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Die obere Etage war nicht beleuchtet, doch heute störte es mich nicht wie sonst. Dieses Mal gab es anscheinend keinen Grund mich daran zu erinnern, welches Unbehagen mir die Dunkelheit in unserem Haus immer bereitete. Es ist nicht so, dass ich wirkliche Angst verspüre, aber ein verstörender Schauer jagt mir sonst den Rücken hinunter und in solchen Situationen fange ich an mir Sachen einzubilden. Ich umgehe das mit ganz einfachen Methoden. Alle Lichtschalter und den Fernseher im Nebenraum an und alles lauter machen als sonst. Heute aber nicht. Im Halbdunkel berührte ich das Treppengeländer und ging die Stufen nach oben. Meine Gedanken schwirrten in verschiedenen Sphären, möglicherweise dachte ich an morgen, das kommende Wochenende oder den bevorstehenden Valentinstag. Diese Unkonzentriertheit äußerte sich in einem verträumten Blick auf die Stufen, welche ich hinaufstieg. Der weiche Teppichboden unter meinen Füßen war angenehmer als sonst, denn meine nackten Füße waren noch ganz kalt von den Küchenfliesen. Oben angekommen hatte ich das simple Ziel in mein Zimmer zu gehen, nur ein ganz kurzes Stückchen Flur, doch ich blieb stehen.

Mein Körper blockierte, nichts konnte ich mehr bewegen. Ekel durchfuhr mich, dasselbe Gefühl wenn man weiß, dass ein Geschwisterkind in der Nähe lauert um einen zu erschrecken. Wenn mein Körper sich schon nicht bewegen konnte, sollte mein Kopf doch weitermachen. Jedoch wuselten meine Gedanken in alle Richtungen, ich konnte nicht klar denken und mir selbst erklären was hier vor sich ging. Alles geschah im Bruchteil einer Sekunde und doch gab es eine physische Kraft die anscheinend verblieb und mein Kopf begann sich unkontrolliert zur Seite zu bewegen. Wieder ein Gefühl von Kälte, Verderben und Schutzlosigkeit. Es kribbelte. Die Tür zum kleinen Zimmer, neben dem meinen, stand offen. Sie war ganz sicher vorhin noch geschlossen. Ganz sicher. Ich bin allein.

Das Zimmer war ein Überbleibsel beim Hausbau gewesen. Es war durch das Dach mit einer Schräge versehen, die es zu einem relativen kleinen, gemütlichen Rückzugsort machte. In ihm war eine U-förmige Couch, ein Bild an der Wand und der Teppichboden des Flurs, nichts weiter. Das alles war nun in der schwarzen Finsternis der oberen Etage nicht zu sehen. Das matte Licht von unten, das von den hellen Wänden noch schwach reflektiert wurde, lag nur sanft auf meinem Rücken, der Tür zu meinem Zimmer und der halb aufstehenden Tür des Couchzimmers. Angst stieg in mir hoch, die ich nicht begründen wollte, keine Absicht lag in mir ein Bild von dem zu malen, was mir dieses Gefühl bereitete. Ich wusste, dass es sonst schlimmer werden würde.

Das ganze Haus war ruhig. Alle Fenster waren geschlossen, sodass nicht einmal die Geräusche der grünen Natur, welche ebenfalls in tiefste Nacht  gehüllt war, in das Haus eindrangen. Nur mein Atem und das warme Geräusch meines Blutes. Als ob ich in mich selbst hören könnte. Ich versuchte mich auf Geräusche aus dem Zimmer zu konzentrieren, aber nichts. Endlich begann mein Kopf mitzudenken. Was soll in dem Zimmer sein? Hat ein Windzug beim durchlüften vorhin die Tür geöffnet? Muss ich jetzt einfach Angst haben weil ich allein bin? Renn ich schnell in mein Zimmer? Diese Idee verwarf ich schnell, denn die widerliche, betäubende Angst welche sich in  etwas Unsichtbares manifestieren würde, mir ins Zimmer hinterherrennt ist schlimmer, als jede Realität. Mir wurde noch kälter. Wieder bewegte sich mein Körper scheinbar unkontrolliert. Meine Hand griff nach vorn, noch nicht nah genug an der Tür, aber schon kam mein Fuß hinterher und ehe ich mich zusammennehmen konnte, stand ich im Türrahmen zur totalen Finsternis. Ich öffnete die Tür noch ein Stück. Ich konnte selbst nicht begreifen was ich tat. In wenigen Sekunden versuchte ich das Zimmer zu analysieren. Das große Fenster an der Dachschräge ließ einen klaren, weißen Mondschein ins Zimmer. Wie ein Scheinwerfer auf der Bühne warf er sich in den Raum und das was er nicht beschien, war schwarz. Ein Stück der roten Couch leuchtete im Kegel des Mondlichts. Dann sah ich, anscheinend aus einer dunklen Ecke des Sofas, sein Gesicht. Er grinste. Die weißen Zähne, die dunkle Gestalt noch immer verschmolzen mit der Couch. Nur wenige Sekunden vergingen, doch gleich sitze ich neben ihm. Ich weiß es, ganz sicher. Und dass ich sterben werde, ist auch sicher.

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