ins Licht, ehe ich mit einem Nicken meine Zustimmung bedeutete. Egal wo ich auch hinschaute; nirgends konnte ich die Gestalt erblicken, die ihre Worte mit mir wechselte. Letztendlich sah ich sie doch. Sie stand inmitten des Meeres aus Schmetterlingen und streckte ihre Arme empor. Sie waren mit einem Gemisch aus Azurblau und Schwarz versehen, wobei die Schwärze eindeutig dominierte. Als eben diese bemerkte, wie ich sie voller Staunen und Neid beobachtete, zeichnete sich ein schiefes Lächeln auf ihren Lippen. Worauf wartest du? Werde frei! Werde ein Teil von uns!, formte sie tonlos und streckte mir einladend eine Hand entgegen.


Wie in Trance lief ich, ohne auch nur einmal den Blick, von meinem Gegenüber zu wenden, in das Meer meiner Lieblingsinsekten hinein. Zwei eiskalte Hände erfassten mich, doch diese Kälte ging wie ein leichter Windhauch an mir vorbei. Erst als ich aus meinem „schlafenden“ Zustand erwachte, erkannte ich, wer dieses Wesen war, dass mir zur Freiheit verhalf. Es war niemand anderes als ich selbst gewesen. Getaucht in den Farben meiner freien Begleiter. Nun sah ich mit an, wie meine prachtvollen Freunde langsam ihre Farbe verloren. Ihr wunderbares Blau zerfloss wie Wasser aus ihren Flügeln und tropfte auf den harten Betonboden. Fassungslosigkeit und Panik zeichneten sich auf meinem Antlitz ab, während ich mein Ebenbild anblickte, doch dieser lächelte nur mäßig.


Der kreisende Schwarm, welcher anfangs einen großen Abstand aufwies, wurde immer enger und enger. Ich spürte ihre schnellen Schläge auf meiner Haut. Ich war gezwungen meine Augen fest zusammenzupressen, um ihre bohrenden Füller nicht in meinen Sehorganen wiederzufinden. Wie ein kleines Kind, klammerte ich mich an meinem Gleichnis fest. Nach einer gefühlten Ewigkeit, spürte ich einen leichten Windhauch, der meine Wunden brennen ließ und einen unangenehmen Geruch offenbarte.  Es roch nach verbranntem Fleisch. Als ich meine Lider langsam wieder öffnete, besah ich mich einem panischen Haufen voller Menschen, die die nackte Angst in ihren Augen und in ihren kreischenden Stimmen offenbarten. Der Wald in welchem ich meine Wenigkeit wiederfand brannte lichterloh. An einigen Bäumen, dessen Flammen am Stamm leckten, hingen ebenfalls Menschen. Ihre leblosen Körper, pendelten leicht im Wind hin und her.


Plötzlich vernahmen meine Ohren einen restlosen Versuch nach Luft zu schnappen. Meine Sehorgane blickten einen alten Mann, der verkrümmt und schwer atmend dalag. Seine Kleidung war bis auf wenige Stellen mit Blut befleckt und in seiner rechten Hand hielt er einen halbtoten Schmetterling. Vorsichtig entnahm ich eben diesen aus der großen, verschwitzen Hand des alten Mannes und küsste ihm auf die samtweichen Flügel. Zu sehen, dass die Menschen den Wald absichtlich in Brand setzten oder diese mit ihren Maschinen gänzlich vernichteten, brach mir das Herz. Wie konnte man meinen Freunden nur so etwas antun? „Niemand wird euch mehr etwas antun. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn man seine Brüder und Schwestern verliert, doch habt keine Angst. Ich bin für euch da. Ich werde all die bösen Menschen fortschaffen, die es je wagten euch etwas anzutun. Euch oder eurem zu Hause,“ erklärte ich meinem Freund der Natur und schlug dem bereits halbtoten meine Faust ins Gesicht. Blut spritzte und beschmutzte meine Hand. Das süße Blut meiner Feinde, dachte ich zufriedenstellend.


Das letzte, was ich in dieser Nacht von mir gab, ehe ich mit den restlichen meiner Freunde an einen anderen Ort zog, war ein Schwur, der mich bis zum Lebensende begleiten sollte: „Ich schwöre es bei meiner Macht, die mir Mutter Natur gab: Ihr werdet von all dem schlechten auf der Erde erlöst sein und wenn dies sein Ende nehmen sollte, dann… sind wir frei!“ Den Rest meines Weges ging ich in Begleitung eines hysterischen Lachens. Wissend, dass ich gemeinsam mit meinem anderen Ich triumphieren werde!    


Geschrieben von: BlackRose16 (Diskussion) 12:05, 5. Mai 2017 (UTC) 

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