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Du fährst eine einsame neblige Landstraße hinauf. Loser Schlamm klatscht an die Reifen und den Unterboden deines Fahrzeuges. Getrieben von Sensationsgier versuchst du, in den dunklen Shilouetten an den graugrünen, vom Nebel verhangenen Feldern menschliche Gestalten zu erkennen. Deine Scheinwerfer durchschießen kegelförmig den weißen Dunst, der über dem schlammigen, nassen Asphalt hängt. Zu deiner linken Seite gleiten schwere, nebelgetränkte Tannen vorbei, während du zu deiner Rechten traurige graue Wiesen mit leeren Futterkrippen auf leeren, eingezäunten Weiden siehst. Es ist Nacht. Und das reizvolle daran, so denkst du, ist, dass sich außerhalb der Lichtkegel der Scheinwerfer jede nur erdenkliche Kreatur befinden könnte, und du würdest sie nicht sehen können, bis du sie vielleicht für den Bruchteil einer Sekunde mit dem Rand der Scheinwerfer streifst; vielleicht ein Stück blutiges Fell oder ein unterkieferloses menschliches Grinsen eines Gesichts ohne Kopf und Körper direkt am Waldrand, von wo aus es dich anstarrt. Du grinst, als dir eine Gänsehaut über den Rücken läuft. Aber du hast dir schon immer gerne Angst gemacht.

Das gleichmäßige Vibrieren des Motors von deinem alten Geländewagen beruhigt dich - oder gibt dir wenigstens das Gefühl, nicht alleine zu sein. Das kleine Licht an der Decke des Wagens ist eingeschaltet, um nebenher die Wegbeschreibung lesen zu können, die dich aus dem Wald herausführt. Der Restalkoholgehalt in deinem Blut macht das Ganze nicht unbedingt einfacher. Vielleicht, denkst du, solltest du dich nächstes Mal von jemandem nach Hause bringen lassen. Du merkst, wie die Heizung des kastenförmigen Wagens deinen Oberkörper mit warmem, modrigem Atem anhaucht. Du stellst genervt fest, dass du auf die Toilette musst. 

Bei der nächsten Abzweigung hältst du rechts an und steigst aus dem Wagen. Die kalte, feuchte Nachtluft empfängt dich.

Du glaubst, etwas zu hören, und siehst dich vorsichtig um, aber du erkennst nichts. Etwas verunsichert machst du ein paar Schritte in den Wald und lauschst erneut. Stille. Aber dennoch fühlt es sich seltsam an, als ob da irgendetwas.. nun ja, als ob dich jemand...

...beobachten würde?

Dieser Gedanke ist lächerlich, das weißt du. Welcher normale Mensch sollte denn schon wildfremde Leute nachts im Wald beobachten?

Aber erneut hältst du still. Du glaubst, aus der Ferne eine Art Lachen zu hören, und obwohl es weit weg ist, klingt es dir in den Ohren, als wäre da eine klare, helle Glocke direkt neben deinem Kopf. Doch bei näherer Betrachtung, denkst du, klingt es doch eher wie eine Kuhglocke. Vielleicht gibt es hier ja irgendwo Kühe, außerhalb des Waldes, sagst du dir, und versuchst dabei die eiskalte Stimme in deinem Kopf zu ignorieren, die dir sagt, dass das Ende des Waldes noch eine halbe Stunde Fahrzeit von dir entfernt ist.

Du versuchst, ruhig zu bleiben und lachst über deine eigene Angst, auch wenn dir doch nicht so ganz wohl bei der Sache ist. Als du zurück zu deinem Auto gehst, fällt dir ein Sack auf, der etwa drei Meter vor deinem Auto liegt. Du musst ihn vorhin wohl übersehen haben. 

Um dein Auto nicht zu beschädigen, beschließt du, ihn wegzuräumen. Mit vorsichtigen Fingern willst du ihn aufheben, aber er ist schwerer, als gedacht. Da deine Scheinwerfer sowieso noch an sind, riskierst du es, einen Blick hineinzuwerfen. Du löst die Schnur und findest haufenweise Gartenabfälle, die du in den Wald entsorgst. 

Als du wieder im Auto sitzt, merkst du erst, wie sehr dich die ganze Situation beunruhigt hat. Als die Anspannung von dir fällt, musst du laut lachen. Du fährst erleichtert, aber immer noch zitternd, weiter durch den Wald. Inzwischen kommt es dir schon fast lächerlich vor, das Läuten von Kuhglocken für ein Lachen gehalten zu haben.

Hättest du doch nur schon eher das kleine, seltsame Mädchen bemerkt, das vorhin in dein Auto gestiegen ist.

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